Clomipramin – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Produkt
- Wirkstoff (INN): Clomipramin
- Handelsnamen in Deutschland: Anafranil®, Clomipramin-neuraxpharm®, Generika
- ATC-Code: N06AA04
- Verfügbare Darreichungsformen: Filmtabletten (z. B. 10 mg, 25 mg, 50 mg), Retardkapseln (z. B. 75 mg), Tropfenlösung (z. B. 10 mg/ml), Injektionslösung (selten)
- Hersteller: Novartis, Neuraxpharm, diverse Generikafirmen
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig nach Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)
Wirkungsmechanismus
Clomipramin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva (TCA). Es wirkt primär, indem es die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Gehirn hemmt. Dadurch erhöht sich deren Verfügbarkeit im synaptischen Spalt, was stimmungsaufhellend, angstlösend und dämpfend auf Zwangssymptome wirkt.
Für Fachpersonal: Clomipramin blockiert vorwiegend den Serotonintransporter (SERT), weniger stark den Noradrenalintransporter (NET), und besitzt anticholinerge, antihistaminerge und adrenerge Nebenwirkungen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gut, orale Bioverfügbarkeit ca. 50% (First-Pass-Effekt)
- Metabolisierung: Ausgeprägt hepatisch, besonders über CYP2D6 und CYP2C19. Ein wichtiger Metabolit ist Desmethylclomipramin (aktiver Metabolit).
- Elimination: Hauptsächlich renal als Metabolite, geringe Mengen unverändert.
- Halbwertszeit: Clomipramin ca. 12-30 Stunden, Desmethylclomipramin bis zu 50 Stunden.
- Wirkeintritt: Psychiatrische Wirkung meist nach 1-3 Wochen spürbar.
Anwendung im Alltag & Best Practices
- Typische Dosierungen: Erwachsene beginnen meist mit 25 mg/Tag (abends) und steigern über einige Tage auf 75-150 mg/Tag (auf mehrere Einzeldosen verteilt). Bei schweren Fällen können bis zu 250 mg/Tag notwendig sein.
- Für Kinder und Jugendliche: Individuell niedrig dosiert, primär bei Zwangsstörungen ab 5 Jahren; Therapie muss von Spezialisten geführt werden.
- Für ältere Menschen: Anfangsdosis geringer (z. B. 10 mg), langsame Steigerung, engmaschige Überwachung.
- Einnahmehinweise: Täglich zur selben Zeit einnehmen, nicht abrupt absetzen (Risiko von Absetzsymptomen).
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Morgens: Bei Patienten mit stärkeren Aktivierungs- oder Schlafproblemen kann die Einnahme am Morgen bevorzugt werden, um Tagesmüdigkeit zu verringern.
- Abends: Anfangs oder bei stärker sedierenden Nebenwirkungen wird Clomipramin meist abends eingenommen.
- Tipp: Tageszeit stets beibehalten, Dosierung bei Wechsel absichern (Rücksprache mit Arzt/Apotheker).
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Die Einnahme kann unabhängig von Mahlzeiten erfolgen. Bei empfindlichem Magen wird jedoch empfohlen, Clomipramin nach dem Essen mit Wasser zu nehmen, um Unwohlsein zu reduzieren.
Typisch deutsche Essgewohnheiten: Da das Frühstück oft leicht und das Abendessen reichhaltiger ist, empfiehlt sich die Einnahme zu einer konstanten, für Sie gut verträglichen Mahlzeit.
Wechselwirkungen und Warnhinweise
| Interaktionspartner | Reaktion / Risiko | Empfehlung |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer | Schwere Wechselwirkungen (hypertensive Krise, Serotonin-Syndrom) | Nicht kombinieren, Therapieabstand von mind. 2 Wochen! |
| Alkohol | Verstärkte Sedierung und Koordinationsstörungen | Meiden, besonders zu Therapiebeginn |
| CYP-Hemmer (z. B. Fluoxetin, Paroxetin, Makrolid-Antibiotika) | Anstieg des Clomipramin-Spiegels, erhöhte Nebenwirkungsgefahr | Dosisanpassung durch Arzt erforderlich |
| Anticholinerge Substanzen (z. B. Atropin, Antihistaminika) | Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Obstipation, Tachykardie) | Kombination vermeiden oder Vorsicht und Überwachung |
| Antihypertensiva | Abschwächung der Wirkung möglich | Blutdruck regelmäßig überwachen |
| Grapefruit | CYP-Interaktion: Erhöhter Plasmaspiegel möglich | Im Zweifelsfall meiden |
Indikationen (zugelassen & Off-Label)
| Indikation | Offiziell zugelassen? | Kommentar |
|---|---|---|
| Depressive Episoden (MDD) | Ja | Insbesondere therapieresistente Depressionen |
| Zwangsstörung (OCD) | Ja | Goldstandard bei Zwangsstörungen, auch bei Kindern ab 5 J. |
| Panikstörung, Angststörung | Ja | Bei Nichtansprechen von SSRIs |
| Chronischer Schmerz, Enuresis | Off-Label | Nach individueller Abwägung, nur unter spezialisierter Anleitung |
| PTBS, Kataplexie bei Narkolepsie | Off-Label | Seltene Spezialfälle, gesonderte Zulassung nötig |
Dosierung nach Indikation
| Population | Initialdosis | Erhaltungsdosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (Depression) | 25 mg/Tag abends | 75-150 mg/Tag, aufgeteilt | 250 mg/Tag |
| Erwachsene (Zwangsstörung) | 25 mg/Tag | 100-200 mg/Tag, individuell | 250 mg/Tag |
| Kinder (OCD) | 12,5-25 mg/Tag | 1–3 mg/kg/Tag, individuell | 150 mg/Tag |
| Ältere Patienten | 10 mg/Tag | Max. 75-100 mg/Tag | Max. 100 mg/Tag |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Mundtrockenheit, Obstipation, Müdigkeit, Schwindel, vermehrtes Schwitzen, Gewichtszunahme
- Häufig: Tremor, Herzrasen, Blutdruckschwankungen, sexuelle Funktionsstörungen, Harnverhalt, verschwommenes Sehen
- Gelegentlich/selten: Krampfanfälle, Leberfunktionsstörungen, Arrhythmien, allergische Reaktionen, Bewegungsstörungen
- Warnhinweise: Vermeiden bei Glaukom, schweren Herz-Kreislauf-Problemen, akuter Prostatahyperplasie. Suizidrisiko bei Therapiebeginn beachten, besonders bei Jugendlichen.
- Längerfristige Therapie: Regelmäßige EKGs, Leber- und Blutbildkontrollen empfohlen.
Empfehlungen für die richtige Anwendung
- Nehmen Sie Clomipramin regelmäßig ein, auch wenn Sie sich besser fühlen. Plötzlicher Therapieabbruch kann zu Absetzsymptomen führen.
- Tabletten nicht zerkauen; mit ausreichend Wasser schlucken.
- Familienmitglieder/Freunde über Warnzeichen für Nebenwirkungen informieren und notfalls Hilfetelefonnummern bereithalten.
- Bei Anzeichen von Herzstolpern, Ohnmachtsgefühl oder Krampfanfällen sofort ärztlichen Rat einholen.
- Verkehrstüchtigkeit kann beeinträchtigt sein, insbesondere bei Therapiebeginn.
Alternative Behandlungsoptionen
- SSRIs (z.B. Sertralin, Fluoxetin, Escitalopram): Erste Wahl bei Depression und Zwangsstörung; verträglicher, geringeres Nebenwirkungsprofil, aber ggf. weniger wirksam bei schwerer Zwangsstörung.
- Andere trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Imipramin): Ähnlicher Wirkmechanismus, Unterschiede v.a. bei Nebenwirkungen (z.B. stärkere Sedierung bei Amitriptylin).
- SNRIs (z.B. Venlafaxin, Duloxetin): Besonders bei begleitenden Schmerzsymptomen; günstiges Nebenwirkungsprofil, aber ggf. Blutdruckerhöhung.
- Kombination aus Psychotherapie und Medikation: Besonders bei Zwangsstörung ist eine kognitive Verhaltenstherapie wirksam und wird von der Krankenkasse erstattet.
Rechtliche Informationen und Erstattung in Deutschland
- Zulassung: Durch das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) für zugelassene Indikationen.
- Erstattungsfähigkeit: Clomipramin ist im GKV-Leistungskatalog gelistet und wird für zugelassene Indikationen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
- Verfügbarkeit: Rezeptpflicht, keine Selbstbedienung in Apotheken.
- Tierarzneimittel: Clomipramin ist auch als Tierpräparat (z.B. Clomicalm® für Hunde) erhältlich – nicht für Menschen gedacht!
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Clomipramin wird weiterhin als Goldstandard bei Zwangsstörungen geführt, insbesondere bei Versagen von SSRIs AWMF-Leitlinie 038/009 (2023).
- Beobachtungsstudien in europäischen Zentren bestätigen nach wie vor hohe Wirksamkeit, allerdings strictere Überwachung wegen Nebenwirkungen empfohlen SpringerMedizin 2022.
- Für Depressionen wird Clomipramin nur noch bei Therapieresistenz empfohlen, wegen Nebenwirkungsprofil.
- Das Risiko eines Serotonin-Syndroms ist besonders bei Kombination mit anderen serotonergen Substanzen relevant.
Verfügbarkeit und Versand
| Packungsgröße | Beispielpreis (GKV) | Lieferzeit (Berlin) | Lieferzeit (München) | Lieferzeit (Hamburg) |
|---|---|---|---|---|
| 30 Tabletten (25 mg) | ca. 15 € | 1 Werktag | 1-2 Werktage | 1 Werktag |
| 100 Tabletten (25 mg) | ca. 33 € | 1-2 Werktage | 1-3 Werktage | 1-2 Werktage |
| 50 Retardkapseln (75 mg) | ca. 40 € | 2 Werktage | 2-3 Werktage | 2 Werktage |
Hinweis: Preise können je nach Apotheke und Vertragsstatus leicht abweichen. Lieferung auf Rezept; deutschlandweiter Versand durch Vor-Ort- und Versandapotheken mit gesetzlicher Beratungspflicht.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wann beginnt Clomipramin zu wirken?
Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt meist nach 1–3 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Gegen Zwangssymptome kann es 4–6 Wochen dauern, bis eine spürbare Besserung beginnt. - Kann ich mit Clomipramin Auto fahren?
Zu Beginn und bei Dosiserhöhungen kann die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein. Nehmen Sie zunächst nicht am Straßenverkehr teil, bis die individuelle Verträglichkeit bekannt ist. - Darf ich Clomipramin in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
Die Anwendung wird nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung empfohlen. Im 3. Trimester und Stillzeit möglichst meiden, außer ausdrücklich ärztlich angeordnet. - Darf ich Clomipramin abrupt absetzen?
Nein, bitte nicht. Das Absetzen muss in kleinen Schritten unter ärztlicher Anleitung erfolgen. Sonst können Unruhe, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit und andere Symptome auftreten. - Was kann ich bei Nebenwirkungen tun?
Häufige Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Verstopfung lassen sich meist mildern (z. B. viel trinken, ballaststoffreiche Kost). Bei schweren oder ungewöhnlichen Problemen suchen Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt auf.

