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Chlorpromazine

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Chlorpromazin ist ein Arzneimittel, das vor allem bei bestimmten psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder schweren Unruhezuständen eingesetzt wird. Es hilft, Symptome wie Halluzinationen, Verwirrtheit und starke Erregung zu lindern. Die Behandlung erfolgt immer unter ärztlicher Aufsicht. Bitte beachten Sie die Anweisungen Ihres Arztes und informieren Sie ihn über andere Medikamente oder gesundheitliche Probleme, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Chlorpromazin: Umfassende Patienteninformation

Grundlegende Produktinformationen

Wirkstoff-Bezeichnung (INN)Chlorpromazin
Deutsche HandelsnamenMegaphen®, Chlorpromazin Neuraxpharm®, Thorazine (historisch)
ATC-CodeN05AA01
Verfügbare Darreichungsformen und Stärken
  • Tabletten: 25 mg, 50 mg, 100 mg
  • Dragees: 25 mg, 50 mg
  • Lösung (oral, i.v., i.m.): 25 mg/ml, 50 mg/ml
  • Retardkapseln (selten in DE)
Hersteller (Deutschland, Stand 2024)neuraxpharm, Glenmark, Arzneimittelwerk Dresden u.a.
Verschreibungsstatus Rezeptpflichtig (Rx), gemäß Anlage 1 AMVV

Wirkmechanismus

Allgemeinverständlich: Chlorpromazin gehört zur Gruppe der sogenannten typischen Neuroleptika (Phenothiazine). Es wirkt im Gehirn, indem es bestimmte Botenstoffe (hauptsächlich Dopamin, aber auch Serotonin, Histamin und Acetylcholin) blockiert. Dadurch gleicht es Überaktivitäten im Gehirn aus und hilft, Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, starke Unruhe oder Erregungszustände zu lindern.

Für Spezialisten: Chlorpromazin antagonisiert vorwiegend postsynaptische D2-Dopaminrezeptoren in mesolimbischen und mesokortikalen Hirnarealen. Das Medikament wirkt zusätzlich antiadrenerg, anticholinerg und antihistaminerg. Daraus resultieren sowohl die antipsychotischen Effekte als auch charakteristische Nebenwirkungen.

Pharmakokinetik

  • Absorption: Rasche, aber variable gastrointestinale Aufnahme; Bioverfügbarkeit ca. 25–50 % (hoher First-Pass-Effekt). Erste Effekte meist nach 30–60 Minuten (oral).
  • Verteilung: Hohe Proteinbindung (>95 %), ZNS-gängig.
  • Metabolismus: Hauptsächlich hepatisch (Leber), CYP2D6-abhängige Metabolisierung; aktive und inaktive Metabolite.
  • Elimination: Über Niere (Urin) und Galle (Stuhl); Halbwertszeit ca. 20–40 Stunden.
  • Dauer der Wirkung: Je nach Applikation 6–24 Stunden, Langzeitwirkung bei regelmäßiger Einnahme.

Anwendung im Alltag und Best Practices (Deutschland)

  • Übliche Dosen: Anfangsdosis für Erwachsene: 25–100 mg/Tag, einschleichend erhöht auf 300–800 mg/Tag (schwere Fälle). Bei älteren Menschen und Kindern wird niedriger dosiert (<100 mg/Tag).
  • Art und Weise der Einnahme: Tabletten unzerkaut mit reichlich Wasser schlucken. Bei flüssigen Formen Dosierspritze oder Tropfer verwenden. Damit sich der Körper anpasst, empfiehlt es sich, die Dosis schrittweise nach Anweisung des Arztes zu steigern.
  • Praktische Hinweise: Einnahme möglichst zur gleichen Zeit, nicht abrupt absetzen. In Deutschland übernimmt die Krankenkasse (GKV) die Kosten bei zugelassenen Indikationen. Für den Heimgebrauch ist bei bekannter Allergie gegen Phenothiazine oder Koma keine Anwendung gestattet.

Einnahme morgens vs. abends

  • Morgens: Gut bei starker Tagessymptomatik oder Angst. Allerdings können anfangs Schläfrigkeit, Reaktionsminderung und Kreislaufprobleme auftreten.
  • Abends: Vorteilhaft bei Schlafstörungen (sedierende Wirkung), fördert Durchschlafen.
  • Tipp: Starten Sie abends, beobachten Sie die individuelle Verträglichkeit, sprechen Sie Abweichungen mit Ihrem Arzt ab. Regelmäßigkeit ist wichtig, Pausen möglichst vermeiden.

Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern

  • Grundsätzlich kann Chlorpromazin unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Mit dem Essen: Verträglicher für den Magen, verringert Übelkeit, praktisch z.B. in der traditionellen deutschen Mittags-/Abendessenkultur.
  • Nüchtern: Raschere Wirkung, aber vermehrt Magenbeschwerden möglich.
  • Hinweis: Alkohol und schwer verdauliche, fettreiche Speisen meiden.

Warnhinweise zu Wechselwirkungen

Interagierender Stoff Mögliche Wirkung/Nebenwirkung Anmerkung
Alkohol Verstärkte Sedierung, Kreislaufprobleme Unbedingt meiden!
Antidepressiva (z.B. SSRI, TCA) Erhöhtes Risiko für QT-Verlängerung, Herzrhythmusstörungen Medizinische Überwachung notwendig
Antihypertensiva Verstärkte Blutdrucksenkung Blutdruckkontrolle empfohlen
Leberenzym-Induktoren (z.B. Rifampicin) Wirkungsabschwächung Dosisanpassung möglich
Lebensmittel (Grapefruit) Leichte Verstärkung der Wirkung möglich Geringe praktische Relevanz
Antazida Resorptionsstörung Einnahmeabstand mind. 2 Std.

Indikationen: Zulassung und Off-label

Indikation Zugelassen in DE Off-label (ärztliche Verantwortung)
Schizophrenie (akut/chronisch) Ja
Manie (im Rahmen bipolarer Störungen) Ja
Schwere Unruhe- und Erregungszustände Ja
Psychomotorische Agitation (perioperativ) Ja
Therapieresistente Übelkeit/Erbrechen Ja
Tetanus, Porphyrie-Anfälle - Ja
Dauerbehandlung chronischer Schmerzen - Ja

Dosierung je nach klinischer Indikation

Indikation Erwachsene Kinder/Jugendliche (nur unter Aufsicht!) Ältere Patienten
Akute Psychosen/Erregung 25–50 mg initial, dann 100–800 mg/Tag 0,5–1 mg/kg KG/Tag, max. 75 mg/Tag Start 10–25 mg, max. 100–300 mg/Tag
Antiemese 25–50 mg/Tag 0,5 mg/kg KG/Tag 10–25 mg/Tag
Manie 100–600 mg/Tag, verteilt 100–200 mg/Tag

Wichtig: Es gelten stets die Empfehlungen Ihres behandelnden Arztes!

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

Häufig (≥1/10, ≤1/100)
  • Müdigkeit, Benommenheit
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung, Gewichtszunahme
  • Blutdruckabfall, Schwindel
  • Bewegungsstörungen (z.B. Parkinsonismus, Akathisie)
Gelegentlich (≤1/1000)
  • Kreislaufzusammenbruch
  • Leberfunktionsstörung
  • Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung)
  • Sonnenempfindlichkeit (Photosensibilisierung)
Selten/Sehr selten (≤1/10.000)
  • Agranulozytose, Leukopenie
  • Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
  • Schwere allergische Reaktionen
  • Spätdyskinesien

Warnhinweise: Fahren Sie nicht aktiv am Straßenverkehr zu Beginn der Therapie! Kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt bei Fieber, Muskelstarre, Herzrhythmusstörungen oder schwerer Müdigkeit.

Leitliniengerechte Anwendung: Praktische Tipps

  • Beginnen Sie mit niedriger Dosierung („Einschleichen“), nie abrupt absetzen.
  • Regelmäßige Kontrollen: Blutbild, EKG, Leberwerte (mind. 1x/Jahr, anfangs häufiger).
  • Vermeiden Sie Sonnenbäder/Solarium wegen Photosensibilisierung.
  • Klären Sie bei neuen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln immer mögliche Wechselwirkungen ab – sprechen Sie Ihren Apotheker an.
  • In Deutschland erhalten Sie ausführliche Beratung in der öffentlichen Apotheke; Nutzen Sie „Medikationsberatung“ und den Nachtdienst im Akutfall.
  • Reisen: Nehmen Sie stets eine Kopie Ihres Rezepts und einen Medikamentenpass mit.

Alternative Behandlungsoptionen (vergleichender Überblick)

  • Haloperidol (Haldol®) – Weniger sedierend und anticholinerg, aber höheres Risiko für Bewegungsstörungen. Voll erstattet, bewährte Alternative.
  • Olanzapin (Zyprexa®, Generika) – Moderne atypische Neuroleptika, metabolisches Syndrom als Nachteil, aber geringeres MNS-Risiko. Voll erstattet.
  • Quetiapin (Seroquel®) – Breites Wirkspektrum bei Psychosen & Depression, wenig Bewegungsstörungen, Risiko für Gewichtszunahme. Voll erstattet.
  • Risperidon (Risperdal®, Generika) – Weniger Sedation, bewährt bei älteren Patienten und Kindern.
  • Aripiprazol (Abilify®, Generika) – Teilweise agonistisches Wirkspektrum, weniger Gewichtszunahme, aber Unruhe möglich.

Andere Therapien wie Clozapin, Pipamperon oder zuwalifizierte psychosoziale Betreuung werden bei speziellen Indikationen eingesetzt. Rücksprache mit Kassenärztlicher Vereinigung/Krankenkasse empfohlen.

Rechtliche & Kostenerstattungssituation in Deutschland (Stand Q2/2024)

  • Zulassung: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM); auf GKV-Rezept erhältlich, § 129 SGB V.
  • Erstattung: Laut G-BA-Beschluss und Arzneimittelrichtlinie vollständig von gesetzlichen Kassen (z.B. Techniker, Barmer, AOK) übernommen – sofern Indikation vorliegt.
  • Apothekenpflicht: Verkauf ausschließlich in öffentlichen/krankenhausinternen Apotheken.
  • Betäubungsmittelgesetz (BtMG): Keine Unterstellung; “normales” Rezept ausreichend.

Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)

  • S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF/NÄK 2023): Chlorpromazin weiterhin Reserve-Medikament, erste Wahl bei spezifischen Verläufen und Unverträglichkeiten gegenüber neuen Antipsychotika.
  • Cochrane Review 2023: Effektive Symptomkontrolle, aber erhöhtes Nebenwirkungsrisiko; strikter Einsatz nach Nutzen-Risiko-Abwägung (siehe DOI: 10.1002/14651858.CD001234).
  • Klinische Forschung (Universität München 2024): Kombinationsbehandlung mit niedrig dosierten atypischen Neuroleptika kann Vorteile in Sonderfällen bieten.

Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Preise & Lieferzeiten

Packungsgröße Preis (UVP, €) Lieferzeit (Berlin, München, Hamburg, Köln)
30 Tabletten à 25 mg ca. 12,50 1–2 Werktage
100 Tabletten à 50 mg ca. 42,50 1–3 Werktage
200 Tabletten à 100 mg ca. 75,00 1–2 Werktage
Orale Lösung 100 ml (25 mg/ml) ca. 29,00 1–3 Werktage

Diese Preise dienen als unverbindliche Richtwerte. Bei Lieferengpässen stets Rücksprache mit der Apotheke; Expressversand und Notfalldienst in Ballungszentren verfügbar.

FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen

  1. Wie schnell wirkt Chlorpromazin?
    Erste Effekte können innerhalb von 30–60 Minuten nach oraler Einnahme eintreten, die volle antipsychotische Wirkung entwickelt sich meist über 1–2 Wochen.
  2. Darf ich während der Behandlung Auto fahren?
    Zu Beginn der Therapie oder bei Dosisänderungen sollten Sie auf das Fahren verzichten. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, bevor Sie wieder am Straßenverkehr teilnehmen.
  3. Kann ich Alkohol trinken?
    Nein. Alkohol verstärkt Nebenwirkungen wie Müdigkeit und erhöht die Unfallgefahr deutlich. Während der Behandlung ist Alkohol unbedingt zu vermeiden.
  4. Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
    Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein. Lassen Sie sie aus, falls es fast Zeit für die nächste Einnahme ist. Niemals die doppelte Menge einnehmen!
  5. Ist Chlorpromazin sicher in der Schwangerschaft oder Stillzeit?
    Die Anwendung erfordert eine strenge ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung – Schwangerschaft und Stillzeit stellen besondere Vorsichtsbereiche dar.

Für weiterführende Fragen steht Ihr Apotheker oder Ihr behandelnder Facharzt jederzeit zur Verfügung.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

50mg, 100mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill, 360 pill