Alesse (Levonorgestrel / Ethinylestradiol): Umfassende Produktinformation für Patientinnen in Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Levonorgestrel / Ethinylestradiol |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Alesse (über Importe), Levomin 20/30, Miranova, Minisiston, Femikadin (gleiche oder vergleichbare Zusammensetzung) |
| ATC-Code | G03AA07 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Filmtabletten, typischerweise 100 µg (0,1 mg) Levonorgestrel plus 20 µg (0,02 mg) oder 30 µg (0,03 mg) Ethinylestradiol pro Tablette |
| Hersteller | Bayer AG, Jenapharm, TEVA ratiopharm, HEXAL, Import über internationale spezialisierte Apotheken möglich |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig nach deutschem Arzneimittelgesetz (AMG) |
Wirkungsweise
Für Patientinnen einfach erklärt:Alesse ist eine kombinierte Antibabypille, die zwei weibliche Geschlechtshormone enthält: Levonorgestrel (ein Gestagen) und Ethinylestradiol (ein Östrogen). Gemeinsam verhindern sie den Eisprung (Ovulation) und erschweren das Einnisten einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Zusätzlich verdicken sie den Schleim im Gebärmutterhals, sodass Spermien schlechter eindringen können. So schützt Alesse sehr sicher vor einer Schwangerschaft.
Für Fachkreise:Entsprechend der kombinierten monophasischen hormonellen Kontrazeptiva hemmen Levonorgestrel/Ethinylestradiol prädominant die LH- und FSH-Freisetzung auf hypothalamisch-hypophysärer Ebene, inhibieren zuverlässig die Ovulation und bewirken sekretorische Veränderungen der Endometriumstruktur sowie Beeinflussung der Zervixsekretviskosität.
Pharmakokinetik
- Resorption: Beide Wirkstoffe werden nach oraler Einnahme rasch und nahezu vollständig resorbiert; Ethinylestradiol (EE) erreicht meist nach 1-2 Stunden den größten Blutspiegel (Cmax); Levonorgestrel nach ca. 1 Stunde.
- Metabolisierung: Hepatisch, überwiegend durch die CYP3A4 und CYP2C9 Enzyme.
- Ausscheidung: Über Urin und Stuhl (je nach Substanz zu ca. 50:50 Prozent). Die Plasmahalbwertszeit beträgt für Levonorgestrel ca. 24 Stunden, für Ethinylestradiol ca. 24 Stunden.
- Wirkdauer: Die empfängnisverhütende Wirkung ist bei regelmäßiger täglicher Einnahme über 24 Stunden zuverlässig und auch bei kurzen Einnahmeverzögerungen (bis 12 Stunden) meistens erhalten.
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis in Deutschland
Die Tablette wird einmal täglich, möglichst zur gleichen Uhrzeit eingenommen – unabhängig von Mahlzeiten. Der typische Einnahmeschema besteht aus 21 Tagen Tabletteneinnahme, gefolgt von sieben tablettenfreien Tagen ("Pillenpause") oder Einnahme von Placebo-Tabletten (je nach Präparat). Während der Pause kommt es meist zu einer menstruationsähnlichen Entzugsblutung.
Spezielle Hinweise:
In Deutschland ist die tägliche, zeitgleiche Einnahme besonders wichtig, da Krankenkassen die Kosten nur bei fehlerfreier Anwendung übernehmen. Einnahmefehler sollten umgehend fachkundig (z.B. via Hotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder Gynäkolog*in) geklärt werden.
Einnahme morgens vs. abends
- Morgens: Vorteil: Einnahme kann mit morgendlichen Routinen wie Frühstück gekoppelt werden. Gefahr: Eventuell Erbrechen nach dem Aufstehen (z.B. bei Migräne-Vorgeschichte).
- Abends: Vorteil: Große Zeitstabilität (insbesondere bei Schichtdienst oder mit dem Abendessen). Gefahr: Störungen durch plötzlichen Schlaf (Vergessen) oder Alkoholkonsum in der Nacht.
- Tipp: Wählen Sie eine Uhrzeit, die zu Ihrem Alltag passt. Wichtig ist die tägliche Regelmäßigkeit, auch am Wochenende oder im Urlaub.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Die empfängnisverhütende Wirkung von Alesse wird durch Mahlzeiten nicht beeinflusst. Es spielt keine Rolle, ob die Tablette zu, vor oder nach einer Mahlzeit mit Tee, Kaffee, Wasser oder Brot eingenommen wird. Auch typische Komponenten der deutschen Ernährung (z.B. Milch, Brot, Käse, Wurst) verändern die Wirksamkeit nicht. Bei empfindlichem Magen kann es jedoch sinnvoll sein, die Tablette mit einer kleinen Mahlzeit oder abends einzunehmen.
Wechselwirkungen
| Kategorie | Beispiel(e) | Hinweis für die Patientin |
|---|---|---|
| Arzneimittel | Antibiotika (z.B. Rifampicin), Antiepileptika (z.B. Carbamazepin), Johanniskraut, HIV-Medikamente, bestimmte Antimykotika | Wirksamkeit kann vermindert sein; zusätzliche Verhütungsmethode empfohlen. |
| Ernährung | Keine relevanten Interaktionen nachgewiesen | Normale deutsche Ernährungsgewohnheiten beeinträchtigen Alesse nicht. |
| Alkohol | Bier, Wein, Spirituosen | Alkohol vermindert die Pillenwirkung nicht; aber: Erbrechen/ Durchfall nach Alkoholkonsum kann Schutzwirkung aufheben! |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Indikation | Status | Klassischer Nutzen |
|---|---|---|
| Empfängnisverhütung | Zugelassen (offiziell) | Verhinderung einer Schwangerschaft |
| Zyklusregulation | Off-Label (in Praxis oft verwendet) | Verschiebung/ Stabilisierung der Periode, Behandlung von Dysmenorrhoe |
| Akne-Therapie | Off-Label (nur bei bestimmten Patientinnen nach individueller Beratung) | Hormonelle Einflussnahme auf Hautbild |
Dosierung nach Indikation und Altersgruppe
| Kategorie | Typische Dosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Erwachsene Frauen | 1 Tablette täglich (meist 21 Tage Einnahme, 7 Tage Pause/Placebo) | Beginn am 1. Zyklustag oder spätestens am 5. Tag der Periode |
| Jugendliche (ab 16 Jahre) | Wie Erwachsene | Nur nach ärztlicher Beratung und Aufklärung |
| Frauen ab 35 Jahre, Raucherinnen | Wie Erwachsene | Vorsicht: Höheres Thromboserisiko – individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Hormonelle Kontrazeptiva werden gut vertragen, können aber – wie alle Arzneimittel – Nebenwirkungen verursachen:
| Sehr häufig / Häufig | Gelegentlich | Selten / Sehr selten / Warnhinweise |
|---|---|---|
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Gegenanzeigen (Kontraindikationen): Bereits bestehende Thrombosen/Embolien, bekannte Gerinnungsstörungen, bestimmte Tumorerkrankungen, schwere Lebererkrankungen, ungeklärte vaginale Blutungen, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Wichtige Hinweise: Raucherinnen über 35 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen. Bei längerer Immobilisation oder unmittelbar vor Operationen ist gegebenenfalls eine vorübergehende Pausierung der Pille ärztlich sinnvoll.
Hinweise zur richtigen Anwendung – Tipps aus Apotheken und Praxen
- Pillenpackung an einem festen Ort aufbewahren (z.B. neben der Zahnbürste).
- Termin- oder Handy-Erinnerung einstellen.
- Im Urlaub, bei Zeitverschiebungen oder Schichtarbeit immer auf die 24-Stunden-Regel achten.
- Erbrechen oder starker Durchfall bis ca. 4 Stunden nach Einnahme kann die Wirkung aufheben – bitte die Anwendungshinweise beachten und ggf. zusätzliche Verhütungsmethode einsetzen.
- Vor einer geplanten Operation oder längerer Bettruhe rechtzeitig die gynäkologische Praxis kontaktieren.
- Wiederverordnung (Folgerezept) frühzeitig anfragen, um Versorgungslücken zu vermeiden.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (zugelassene und erstattungsfähige Optionen)
- Andere kombinierte orale Kontrazeptiva (z.B. Maxim, Belara, Yasminelle): Unterschiedliche Kombinationen aus Östrogenen und Gestagenen – individuell anpassbar, alle rezeptpflichtig, teils Kassenleistung bei jungen Frauen.
- Gestagenmonopräparate (z.B. Cerazette, Desogestrel): Für Frauen mit Östrogenunverträglichkeit oder -risiko, auch während der Stillzeit möglich.
- Hormonspirale (z.B. Mirena, Kyleena): Langanhaltender Schutz, besonders für Frauen, die auf Tageskontrolle verzichten möchten – Kassenleistung i.d.R. nur in Ausnahmefällen.
- Verhütungspflaster, Vaginalring (z.B. Evra, NuvaRing): Alternative Darreichungsformen.
- Barrieremethoden (Kondom, Diaphragma): Ohne Hormone und einfach anwendbar, schützen zugleich vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Vergleich: Orale Kontrazeptiva bieten sehr hohe Sicherheit (Pearl-Index <1), während Barrieremethoden etwas weniger zuverlässig sind. Spiralen und Implantate eignen sich für Frauen, die eine langfristige Lösung bevorzugen.
Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsregelungen in Deutschland
- Zulassung: Erhältlich durch BfArM zugelassene Präparate ("Alesse" kann als Import verschrieben werden, meist werden identische Formeln wie Levomin, Miranova, Minisiston vertrieben). Nationale und europäische Zulassungspflicht (PEI/BfArM/EMA).
- Verschreibungspflicht: Streng rezeptpflichtig (Apothekenpflicht – §48 AMG), Abgabe nur nach Vorlage eines ärztlichen Rezeptes.
- Erstattungsregelung durch die GKV: Bis zum vollendeten 22. Lebensjahr in der Regel erstattungsfähig, danach müssen Patientinnen die Kosten i.d.R. selbst tragen.
- Dokumentationspflicht: Eintrag und Beratungshinweise werden im Medikationsplan und im digitalen Patientenakte-System "ePA" dokumentiert.
Aktuelle Studien, Leitlinien & Empfehlungen (2022–2025)
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, AWMF S3-Leitlinie, Stand 2024): Kombinierte Kontrazeptiva wie Alesse zeigen eine hohe Zyklusstabilität, günstiges Nebenwirkungsprofil bei korrekter Auswahl und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. (AWMF Registernummer 015-015)
- Neue Daten aus internationalen Kohorten (z.B. NEJM 2023, Lancet 2024): Weiterhin sehr hohe Sicherheit, geringe Rate an venösen Thromboembolien besonders bei modernen mikrodosierten Präparaten. Risiko steigt mit Rauchen und höherem Lebensalter.
- Deutsche Kassenärztliche Vereinigung (KBV): Seit 2023 verstärkte Empfehlung für gemeinschaftliche Entscheidungsfindung, umfassende Patientenaufklärung und Dokumentation.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Preisbeispiele
| Packungsgröße | Inhalt | Apothekenverkaufspreis (ca.) | Verfügbarkeit in Großstädten |
|---|---|---|---|
| 1 Monatsblister | 21 Tabletten | ca. 6–13 € (versch. Anbieter) | In der Regel lagernd oder binnen 24-48h bestellbar |
| 3 Monatsblister | 63 Tabletten | ca. 15–29 € | In den meisten Präsenz- und Online-Apotheken lieferbar |
| 6 Monatsblister | 126 Tabletten | ca. 29–56 € | Fast immer auf Bestellung (24–72h), ggf. direkt lieferbar |
| Lieferzeiten (nach Standardbestellung) | Berlin | Hamburg | Köln | München | Leipzig |
|---|---|---|---|---|---|
| Lagernd | ja | ja | ja | ja | ja |
| Standardbestellung | 24 Std. | 24-48 Std. | 24 Std. | 24-48 Std. | 24-48 Std. |
FAQ – Häufig gestellte Fragen
- Ist die Wirkung von Alesse (bzw. Levonorgestrel/Ethinylestradiol) wirklich sicher?
Ja, bei korrekter, regelmäßiger Einnahme liegt die Sicherheit bei über 99%. Einnahmefehler, Vergessen oder bestimmte Arzneimittel können jedoch die Wirkung beeinträchtigen. - Darf ich unter Alesse Alkohol trinken?
Ja, Alkohol an sich beeinträchtigt die Wirkung nicht. Achten Sie aber auf eventuell auftretendes Erbrechen oder starken Durchfall, da dies die Schutzwirkung aufheben kann. - Was tun, wenn ich eine Tablette vergessen habe?
Nehmen Sie die Tablette sobald wie möglich ein, auch wenn dies bedeutet, zwei Tabletten an einem Tag zu nehmen. Lesen Sie unbedingt die Packungsbeilage und wenden Sie sich bei Unsicherheiten an Ihre Apotheke/Gynäkolog*in. - Kann ich die Pille zur Verschiebung meiner Blutung nutzen?
Ja, dies ist möglich. Die Tablettenpause kann nach Rücksprache mit ärztlichem Fachpersonal verschoben oder ausgelassen werden, um die Blutung zu verschieben. - Zahlt meine Krankenkasse die Pille?
Für Frauen bis einschließlich 22 Jahre übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in der Regel die Kosten. Danach erfolgt keine Erstattung mehr, außer bei bestimmten medizinischen Indikationen.

