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Prograf (Tacrolimus)

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Prograf enthält den Wirkstoff Tacrolimus und wird zur Vorbeugung der Organabstoßung nach einer Transplantation eingesetzt. Es hilft dem Körper, das neue Organ nicht als fremd abzustossen. Die Einnahme erfolgt meist als Kapsel oder Lösung, genau nach ärztlicher Anweisung. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Bitte besprechen Sie Fragen zur Einnahme immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Prograf® (Tacrolimus) – Umfassende Anwendungshinweise für Patient:innen in Deutschland

Grundlagen: Produktinformationen

Internationaler Freiname (INN) Tacrolimus
Handelsnamen in Deutschland Prograf®, Advagraf®, Tacni®, Modigraf®
ATC-Code L04AD02
Verfügbare Darreichungsformen und Stärken Kapseln (0,5 mg, 1 mg, 5 mg), Retard-Kapseln (Advagraf®, 0,5 mg, 1 mg, 3 mg, 5 mg), Granulat zur Suspension
Hersteller Astellas Pharma GmbH, diverse Generikahersteller
Verschreibungsstatus Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach AMG)

Tacrolimus ist ein Immunsuppressivum, das vor allem zur Vorbeugung der Abstoßung nach Organtransplantationen wie Nieren-, Leber- oder Herztransplantationen eingesetzt wird. In Deutschland ist Prograf® eines der am häufigsten verordneten Tacrolimus-Präparate.

Wirkmechanismus

  • Laienverständlich: Tacrolimus schwächt gezielt das Immunsystem ab. So verhindert es, dass das Immunsystem ein transplantiertes Organ angreift (Abstoßungsreaktion).
  • Für Fachkreise: Tacrolimus hemmt über Bindung an das FKBP-12 (FK506-binding protein 12) das Enzym Calcineurin. Das führt zu einer verminderten Aktivierung von T-Zellen und einer reduzierten Freisetzung von Interleukin-2 und anderen proinflammatorischen Zytokinen.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Nach oraler Einnahme wird Tacrolimus variabel, aber relativ rasch (Tmax: 1-3 Stunden, Retard: 4-6 Stunden) resorbiert.
  • Metabolisierung: Über die Leber (CYP3A4, CYP3A5). Starke individuelle Schwankungen möglich.
  • Ausscheidung: Hauptsächlich biliär (über die Leber in die Galle), geringe Ausscheidung über die Nieren.
  • Wirkdauer: Die Halbwertszeit beträgt im Durchschnitt 12–18 Stunden bei Prograf® (Standard-Kapseln), bis zu 43 Stunden bei Advagraf® (Retardkapseln).

Anwendung im Alltag & Anwendungshinweise

  • Meistens wird zu Beginn Prograf® 2 Mal täglich, morgens und abends, eingenommen. Advagraf®/Retardformen 1 Mal täglich morgens.
  • Die Dosis wird streng individuell, meist nach Blutspiegel, durch Ihren Transplantationsarzt/Facharzt bestimmt (Therapeutisches Drug Monitoring).
  • Nie selbstständig Dosierung ändern oder Einnahme aussetzen! Melden Sie Veränderungen stets Ihrer Transplantationsambulanz oder Ihrem Hausarzt.
  • Die Kapseln unzerkaut mit einem Glas Wasser schlucken.
  • Bei Erbrechen oder Durchfall: Arzt informieren – die Aufnahme kann vermindert sein!
  • Ein fester Einnahmezeitpunkt erhöht die Therapiesicherheit.

Einnahme: Morgens vs. Abends

  • Morgens: Ideal, da Blutspiegel messbar und Tagesrhythmus besser kontrolliert werden kann. Advagraf® ist nur für die morgendliche Einnahme zugelassen.
  • Abends: Bietet sich an, wenn Nebenwirkungen (z. B. Tremor) morgens unangenehm sind; aber: Blutspiegel-Überwachung schwieriger.
  • Tipp: Einnahme immer zur gleichen Tageszeit einnehmen. Bei Vergessen der Dosis: Zeitnah nachholen, aber NIE doppelte Dosis!

Einnahme mit oder ohne Nahrung (deutsche Ernährungsaspekte)

Tacrolimus sollte, um Schwankungen des Blutspiegels zu minimieren, immer in gleicher Weise eingenommen werden – entweder stets nüchtern (1 Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit) oder immer zu einer Mahlzeit. In Deutschland ist dies besonders im Zusammenhang mit dem oft üppigen Frühstück oder Abendessen relevant.

  • Fettreiche oder ballaststoffreiche Mahlzeiten (z.B. Brot, Eier, Wurst, Müsli) können die Aufnahme verringern und verzögern.
  • Grapefruitsaft oder Pomelo sowie deren Produkte dürfen wegen erheblichen Wechselwirkungen nicht konsumiert werden!

Wechselwirkungen & Warnhinweise

Interagierender Stoff Beispiel(e) Hinweis
Nahrungsmittel Grapefruit, Pomelo, Granatapfel Kann den Blutspiegel stark erhöhen!
Alkohol Bier, Wein, Spirituosen Erhöht Nebenwirkungsrisiko (Leber, Psyche)
Antibiotika/Antipilzmittel Clarithromycin, Erythromycin, Ketoconazol Blutspiegel-Kontrolle notwendig
Entwässerungsmittel Furosemid, Hydrochlorothiazid Wirkung auf Nieren beachten
Andere Immunsuppressiva Ciclosporin, Sirolimus Kombination nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung
Johanniskraut Herbalpräparate Blutspiegel können gefährlich absinken
Säureblocker Omeprazol, Lansoprazol Achtung bei Umstellung auf andere Präparate

Indikationen (zugelassen und Off-Label)

Indikation Status
Prophylaxe der Organabstoßung nach Nieren-, Leber-, Herz- oder Lungentransplantation Zugelassen
Therapie akuter Organabstoßung bei Vorbehandlung mit anderen Immunsuppressiva Zugelassen
Bestimmte Autoimmunerkrankungen (z.B. schwere atopische Dermatitis, Lupus nephritis) Off-Label (nur nach Rücksprache mit dem Arzt)

Dosierung nach klinischer Indikation

Patientengruppe Indikation Empfohlene Initialdosis Bemerkung
Erwachsene Nierentransplantation 0,1–0,2 mg/kg KG/Tag in 2 Dosen (Prograf®) Blutspiegel nach ca. 3–5 Tagen prüfen und Dosis anpassen
Erwachsene Lebertransplantation 0,10–0,15 mg/kg KG/Tag in 2 Dosen (Prograf®) "
Kinder (ab 2 J.) Organtransplantation 0,20–0,30 mg/kg KG/Tag in 2 Dosen Engmaschige Überwachung notwendig
Ältere Patienten (>65 J.) s.o. Erwachsenendosis, unter strenger Überwachung Erhöhtes Nebenwirkungsrisiko, ggf. niedrigere Erhaltungsdosis erforderlich

Hinweis: Die Dosierung ist immer individuell und muss regelmäßig anhand von Tacrolimus-Blutspiegeln (C0 bei Prograf®, C24 bei Advagraf®) überprüft und angepasst werden.

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

Häufigkeit Unerwünschte Wirkung Hinweis
Sehr häufig (>10%) Hyperglykämie, Diabetes, Tremor, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Hypertonie, Nierenschädigung, Infektionen Regelmäßige Kontrolluntersuchungen dringend empfohlen
Häufig (1–10%) Magenschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Leberwertveränderungen, erhöhte Kaliumwerte, Krämpfe
Gelegentlich (0,1–1%) Herzrhythmusstörungen, Veränderungen im Blutbild, Muskelkrämpfe
Selten/Sehr selten Pankreatitis, Hautausschläge, maligne Neoplasien, schwerwiegende Infektionen Bei neuen Beschwerden sofort zum Arzt!

Warnhinweis: Tacrolimus erhöht das Risiko für Infektionen und (auf lange Sicht) für bestimmte Krebserkrankungen der Haut und des lymphatischen Systems. Achten Sie auf Sonnenschutz und melden Sie alle unklaren Hautveränderungen dem Arzt.

Richtige Anwendung – Apotheken- und Klinikberatung

  • Lagern Sie Tacrolimus-Präparate bei Raumtemperatur (<25 °C), geschützt vor Feuchtigkeit.
  • Kein Umfüllen in andere Behälter – kindersicher aufbewahren!
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Impfungen mit Lebendimpfstoffen während der Einnahme.
  • Melden Sie alle neuen Symptome oder Nebenwirkungen unverzüglich Ihrer Transplantationsambulanz oder Ihrem behandelnden Facharzt.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen inkl. Blutbild, Nieren-, Leber- und Glukosewerte sind verpflichtend.
  • In Apotheken erhalten Sie eine Medikationsberatung sowie aktuelle Wechselwirkungschecks.

Alternative Therapieoptionen (GKV-Erstattung, Vor- und Nachteile)

  • Ciclosporin (z. B. Sandimmun®)
    Vorteile: Bekanntes Langzeitprofil, etablierte Wirksamkeit.
    Nachteile: Stärkere kosmetische Nebenwirkungen (Zahnfleischwucherungen, Hypertrichose), mehr metabolische Komplikationen.
  • Mycophenolat-Mofetil (z. B. CellCept®)
    Vorteile: Weniger nephrotoxisch, gute Kombinierbarkeit.
    Nachteile: Gastrointestinale Nebenwirkungen, erhöhtes Infektionsrisiko, nur in Kombination mit Calcineurininhibitoren ausreichend.
  • Belatacept (Nulojix®)
    Vorteile: Keine direkte Nephrotoxizität, gute Option bei Nierenschäden.
    Nachteile: Nur i.v.-Anwendung, hohe Kosten, begrenzte Evidenz außer Niere.
  • Sirolimus/Everolimus (mTOR-Inhibitoren)
    Vorteile: Alternative bei Tumor­vorgeschichte oder Nephrotoxizität.
    Nachteile: Hyperlipidämie, Wundheilungsstörung.

Alle genannten Arzneimittel sind bei Transplantationspatient:innen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. Die Auswahl erfolgt nach individuellen Risiken und ärztlicher Beurteilung.

Rechtlicher Status, Zulassung und Erstattung

  • Prograf®/Tacrolimus ist in Deutschland vollständig durch die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) sowie das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zugelassen.
  • Nur mit gültigem ärztlichen Rezept in Apotheken erhältlich (Rx). Missbrauch und Weitergabe sind strafbar.
  • Die GKV (z.B. AOK, TK, BARMER) übernimmt die Kosten bei zugelassenen Indikationen vollständig.
  • Jede Packung ist durch Herkunfts- und Chargennummer rückverfolgbar. Achten Sie auf das Originalitäts-Siegel!

Neueste Forschung & Klinische Leitlinien (2022–2025)

  • Klassische Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus gelten weiter als „Goldstandard“ zur Langzeitprophylaxe von Transplantatabstoßungen (Deutsche Gesellschaft für Transplantationsmedizin, S2k-Leitlinie 2023).
  • Individualisiertes Wirkstoffmonitoring und pharmakogenetische Tests (CYP3A5-Genotypisierung) setzen sich zunehmend durch.
  • Langzeitstudien (2023–2025) belegen: Retardpräparate (Advagraf®) erhöhen die Therapietreue und reduzieren Blutspiegelschwankungen bei vergleichbarem Nebenwirkungsprofil.
    (vgl. European Society for Organ Transplantation, Congress Abstracts 2024)
  • Prävention von Hautkrebs und Infektionen ist ein wachsender Schwerpunkt: Neue Patientenschulungen und Hautscreenings werden empfohlen.
  • Wechselwirkungschecks werden durch die elektronische Patientenakte (ePA) zunehmend unterstützt.

Verfügbarkeit und Lieferung in Deutschland

Prograf®, Advagraf® und generische Tacrolimus-Präparate sind in allen deutschen Apotheken verfügbar. In vielen Fällen ist eine Bestellung verfügbarer Packungsgrößen innerhalb weniger Stunden möglich.

Packungsgröße Apothekenverkaufspreis (UVP)* Lieferzeit (in Werktagen) Lieferung in große Städte (ca.)
30 Kapseln à 1 mg ~ 120 € 1–2 Tage Berlin, Hamburg, München: 1 Tag
50 Kapseln à 1 mg ~ 190 € 1–3 Tage Frankfurt, Köln, Stuttgart: 1–2 Tage
100 Kapseln à 1 mg ~ 340 € 1–3 Tage Bremen, Dresden, Nürnberg: 2 Tage
Retard (Advagraf®) 30 x 1 mg ~ 125 € 1–2 Tage Alle Ballungsgebiete: 1 Tag

*Stand: April 2024, tatsächliche Selbstzahlerpreise unter GKV-Verordnung deutlich geringer (nur Zuzahlung).

FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen

  1. Muss ich Prograf® mein Leben lang einnehmen?
    In den meisten Fällen ist Tacrolimus ein lebenslang notwendiges Medikament, um eine Organabstoßung zu verhindern. In besonderen Situationen kann die Dosis vom Arzt reduziert oder umgestellt werden.
  2. Was tue ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
    Nehmen Sie die vergessene Dosis, sobald Sie daran denken, jedoch niemals doppelt. Lassen Sie eine vergessene Dosis aus, wenn es fast Zeit für die nächste Einnahme ist. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
  3. Kann ich während der Behandlung mit Tacrolimus reisen?
    Ja! Sie benötigen jedoch eine ärztliche Bescheinigung für den Medikamentenimport ins Ausland. Vergessen Sie nicht ausreichend Medikamente und alle aktuellen Befunde/Rezepte mitzunehmen.
  4. Kann ich mit Tacrolimus geimpft werden?
    Lebendimpfstoffe sollten gemieden werden. Für Totimpfstoffe (z. B. Grippe, Pneumokokken, COVID-19) wird meist eine gesonderte Impfplanung vorgenommen – bitte im Transplantationszentrum rücksprache halten.
  5. Ist eine Umstellung auf ein anderes Tacrolimus-Präparat möglich?
    Ein Präparatewechsel ist möglich, bedarf aber einer genauen Umstellung und Blutspiegelkontrolle. Niemals eigenständig wechseln!

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Ihre Klinik, Ihr Transplantationszentrum oder Ihre Apotheke. Bei Nebenwirkungen und Fragen zur Wechselwirkung kontaktieren Sie das medizinische Fachpersonal.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

0,5mg, 1mg, 5mg

Paket: No selection

10 pill, 20 pill, 30 pill, 60 pill, 90 pill