Maxolon (Metoclopramid): Umfassende Patienteninformation für Deutschland
Basisinformationen zum Produkt
- Wirkstoff: Metoclopramid (INN: Metoclopramidum)
- Handelsnamen in Deutschland: Maxolon®, Paspertin®, MCP-ratiopharm®, MCP AL®
- ATC-Code: A03FA01
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
- Tabletten: 10 mg
- Lösung (Tropfen): 4 mg/ml
- Injektionslösung: 10 mg/2 ml
- Hersteller: Diverse, darunter Teofarma, ratiopharm, ALIUD PHARMA
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (RX), Abgabe nur gegen ärztliches Rezept
Wirkmechanismus
Allgemein verständlich: Metoclopramid beschleunigt die Magenentleerung und unterstützt die normalen Bewegungen des Darms. Es blockiert Botenstoffe (Dopamin) im Gehirn, die Übelkeit und Erbrechen auslösen.
Für Fachkräfte: Metoclopramid ist ein zentral und peripher wirksamer D2-Rezeptor-Antagonist mit potenzieller 5-HT3-Antagonisten-Eigenschaft; es steigert die Motilität des oberen Gastrointestinaltrakts über cholinerge Mechanismen und hemmt dabei selektiv die Dopamin-Rezeptoren in der Chemorezeptor-Triggerzone (CTZ) der Area postrema.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnell und nahezu vollständig nach oraler Einnahme. Maximale Plasmaspiegel nach ca. 1–2 Stunden.
- Metabolisierung: In der Leber, hauptsächlich durch Sulfatierung und Glukuronidierung.
- Elimination: Über den Urin, ca. 80% als Metaboliten innerhalb von 24 Stunden.
- Wirkdauer: 6–8 Stunden (oral), bei Injektion kürzer; Halbwertszeit ca. 5–6 Stunden
- Besonderheit bei eingeschränkter Nierenfunktion: Dosierungsanpassung empfohlen.
Anwendung im Alltag und Best-Practice (Deutschland-spezifisch)
- Typische Dosierung bei Erwachsenen: 10 mg bis zu 3-mal täglich über maximal 5 Tage.
- Art der Einnahme: Mit etwas Wasser; nicht länger oder häufiger als verordnet einnehmen.
- Im deutschen Kontext: Verordnung fast ausschließlich bei Übelkeit und Erbrechen (z. B. Chemotherapie, Migräne, postoperativ). Bei längerem Gebrauch sorgfältige ärztliche Überwachung nötig.
- Pädiatrie: Nur unter strenger Indikation und auf ärztliche Anweisung.
Morgens oder abends – Einnahmezeitpunkt
- Morgendliche Einnahme: Vorteil bei morgendlicher Übelkeit, z. B. bei Migräne.
- Abendliche Einnahme: Sinnvoll bei Symptomen während der Nacht oder bei Schlafstörungen durch Übelkeit.
- Tipp: Möglichst regelmäßig zur gleichen Tageszeit einnehmen, entsprechend der häufigsten Symptom-Spitzenzeiten.
Mit oder ohne Nahrung?
- Empfehlung: 30 Minuten vor den Mahlzeiten einnehmen. Dies verstärkt die Wirkung auf die Magenentleerung.
- Bei typischer deutscher Ernährung: Gilt auch bei schwereren, fettigen Mahlzeiten (z. B. abends), wenn Symptome nach dem Essen auftreten.
- Hinweis: Einnahme auf nüchternen Magen kann leichten Wirkeintritt beschleunigen!
Wechselwirkungen
| Interaktionspartner | Beschreibung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkte schlaffördernde und dämpfende Wirkung | Vermeiden |
| Antipsychotika (z. B. Haloperidol) | Steigerung extrapyramidal-motorischer Nebenwirkungen | Nur unter ärztlicher Kontrolle |
| Levodopa/Dopaminagonisten | Wirkungsabschwächung; Wirkung hebt sich gegenseitig auf | Vermeiden |
| Anticholinergika | Abschwächung der prokinetischen Wirkung von Metoclopramid | Vorsicht bei Kombination |
| Sedierende Antihistaminika | Potentierung der zentralnervösen Dämpfung | Kombination vermeiden |
| MAO-Hemmer | Gefahr von Blutdruckkrisen | Nur bei strenger Indikationsstellung |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Übelkeit/Erbrechen (z. B. Chemotherapie, Migräne) | Zugelassen | Zur Kurzzeitbehandlung akuter Beschwerden bei Erwachsenen und Jugendlichen (≥15 Jahre) |
| Verzögerte Magenentleerung (Gastroparese) | Zugelassen (nur in Einzelfällen) | Vorwiegend bei Diabetikern zur Symptombehandlung |
| Postoperative Übelkeit | Zugelassen | Vorbeugung und Therapie, insbesondere nach Vollnarkose |
| Refluxkrankheit (Gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD) | Off-label | Als Zusatztherapie, nicht erste Wahl |
| Stillprobleme (Galaktorrhö, Hyperprolaktinämie) | Nicht zugelassen | Können als Nebenwirkung auftreten, keine Therapieindikation |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppierung | Standarddosis | Maximaldosis/Tag | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 10 mg 1–3× tgl. | 30 mg | Höchstens 5 Tage! |
| Jugendliche (≥15 Jahre, ≥61 kg) | 10 mg 1–3× tgl. | 30 mg | Wie bei Erwachsenen |
| Jugendliche (<61 kg) | 0,1–0,15 mg/kg 1–3× tgl. | 0,5 mg/kg | Nicht länger als 5 Tage |
| Säuglinge/Kinder (<15 Jahre) | Kontraindiziert | Nur in Ausnahmefällen unter strenger Indikation | |
| Ältere Menschen (>65 Jahre) | Reduzierte Anfangsdosis empfohlen (5 mg 1–2× tgl.) | 15 mg | Beobachtung auf Nebenwirkungen! |
| Nieren- oder Leberinsuffizienz | Reduzierte Tagesdosis (50–75%) | Siehe ärztliche Anweisung | Engmaschige Kontrolle nötig |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig (≥10%): Müdigkeit, Schwäche, Schläfrigkeit
- Häufig (1–10%): Durchfall, Kopfschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit
- Gelegentlich (0,1–1%): Extrapyramidal-motorische Störungen (z. B. Muskelsteifheit, Krämpfe, unwillkürliche Bewegungen)
- Selten (<0,1%): Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Hautausschlag
- Sehr selten: Malignes neuroleptisches Syndrom
- Warnhinweise:
- Risiko motorischer Nebenwirkungen erhöht bei Kindern und Älteren
- Bei Anzeichen wie Muskelkrämpfen, Zungenverdrehungen oder Fieber sofort Arzt kontaktieren!
- Regelmäßige Überprüfung der Arzneimitteleinnahme, besonders bei Langzeittherapie
Richtiges Anwenden: Tipps aus der Apotheke/der Klinik
- Nehmen Sie Metoclopramid nicht länger als 5 Tage am Stück und nicht häufiger als verordnet.
- Halten Sie sich an die feste Tageszeit der Einnahme.
- Trinken Sie ausreichend Wasser. Vermeiden Sie Alkohol und sedierende Medikamente.
- Informieren Sie Ihren Arzt bei neuen oder verstärkten Nebenwirkungen.
- Bei vergessener Einnahme: Nicht doppelt einnehmen, sondern zur nächsten geplanten Zeit fortfahren.
- Überwachen Sie die Verträglichkeit – insbesondere bei älteren Patienten und Kindern.
Alternativen (mit Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung)
- Domperidon: Weniger ZNS-Nebenwirkungen, aber Einschränkungen wegen kardialer Risiken; nur für bestimmte Indikationen zugelassen und GKV-erstattet.
- Ondansetron: Besonders bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit; sehr effektiv, allerdings teurer; GKV-erstattet bei entsprechender Indikation.
- Dexamethason: Adjuvant bei Übelkeit unter Chemotherapie; steroidbedingt Nebenwirkungen möglich.
- Dimenhydrinat: Für leichtere Fälle (Reisekrankheit, leichte Übelkeit); in Apotheken frei verkäuflich.
- Meclozin: Speziell bei Schwangerschaftsübelkeit, aber weniger gut wirksam bei akuter starker Übelkeit.
Vergleich: Metoclopramid wirkt rasch und gezielt, sollte jedoch aufgrund des Nebenwirkungsprofils nur kurzfristig eingesetzt werden. Domperidon ist weniger wirksam bei Übelkeit nach Zytostatika, Ondansetron dafür die erste Wahl bei Krebspatienten.
Rechtliche Situation, Registrierung und Kostenerstattung in Deutschland
- Zulassung durch: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Abgabe: Rezeptpflichtig; keine Selbstmedikation erlaubt
- Erstattung: Bei klarer Indikation (z. B. Chemotherapie-induzierte Übelkeit) durch GKV (gesetzliche Krankenversicherung), sonst ggf. Regress durch Kassen möglich.
- Schwangerschaft/Stillzeit: Nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen überwiegt eindeutig das Risiko.
- Suchtpotenzial: Kein; aber Überdosierung vermeiden!
Aktuelle Studien und Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN, 2024): Metoclopramid bleibt Mittel der Wahl bei akuter Migräne und unkomplizierter akuter Übelkeit bei Erwachsenen; maximale Therapiedauer bestätigt (5 Tage).
- Onkologie (S3-Leitlinie, 2023, Deutsche Krebshilfe): Metoclopramid als Ergänzung bei leichter bis moderater Emese empfohlen, primär Ondansetron bei hoch emetogener Chemotherapie.
- Kardiovaskuläres Risiko: Neue Meta-Analysen (JACC, 2024) bestätigen die Vorsicht bei älteren Patienten sowie bei vorbestehenden Arrhythmien; Domperidon nicht generell überlegen.
- Pädiatrie (AWMF Leitlinie, 2023): Gabe bei Kindern nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung und mit strenger Indikation.
- Off-label Use (Gastroenterologie, 2025): Fortlaufende Evaluation des Einsatzes bei Gastroparese und Reflux, keine allgemeinen neuen Zulassungserweiterungen.
Verfügbarkeit, Packungen, beispielhafte Preise und Lieferzeiten
| Packungsgröße | Beispielhafter Apothekenverkaufspreis (AVP*) | Lieferzeit nach Bestellung** | Verfügbarkeit in Großstädten |
|---|---|---|---|
| 30 Tabletten (10 mg) | ca. 14–18 € | 1–2 Werktage | Berlin, Hamburg, München: Lagerware |
| 100 ml Lösung (4 mg/ml) | ca. 13–20 € | 2–3 Werktage | Köln, Frankfurt, Stuttgart: meist vorrätig |
| Injektionslösung (10 mg/2 ml, 10 Ampullen) | ca. 25–35 € | 1–4 Werktage | Apotheken mit Schwerpunkt Klinikversorgung |
** Abhängig von regionaler Apothekenlogistik und Postzustellung
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Kann ich Metoclopramid ohne Rezept kaufen?
Nein. In Deutschland ist dieses Arzneimittel verschreibungspflichtig und darf nur mit einem gültigen Rezept in Apotheken abgegeben werden. - Darf ich Metoclopramid während der Schwangerschaft einnehmen?
Die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit wird nur bei zwingender Notwendigkeit empfohlen. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt! - Wie schnell wirkt Maxolon (Metoclopramid)?
Erste Wirkung tritt meist innerhalb von 30–60 Minuten nach Tabletteneinnahme ein. Bei Injektion teils schneller. - Was mache ich bei starken Nebenwirkungen?
Brechen Sie die Einnahme ab und kontaktieren Sie unverzüglich Ihren Arzt oder eine Notfallambulanz, besonders bei Muskelkrämpfen, Bewegungsstörungen oder Fieber. - Kann ich mit Maxolon Auto fahren?
Vorsicht: Müdigkeit und Konzentrationsstörungen können auftreten. Prüfen Sie Ihre individuelle Reaktion, bevor Sie am Straßenverkehr teilnehmen.

