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Divalproex

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Divalproex ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Epilepsie, bipolaren Störungen und Migräne eingesetzt wird. Es hilft, die elektrische Aktivität im Gehirn zu stabilisieren und so Anfälle, Stimmungsschwankungen oder Migräneattacken vorzubeugen. Ihr Arzt entscheidet, ob Divalproex für Sie geeignet ist. Bei Fragen zu Anwendung oder Nebenwirkungen wenden Sie sich bitte an Ihr Apothekenteam oder Ihren behandelnden Arzt.

Divalproex – Patienteninformation für Deutschland

Basisinformationen zum Arzneimittel

  • Wirkstoff (INN): Divalproex-Natrium (auch als Valproinsäure/Vaproat bekannt)
  • Handelsnamen in Deutschland: Orfiril® long, Convulex®, Valproat-ratiopharm® u.a.
  • ATC-Code: N03AG01
  • Verfügbare Darreichungsformen & Stärken: Retardtabletten (150 mg, 300 mg, 500 mg), Filmtabletten (300 mg, 500 mg), Lösung zum Einnehmen (60 mg/ml), Kapseln
  • Hersteller: Desitin Arzneimittel GmbH, STADA Arzneimittel AG, ratiopharm GmbH, u.a.
  • Verschreibungsstatus: Verschreibungspflichtig gemäß § 48 AMG (Rezeptpflichtig in Apotheken, Vorlage eines Kassen- oder Privatrezepts notwendig)

Wirkmechanismus

Für Laien: Divalproex wirkt im Gehirn, indem es die übermäßige Aktivität bestimmter Nerven dämpft. Es verhindert, dass Signalstoffe wie Gamma-Aminobuttersäure (GABA) zu schnell abgebaut werden und erhöht auf diese Weise die beruhigende Wirkung im Gehirn. Das hilft, Anfälle zu verhindern oder zu verringern sowie Stimmungsschwankungen zu stabilisieren.
Für Fachkräfte: Divalproex ist ein Natriumsalz der Valproinsäure, das zur Prophylaxe und Therapie epileptischer Anfälle und bipolaren Störungen eingesetzt wird. Es wirkt als Inhibitor der GABA-Transaminase und beeinflusst Natrium- und Kaliumkanäle, wodurch es die neuronale Erregbarkeit moduliert und eine antikonvulsive sowie phasenprophylaktische Wirkung entfaltet.

Pharmakokinetik

  • Absorption: Divalproex wird nach Einnahme im Magen-Darm-Trakt langsam und nahezu vollständig resorbiert; Retard-Formulierungen geben den Wirkstoff verzögert ab (maximale Plasmaspiegel nach 4–17 Stunden).
  • Metabolisierung: Primär hepatisch über Glukuronidierung und β-Oxidation, geringe Beteiligung von CYP450-Isoenzymen.
  • Elimination: Überwiegend renal, geringe biliäre Ausscheidung. Eliminationshalbwertszeit 9–16 Stunden (bei Kindern kürzer, bei Älteren verlängert).
  • Dauer der Wirkung: Mit täglicher Einnahme bleibt ein stabiler Blutspiegel erhalten; therapeutische Spiegel werden nach 3–4 Tagen erreicht.

Gebrauch im Alltag & best practices (Deutschland)

Die Anwendung erfolgt vorzugsweise regelmäßig zur gleichen Tageszeit, optimalerweise morgens und/oder abends. Ihre Apotheke stellt die gewünschte Stärke und Darreichungsform entsprechend der ärztlichen Verordnung bereit. Tabletten werden unzerkaut mit Wasser eingenommen.
Typische Dosierungen:

  • Für Erwachsene: Initial meist 600–900 mg/Tag, aufgeteilt auf 2–3 Einzelgaben. Dosissteigerung je nach Bedarf bis 2000 mg/Tag möglich.
  • Für Kinder: Gewichtsbasiert, üblicherweise 20–30 mg/kg Körpergewicht täglich, auf mehrere Gaben verteilt.
  • Für Ältere: Vorsicht bei Dosisfindung, individuell anpassen.
Best Practices (Deutschland): Notieren Sie Einnahmezeiten, nutzen Sie Medikamenten-Manager oder -Apps. Führen Sie regelmäßig Kontrolltermine (Leberwerte, Blutbild, Valproat-Spiegelkontrolle).

Einnahme morgens vs. abends

  • Morgens: Vorteilhaft bei Teilnahmeanfällen oder Konzentrationsstörungen. Achtung: Bei Müdigkeit als Nebenwirkung evtl. besser am Abend einnehmen.
  • Abends: Besonders bei nächtlichen Anfällen geeignet oder wenn Tagesmüdigkeit vermieden werden soll.
  • Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend! Bei Retardtabletten kann 1x/Tag ausreichen, bei Normalprägungen 2–3x/Tag. Fragen Sie Ihren Arzt/Apotheker nach der für Sie besten Uhrzeit.

Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern

  • Mit Essen: Reduziert Magenbeschwerden (Übelkeit, Sodbrennen) und verbessert die Verträglichkeit.
  • Nüchtern: Mögliche schnellere Aufnahme, kann aber Beschwerden verursachen.
  • Hinweis für deutsche Patient:innen: Einnahme zusammen mit einer normalen Mahlzeit (Frühstück/Abendbrot) ist empfehlenswert. Auf sehr fettreiche oder schwer verdauliche Speisen sollte verzichtet werden, da Fett die Wirkung leicht verzögern kann.

Warnhinweise zu Wechselwirkungen

Interaktionspartner Empfohlene Vorgehensweise
Alkohol Sollten vermieden werden. Alkohol verstärkt Müdigkeit, Schwindel und die Nebenwirkungen von Divalproex.
Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin, Lamotrigin) Erhöhter Nebenwirkungs- und Interaktionsgefahr. Dosisanpassung erforderlich, Blutspiegelkontrolle empfohlen.
Antidepressiva (z. B. SSRIs, MAO-Hemmer) Potenzielle Verstärkung/Gegenseitigkeit von Effekten; ärztliche Überwachung nötig.
Antikoagulantien (Warfarin etc.) Blutungsrisiko erhöht; engmaschige INR-Kontrollen erforderlich.
Enzyminduktoren (Carbamazepin, Rifampicin) Valproatspiegel können sinken; Dosisanpassung kann nötig sein.
Johanniskraut Vermeiden, da Wechselwirkungen nicht abschätzbar!
Grapefruitsaft Keine direkte Wechselwirkung, dennoch besser meiden, da Metabolisierung beeinflusst werden könnte.

Indikationen – zugelassene und Off-Label-Anwendungsgebiete

Indikation Zugelassen (Ja/Nein) Bemerkung
Epilepsie (verschiedene Formen) Ja Monotherapie oder Zusatztherapie; häufigste Anwendung
Bipolare Störung (manische Episoden) Ja Stimmungsstabilisator; als Akut- und Langzeittherapie
Migräneprophylaxe Ja Nur bei Versagen anderer Therapien
Schizophrenie, Borderline, Autismus, Verhaltensstörungen Nein Off-Label; nur unter Facharztkontrolle, Nutzen individuell abwägen

Dosierungen nach Indikation

Indikation Erwachsene Kinder/Jugendliche Ältere Patienten
Epilepsie 600–2000 mg/Tag (aufgeteilt) 20–30 mg/kg KG/Tag (aufgeteilt) Individualdosis, langsam anpassen
Bipolare Störung 1200–2000 mg/Tag 20–30 mg/kg KG/Tag niedrige Anfangsdosis, Steigerung nach Verträglichkeit
Migräneprophylaxe 500–1000 mg/Tag 10–15 mg/kg KG/Tag Ebenso wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht typischer Nebenwirkungen. Nicht alle Nebenwirkungen treten bei allen Patient:innen auf! Bei Verdacht auf schwere Nebenwirkungen sofort Arzt oder Apotheker kontaktieren.

Häufigkeit Nebenwirkung Warnhinweise/Empfehlungen
Sehr häufig (≥1/10) Müdigkeit, Tremor, Übelkeit, Gewichtszunahme Körpergewicht regelmäßig kontrollieren; Müdigkeit meist vorübergehend
Häufig (≥1/100) Haarverlust, Durchfall, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Menstruationsstörungen Haarausfall meist reversibel; ggf. Nahrungsergänzung
Gelegentlich (≥1/1000) Leberfunktionsstörung, Pankreatitis, Verwirrtheit, depressive Verstimmungen Leberwerte, Blutbild und psychische Veränderungen überwachen
Selten (≥1/10 000) Allergische Reaktionen, Knochenmarksuppression, Nierenversagen Bei Hautausschlag oder schweren Symptomen sofort Arzt aufsuchen
  • Wichtige Warnhinweise: Divalproex darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, außer bei zwingender Notwendigkeit (schweres Risiko für kindliche Fehlbildungen!). Bei gebärfähigen Frauen sind strikte Verhütungsregeln vorgeschrieben.
  • Regelmäßige Leberfunktionskontrollen, Blutbild und Medikamentenspiegel angezeigt.

Richtige Anwendungshinweise

  1. Verwenden Sie immer die von der Ärztin/dem Arzt verschriebene Dosis und Divalproex-Marke – generischer Wechsel kann zu Blutspiegelschwankungen führen.
  2. Beobachten Sie Ihren Zustand und notieren Sie unerwartete Beschwerden.
  3. Nehmen Sie die Tabletten stets zur gleichen Tageszeit ein – ggf. Wecker stellen.
  4. Zerbeißen oder zerkleinern Sie Retardtabletten keinesfalls.
  5. Verpassen Sie eine Einnahme, holen Sie diese baldmöglichst nach – aber niemals die doppelte Menge einnehmen!
  6. Bei Therapieabbruch: Niemals eigenständig das Medikament absetzen, immer Kontakt mit ärztlicher Praxis aufnehmen.
  7. Lagern Sie Divalproex-Arzneimittel trocken, dunkel und außerhalb der Reichweite von Kindern bei Zimmertemperatur.

Erstattungsfähige Alternativen in Deutschland (Kassenleistung, Kurzüberblick)

  • Lamotrigin: Häufig Verschrieben, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter (kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko). Vorteile: weniger Nebenwirkungen, Nachteile: Hautausschlag möglich.
  • Levetiracetam: Gut verträglich, geringes Wechselwirkungspotential. Nachteile: Psychiatrische Nebenwirkungen möglich.
  • Carbamazepin: Bewährt insbesondere bei fokalen Anfällen. Nachteil: viele Wechselwirkungen, nicht geeignet bei bestimmten Epilepsieformen.
  • Topiramat: Einsatz auch bei Migräne. Nachteil: Kognitive Nebenwirkungen, Gewichtsverlust.
  • Lithium: Stimmungsstabilisator, vor allem bei bipolarer Störung. Nachteile: Nieren/neurotoxisch, engmaschige Kontrollen notwendig.

Alle genannten Alternativen sind im Rahmen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) grundsätzlich erstattungsfähig. Auswahl individuell durch die behandelnde Ärztin/den Arzt.

Regulatorischer Status & Erstattung

  • Divalproex/Valproinsäure-haltige Arzneimittel sind in Deutschland durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen.
  • Kostenerstattung: Alle gängigen Präparate sind als Kassenleistung (GKV, PKV) verfügbar.
  • Verschreibung: Ausschließlich auf ärztliches Rezept, regelmäßig durch Facharztkontrollen begleitet, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter (Valproat-Verordnungsvorgaben nach Arzneimittelrichtlinien und speziellen Aufklärungspflichten, „Valproat-Schulungen“).
  • Schwangerschaft: „Rote-Hand-Brief“-Pflicht seit 2018, regelmäßige Information durch Ärzt:innen und Apotheker:innen.

Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)

  • Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN-Leitlinie 2022): Valproat bleibt Mittel der Wahl für bestimmte Epilepsieformen, steht aber bei Kinderwunsch/Erschwangerschaft deutlich zurück (Lamotrigin oder Levetiracetam empfohlen).
  • AWMF-Leitlinie Bipolare Störungen (2023): Valproat ist bei manischen Episoden und bei therapieresistentem Verlauf weiterhin eine etablierte Option, bei Frauen im gebärfähigen Alter nur nach sorgfältiger Nutzen/Risiko-Abwägung.
  • Neuere Studien: Bestätigen bekannte Risiken für teratogene Effekte; laufende Forschung zur Individualisierung der Dosierung und Therapeutik (z. B. Therapeutisches Drug Monitoring, TDM).
  • Empfehlung: Valproat-Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Schwangeren oder Frauen im gebärfähigen Alter nur unter strengen Auflagen.
  • Zitate und Details finden Sie auf den Websites von DGN, AWMF und im Deutschen Ärzteblatt (2022–2024).

Verfügbarkeit & Lieferzeiten (Beispielpreise, Deutschland)

Packsgröße Ca. Preis* (GKV-Apotheken) Beliebte Marken Lieferzeit Berlin Lieferzeit München Lieferzeit Hamburg
100 Retardtabletten 500 mg ca. 22 € Orfiril® long, Valproat-ratiopharm®, Convulex® 24h (Express), 2–3 Werktage Standard 24h (Express), 2–3 Werktage Standard 24h (Express), 2–3 Werktage Standard
50 Filmtabletten 300 mg ca. 15 € Desitin®, Valproat-CT® 2–3 Werktage 2–3 Werktage 1–2 Werktage
Lösung 60 mg/ml, 300ml ca. 35 € Desitin® 2–5 Werktage (seltener lagernd) 3–5 Werktage 2–3 Werktage

*Alle Preisangaben unverbindlich, Stand: Juni 2024. GKV-Patienten zahlen auf Rezept nur die gesetzliche Zuzahlung (max. 10 €).

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Divalproex

  1. Kann ich Divalproex jederzeit absetzen, wenn es mir gut geht?
    Nein! Das plötzliche Absetzen riskanter Medikamente wie Divalproex ist gefährlich und kann schwere Anfälle oder Stimmungsschwankungen auslösen. Immer zuerst ärztlich Rücksprache halten.
  2. Muss ich während einer Divalproex-Therapie auf meine Ernährung achten?
    Nein, grundsätzlich sind keine speziellen Diäten erforderlich. Es empfiehlt sich jedoch, das Medikament zu den Mahlzeiten zu nehmen und auf übermäßigen Alkohol verzichtet werden.
  3. Was tun, wenn ich die Einnahme vergessen habe?
    Nehmen Sie die vergessene Dosis ein, sobald Sie daran denken – es sei denn, die nächste reguläre Einnahme steht unmittelbar bevor. Dann lassen Sie die vergessene Dosis aus. Niemals doppelt einnehmen!
  4. Wie lange muss ich Divalproex einnehmen?
    Die Dauer der Therapie richtet sich nach Ihrer Erkrankung und individueller Verlaufsbeurteilung. Häufig ist eine mehrjährige oder lebenslange Einnahme notwendig, insbesondere bei Epilepsie.
  5. Darf ich schwanger werden, solange ich Divalproex einnehme?
    Aufgrund des hohen Risikos für Fehlbildungen beim Kind ist eine Schwangerschaft möglichst zu vermeiden – suchen Sie unbedingt Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer Ärztin, falls ein Kinderwunsch besteht!

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

125mg, 250mg, 500mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill, 360 pill