Celexa (Citalopram) – Patienteninformation für Deutschland
Basisinformationen
| Offizieller Wirkstoffname (INN) | Citalopram |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Citalopram AbZ, Citalopram-ratiopharm, Citalopram Hexal, Celexa (international) |
| ATC-Code | N06AB04 |
| Erhältliche Darreichungsformen und Stärken | Tabletten: 10 mg, 20 mg, 40 mg; Tropfen: 20 mg/ml (meist 10 ml und 20 ml Flasche) |
| Hersteller | z.B. Hexal AG, ratiopharm GmbH, 1A Pharma GmbH, AbZ-Pharma GmbH |
| Apothekenpflicht / Verschreibungspflicht | Rezeptpflichtig laut AMG (§ 48 Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus
Für Laien:
Citalopram gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es erhöht die Konzentration des körpereigenen Botenstoffs Serotonin im Gehirn, was zu einer Verbesserung der Stimmung und der Antriebskraft bei Depressionen führen kann.
Für Fachkreise:
Citalopram blockiert selektiv den Serotonin-Transporter (SERT) und hemmt so die Wiederaufnahme von Serotonin in die präsynaptische Nervenzelle. Dies resultiert in einer erhöhten serotonergen Neurotransmission. Affinität zu anderen Rezeptoren (muskarinisch, adrenerg, histaminerg) ist nur gering bis nicht vorhanden.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle und vollständige Resorption nach oraler Einnahme. Maximale Plasmakonzentration nach 2–4 Stunden.
- Metabolismus: Hepatisch (Leber) über CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6 zu aktiven und inaktiven Metaboliten.
- Elimination: Ca. 12–36 Stunden Halbwertszeit. Ausscheidung überwiegend renal und teils biliär.
- Wirkdauer: Einmalige tägliche Einnahme genügt aufgrund langer Halbwertszeit.
Anwendung im Alltag und bewährtes Vorgehen in Deutschland
Die Anfangsdosis beträgt für Erwachsene meist 20 mg einmal täglich. Die Einnahme erfolgt vorzugsweise morgens oder abends, vorzugsweise immer zur gleichen Tageszeit. Die Tablette wird unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
Hinweis: Wirkungseintritt nach 1–3 Wochen. Die Behandlung sollte ohne Rücksprache mit Arzt/Ärztin nicht abrupt abgebrochen werden, um Absetzsymptome zu vermeiden.
- Regelmäßigkeit entscheidend: Tipp – festen Einnahmezeitpunkt im Tagesablauf integrieren, z.B. zum Frühstück oder Abendessen.
- Patienteninformation: Bei Depression, Angststörung und Zwangsstörung zugelassen – Besprechen Sie Fragen zur Indikation mit dem behandelnden Facharzt.
- Altersgruppen: Bei älteren Patient:innen (über 65 Jahre) wird oft mit 10 mg gestartet, um Nebenwirkungen zu minimieren.
- Kinder/Jugendliche: Citalopram ist für Personen unter 18 Jahren in Deutschland nur ausnahmsweise bei speziellen Indikationen zugelassen.
Dosierung morgens vs. abends
- Morgens: Vorteil für Patienten mit Tagesmüdigkeit. Da manche Patienten zu Schlafstörungen neigen, ist die morgendliche Einnahme häufig empfehlenswert.
- Abends: Kann bei Patienten mit Morgennüchternheit oder Einschlafproblemen sinnvoll sein, jedoch eher in ärztlicher Rücksprache.
- Wichtig: Immer gleicher Einnahmezeitpunkt verbessert Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Einnahme zu Mahlzeiten oder nüchtern
- Unabhängig von der Nahrungsaufnahme: Citalopram kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
- Deutsche Essgewohnheiten (reichhaltiges Frühstück, Hauptmahlzeit mittags): Kein Einfluss auf die Erreichung des Wirkspiegels oder Wirkdauer.
- Tipp bei empfindlichem Magen: Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit kann Magenbeschwerden mindern.
Interaktionswarnungen
| Interagierender Stoff | Art der Wechselwirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkung unerwünschter Wirkungen (Sedierung, Koordination) | Alkoholkonsum vermeiden oder deutlich einschränken |
| MAO-Hemmer | Gefahr lebensbedrohlicher Serotonin-Syndrome | Nicht kombinieren, 2 Wochen Abstand bei Wechsel |
| Triptane, andere SSRI/SNRI | Erhöhtes Risiko eines Serotonin-Syndroms | Kombination nur bei strenger Indikation und ärztlicher Überwachung |
| Johanniskraut | Verstärkung von Nebenwirkungen | Keine Selbstmedikation mit pflanzlichen Präparaten |
| Gerinnungshemmende Mittel (z.B. ASS, Warfarin) | Erhöhte Blutungsneigung | Regelmäßige ärztliche Kontrolle, ggf. Anpassung der Dosis |
| CYP2C19-Hemmer (z.B. Omeprazol) | Erhöhte Citalopram-Blutspiegel | Niedrigere Anfangsdosis oder Therapieanpassung |
Indikationen
| Indikation | Status in DE | Kommentar |
|---|---|---|
| Depressive Episoden (Major Depression) | Zugelassen | Hauptindikation, Standardtherapie |
| Angststörungen (z.B. Panikstörung) | Zugelassen | Wenn spezifisch vom Arzt verschrieben |
| Zwangsstörungen | Off-label | Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung |
| PMDS, postmenopausal depressive Zustände | Off-label | Individuelle Empfehlung des behandelnden Psychiaters |
Dosierung gemäß klinischer Indikationen
| Patientengruppe | Empfohlene Anfangsdosis | Maximaldosis | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (18–65 Jahre) | 20 mg/Tag | 40 mg/Tag | Steigerung nach ärztlicher Rücksprache |
| Ältere Patienten (>65 Jahre) | 10 mg/Tag | 20 mg/Tag | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen (v.a. QT-Zeitverlängerung) |
| Jugendliche <18 Jahre | Nur in Ausnahmefällen, initial niedrig — streng ärztlich begleitet | 10–20 mg/Tag | Regelmäßige Kontrolle psychischer und physischer Gesundheit nötig |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispielnebenwirkungen | Hinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Übelkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Schwitzen, Kopfschmerzen | Meist vorübergehend, oft in den ersten Wochen |
| Häufig (1–10%) | Appetitlosigkeit, Durchfall, Schlafstörungen, Gähnen, sexuelle Funktionsstörungen | Melden Sie neue Symptome dem Arzt/Ihrer Ärztin |
| Gelegentlich (0,1–1%) | Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck | Regelmäßige Kontrolle bei Risikopatienten |
| Selten (<0,1%) | Serotonin-Syndrom, Krampfanfälle, hyponatriämie | Sofortige ärztliche Abklärung erforderlich |
Warnhinweise: Suizidgedanken zu Beginn der Behandlung möglich – besonders bei jungen Erwachsenen; QT-Zeitverlängerung im EKG bei Überdosierung oder Risikopatienten; anticholinerge Nebenwirkungen gering.
Hinweise zur richtigen Anwendung (Apotheken- und Klinikberatung)
- Niemals abrupt absetzen. Bei Absetzen in Absprache mit ärztlichem Fachpersonal langsam ausschleichen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen einhalten (Blutwerte, EKG bei Risikopatienten).
- Bei fehlender Besserung nach 4–6 Wochen erneut Rücksprache mit Facharzt suchen.
- Packungsbeilage beachten, bei Unsicherheit Rücksprache mit Apotheke oder Arzt.
- Medikament für Kinder unzugänglich aufbewahren.
- Fahren und Bedienen von Maschinen nur nach Einschätzung der individuellen Verträglichkeit.
- Fragen zur Kostenerstattung mit Krankenkasse klären.
Alternative Therapieoptionen (GKV erstattungsfähig)
- Andere SSRIs: Sertralin, Escitalopram, Paroxetin, Fluoxetin (Vergleich: ähnliche Wirksamkeit, individuelles Nebenwirkungsprofil)
- SNRIs: Venlafaxin, Duloxetin (Vorzüge bei chronischen Schmerzen, Nachteile: mehr Nebenwirkungen möglich)
- Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, Doxepin (heutzutage zweite Wahl, mehr Wechselwirkungen)
- Pflanzliche Optionen: Johanniskraut (nur bei leichten Depressionen, Wechselwirkungen beachten!)
Hinweis: Die Auswahl der Therapie erfolgt individuell nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, unter Berücksichtigung des Nebenwirkungsprofils, Vorerkrankungen und ggf. Unverträglichkeiten.
Rechtslage, Zulassung & Erstattung in Deutschland
- Verschreibungspflichtig gemäß AMG.
- Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- GKV (gesetzliche Krankenkassen) übernehmen in der Regel die Kosten für zugelassene Indikationen.
- Erstattungs- und Preisverhandlungen: Referenzarzneimittel, Rabattverträge möglich.
- Original- und Generika-Produkte sind erhältlich.
- e-Rezept wird deutschlandweit akzeptiert.
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ (AWMF, 2023): Citalopram bleibt erstklassige Therapieoption bei moderaten bis schweren Depressionen. Escitalopram bei Unverträglichkeit oder Nebenwirkungsprofil bevorzugt.
- Meta-Analysen (z.B. Cipriani et al., Lancet 2018–2024): Nachweisbar günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis, insbesondere bezogen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit.
- Kurzzeit- und Langzeitanwendung: Dauerhafte Remission nach 6–12 Monaten möglich, regelmäßige Therapieüberprüfung empfohlen.
- Sicherheitswarnungen (EMA und BfArM, 2022–2024): Überwachung der QT-Intervall-Verlängerung empfohlen, insbesondere bei älteren Patient:innen und bei Komedikation mit CYP-Inhibitoren.
Verfügbarkeit & Lieferung
| Paketgröße | Beispielpreis (apothekenüblich)* | Lieferzeit (Berlin) | Lieferzeit (München) | Lieferzeit (Hamburg) | Lieferzeit (Frankfurt) |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 mg, 50 Tabletten | 15–18 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1 Tag | 1–2 Tage |
| 10 mg, 100 Tabletten | 20–24 € | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 1 Tag | 1 Tag |
| Tropfen 20 mg/ml, 20 ml | 13–18 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1 Tag | 1–2 Tage |
*Preisangaben sind Richtwerte für rezeptpflichtige Präparate und können je nach Apotheke und Rabattvertrag abweichen. Versandapotheken bieten deutschlandweite Lieferung, meist innerhalb von 1–2 Werktagen.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie lange muss ich Citalopram einnehmen?
Die Dauer richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung. In der Regel empfiehlt sich eine Einnahme über mindestens 6 Monate nach Besserung der Symptome, um Rückfällen vorzubeugen. Entscheidungen zur Therapiepause stets mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt abstimmen. - Kann ich mit Citalopram Autofahren?
Zu Beginn der Therapie oder bei Dosiserhöhungen kann die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Fahre nur, wenn du dich sicher und konzentriert fühlst und keine Nebenwirkungen wie Schwindel oder Schläfrigkeit auftreten. - Muss ich mit Gewichtszunahme rechnen?
Gewichtszunahme tritt unter Citalopram nur selten auf. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen das Wohlbefinden während der Behandlung. - Was tun, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
Hole die vergessene Dosis nicht doppelt nach. Nimm das Medikament regulär zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt wieder ein und informiere ggf. deine behandelnde Arztpraxis. - Darf ich Citalopram während der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Citalopram darf in Schwangerschaft und Stillzeit nur bei strenger Indikation und nach Rücksprache mit Gynäkologin bzw. Psychiater verwendet werden. Risiken und Nutzen müssen abgewogen werden.
Diese Patienteninformation ersetzt nicht die fachliche Beratung durch Ärzt:in oder Apotheker:in. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihr behandelndes Fachpersonal.

