Glyburid – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Arzneimittel
| Wirkstoff (INN) | Glibenclamid (international: Glyburide) |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Euglucon®, Daonil® (und Generika) |
| ATC-Code | A10BB01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten: 1,75 mg, 3,5 mg und 5 mg |
| Hersteller | Boehringer Ingelheim, Sanofi-Aventis, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Apothekenpflichtig, nicht frei verkäuflich) |
Wirkmechanismus
Für Patienten: Glyburid gehört zur Wirkstoffgruppe der Sulfonylharnstoffe. Es hilft dabei, Ihren Blutzuckerspiegel zu senken, indem es die Bauchspeicheldrüse anregt, mehr Insulin zu produzieren.
Für Fachkreise: Glyburid (Glibenclamid) bindet an SUR1-Rezeptoren der Beta-Zellen im Pankreas und blockiert ATP-abhängige Kaliumkanäle. Dadurch erfolgt eine Depolarisation und eine vermehrte Insulinsekretion.
Pharmakokinetik
- Resorption: Oral gut absorbiert, maximale Plasmakonzentration nach ca. 2–4 Stunden
- Metabolismus: Hauptsächlich hepatisch durch CYP2C9/19; aktive Metabolite
- Ausscheidung: Über Galle und Urin
- Wirkdauer: 12–24 Stunden (langwirksam, Gefahr der Spät-Hypoglykämie)
Anwendung im Alltag & Best Practices
- Glyburid wird meist 1–2-mal täglich eingenommen, idealerweise direkt vor oder zu den Mahlzeiten.
- Tägliche Einnahme zur gleichen Zeit wird empfohlen, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.
- Die Versorgung entspricht den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
- Kombinierbar mit Diät, Bewegung und ggf. weiteren blutzuckersenkenden Arzneimitteln.
- Zentrale Bedeutung im Rahmen des DMP Typ-2-Diabetes in Deutschland.
Dosis morgens vs. abends
- Einnahme am Morgen: Reduziert das Risiko nächtlicher Hypoglykämie und ist bevorzugt, vor allem bei älteren Menschen oder unregelmäßigem Lebensstil.
- Einnahme am Abend: Kann sinnvoll sein bei ausgeprägtem Nüchternhyperglykämie, aber erhöht das Risiko einer nächtlichen Unterzuckerung.
- Tipp: Immer an die individuelle Tagesplanung in Deutschland anpassen (Frühstücksgewohnheiten, Arbeitszeiten etc.).
Einnahme zu oder nach den Mahlzeiten
In Deutschland typische Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) sollten direkt mit der Tabletteneinnahme verbunden werden, um Hypoglykämien zu vermeiden.
- Mit Essen: Bevorzugt, da das Risiko einer Unterzuckerung abnimmt und die Wirkung optimal mit der Glukoseaufnahme korreliert.
- Nüchtern: Wird nicht empfohlen, da die Wirkung zu stark sein kann. Ausnahme: Nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung.
Wechselwirkungen (Nahrungsmittel, Alkohol, Medikamente)
| Substanz / Lebensmittel | Mögliche Wechselwirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkung der blutzuckersenkenden Wirkung, Hypoglykämiegefahr | Meiden oder begrenzen |
| Antikoagulantien (z. B. Phenprocoumon) | Verstärkte Wirkung beider Medikamente möglich | Regelmäßige Kontrolle |
| NSAR (z. B. Ibuprofen) | Hypoglykämierisiko erhöht | Vorsicht, besonders bei Langzeiteinnahme |
| Betablocker | Maskierung von Hypoglykämiesymptomen | Sorgfältige Blutzuckerkontrolle |
| Thiaziddiuretika | Blutzucker kann steigen | Kontrolle und ggf. Dosisanpassung |
| Bestimmte Antibiotika (z. B. Sulfonamide) | Hypoglykämierisiko | Nebenwirkungen beobachten |
| Ballaststoffreiche Nahrung | Verringerte Aufnahme von Glyburid möglich | Mit Abstand einnehmen |
Indikationen (zugelassene, Off-label)
| Indikation | Zulassung (Deutschland) |
|---|---|
| Diabetes mellitus Typ 2 | Ja, Standard-Indikation |
| Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) | Off-label, unter strenger ärztlicher Kontrolle |
| Diabetes Typ 2 im Kindesalter | Off-label, extreme Ausnahme, strikte Überwachung |
Dosierung je nach Indikation und Patientengruppe
| Patientengruppe | Empfohlene Anfangsdosis | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|
| Erwachsene (Typ 2 DM) | 1,75 – 3,5 mg/Tag, schrittweise Erhöhung nach Bedarf | 15 mg/Tag (in Einzeldosen aufgeteilt) |
| Ältere (>65 Jahre) | 1,75 mg/Tag, langsam titrieren, engmaschige Blutzuckerkontrolle | 7,5 mg/Tag, selten erforderlich |
| Kinder/Jugendliche | Off-label und nur auf Facharztanweisung – Einzelentscheidung | Individuell |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig (≥10%): Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- Häufig (1–10%): Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall), allergische Hautreaktionen
- Gelegentlich (0,1–1%): Leberfunktionsstörungen, Blutbildveränderungen
- Selten (<0,1%): Schwere allergische Reaktionen, Störungen bei Gallenabfluss, Sehstörungen
- Warnhinweise:
- Gefahr schwerer Unterzuckerungen, besonders in Kombination mit Alkohol oder bei Nahrungsverzicht.
- Vorsicht bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion.
- Risikopatienten: ältere Menschen, Menschen mit Herzinsuffizienz.
Richtige Anwendung: Betreuung durch Apotheke und Diabetesteam
- Blutzuckerkontrolle regelmäßig, idealerweise mit einem Blutzuckertagebuch.
- Hypoglykémie-Symptome (Zittern, Schwitzen, Schwindel, Herzklopfen) kennen und Traubenzucker griffbereit halten.
- Aufklärung durch Apothekenpersonal und Teilnahme an Adhärenz-Programmen der Krankenkassen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (z. B. großes Blutbild, Leberwerte, Nierenfunktion, ggf. HbA1c alle 3-6 Monate).
- Anpassung der Ernährung nach deutschen Leitlinien (z. B. Brot, Kartoffeln, Obst in Maßen) und Bewegungsempfehlungen (z. B. tägliche Spaziergänge, Nordic Walking).
- Anweisungen des Hausarztes/Diabetologen und Hinweise aus der Apotheke beachten.
Alternativen – Vergleich zu anderen Antidiabetika (Erstattungsfähigkeit der GKV)
- Metformin: Mittel der ersten Wahl in Deutschland, keine Hypoglykämien, Gewichtsneutralität, aber Kontraindikationen bei Niereninsuffizienz.
- SGLT-2-Hemmer (z. B. Empagliflozin): Herz-Kreislauf-Schutz, weniger Hypoglykämie, aber häufig teurer, Erstattung GKV möglich.
- DPP-4-Inhibitoren (z. B. Sitagliptin): Geringes Nebenwirkungsprofil, gewichtsneutral; auch von GKV erstattungsfähig.
- GLP-1-Analoga (z. B. Semaglutid): Gewichtsverlust möglich, Injektionspräparate, höhere Kosten, Erstattung unter bestimmten Bedingungen.
- Insuline: Bei Versagen oraler Therapie oder Kontraindikation/Unverträglichkeit.
- Entscheidung immer individuell, angepasst an Begleiterkrankungen und GKV-Vorgaben.
Rechtlicher Status, Zulassung & Erstattung in Deutschland
- Zulassung: Durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM; vormals: Bundesgesundheitsamt).
- Rezeptpflicht: Gilt für alle Glyburid-Präparate in Deutschland.
- Apothekenpflicht: Nur über öffentliche und Krankenhausapotheken erhältlich.
- Erstattung: Über die Gesetzlichen Krankenkassen (z. B. AOK, TK) bei gesicherter Indikation im Rahmen des DMP Typ 2 Diabetes.
- Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG): Berücksichtigung bei Therapieauswahl im Praxisalltag.
Neueste Forschung & Empfehlungen (2022–2025)
- Die aktualisierten Nationale Versorgungsleitlinien Typ-2-Diabetes (NVL 2023/24) empfehlen Sulfonylharnstoffe wie Glyburid vor allem als Zweit- oder Drittlinientherapie bei Metformin-Unverträglichkeit oder -Kontraindikation.
- 2023 publizierte Studien belegen eine vergleichsweise höhere Hypoglykämie-Rate im Vergleich zu modernen Antidiabetika, weswegen Transparenz und Patientenschulungen besonders wichtig sind (Deutsche Diabetes Gesellschaft, Stand 2024).
- GLP-1-Analoga und SGLT2-Hemmer werden bei kardiovaskulärem Risiko bevorzugt. Glyburid wird insbesondere in stabilen Situationen mit niedriger Hypoglykämie-Gefahr eingesetzt (Großhans et al., Diabetologie 2023).
- Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) empfiehlt Generikatherapie nach individueller Risikoeinschätzung (IQWiG-Bericht, 2023).
Verfügbarkeit & Lieferung
| PZN | Paketgröße (Tabletten) | Unverbindl. Preisempfehlung (EUR) | Versand zu | Lieferzeit (in Werktagen) |
|---|---|---|---|---|
| 02698107 | 30 | 11,02 | Berlin | 1–2 |
| 02698113 | 100 | 23,85 | Hamburg | 1–2 |
| 02698136 | 120 | 30,00 | München | 1–3 |
| 02698159 | 200 | 56,50 | Köln | 1–3 |
Je nach Apotheke können Preise und Lieferzeiten variieren. Bitte beachten Sie die Erstattung durch Ihre Krankenkasse sowie mögliche Zuzahlungen.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen zu Glyburid
- 1. Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Tablette nicht zusätzlich ein. Setzen Sie die Behandlung wie gewohnt mit der nächsten Dosis fort und beobachten Sie Ihren Blutzucker. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich an Ihre Apotheke oder den behandelnden Arzt. - 2. Darf ich unter Glyburid Auto fahren?
Grundsätzlich ja, aber Sie sollten über die Symptome einer Hypoglykämie bestens Bescheid wissen. Nehmen Sie im Zweifel Traubenzucker mit und fahren Sie nie mit Verdacht auf Unterzuckerung. - 3. Kann ich Glyburid auch während der Schwangerschaft einnehmen?
Nicht empfohlen! Glyburid wird für Schwangere in Deutschland nicht zur Behandlung des Gestationsdiabetes eingesetzt. In diesem Fall wird meist auf Insulin gewechselt. Fragen Sie unbedingt Ihren Arzt. - 4. Warum muss ich Blutzucker regelmäßig messen?
Änderungen in der Ernährung, Krankheit, Bewegung oder die Einnahme anderer Arzneimittel können die Wirkung von Glyburid stark beeinflussen. Nur durch regelmäßige Messungen können Sie hypo- und hyperglykämische Krisen vermeiden. - 5. Gibt es bessere Alternativen zu Glyburid?
Je nach Begleiterkrankungen und HbA1c-Zielwerten gibt es moderne Alternativen (z. B. Metformin, SGLT-2-Inhibitoren), die weniger Hypoglykämien verursachen und zusätzliche Vorteile haben können. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
Diese Information ersetzt nicht die persönliche Beratung in der Apotheke oder durch Ihr Behandlungsteam. Für individuelle Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre betreuende Praxis oder Ihr Diabeteszentrum. Stand: Juni 2024.

