Isoptin SR (Verapamil) – Umfassende Produktinformation für Patientinnen und Patienten in Deutschland
Basisdaten zum Arzneimittel
| Wirkstoff (INN) | Verapamil |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Isoptin SR®, Verapamil-ratiopharm®, u.a. |
| ATC-Code | C08DA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Retardtabletten (Isoptin SR 120 mg, Isoptin SR 240 mg), Filmtabletten, Injektionslösung (nur für klinischen Gebrauch) |
| Hersteller | Viatris, ratiopharm, Hexal, u.a. |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig gemäß § 48 AMG |
Wirkmechanismus
Verapamil ist ein sogenannter Kalziumkanalblocker vom Phenylalkylamin-Typ. Es wirkt, indem es die Kalziumkanäle an den Zellen der Herzmuskulatur und der Blutgefäße blockiert. Dadurch wird der Einstrom von Kalzium in diese Zellen vermindert. Für Laien: Verapamil hilft so, den Blutdruck zu senken, das Herz zu entlasten und Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.
Für medizinisches Fachpersonal: Verapamil blockiert L-Typ-Kalziumkanäle (spannungsabhängig) in myokardialen und vaskulären glatten Muskelzellen. Es senkt die AV-Überleitungsgeschwindigkeit, verlängert die AV-Refraktärzeit und vermindert die Herzfrequenz, wodurch die myokardiale Sauerstoffnachfrage sinkt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Gabe rasche Aufnahme; biologische Verfügbarkeit ca. 20–35 % (hoher First-Pass-Effekt).
- Metabolisierung: Über die Leber (CYP3A4), Hauptmetabolit Norverapamil zeigt ebenfalls pharmakologische Aktivität.
- Ausscheidung: Überwiegend renal (inaktive Metabolite); etwa 2–5 % unverändert im Urin.
- Wirkeintritt und Wirkdauer: Nach Retardtablette Wirkungseintritt in ca. 1–2 h; Wirkdauer ca. 12–24 h (je nach Präparat).
- Halbwertszeit: Im Mittel 3–7 Stunden, evtl. verlängernd bei älteren Patienten oder Leberfunktionsstörungen.
Anwendung im Alltag und empfohlene Vorgehensweisen
Verapamil wird in Deutschland vor allem bei Bluthochdruck, chronischer stabiler Angina pectoris und bestimmten Herzrhythmusstörungen verschrieben.
- Typische Tagesdosis für Erwachsene: 240–480 mg, meist auf 2–3 Dosen verteilt (Retardformulierungen meist 2x täglich).
- Einnahme durch Schlucken der Retardtablette mit ausreichend Flüssigkeit, ohne zu zerkauen.
- Zum Therapiebeginn wird die Dosis oft schrittweise angepasst – entsprechen Sie stets der Dosierungsanweisung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes!
Regelmäßigkeit ist entscheidend für die erfolgreiche Therapie. Nehmen Sie das Präparat immer zur gleichen Tageszeit.
Einnahme morgens vs. abends: Empfehlungen und Hinweise
- Am Morgen: Vorteil bei Patienten, die tagsüber mehr belastet werden oder typische Blutdrucksteigerungen am Morgen haben (Morgendruckhypertonie).
- Am Abend: Kann die Nacht-Blutdruckwerte besser kontrollieren und nächtliche Angina-Attacken reduzieren.
- Tipp: Wichtig ist Konstanz. Am besten tagesbegleitend einnehmen, wie vom Arzt empfohlen. Einige Leitlinien bevorzugen die abendliche Einnahme bei Angina oder Bluthochdruck mit dominant nächtlichen Spitzen.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
Verapamil kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Eine Einnahme zu einer Hauptmahlzeit (z.B. Frühstück oder Abendessen) ist für viele Patientinnen und Patienten in Deutschland praktisch und hilft gegen mögliche Magenbeschwerden. Milchprodukte oder typisch deutsche Kost haben keinen signifikanten Einfluss auf die Wirkung.
Hinweis: Retardtabletten sollen nicht zerkaut oder geteilt werden.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Gruppe | Kritische Wechselwirkungen |
|---|---|
| Lebensmittel | Grapefruitsaft (Erhöhung der Verapamil-Wirkung), starke Koffeinquellen (möglich, erhöhtes Nebenwirkungsrisiko) |
| Alkohol | Verstärkte Blutdrucksenkung; Alkoholaufnahme kann durch Verapamil verlangsamt werden. |
| Arzneimittel | Betablocker (z.B. Metoprolol), Digoxin, Statine (Atorvastatin), Antiarrhythmika (Amiodaron), Carbamazepin, Ciclosporin, Phenytoin; CYP3A4-Inhibitoren (Makrolidantibiotika), CYP-Induktoren (Rifampicin) |
| Andere | Anästhetika, Muskelrelaxantien |
Indikationen für Isoptin SR (Verapamil)
| Indikation | Status (Deutschland) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck) | Offiziell zugelassen | Dauertherapie möglich |
| Chronisch stabile Angina pectoris | Offiziell zugelassen | Alternative/Ergänzung zu Betablockern |
| Herzrhythmusstörungen (supraventrikulär) | Offiziell zugelassen | Vor allem Vorhofflimmern/-flattern, supraventrikuläre Tachykardien |
| Off-label: Migräneprophylaxe | Off-label | Einzelfallentscheidung durch Fachärztin/-arzt |
| Off-label: Clusterkopfschmerz | Off-label | Spezialfall, hohe Fachkenntnis erforderlich |
Dosierungen nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Hypertonie | 240–360 mg/Tag (Retard) in 2–3 Dosen | 120–240 mg/Tag (niedriger beginnen) | Nur nach ärztl. Anweisung; selten indiziert |
| Angina pectoris | 240–480 mg/Tag (Retard, aufgeteilt) | 120–240 mg/Tag | Nicht empfohlen |
| Herzrhythmusstörung | 120–240 mg/Tag (Stabilisierung) | 60–120 mg/Tag | Nach Facharztentscheidung |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch Isoptin SR Nebenwirkungen verursachen. Diese zeigen sich insbesondere zu Therapiebeginn oder bei Dosisumstellung.
| Häufigkeit | Beispiele |
|---|---|
| Sehr häufig/häufig (≥1/10, ≥1/100) | Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Obstipation), Ödeme an Beinen |
| Gelegentlich (≥1/1.000) | Bradykardie, Blutdruckabfall, Hautausschlag, Herzklopfen |
| Selten bis sehr selten (<1/1.000) | AV-Block, Leberwertanstieg, allergische Reaktionen, Herzinsuffizienz, Gingivahyperplasie (Zahnfleischwucherung) |
- Warnhinweise: Vorsicht bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung, Herzinsuffizienz, AV-Block II–III°
- Notfall: Bei Atemnot, massiven Schwellungen, starkem Blutdruckabfall sofort ärztliche Hilfe anfordern.
Ratschläge zur richtigen Anwendung (Deutschland)
- Befolgen Sie die Anweisungen Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihres behandelnden Arztes genau.
- Retardtabletten nicht zerkauen, teilen oder zerdrücken – dies kann zum Wirkungsverlust oder Nebenwirkungsanstieg führen.
- Regelmäßige Blutdruck- und Puls-Kontrolle, evtl. auch EKG je nach Grunderkrankung.
- Keine eigenmächtige Dosiserhöhung oder Therapieunterbrechung, auch nicht bei Symptomfreiheit.
- Bei geplanten zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen sollten alle behandelnden Ärzte über die Einnahme informiert werden.
Alternative Therapieoptionen (in Deutschland erstattungsfähige Präparate durch GKV)
- Betablocker (z.B. Metoprolol, Bisoprolol): Häufig Mittel erster Wahl bei koronarer Herzerkrankung, nach Herzinfarkt.
- Andere Kalziumantagonisten (Amlodipin, Lercanidipin): Besonders für Bluthochdruck und gewisse Rhythmusstörungen geeignet.
- ACE-Hemmer & AT1-Blocker (Enalapril, Ramipril, Candesartan): Bei Hypertonie, Herzinsuffizienz und als Nierenschutz.
- Diuretika (Hydrochlorothiazid, Chlortalidon): Bluthochdruckbehandlung – günstig, aber andere Nebenwirkungsprofile.
Vorteile von Verapamil: Besonders geeignet für Patienten mit Kombination von Angina pectoris und supraventrikulären Tachykardien, guter Einfluss auf Herzrate und Rhythmus.
Nachteile: Nicht geeignet bei Herzinsuffizienz, höheres Nebenwirkungsrisiko bei gleichzeitigen Betablockern.
Rechtlicher Status, Zulassung und Erstattungsfähigkeit
- Zugelassen durch: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Verschreibungspflichtig: Ja, nach § 48 AMG
- Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen (GKV): Ja, als Kassenleistung für die zugelassenen Indikationen – Festbetragsregelung je nach Präparat, ggf. geringe Aufzahlung bei bestimmten Marken.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse & Leitlinien (2022–2025)
- Die Leitlinie “Bluthochdruck” der Deutschen Hochdruckliga (2023) nennt Verapamil weiterhin als Behandlungsoption, insbesondere bei Kontraindikation für Betablocker.
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK, 2022) bestätigen Nutzen bei supraventrikulären Tachykardien.
- Internationale Studien (z.B. Lancet 2023; N Engl J Med 2024) sehen weiterhin einen Stellenwert in der Migräneprophylaxe als off-label use bei Nichtansprechen anderer Mittel.
Quellen: DGK-Leitlinien 2022, Deutsche Hochdruckliga 2023, GKV-Sozialgesetzbuch V.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Lieferzeiten
| Packungsgröße | Einheiten/Dosierung | Indikativer Preis (2024, GKV-Fixbetrag) | Lieferung nach Berlin | Lieferung nach München | Lieferung nach Hamburg |
|---|---|---|---|---|---|
| Klein | 30 Retardtabletten à 120 mg | ca. 13 € | 24 Stunden | 1–2 Werktage | 24 Stunden |
| Mittel | 50 Retardtabletten à 240 mg | ca. 20 € | 1–2 Werktage | 24 Stunden | 1–2 Werktage |
| Groß | 100 Retardtabletten à 240 mg | ca. 38 € | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
Preise und Verfügbarkeiten können schwanken. Apothekenpflichtig und rezeptpflichtig. Lieferung gemäß Apothekenversand in deutsche Großstädte in der Regel binnen 1–2 Werktagen.
FAQ: Häufig gestellte Patientenfragen zu Isoptin SR
- Wie lange muss ich Isoptin SR einnehmen? – Die Behandlung mit Verapamil ist bei chronischen Erkrankungen oft auf Dauer angelegt. Änderungen dürfen nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt erfolgen.
- Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe? – Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein. Ist die nächste Einnahme jedoch bald fällig, lassen Sie die vergessene Dosis aus und nehmen Sie die nächste zur gewohnten Zeit. Verdoppeln Sie die Dosis niemals.
- Darf ich mit Isoptin SR Auto fahren? – Das Arzneimittel kann Schwindel und Müdigkeit verursachen. Sehen Sie anfangs oder bei Dosisanpassung davon ab, bis Sie Ihre individuelle Verträglichkeit kennen.
- Kann ich weiterhin Sport treiben? – Sport ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen generell förderlich. Stimmen Sie die Belastungsintensität mit Ihrer Ärztin ab und achten Sie auf Warnsignale wie Unwohlsein, Atemnot oder Brustschmerzen.
- Ist Isoptin SR für Schwangere und Stillende geeignet? – Eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ist nur nach strenger ärztlicher Abwägung gestattet.

