Imipramin – Umfassende Patienteninformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Imipramin |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Tofranil®, Imipramin-neuraxpharm®, Imipramin Generika |
| ATC-Code | N06AA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (10 mg, 25 mg, 50 mg), Filmtabletten, Tropfen, Retardkapseln |
| Hersteller (Auswahl) | Sanofi Aventis, neuraxpharm, Meda Pharma, diverse Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig gemäß AMG §48) |
Wirkmechanismus
Für Patienten:
Imipramin ist ein sogenanntes trizyklisches Antidepressivum. Es wirkt, indem es bestimmte Botenstoffe im Gehirn, wie Serotonin und Noradrenalin, anhebt. Das hilft, Stimmung und Antrieb positiv zu beeinflussen.
Für Fachpersonal:
Imipramin hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin an den präsynaptischen Neuronen. Es hat zusätzlich anticholinerge, antihistamine und antiadrenerge Effekte.
Pharmakokinetik
- Absorption: Rasche und nahezu vollständige Resorption nach oraler Gabe; Bioverfügbarkeit ca. 44%
- Metabolisierung: Hepatisch, starker First-Pass-Effekt, Hauptmetabolit Desipramin (ebenfalls wirksam)
- Elimination: Über Niere (Urin) & teilweise über Faeces
- Halbwertszeit: 8–20 Stunden für Imipramin; Desipramin bis zu 30 Stunden
- Wirkdauer: 1–3 Tage bis zum Erreichen des Wirkungsspiegels; volle antidepressive Wirkung oft erst nach 2–4 Wochen
Im Alltag: Anwendung & Best Practices
- Imipramin sollte immer genau nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.
- Übliche Dosierung bei Erwachsenen zu Beginn: 25–50 mg täglich, gesteigert auf 75–150 mg; maximale Tagesdosis meist 200–250 mg.
- Bei Kindern, Älteren und Patienten mit Einschränkungen wird die Dosis individuell niedriger gewählt (siehe Dosierungstabelle).
- Imipramin ist für den langfristigen Einsatz geeignet, unter regelmäßigen ärztlichen Kontrollen.
- Nicht abrupt absetzen, sondern Dosierung langsam ausschleichen.
- Patienten in Deutschland können Imipramin meist in Tabletten oder Tropfenform erhalten; Tropfen eignen sich für eine feinere Dosierung, z.B. bei Kindern oder Dosiseinstellung.
Einnahme am Morgen versus am Abend
Viele Patienten nehmen Imipramin am Abend oder vor dem Schlafengehen, da anfangs Müdigkeit auftreten kann. In einigen Fällen, etwa bei Hauptsymptomatik der Tagesmüdigkeit, kann die Einnahme auf morgens oder auf geteilte Dosierungen (morgens + abends) erfolgen, je nach individueller Reaktion und Verträglichkeit.
- Vorteile abends: Günstig bei schlafanstoßender Wirkung und Unruhe am Abend.
- Vorteile morgens: Bessere Antriebssteigerung im Tagesverlauf; weniger Schlafstörungen.
- Tipp: Regelmäßige Einnahme zur gleichen Uhrzeit fördert den Therapieerfolg.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder auf nüchternen Magen?
Imipramin kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen, um mögliche Übelkeit zu reduzieren. Fett- oder ballaststoffreiche „typisch deutsche“ Ernährung (z.B. Abendbrot, Mischkost) beeinflusst die Wirkung in der Regel nicht wesentlich.
Interaktionswarnungen
| Kategorie | Zu beachten |
|---|---|
| Alkohol | Kann die sedierende Wirkung verstärken; erhöhtes Unfallrisiko und Nebenwirkungen möglich |
| Andere Antidepressiva | Kombination mit MAO-Hemmern ist kontraindiziert (Gefahr eines Serotonin-Syndroms); SSRI, SNRI und andere trizyklische Antidepressiva: Risiko für QT-Verlängerungen/Arhythmien |
| Blutdruckmittel | Wirkung kann abgeschwächt oder verstärkt werden |
| Anticholinergika | Verstärkte Nebenwirkungen wie trockener Mund oder Sehstörungen |
| Lebensmittel | Keine speziellen Kontraindikationen; Grapefruitsaft und Johanniskraut vermeiden |
| Analgetika | Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Opioiden und Schmerzmitteln (Atemdepression, Verstärkung zentralnervöser Effekte möglich) |
Indikationen (mit Tabelle)
| Indikation | Status | Hinweis |
|---|---|---|
| Depressive Erkrankungen | Zulassung | Erste oder zweite Wahl bei therapieresistenter Depression |
| Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen) bei Kindern ab 5 Jahren | Zulassung | Nur wenn organisch behandelbare Ursachen ausgeschlossen sind |
| Angststörungen | Off-Label | Im Einzelfall/bei Therapieresistenz |
| Chronische Schmerzen/neuropathische Schmerzen | Off-Label | Nicht standardmäßig, aber nach ärztlicher Abwägung |
Dosierungen nach Indikation, Alter und Patientengruppe
| Patientengruppe | Indikation | Empfohlene Dosierung |
|---|---|---|
| Erwachsene | Depression | Start: 25–50 mg abends, Steigerung auf 75–150 mg; Maximaldosis: 250 mg/Tag |
| Kinder (ab 5 J.) | Enuresis nocturna | Start: 10 mg abends, ggf. Steigerung auf 20–50 mg; Therapiezeitraum max. 3 Monate |
| Senioren (>65 J.) | Depression | Start: 10 mg, max. 50–75 mg/Tag (in Einzeldosis oder verteilt) |
| Erwachsene | Schmerzsyndrome (off-label) | Meist 25–75 mg/Tag, individuell anpassen |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Typische Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10 %) | Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Schwitzen, Gewichtszunahme, Obstipation (Verstopfung) |
| Häufig (1–10 %) | Sehstörungen, Herzrasen, Unruhe, Appetitsteigerung, Libido-/Potenzstörungen |
| Gelegentlich (0,1–1 %) | Verwirrtheit, Urtikaria, Tremor, Herzrhythmusstörungen |
| Selten (<0,1 %) | Krampfanfälle, Leberfunktionsstörungen, Suizidgedanken, Agranulozytose |
| Warnhinweise | QT-Verlängerung im EKG, hypertone Krise, Erhöhung des Sturz- und Unfallrisikos v.a. bei älteren Patienten |
Richtige Anwendung und Tipps für den Alltag in Deutschland
- Imipramin regelmäßig zur gleichen Tageszeit einnehmen.
- Keine Selbstmedikation, keine Änderung der Dosis ohne ärztliche Rücksprache.
- Vorsicht bei Maschinenbedienung und im Straßenverkehr, vor allem zu Beginn der Therapie.
- Blutdruck, Herz und ggf. Blutbild bei längerer Anwendung regelmäßig kontrollieren lassen.
- Kinder und Senioren sollten besonders engmaschig überwacht werden.
- Apotheker beraten gerne zur Tablettenteilung und Dosierung.
- Pappstreifen, Medikamentendosierer oder digitale Erinnerungen helfen, die Einnahme nicht zu vergessen.
Alternative Therapieoptionen (ausgewählte Erstattbare Präparate in Deutschland)
- Amitriptylin – ähnlich wirkend; stärker sedierend; ggf. bevorzugt bei Schlafstörungen
- Citalopram, Sertralin (SSRIs) – moderner, besser verträglich, geringeres Nebenwirkungsprofil; weniger wirksam bei schweren Depressionen
- Duloxetin, Venlafaxin (SNRIs) – bei komorbiden Angststörungen; breiteres Wirkspektrum
- Mirtazapin – schlafanstoßend, appetitsteigernd; gut geeignet bei Depression plus Schlaflosigkeit oder Appetitmangel
- Desipramin – für spezielle Fälle, individuell nach Facharztentscheidung
Alle oben genannten Alternativen sind in Deutschland zugelassen und durch die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erstattungsfähig, sofern verordnet.
Rechtliche Rahmenbedingungen, Zulassungs- & Erstattungsstatus in Deutschland
- Imipramin ist in Deutschland gemäß Arzneimittelgesetz (AMG) verschreibungspflichtig.
- Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- Leistungspflicht der Gesetzlichen und Privaten Krankenkassen (GKV/PKV) bei ärztlicher Indikation und Rezept.
- Listenführung im AMNOG-System. Erstattungsbetrag definiert durch G-BA.
- Rechte bei Bezug über Apothekenpflicht gemäß Arzneimittelgesetz §43.
Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- AWMF-Leitlinie Unipolare Depression (Version 2022): Trizyklische Antidepressiva wie Imipramin finden Einsatz insbesondere bei schweren oder therapieresistenten Depressionen.
Quelle: AWMF S3-Leitlinie 038-017 - Studienlage 2022–2024: Metaanalysen bestätigen die Wirksamkeit, jedoch höheres Risiko für Nebenwirkungen gegenüber modernen Antidepressiva. (Cipriani et al., Lancet Psychiatry 2023)
- Enuresis-Therapie bei Kindern: Empfohlener Einsatz nur, wenn Training/Motivationsprogramme vorab erfolglos und keine organischen Ursachen.
- Deutschland-spezifische Hinweise: Hausärzte und Psychiater sollen Nutzen und Risiken regelmäßig (halbjährlich) evaluieren; Empfehlung zur Individualisierung der Dosierung.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Preise, Lieferzeiten
| Packungsgröße | Preis (UVP)* | Lieferzeit (Berlin & Großstädte) | Lieferzeit (ländlicher Raum) |
|---|---|---|---|
| 50 Tabletten 25 mg | ca. 18 € | 1 Werktag | 2–3 Werktage |
| 100 Tabletten 25 mg | ca. 29 € | 1 Werktag | 2–3 Werktage |
| Flasche Tropfen (100 ml) | ca. 35 € | 1–2 Werktage | 3 Werktage |
| Retardkapseln (100 St.) | ca. 40 € | 1 Werktag | 2–3 Werktage |
*Preis je nach Apotheke, Region und Rabattvertrag variabel; Erstattung bei GKV-Verordnung
FAQ – Häufige Patientenfragen und Antworten
- Wie lange dauert es, bis Imipramin wirkt?
In der Regel bemerken Sie nach 1–2 Wochen erste Verbesserungen. Die volle Wirkung entwickelt sich häufig erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Einnahme. - Muss ich Imipramin immer zur gleichen Zeit einnehmen?
Ja, eine regelmäßige Einnahme, möglichst zur gleichen Tageszeit, verbessert die Wirkung und reduziert das Nebenwirkungsrisiko. - Kann ich mit Imipramin Auto fahren?
Zu Beginn oder bei Dosiserhöhung können Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auftreten. Bitte verzichten Sie auf das Fahren von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen, bis Sie wissen, wie Sie das Medikament vertragen. - Darf ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Alkohol kann die Wirkung (v.a. Müdigkeit, Unfallrisiko) verstärken und wird während der Imipramintherapie nicht empfohlen. - Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein. Liegt schon die nächste Einnahmezeit nahe, fahren Sie mit dem gewohnten Schema fort und nehmen Sie auf keinen Fall die doppelte Dosis.

