Plaquenil® (Hydroxychloroquin) – Umfassende Produktinformation für Patienten in Deutschland
Basisinformationen zum Arzneimittel
- Wirkstoff (INN): Hydroxychloroquin
- Handelsnamen in Deutschland: Plaquenil® (Sanofi-Aventis), Generika (z.B. Hydroxychloroquin-ratiopharm)
- ATC-Code: P01BA02
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: Tabletten zu 200 mg
- Hersteller: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, diverse Generikahersteller
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig gemäß §48 AMG; nur auf ärztliche Verordnung erhältlich
Wirkmechanismus – Wie wirkt Hydroxychloroquin?
Plaquenil® enthält Hydroxychloroquin, ein Arzneimittel, das ursprünglich gegen Malaria entwickelt wurde und nun vor allem bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird.
Für Patienten: Es wirkt, indem es überschießende Abwehrreaktionen des Immunsystems beruhigt. Dadurch werden Entzündungen, Schmerzen und Schübe bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus erythematodes verringert.
Für Spezialisten: Hydroxychloroquin lagert sich in Zellen ein – vor allem in Lysosomen – und verändert dort den pH-Wert, beeinflusst antigenpräsentierende Zellen, unterdrückt Toll-like-Rezeptoren und hemmt Freisetzung von Zytokinen (u.a. Interferon und TNF-alpha). Dies reduziert die Immunaktivierung und die Gewebezerstörung bei Autoimmunerkrankungen.
Pharmakokinetik (Aufnahme, Verstoffwechselung, Ausscheidung, Wirkdauer)
- Resorption: Nach oraler Einnahme werden 70 %–80 % des Hydroxychloroquins im Darm aufgenommen.
- Verstoffwechselung: Hauptsächlich in der Leber (CYP2C8, CYP3A4), Umwandlung zu zwei aktiven Metaboliten.
- Ausscheidung: Vorwiegend über die Nieren (Urin), geringe Menge im Stuhl.
- Wirkdauer/Halbwertszeit: 30–60 Tage; lange Speicherung im Gewebe, weshalb die Wirkung – auch nach dem Absetzen – nachklingen kann.
Anwendung im Alltag & Best Practices
Plaquenil® wird als Tablette eingenommen.
Typische Dosierung: Erwachsene nehmen meist 1 Tablette mit 200 mg morgens und abends ein (Gesamtdosis: 400 mg/Tag). Für bestimmte Indikationen oder bei älteren Patienten kann die Dosis auf 200 mg reduziert werden.
Die Tabletten sollen mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit, um konstante Wirkspiegel zu halten.
Empfohlener Start: Die Wirkung kann schleichend einsetzen – erste Verbesserungen meist nach 4–12 Wochen.
Einnahme morgens oder abends?
- Vormittag: Einnahme zur Mahlzeit kann Magenbeschwerden vorbeugen und unterstützt eine gute Verträglichkeit.
- Abend: Wenn Müdigkeit als Nebenwirkung auftritt, bevorzugen manche Patienten die abendliche Einnahme.
- Hauptsache Regelmäßigkeit: Immer zur gleichen Zeit; Einnahmezeitpunkt kann individuell angepasst werden.
Einnahme zu oder nach den Mahlzeiten?
Mit Mahlzeiten einnehmen! Da Hydroxychloroquin gelegentlich den Magen reizen kann, empfiehlt das Robert Koch-Institut sowie die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie die Einnahme zu einer Hauptmahlzeit – typisch in Deutschland ist dies das Frühstück oder Abendessen. Deutsche Ernährung ist abwechslungsreich; fett- oder proteinreiche Kost beeinflusst die Wirkung nicht klinisch relevant.
Interaktionswarnungen
| Interaktionspartner | Warnhinweis/Tipp |
|---|---|
| Antazida (z. B. Rennie®, Maaloxan®) | Gleichzeitige Einnahme vermeiden, da die Aufnahme von Hydroxychloroquin reduziert werden kann. Mindestens 4 Stunden Abstand! |
| Alkohol | Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum. Leberbelastung möglich. |
| Medikamente mit QT-Verlängerung (z. B. Amiodaron, gewisse Antibiotika) | Zusätzliches Risiko für Herzrhythmusstörungen! |
| Blutzuckersenkende Medikamente (z. B. Insulin, Sulfonylharnstoffe) | Hydroxychloroquin kann Blutzucker senken – Gefahr von Unterzuckerung. Regelmäßig Blutzucker kontrollieren! |
| Immunsuppressiva (z. B. Methotrexat, Azathioprin) | Kann Wirkung und Nebenwirkungen verstärken. Nur unter ärztlicher Kontrolle kombinieren! |
Indikationen (Zulassung & Off-Label)
| Indikation | Zulassungsstatus | Kommentar |
|---|---|---|
| Rheumatoide Arthritis | Zugelassen | Chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung |
| Systemischer Lupus erythematodes (SLE) | Zugelassen | Standardtherapie bei SLE |
| Kutane/milde Formen des Lupus | Zugelassen | Behandlung von Hautlupus |
| Malaria (Prophylaxe und Therapie) | Off-Label (früher zugelassen; nicht erstattungsfähig in D) | Nur nach Rücksprache mit dem Tropenmediziner |
| Sjögren-Syndrom | Off-Label | In Ausnahmefällen bei symptomatischer Therapie |
| COVID-19 | Off-Label/Nicht empfohlen (EMA, BfArM) | Keine Routineanwendung, siehe aktuelle Leitlinien |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Indikation | Alter | Empfohlene Tagesdosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Rheumatoide Arthritis | Erwachsene | 2 × 200 mg (morgens/abends) | 400 mg |
| Ältere Patienten (>65 Jahre) | 1 × 200 mg oder 2 × 200 mg | 400 mg, ggf. reduziert | |
| Kinder (>6 Jahre, >35 kg) | Je nach Gewicht, i.d.R. 6 mg/kg KG/Tag | Unbedingt Dosierungskontrolle, max. 6,5 mg/kg KG | |
| Lupus erythematodes (SLE) | Erwachsene | 200–400 mg/Tag (Einmalgabe oder zwei Einzeldosen) | 400 mg |
| Andere Indikationen | Alle Altersgruppen | Gemäß ärztlicher Anweisung | Beachtung individueller Nieren-/Leberfunktion |
Hinweis: Bei eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion ist eine Dosisreduktion erforderlich. Die Dosierung nach Körpergewicht zum Schutz vor Netzhautveränderungen beachten (maximal 5 mg/kg tatsächliches Körpergewicht).
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Mögliche Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig / häufig |
|
| Gelegentlich |
|
| Selten / Sehr selten |
|
Warnhinweis: Regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchungen (Empfehlung: vor Therapiestart und jährlich ab dem 5. Anwendungsjahr)! Bei plötzlichen Sehproblemen bitte sofort den Arzt aufsuchen.
Richtige Anwendung – Tipps von Apothekern und Ärzten
- Regelmäßige Einnahme zur gleichen Zeit erhöht die Wirksamkeit und senkt das Risiko für Nebenwirkungen.
- Augenkontrollen vor Beginn und während der Therapie durchführen lassen.
- Nicht abrupt absetzen – Rücksprache mit behandelndem Arzt erforderlich.
- Tabletten niemals teilen, wenn keine Bruchrille vorhanden ist.
- Auf ungewöhnliche Symptome achten, v.a. Sehstörungen, Muskelschmerzen oder Herzklopfen.
- Bei Schwangerschaft/Kinderwunsch: Anwendung bitte engmaschig ärztlich abstimmen.
- Meldepflichtige Nebenwirkungen bitte dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (GKV-erstattete Medikamente in Deutschland)
- Methotrexat (MTX): Häufig genutztes Basismedikament bei rheumatoider Arthritis und SLE. Vorteil: starke Wirksamkeit; Nachteil: Lebertoxizität, Blutbildveränderungen.
- Leflunomid (Arava®): DMARD für Rheuma. Vorteil: orale Einnahme möglich; Nachteil: teratogen, regelmäßige Laborkontrolle erforderlich.
- Azathioprin: Immunsuppressivum, zugelassen für schwere Autoimmunerkrankungen. Vorteil: langfristige Erfahrung; Nachteil: erhöhtes Infektionsrisiko.
- Biologika (z.B. Adalimumab, Etanercept): Hochwirksame Antikörpertherapien, bei Versagen herkömmlicher Medikamente. Vorteil: gezielte Wirkung; Nachteil: sehr teuer, Infusions-/Injektionsform.
- Glukokortikoide (Cortison): Schnell wirksam bei Schüben. Vorteil: Soforthilfe; Nachteil: hohe Nebenwirkungsrate bei Langzeitgebrauch.
Auswahl und Kombination der Therapie erfolgen individuell nach Krankheitsaktivität, Patientenpräferenz, Begleiterkrankungen und den Vorgaben der jeweiligen Krankenkasse. Die genannten Alternativen sind alle grundlegend GKV-erstattungsfähig (Stand: 2024).
Rechtlicher Status, Registrierung und Erstattung (Deutschland)
- Zulassung: Plaquenil® ist für die genannten Indikationen gemäß BfArM und EMA zugelassen.
- Apothekenpflichtig: Abgabe nur in öffentlichen Apotheken gegen Vorlage eines gültigen ärztlichen Rezepts (§48 AMG).
- Erstattung: Im Regelfall durch gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bei den zugelassenen Indikationen. Off-Label-Anwendungen müssen meist gesondert beantragt werden.
- Pharmakovigilanz: Meldung von Nebenwirkungen über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Aktuelle Forschung und klinische Leitlinien (2022–2025)
- Neueste Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und BRAHMS-Leitlinien (2023): Hydroxychloroquin bleibt Mittel der Wahl für SLE und bestimmte rheumatoide Arthritis-Formen – unter Beachtung augenärztlicher Kontrolle.
- Gegen den Off-Label-Einsatz bei COVID-19 warnen EMA, BfArM und DGRh ausdrücklich; negative Risiko-Nutzen-Bewertung.
- Forschungslage bekräftigt Netzhauptrisiko ab >5 Jahren, daher Überwachung strikt empfohlen (Deutsche Rheuma-Liga).
- Neue Studien (z.B. EULAR 2023): Kein Hinweis auf zusätzliche Krebsvorsorgepflicht (Standard reicht); keine Interaktion mit typischer deutscher Ernährung.
Verfügbarkeit und Lieferung
| PZN (Packungsgröße) | Anzahl Tabletten | UVP/Preis (ca., Stand 2024) | Lieferzeit: Berlin | Lieferzeit: München | Lieferzeit: Hamburg | Lieferzeit: Frankfurt/Main |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 06833026 | 60 Tabletten | ca. 33 € | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1 Werktag | 1–2 Werktage |
| 06833032 | 100 Tabletten | ca. 52 € | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1 Werktag | 1–2 Werktage |
| Hinweis: Standzeiten können durch Lieferengpässe variieren. Bei Bedarf Alternativpräparate erfragen. | ||||||
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie schnell wirkt Plaquenil®? Muss ich sofort mit einer Besserung rechnen?
Erste Anzeichen für eine Besserung zeigen sich meist nach 4–12 Wochen. Die volle Wirkung kann erst nach mehreren Monaten eintreten. Bitte Therapie nicht abbrechen, auch wenn die Wirkung anfangs zu wünschen übrig lässt. - Ist eine besondere Ernährung unter Plaquenil® nötig?
Nein, während der Therapie ist keine spezielle Diät notwendig. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost – wie sie in Deutschland üblich ist – ist ausreichend. Bei Unverträglichkeit einfach zu den Hauptmahlzeiten einnehmen. - Was muss ich bei langfristiger Einnahme beachten?
Ganz wichtig: Regelmäßige augenärztliche Kontrolle! Melden Sie neue Sehstörungen, Farbveränderungen oder andere Symptome sofort Ihrem Arzt oder Apotheker. Die Dosis richtet sich stets nach Ihrem tatsächlichen Körpergewicht. - Darf ich Plaquenil® in Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen?
Die Anwendung ist bei bestimmten Autoimmunerkrankungen möglich, muss aber immer ärztlich überprüft werden. Risiko-Nutzen-Abwägung ist erforderlich. Stillen nur nach Rücksprache! - Kann ich Plaquenil® bei einem Lieferengpass durch ein Generikum ersetzen?
Ja, es sind mehrere Generika zugelassen, die den gleichen Wirkstoff enthalten und in Deutschland verfügbar sind. Ihr Apotheker hilft Ihnen bei der Auswahl eines verfügbaren Präparates.
Diese fachlich geprüfte Information ersetzt nicht die individuelle Beratung in Arztpraxis oder Apotheke. Für alle Fragen zur Anwendung, Dosierung oder Verträglichkeit wenden Sie sich bitte direkt an Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Apotheke.

