Compazine® (Prochlorperazin): Umfassende Produktinformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Prochlorperazin |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Compazine®, Emperin®, Stemetil® |
| ATC-Code | N05AB04 |
| Verfügbare Darreichungsformen | Tabletten (5 mg, 10 mg), Dragees, Zäpfchen (25 mg), Injektionslösung (12,5 mg/ml) |
| Hersteller (DE) | verschiedene Anbieter, u.a. GlaxoSmithKline, Aesica |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig nach AMG §48) |
Wirkmechanismus
Für Patienten: Prochlorperazin wirkt hauptsächlich, indem es bestimmte Botenstoffe (v.a. Dopamin) im Gehirn beeinflusst, die das Erbrechen und bestimmte psychotische Symptome steuern. Dadurch hilft es, Übelkeit und Erbrechen zu verhindern oder zu lindern und kann auch bei psychischen Beschwerden eingesetzt werden.
Für Fachpersonal: Prochlorperazin ist ein Piperazin-Derivat aus der Gruppe der Phenothiazine. Es blockiert D2-Dopaminrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem, wodurch die antiemetische und antipsychotische Wirkung erzielt wird. Geringe anticholinerge und sedierende Effekte ergänzen das Wirkspektrum.
Pharmakokinetik
- Absorption: Gute Resorption nach oraler Anwendung, Bioverfügbarkeit ca. 30–50% (First-Pass-Effekt).
- Metabolismus: Hepatisch (Leber), Metabolite werden über Urin und Galle ausgeschieden.
- Elimination: Halbwertszeit etwa 4–8 Stunden; aber verlängerte Wirkung bei Langzeitanwendung oder Leberinsuffizienz möglich.
- Wirkdauer: Etwa 6–12 Stunden, je nach Darreichungsform; Zäpfchen und Depotinjektionen wirken länger.
Anwendung im Alltag und empfohlene Vorgehensweise
Typische Dosierung: Je nach Indikation und ärztlicher Verordnung. Bei Übelkeit/Erbrechen meist 5–10 mg 2- bis 3-mal täglich (p.o.), bei Schwindel, Migräne oder psychischen Beschwerden abweichende Dosierungen möglich.
Anwendung: Tablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen. Zäpfchen nach Anweisung rektal anwenden. Injektionen werden meist im ärztlichen Umfeld gegeben.
Hinweise im deutschen Alltag: Beaufsichtigen Sie besonders ältere Menschen oder Patienten mit mehreren Vorerkrankungen bei der Einnahme. Verkehrstüchtigkeit beachten.
Morgens- vs. abends Einnahme
- Morgens: Vorteilhaft bei morgendlicher Übelkeit oder wenn tagsüber antipsychotische Wirkung gewünscht ist. Beachten Sie mögliche Müdigkeit als Nebenwirkung.
- Abends: Vorteilhaft zur Linderung nächtlicher Übelkeit. Unterstützt ggf. den Schlaf durch sedierende Effekte. Kann bei älteren Menschen zu erhöhter Sturzneigung führen.
- Tipp: Für gleichbleibende Wirkung Einnahmezeiten regelmäßig beibehalten; bei Unsicherheiten Rücksprache mit Apotheker*in oder Ärzt*in.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Die Einnahme kann unabhängig von Mahlzeiten erfolgen. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach einer leichten Mahlzeit (z. B. Vollkornbrot oder Joghurt, üblich in deutschen Frühstücksgewohnheiten), um Magenbeschwerden vorzubeugen.
Wechselwirkungen
| Interaktion | Beispielstoffe/-lebensmittel | Hinweis |
|---|---|---|
| Alkohol | Bier, Wein, Spirituosen | Verstärkung der sedierenden Wirkung, erhöhte Unfallgefahr—Vermeiden! |
| Antihypertensiva | ACE-Hemmer, Betablocker | Potenzielle Verstärkung des Blutdruckabfalls |
| Anticholinergika | Atropin, Oxybutynin | Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen |
| Antidepressiva/Antipsychotika | SSRIs, andere Neuroleptika | Erhöhte Gefahr für QT-Verlängerung und Krampfanfälle |
| Leberenzyminhibitoren | Makrolide, Azolfungizide | Plasmaspiegel von Prochlorperazin steigt; Nebenwirkungen möglich |
| Grapefruitsaft | Fruchtsäfte | Vorsichtsmaßnahme: Wechselwirkungen mit Lebermetabolismus nicht ausgeschlossen |
Indikationen und Off-Label-Anwendungen
| Indikation | Offiziell zugelassen | Off-label |
|---|---|---|
| Schwere Übelkeit und Erbrechen | Ja | — |
| Schwindelsyndrome | Ja | — |
| Psychotische Störungen | Ja | — |
| Migraine mit schwerer Übelkeit | — | Häufig als add-on |
| Therapie von Angstzuständen | — | Manchmal eingesetzt |
Dosierung nach Indikation (Erwachsene, Kinder, ältere Patienten)
| Indikation | Erwachsene (mg/Tag) | Kinder (mg/Tag) | Ältere Menschen (mg/Tag) |
|---|---|---|---|
| Übelkeit/Erbrechen | 5–10 mg, 2–3x täglich | 0,1 mg/kg, max. 10 mg/Tag | 5 mg, 1–2x täglich (mit Vorsicht) |
| Psychosen | 15–20 mg, verteilt auf 2–4 Dosen | — | individuell, niedrig beginnend |
| Schwindel | 5 mg, 3x täglich | 0,1 mg/kg, aufgeteilt | 5 mg, nach Verträglichkeit |
| Migraine | 10 mg zu Beginn, ggf. Wiederholung | — | wie Erwachsene, nur nach ärztlicher Anordnung |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Häufig/Gelegentlich:
- Schläfrigkeit, Müdigkeit
- Mundtrockenheit, Sehstörungen, Obstipation
- Blutdruckabfall (besonders beim Aufstehen)
- Selten:
- Extrapyramidal-motorische Störungen (vermehrtes Zittern, Muskelverkrampfungen)
- Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung)
- Gelbsucht, schwere Leberfunktionsstörungen
- Warnhinweise:
- Erhöhtes Suizidrisiko bei Depressionen
- Cave: ältere Patienten, Epilepsie, Demenz, Morbus Parkinson
- Absetzen/Wechsel nur nach ärztlicher Rücksprache
Richtige Anwendung (Apotheken-/Klinik-Tipps)
- Immer die ärztlich verordnete Dosierung und Anwendung beachten.
- Bei Nebenwirkungen oder unsicheren Situationen (z. B. neue Medikamente): Kontakt zur Apotheke oder behandelnden Arzt suchen.
- Regelmäßig Blutdruck und Bewusstsein beobachten, besonders bei älteren Menschen.
- Medikament nicht abrupt absetzen, Dosierungsänderungen nur mit ärztlicher Begleitung.
- Nicht mit Alkohol oder anderen dämpfenden Medikamenten kombinieren!
- Schwangerschaft und Stillzeit: Anwendung nur, wenn unbedingt notwendig und nach Rücksprache mit Arzt/Ärztin.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (GKV erstattungsfähig, Kurzbewertung)
| Wirkstoff | GKV-Erstattung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Domperidon | Ja, nach Richtlinie | Gute Verträglichkeit, weniger sedierend | QT-Verlängerungsrisiko |
| Metoclopramid | Ja, nach Richtlinie | Wirksam bei Übelkeit, Brechreiz | Extrapyramidal-nebenwirkungen |
| Ondansetron | Ja, bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit | Sehr gute Verträglichkeit | Nur für bestimmte Indikationen erstattungsfähig |
| Dimenhydrinat | Ja | Günstig, rezeptfrei | Starke Sedierung möglich |
Rechtlicher Status & Erstattungsfähigkeit in Deutschland
- Registierung: Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- Verschreibung: Streng verschreibungspflichtig (AMG §48), ggf. Suchtgiftrecht beachten.
- Erstattungsfähigkeit: Im Regelfall GKV-erstattungsfähig, jedoch abhängig von Indikation und Diagnoseschlüssel.
- Verordnung: Nur von Ärzt*innen, Apothekenabgabe nach Vorlage eines gültigen Rezeptes.
Neueste Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie „Übelkeit und Erbrechen“ (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand 2024) empfiehlt Prochlorperazin weiterhin als Reservepräparat, insbesondere bei therapieresistenter Übelkeit (z.B. nach Chemotherapie, Migräne-Attacken).
- Internationale Studien (z. B. Curr Drug Saf. 2023;18(1):37-52) betonen das günstige Nutzen-Risiko-Profil bei sorgsamer Indikationsstellung, besonders bei kurzfristigem Einsatz.
- Für ältere Menschen und Kinder strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich (2025: DGN Konsensuspapier zu Antiemetika).
Verfügbarkeit & Lieferzeiten in Deutschland
| PZN (Beispiel) | Packungsgröße | Form | Unverbindlicher Apotheken-Preis (€) | Lieferzeit (Berlin/HH/München) |
|---|---|---|---|---|
| 12345678 | 20 Tabletten | 10 mg | ca. 18–24 € | 1–2 Werktage |
| 87654321 | 10 Zäpfchen | 25 mg | ca. 16–20 € | 1–2 Werktage |
| 23456789 | 100 Tabletten | 5 mg | ca. 75–90 € | 2–4 Werktage |
FAQ — Häufige Patientenfragen
- Kann ich Compazine® zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von anderen Psychopharmaka, blutdrucksenkenden Mitteln oder Lebermedikamenten. Es gibt relevante Wechselwirkungen. - Darf ich während der Behandlung mit Compazine® Auto fahren?
Aufgrund der sedierenden Wirkung kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sein. Seien Sie besonders in den ersten Tagen vorsichtig und verzichten Sie bei starker Müdigkeit auf das Führen von Fahrzeugen. - Wie lange darf ich Compazine® einnehmen?
Die Behandlungsdauer bestimmt immer Ihr Arzt. In der Regel sollte die Einnahme so kurz wie möglich erfolgen, außer bei chronischen psychiatrischen Indikationen. Keine eigenständige Langzeitanwendung. - Kann ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Vermeiden Sie Alkohol unbedingt, da die sedierende Wirkung und Unfallgefahr deutlich zunehmen! - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die nächste Dosis wie gewohnt ein. Nehmen Sie niemals die doppelte Menge, um eine vergessene Einnahme auszugleichen.

