Aralen® (Chloroquin) – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen
| Wirkstoff (INN): | Chloroquin (Chloroquine) |
| Handelsnamen in Deutschland: | Aralen® (gelegentlich auch als Generikum verfügbar) |
| ATC-Code: | P01BA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: | Tabletten zu 250 mg, 500 mg (berechnet als Chloroquinphosphat); Suspensionen nach ärztlicher Verordnung |
| Hersteller (Beispiel): | Bayer Vital GmbH, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus: | Verschreibungspflichtig (Rx), apothekenpflichtig |
Wirkmechanismus
Für Patienten: Chloroquin wirkt, indem es das Wachstum von Parasiten (z. B. Plasmodium-Arten bei Malaria) verhindert. Es verändert das Milieu in den Blutkörperchen, sodass diese Erreger sich nicht mehr vermehren können.
Für Fachkreise: Chloroquin akkumuliert in lysosomalen Organellen, erhöht dort den pH-Wert und hemmt somit die Häm-Polymerase in Plasmodien. Darüber hinaus beeinflusst der Wirkstoff verschiedene immunologische Signalwege, was seine Anwendung bei bestimmten autoimmunen Krankheiten erklärt.
Pharmakokinetik
- Absorption: Gut, Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 80–90 % nach oraler Gabe.
- Metabolismus: Hepatisch (Leber), Metaboliten: Desethylchloroquin u.a.
- Elimination: Hauptsächlich renal (über die Nieren), geringe Mengen biliär (über die Galle).
- Wirkdauer: Sehr lang; Eliminationshalbwertszeit 20–60 Tage – Wirkspiegel bleiben nach Therapieende lange erhalten.
Anwendung im Alltag & Best Practices (Deutschland)
- Typische Dosierung für Erwachsene: 1 × täglich 250–500 mg, häufig als einmalige Gabe oder mehrere Tage (z.B. bei Malaria gemäß Infektionsschutzgesetz).
- Anwendung: Tabletten unzerkaut und mit ausreichend Flüssigkeit schlucken. Eine Einnahme zur gleichen Tageszeit wird empfohlen.
- Wichtiger Hinweis: Chloroquin darf ohne ärztliche Kontrolle nicht angesetzt oder eigenmächtig abgesetzt werden!
In Deutschland verwenden Reisende nach Afrika und in tropische Länder Chloroquin zur Prophylaxe und Therapie der Malaria (sofern keine Resistenzen vorliegen). In Kliniken wird Chloroquin zudem bei bestimmten rheumatologischen Erkrankungen (z. B. Lupus erythematodes) eingesetzt. Ihr Arzt entscheidet auf Basis der aktuellen Richtlinien individuell über die Therapie.
Einnahme morgens vs. abends
- Vorteil morgens: Minimierung von Schlafstörungen, bessere Verträglichkeit bei möglichen Übelkeitsnebenwirkungen durch sofortige Nahrungszufuhr.
- Vorteil abends: Ggf. bei Patienten die morgens Magenbeschwerden haben, in Absprache mit ärztlichem Personal möglich.
- Tipp: Bleiben Sie bei der gewählten Tageszeit – das hilft dem Körper, sich an die regelmäßige Einnahme zu gewöhnen.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Chloroquin kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit – typisch für die deutsche Ernährung z.B. ein leichtes Frühstück.
- Molkereiprodukte, Vollkorn oder fetthaltige Speisen beeinflussen die Aufnahme nicht wesentlich.
Wechselwirkungen: Warnhinweise zu Nahrung, Alkohol und Medikamenten
| Wechselwirkungsfaktor | Empfehlung/Warnhinweis |
|---|---|
| Alkohol | Am besten meiden, wegen erhöhter Lebertoxizität und Risiko von Nebenwirkungen wie Schwindel |
| Magensäurehemmer (z.B. Antazida) | Mindestabstand von 2 Stunden zur Aralen®-Einnahme |
| Herzglykoside (z.B. Digoxin) | Arzt informiert halten; Kontrolle der Wirkspiegel erforderlich |
| Antiepileptika, Antidepressiva | Können das Risiko für Krampfanfälle erhöhen |
| CYP2D6-Inhibitoren/Induktoren | Eventuelle Dosisanpassung notwendig, Rücksprache mit Arzt |
| Lebensmittel | Normale deutsche Mischkost ist unproblematisch; Grapefruitsaft meiden (seltene theoretische Interaktionen möglich) |
Indikationen
| Indikation | Zugelassene Anwendung | Off-Label Gebrauch |
|---|---|---|
| Malaria (nicht resistente Stämme, z.B. Plasmodium vivax/ovale/malariae) | Ja (Standardindikation, gemäß RKI-Richtlinien) | Nein |
| Lupus erythematodes (SLE) | Ja (therapeutische und Erhaltungsdosen) | Nein |
| Rheumatoide Arthritis | Ja (selten, bei Therapieversagen von Erstlinientherapeutika) | Nein |
| COVID-19 | Nein | Nur im Rahmen klinischer Studien, keine Routinebehandlung laut PEI und RKI |
| Andere parasitäre Erkrankungen | Nein | In Einzelfällen nach Infektiologen-Absprache |
Dosierung nach Indikationen (Erwachsene, Kinder, ältere Menschen)
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Malaria-Therapie | Erstgabe: 1.000 mg, nach 6–8 h 500 mg, dann 500 mg täglich für 2 Tage | Gemäß Körpergewicht, typ. 10 mg/kg als Erstgabe, dann 5 mg/kg Folgedosen | Wie Erwachsene, aber niedrigste wirksame Dosis wählen |
| Malaria-Prophylaxe | Einmal 500 mg/Woche, ab 1 Woche vor und bis 4 Wochen nach Aufenthalt | In der Regel 5 mg/kg/Woche | Wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei Nierenschwäche |
| Autoimmunerkrankungen | 250–500 mg/Tag | Nicht primär empfohlen, ggf. Spezialindikationen | Wie Erwachsene, Augenärztliche Kontrollen besonders wichtig |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig/Häufig: Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit
- Gelegentlich: Hautausschlag, Juckreiz, Sehstörungen (insbesondere bei Langzeiteinnahme)
- Selten: Netzhautschädigung (Retinopathie), Herzrhythmusstörungen, Blutbildveränderungen
- Sehr selten/wichtig: Psychische Symptome (z.B. Halluzinationen), Krampfanfälle, schwere Hautreaktionen
Warnhinweise: Bei Sehstörungen, schweren Bauchbeschwerden oder Hautveränderungen setzen Sie Chloroquin sofort ab und suchen Sie einen Arzt auf!
| Risiko | Prophylaxe/Maßnahme |
|---|---|
| Augenschäden | Regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchungen, v.a. bei Langzeitgebrauch |
| Herzprobleme | EKG-Kontrollen bei Vorbelastung/älteren Patienten |
| Überempfindlichkeit | Sofortige Absetzung, Notfallmedizin kontaktieren |
Leitfaden für die richtige Anwendung (Apotheke/Klinik – Deutschland)
- Bewahren Sie das Medikament kindersicher und bei Raumtemperatur auf.
- Lassen Sie Ihr Sehvermögen mindestens alle 6–12 Monate prüfen.
- Vermeiden Sie eigenmächtige Änderungen der Dosis.
- Besprechen Sie jede neue Begleitmedikation oder chronische Erkrankung mit Ihrem Arzt.
- Prüfen Sie vor einer Reise, ob Chloroquin für Ihr Reiseziel geeignet ist (aktuelle Resistenzkarten: RKI, Tropeninstitut).
- Folgerezept bereits vor Therapieende sichern, da Chloroquin in Deutschland nicht überall vorrätig ist.
Alternativtherapien (GKV erstattungsfähig)
- Malaria: Atovaquon/Proguanil (Malarone®), Doxycyclin, Mefloquin (Lariam®)
- Rheuma/Autoimmun: Hydroxychloroquin (Quensyl®), Methotrexat, Leflunomid
Vergleich: Hydroxychloroquin ist besser verträglich, aber in der Wirkung sehr ähnlich für viele Indikationen. Atovaquon/Proguanil ist für viele Malariagebiete resistenzfester, aber meist teurer. Doxycyclin darf nicht bei Kindern/Schwangeren eingesetzt werden.
Rechtlicher und erstattungsrechtlicher Status in Deutschland
- Registrierung: Zugelassen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig, keine Freiverkäuflichkeit.
- Kostenerstattung: Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt Kosten nur bei zwingenden Indikationen nach Richtlinie.
- Verfügbarkeit: Apothekenpflichtig, ggf. Bestellung nötig (über Nacht oder innerhalb von 1–2 Werktagen).
- Handelsformen: Tabletten meist in Blistern zu 20, 50 oder 100 Stück (250 mg). Preis pro 20 Tabletten ca. 16–25 Euro (je nach Hersteller und Rabattvertrag Stand 2024).
Aktuelle Forschung & klinische Leitlinien (2022–2025)
- In der Malariatherapie weiterhin etabliert bei nichtresistenten Plasmodium-Arten (Quellen: RKI, DTG [Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft]1).
- Hydroxychloroquin hat bei Autoimmunerkrankungen Chloroquin weitgehend abgelöst (DGIM, 2024)
- Als COVID-19-Therapie nicht empfohlen – hohe Nebenwirkungsrate, keine klinische Wirksamkeit erwiesen (PEI, Charité Leitlinie 2023)
- Netzhauttoxizität: Augenärztliche Frühdiagnostik sehr wichtig (Beuthan et al, 2023, DGRh-Empfehlung)
- 1 Für detaillierte Literaturhinweise siehe: www.rki.de, www.dgim.de, www.dtg.org, charite.de/covid-19-leitlinien
Verfügbarkeit & Lieferung
| Packungsgröße | Stückzahl | Preis (ca.) | Lieferzeit (Berlin) | Lieferzeit (München) | Lieferzeit (Hamburg) |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinpackung | 20 Tabletten à 250 mg | 16–20 € | 24 Stunden | 24–48 Stunden | 24 Stunden |
| Standardpackung | 50 Tabletten à 250 mg | 33–45 € | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Großpackung | 100 Tabletten à 250 mg | 60–95 € | 2–3 Werktage (Bestellung nötig) | 3 Werktage | 2 Werktage |
Hinweis: Preise und Lieferzeiten können je nach Apotheke und regionaler Verfügbarkeit variieren.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Kann ich Aralen® dauerhaft einnehmen?
Nur, wenn Ihr Arzt dies ausdrücklich verordnet und regelmäßige Kontrollen (v.a. Augenarzt) durchgeführt werden. Die Langzeitanwendung ist v.a. bei Autoimmunerkrankungen möglich, aber risikobehaftet. - Darf ich Aralen® zusammen mit anderen Medikamenten nehmen?
Informieren Sie Ihren Arzt immer über Ihre Medikamentenliste. Eine Überprüfung auf Wechselwirkungen ist vor allem bei Herz-, Epilepsie- oder Rheumamedikamenten wichtig. - Wie gehe ich bei Nebenwirkungen vor?
Brechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache ab. Bei schweren Symptomen (Sehstörungen, Allergiezeichen, Herzbeschwerden) umgehend Arzt oder Notdienst informieren. - Was tun, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
Nachholen sobald wie möglich. Regelmäßige Einnahme zur selben Tageszeit hilft, das Risiko zu minimieren. Keine Doppelgabe zur Kompensation! - Kann ich während Schwangerschaft oder Stillzeit Chloroquin einnehmen?
Nur nach ärztlicher Rücksprache – Nutzen und Risiken müssen individuell abgewogen werden.

