Amitriptylin – Umfassende Patienteninformation
Grundlegende Produktinformationen
- Internationaler Freiname (INN): Amitriptylin
- Markennamen in Deutschland: Saroten®, Amitriptylin-neuraxpharm®, Amitriptylin-1A Pharma®, u.a.
- ATC-Code: N06AA09
- Verfügbare Darreichungsformen und Wirkstärken:
- Tabletten (z. B. 10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg)
- Retardkapseln (z. B. 50 mg, 75 mg)
- Saft/Lösung (z. B. 10 mg/ml)
- Hersteller (Deutschland): neuraxpharm Arzneimittel GmbH, 1A Pharma GmbH, Teofarma, u.a.
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig nach AMG, Abgabe nur in Apotheken)
Wirkmechanismus
Amitriptylin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Das Medikament wirkt hauptsächlich, indem es die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin in den Nervenzellen des Gehirns hemmt, wodurch deren Konzentration im synaptischen Spalt steigt. Dadurch können depressive Symptome gelindert und Schmerzen moduliert werden. Zusätzlich besitzt Amitriptylin dämpfende und schlaffördernde Eigenschaften, was vor allem bei Schlafstörungen von Vorteil ist.
Für Fachpersonal: Amitriptylin ist ein nicht-selektiver Monoamin-Wiederaufnahmehemmer mit zusätzlicher anticholinerger, antihistaminerger und alpha1-adrenolytischer Wirkung. Durch Hemmung des präsynaptischen Serotonin- und Noradrenalintransporters (SERT/NET) wird die noradrenerge und serotonerge Neurotransmission verstärkt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Rasche und fast vollständige Aufnahme nach oraler Einnahme (Bioverfügbarkeit ca. 30–60 % wegen First-Pass-Effekt).
- Metabolismus: Hauptsächlich hepatisch über CYP2D6 und CYP2C19 in den aktiven Metaboliten Nortriptylin.
- Elimination: Hauptsächlich renale Ausscheidung als Metaboliten (ca. 44–48 %). Geringe unveränderte Ausscheidung.
- Wirkdauer: ca. 12–24 Stunden (Plasmahalbwertszeit Amitriptylin: ca. 9–46 h, Nortriptylin: ca. 18–44 h).
Anwendung im Alltag & Best Practice in Deutschland
- Die übliche Startdosis für Erwachsene beträgt meist 10–25 mg abends. Je nach Verträglichkeit und Wirkung wird die Dosis langsam gesteigert.
- Die Einnahme erfolgt vorzugsweise einmal täglich am Abend. Niedrige Dosen können auch bei Bedarf geteilt eingenommen werden.
- Die Tablette wird unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
- Eine regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit ist wichtig für die Wirksamkeit.
- Die Behandlung sollte individuell angepasst und nicht abrupt beendet werden (Ausschleichen empfohlen).
- Kinder und ältere Menschen erhalten niedrigere Anfangsdosen und werden besonders sorgfältig überwacht (siehe Tabelle "Dosierung").
Morgens oder abends einnehmen?
- Abends (häufig empfohlen): Amitriptylin wirkt schlaffördernd und beruhigend, daher ist die abendliche Einnahme besonders bei Schlafstörungen sinnvoll und reduziert Müdigkeit tagsüber.
- Morgens: Kann tagsüber zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen führen; daher selten empfohlen.
- Tipp: Immer zur gleichen Tageszeit einnehmen und bis zur Toleranz der Sedierung keine Maschinen bedienen oder Auto fahren.
Mit oder ohne Nahrung?
- Amitriptylin kann mit oder ohne Mahlzeiten eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen ist eine Einnahme nach dem Essen empfehlenswert (z. B. nach typisch deutschem Frühstück – Brot, Brötchen, Haferflocken – oder Abendessen).
- Fettreiche oder sehr große Mahlzeiten verzögern die Aufnahme geringfügig – klinisch meist ohne Bedeutung.
- Alkohol sollte während der Behandlung gemieden werden!
Warnhinweise: Wechselwirkungen & Interaktionen
| Interaktionspartner | Mögliche Wirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, erhöhte Unfallgefahr | Vermeiden |
| MAO-Hemmer | Lebensbedrohliche serotonerge Symptome | Kombination streng kontraindiziert |
| SSRI/SNRI (z. B. Fluoxetin, Paroxetin) | Erhöhtes Risiko für serotonerges Syndrom | Dose anpassen, ggf. Alternative wählen |
| Antihypertensiva | Abschwächung der blutdrucksenkenden Wirkung | Blutdruck kontrollieren |
| Anticholinerge Wirkstoffe | Verstärkte Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt | Vorsicht, ggf. Arzneimittel überprüfen |
| Johanniskraut | Wirkungsabschwächung möglich | Nicht kombinieren |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Depressive Episode | zugelassen | Behandlung mittelschwerer bis schwerer Depressionen |
| Chronische Schmerzen (z. B. neuropathische Schmerzen, Fibromyalgie) | off-label, Leitlinienempfehlung | Adjuvante Schmerztherapie bei Nichtansprechen auf Standardanalgetika |
| Präventive Therapie der Migräne | off-label, Leitlinienempfehlung | Vorbeugung von Migräneattacken bei Erwachsenen |
| Enuresis nocturna bei Kindern | in Ausnahmefällen | Nur nach spezialärztlicher Beurteilung |
| Angststörungen | off-label | Selten, nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppe | Empfohlene Startdosis | Erhaltungsdosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (Depressionen) | 25 mg abends | 50–150 mg/Tag (über 1–2 Gaben) | max. 150–200 mg/Tag |
| Erwachsene (Schmerzsyndrome, Migräne) | 10–25 mg abends | 10–75 mg/Tag | 100 mg/Tag |
| Ältere Menschen (ab 65 Jahre) | 10 mg abends | 10–75 mg/Tag, individuell titrieren | 75 mg/Tag |
| Kinder (Enuresis, ab 6 Jahre) | 10 mg abends | bis 25 mg/Tag (maximal) | 25 mg/Tag |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann Amitriptylin Nebenwirkungen verursachen. Die wichtigsten sind hier zusammengefasst:
| Häufigkeit | Beispiele für Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Benommenheit |
| Häufig (1–10%) | Verstopfung, Harnverhalt, verschwommenes Sehen, Schwitzen, Schwindel |
| Gelegentlich (0,1–1%) | Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall beim Aufstehen, sexuelle Funktionsstörungen |
| Selten (<0,1%) | Krampfanfälle, Leberfunktionsstörungen, allergische Reaktionen |
Warnhinweise: Amitriptylin kann die Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Besonders zu Beginn oder bei Dosissteigerung sollte das Bedienen von Maschinen und das Fahren von Fahrzeugen vermieden werden. Vorsicht auch bei Patienten mit erhöhter Suizidgefahr, Herz-Vorerkrankungen, Epilepsie, Engwinkelglaukom oder Prostatahyperplasie.
Anwendungshinweise aus Apotheke/Klinik
- Arzneimittel regelmäßig einnehmen, auch wenn die Wirkung verzögert einsetzt (nach 2–4 Wochen).
- Tabletten nicht zerkauen. Lösung genau abmessen (am besten mit Apotheken-Dosierspritze).
- Bei eigenmächtigen Dosisänderungen oder Absetzen kann es zu Entzugserscheinungen und Rückfall kommen!
- Regelmäßige Arztbesuche zur Therapiekontrolle und Laborwertkontrolle sichern den Therapieerfolg.
- Bei Anzeichen von Überempfindlichkeitsreaktionen, Herzrasen, veränderter Haut- oder Augenfarbe unverzüglich ärztliche Hilfe aufsuchen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (Erstattung durch GKV)
- Moderne Antidepressiva: z. B. SSRI (Sertralin, Escitalopram), SNRI (Duloxetin, Venlafaxin)
- Andere trizyklische Antidepressiva: Nortriptylin, Imipramin
- Antikonvulsiva bei Schmerzen: Gabapentin, Pregabalin
- Weitere: Mirtazapin, Agomelatin
Vorteile der Alternativen: Weniger Nebenwirkungen, geringeres Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen (z. B. bei SSRI). Nachteile: Manchmal weniger Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen oder schlaffördernder Wirkung.
Alle o.g. Alternativen sind in der Regel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig, sofern eine Indikationsstellung nach S3-Leitlinie vorliegt.
Rechtliche Aspekte und Erstattung in Deutschland
- Zulassung: Amitriptylin ist durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für den deutschen Markt zugelassen.
- Besonderheiten: Keine Betäubungsmittelverordnung erforderlich; jedoch verschreibungspflichtig.
- Kostenerstattung: Bei zugelassener Indikation (Depression) sowie bei chronischem Schmerz/Schlafstörung nach fachärztlicher Festlegung: Regelmäßige Erstattung durch alle gesetzlichen Kassen (GKV).
Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL): Amitriptylin wird weiterhin als wirksame Option bei therapieresistenter Depression, chronischen Schmerzen und Schlafstörungen empfohlen, insbesondere wenn andere Präparate nicht ausreichend wirken (AWMF, 2022).
- Zuverlässigkeit und Anwendungssicherheit: Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) empfiehlt ein sorgfältiges Risiko-Nutzen-Abwägen bei älteren Patienten aufgrund erhöhter kardiovaskulärer Nebenwirkungen (DGPPN 2024).
- Internationale Literatur: Neuere Metaanalysen (u. a. NICE 2023, The Lancet Psychiatry 2022) unterstreichen die Wirksamkeit von Amitriptylin bei neuropathischen Schmerzen und Migräneprophylaxe.
Verfügbarkeit & Lieferung
In deutschen Apotheken meist sofort verfügbar. In Ausnahmefällen kann die Lieferung 1–2 Werktage dauern. Eine Rezeptpflicht gilt in ganz Deutschland.
| Packungsgröße (Tabletten) | Listenpreis¹ | Lieferzeit (Berlin) | Lieferzeit (München) | Lieferzeit (Hamburg) |
|---|---|---|---|---|
| 20 Stück (25 mg) | ca. 10,20 € | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag |
| 50 Stück (25 mg) | ca. 17,50 € | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag |
| 100 Stück (10 mg) | ca. 23,70 € | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag | sofort/1 Tag |
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie schnell wirkt Amitriptylin?
Erste Effekte bei Schmerzen oder Schlaf treten oft nach einigen Tagen ein. Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt meist erst nach 2–4 Wochen ein. Bitte nehmen Sie das Medikament trotzdem regelmäßig weiter ein. - Darf ich mit Amitriptylin noch Auto fahren?
Zu Beginn der Behandlung oder nach Dosisänderungen sollten Sie auf das Autofahren verzichten, da es zu Schläfrigkeit und verlangsamten Reaktionen kommen kann. Besprechen Sie dies ggf. mit Ihrem Arzt. - Kann ich mit Amitriptylin Alkohol trinken?
Alkohol verstärkt die beruhigende Wirkung von Amitriptylin und erhöht die Gefahr von Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit. Verzichten Sie während der Behandlung möglichst ganz auf Alkohol. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis nach, sobald Sie daran denken – außer es ist bereits fast Zeit für die nächste Einnahme. Verdoppeln Sie niemals die Dosis. Setzen Sie die Behandlung dann wie gewohnt fort. - Kann Amitriptylin abhängig machen?
Bei korrekter Einnahme und ärztlicher Überwachung besteht kein Suchtpotenzial. Setzen Sie das Mittel aber niemals abrupt ab, sondern besprechen Sie ein schrittweises Ausschleichen mit Ihrem Arzt.
Bei weiteren Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich jederzeit an Ihr Apothekenteam oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt.

