Escitalopram – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Escitalopram |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Cipralex®, Lexapro®, Escitalopram AbZ®, diverse Generika |
| ATC-Code | N06AB10 |
| Verfügbare Darreichungsformen |
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| Hersteller | Lundbeck, AbZ Pharma, Hexal, ratiopharm u.a. |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig nach § 48 AMG |
Wirkmechanismus
Escitalopram gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es erhöht die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn, indem es dessen Wiederaufnahme in die Nervenzellen hemmt. Dadurch wird die Stimmung verbessert und depressive Symptome werden gelindert.
Für Fachkreise
Escitalopram ist das S-Enantiomer von Citalopram und blockiert hochselektiv den serotonergen Transporter (SERT), wodurch die serotonerge Transmission signifikant verstärkt wird. Seine hohe Affinität sorgt für ein günstiges Nebenwirkungs- und Interaktionsprofil.
Pharmakokinetik
- Resorption: Rasche Aufnahme nach oraler Gabe, Bioverfügbarkeit ca. 80%
- Metabolisierung: Primär in der Leber (CYP2C19, CYP3A4, CYP2D6)
- Ausscheidung: Über Urin (Hauptweg) und Stuhl
- Halbwertszeit: ca. 27–32 Stunden
- Wirkeintritt: Erste Effekte nach 1–2 Wochen, volle Wirkung meist nach 4–6 Wochen
Anwendung im Alltag & Hinweise zur Einnahme
Escitalopram wird einmal täglich eingenommen. Die Einnahme erfolgt vorzugsweise zur gleichen Tageszeit, um Wirkspiegelschwankungen zu vermeiden. Tabletten können morgens oder abends nüchtern oder zu einer Mahlzeit geschluckt werden. Die Tropfen können mit etwas Wasser verdünnt eingenommen werden.
- Tabletten nicht zerkauen, sondern im Ganzen mit ausreichend Wasser schlucken.
- Bei Tropfen: genaue Dosis mit beiliegender Pipette abmessen.
- Nicht eigenmächtig die Dosis verändern oder absetzen, Rücksprache mit Ärzt:in erforderlich!
Einnahme morgens vs. abends
| Option | Vorteile | Nachteile | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Morgens | Reduziertes Risiko für Schlaflosigkeit, leichte Erinnerbarkeit | Evtl. tagsüber mehr Nebenwirkungen (z. B. Übelkeit) | Bei Schlafproblemen eher morgens einnehmen |
| Abends | Geeignet bei Müdigkeit als Nebenwirkung | Kann Schlafstörungen verstärken | Bei Sedierung tagsüber eher abends |
Die regelmäßige, tägliche Einnahme ist wichtiger als der genaue Zeitpunkt. Bei Unsicherheit empfiehlt sich die Beratung in der Apotheke oder Praxis.
Einnahme zu oder unabhängig von Mahlzeiten
Escitalopram kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Die Wirkung des Medikaments wird durch Nahrung und typische deutsche Kost (z. B. Brot, Milchprodukte) nicht beeinflusst. Bei empfindlichem Magen kann eine Einnahme nach dem Frühstück oder Abendessen die Verträglichkeit verbessern.
Wechselwirkungen
| Faktor | Risiko/Bemerkung |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte Müdigkeit möglich, am besten vermeiden |
| Johanniskraut | Gesteigertes Risiko für das Serotonin-Syndrom |
| MAO-Hemmer | Lebensbedrohliche Wechselwirkungen möglich – Kombination verboten |
| NSAR (z. B. Ibuprofen) | Erhöhtes Blutungsrisiko |
| Antikoagulanzien | Blutungsgefahr steigt, Kontrolle erforderlich |
| Andere serotonerge Arzneimittel | Risiko für Serotonin-Syndrom (z. B. Triptane, andere Antidepressiva) |
| Grapefruit(-saft) | Keine klinisch relevanten Wirkungen bei normalem Verzehr |
Indikationen
| Indikation | Zulassung DE | Off-label? |
|---|---|---|
| Major Depression | Ja | Nein |
| Generalisierte Angststörung (GAS) | Ja | Nein |
| Panikstörung | Ja | Nein |
| Soziale Angststörung | Ja | Nein |
| Zwangsstörung | Nein | Ja |
| Prämenstruelle Dysphorische Störung | Nein | Ja |
Dosierung nach Indikation & Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere Patient:innen (≥65 J.) | Jugendliche (12–17 J.) |
|---|---|---|---|
| Depression | Start: 10 mg/Tag, ggf. Steigerung auf max. 20 mg/Tag | Start: 5 mg/Tag, max. 10 mg/Tag | Start: 5 mg/Tag, max. 20 mg/Tag |
| Generalisierte Angststörung | Start: 10 mg/Tag, ggf. Steigerung auf 20 mg/Tag | Start: 5 mg/Tag, max. 10 mg/Tag | Keine Zulassung |
| Panikstörung | Start: 5 mg/Tag, nach einer Woche 10 mg/Tag, max. 20 mg/Tag | Start: 5 mg/Tag, max. 10 mg/Tag | Keine Zulassung |
| Soziale Angststörung | Start: 10 mg/Tag, max. 20 mg/Tag | Start: 5 mg/Tag, max. 10 mg/Tag | Keine Zulassung |
Unverträglichkeiten, Sicherheit & Nebenwirkungen
| Häufig | Gelegentlich | Selten/Ernst |
|---|---|---|
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Bei neuen oder ungewöhnlich starken Nebenwirkungen sofort ärztlichen Rat einholen! Schwere allergische Reaktionen müssen umgehend behandelt werden.
Richtige Anwendung – Tipps aus der Apotheke/Arztpraxis
- Tabletten regelmäßig und täglich einnehmen, nicht abrupt absetzen.
- Vergessene Einnahme: Sobald bemerkt nachholen, nicht doppelt nehmen.
- Beobachten Sie sich besonders zu Therapiebeginn hinsichtlich Stimmung und Nebenwirkungen.
- Blutbild-/Elektrolytkontrolle bei Langzeitanwendung sinnvoll.
- Nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet.
- Während Schwangerschaft und Stillzeit nur mit engmaschiger medizinischer Begleitung.
- Verkehrs- und Arbeitsfähigkeit in den ersten Therapiewochen eingeschränkt.
Alternativen & Kurzbewertung (erstattungsfähig durch GKV)
- Sertralin – ähnlich wirksam; vorteilhaft bei komorbider Angst
- Paroxetin – schneller Wirkungseintritt, eher mehr Nebenwirkungen
- Citalopram – höhere Dosis nötig, ähnlich verträglich
- Venlafaxin (SNRI) – auch bei non-responsiven Depressionen
- Amitriptylin (trizyklisch) – ältere Substanz, bei chron. Schmerz/Somnolenz vorteilhaft
- Alle genannten Präparate sind Kassenleistung in Deutschland. Wahl ist von individuellen Faktoren abhängig.
Recht & Erstattung (Deutschland)
Escitalopram ist von der EMA zentral in der EU/Deutschland zugelassen und unterliegt dem Arzneimittelgesetz (AMG). Rezeptpflicht gemäß Arzneimittelverschreibungsverordnung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bei zugelassener Indikation (GKV-Leistung). Die Muster 16 (rosa Rezept) ist nötig. Arzneimittel mit Escitalopram sind im Lauer-Taxe und beim GKV-Spitzenverband gelistet.
Stand der Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- S3-Leitlinien der DGPPN (2022): Escitalopram bleibt erstlinientherapie bei Depression und Angststörungen.
- Meta-Analysen (u. a. Cipriani et al., 2023): Bestätigung guter Balance von Wirksamkeit und Verträglichkeit im SSRI-Vergleich.
- Einige Studien belegen Vorteile bzgl. Wirkeintritt und geringerer QT-Verlängerung gegenüber Citalopram (Kallmünzer et al., 2024).
- Empfehlung: Individualisierte Auswahl, Berücksichtigung von Interaktionen und Präferenzen.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Lieferzeit & Preis
| Packungsgröße (Tabletten) | Stärke | Apothekenverkaufspreis* (€) | Erstattung | Lieferzeit (Berlin/Hamburg/München/Köln/Ffm.) |
|---|---|---|---|---|
| 20 | 10 mg | ca. 15 | Ja | 1–2 Werktage |
| 50 | 10 mg | ca. 28 | Ja | 1–2 Werktage |
| 100 | 10 mg | ca. 45 | Ja | 1–3 Werktage |
| 20 (Tropfen, 10 ml) | 10 mg/ml | ca. 18 | Ja | 2–3 Werktage |
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen & Antworten
- Wann tritt die Wirkung von Escitalopram ein?
Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt meist nach 1–2 Wochen ein, das volle Wirkungspotenzial zeigt sich nach 4–6 Wochen. - Muss ich Angst vor Abhängigkeit haben?
Nein, Escitalopram macht nicht abhängig. Beim Absetzen kann es aber zu Absetzsymptomen kommen. Eine schrittweise Reduktion mit ärztlicher Begleitung wird empfohlen. - Darf ich unter Escitalopram Auto fahren?
Besonders zu Therapiebeginn sollte auf das Bedienen von Maschinen und das Autofahren verzichtet werden. Nach Gewöhnung in Absprache mit dem Arzt möglich. - Kann ich Escitalopram in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Nur nach Rücksprache mit Gynäkolog:in und Psychiater:in. Nutzen und Risiko müssen individuell abgewogen werden. - Was tun bei einer vergessenen Dosis?
Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben, nehmen Sie die Tablette/Tropfen sobald wie möglich nach. Ist das Zeitfenster bis zur nächsten Dosis sehr kurz, lassen Sie die vergessene Dosis aus.

