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Revia (Naltrexone)

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Revia (Naltrexon) ist ein Medikament, das zur Unterstützung bei der Behandlung von Alkohol- oder Opiatabhängigkeit eingesetzt wird. Es hilft, das Verlangen nach Alkohol oder Drogen zu verringern, indem es bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockiert. Revia wird als ergänzende Therapie zu weiteren Maßnahmen wie Beratung oder Therapie verwendet. Die Einnahme erfolgt in der Regel einmal täglich nach ärztlicher Anweisung.

Revia® (Naltrexon) – Umfassende Patienteninformation

Grundlegende Produktinformationen

Wirkstoff (INN) Naltrexon
Handelsnamen in Deutschland Revia®, Adepend®
ATC-Code N07BB04
Verfügbare Darreichungsformen & Stärken Filmtabletten zu 50 mg (Standard), gelegentlich Kapseln oder Suspensionen in speziellen Fällen
Hersteller Merck Serono GmbH, Medice Arzneimittel Pütter GmbH, diverse EU-zugelassene Anbieter
Verschreibungsstatus Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtiges Arzneimittel nach AMG, Betäubungsmittelverordnung nicht erforderlich)

Wirkmechanismus (Laien- & Fachinformation)

Für Patienten: Naltrexon blockiert gezielt die Wirkung von sogenannten Opioiden im Gehirn. Dadurch werden die angenehmen Effekte von Alkohol und Opiaten abgeschwächt oder verhindert, sodass das Verlangen oder der „Kick“ ausbleibt. Es hilft Menschen, die von Alkohol oder Opiaten abhängig waren, ein Rückfallrisiko zu verringern.

Für Fachkreise: Naltrexon ist ein kompetitiver Antagonist an den Opioidrezeptoren (insbesondere μ-, κ- und δ-Opioidrezeptor). Die Affinität ist dabei besonders hoch für μ-Rezeptoren. Durch die Blockade dieser Rezeptoren wird die durch Opioide und Alkohol ausgelöste Endorphin-vermittelte Belohnungswirkung unterdrückt.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Nach oraler Einnahme schnelle und nahezu vollständige Resorption (bioverfügbar ca. 5–40 % aufgrund First-Pass-Metabolismus).
  • Metabolisierung: Hauptsächlich in der Leber, primär zu 6-β-Naltrexol (pharmakologisch aktiv).
  • Elimination: Ausscheidung größtenteils renal. Eliminationshalbwertszeit: Naltrexon ca. 4–6 Std., 6-β-Naltrexol ca. 13 Std.
  • Wirkdauer: Wirkblockade ca. 24–72 Stunden, abhängig von Dosis & individuellem Metabolismus.

Anwendung im Alltag & Best-Practice-Tipps (Deutschland)

  • Standarddosis Erwachsene: 1x täglich 50 mg Naltrexon oral (Filmtablette).
  • Tablette möglichst zur selben Tageszeit einnehmen – ideal zur morgendlichen Routine.
  • Zuvor muss eine vollständige Alkohol- bzw. Opiatabstinenz (mind. 7–10 Tage bei Opiaten) bestehen.
  • Zuverlässige Einnahme garantiert eine bessere Rückfallprävention.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen, v. a. Leberfunktionen und fortlaufende Beratung (Suchtmedizin, Psychotherapie) sind empfohlen.
  • Pillenbox oder Erinnerungsapps nutzen – beliebt in Deutschland für Therapieregeltreue („Adhärenz“).

Morgens oder Abends dosieren?

Uhrzeit Vorteile Nachteile Empfehlung
Morgens Bessere Einhaltung, geringeres Risiko für Schlafstörungen, Routineintegration (Frühstück, Zahnhygiene) Gelegentlich Übelkeit bei nüchternem Magen Bevorzugt empfohlen
Abends Für manche Patienten bessere Verträglichkeit bezüglich Magenbeschwerden Erhöhtes Risiko für Schlaflosigkeit oder lebhafte Träume Nur bei expliziten Unverträglichkeiten morgens

Einnahme mit oder ohne Mahlzeit (Beispiel aus der deutschen Ernährung)

Revia® kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, wird jedoch von vielen Patienten besser vertragen, wenn es mit einer kleinen Mahlzeit eingenommen wird. Wer in Deutschland typischerweise ein Frühstück (z. B. Brot, Joghurt, Müsli) zu sich nimmt, kann die Tablette problemlos dazu einnehmen. Bei empfindlichem Magen empfiehlt es sich, die Einnahme mit einem Glas Wasser zu einer Mahlzeit zu verbinden.

Wechselwirkungen – Warnhinweise (Auswahl)

Interaktionspartner Empfohlene Maßnahme
Opioide (z. B. Morphin, Codein, Tramadol) Gleichzeitige Anwendung verboten; Wirkungsverlust & Entzugssymptome!
Lebermetabolisierende Medikamente (z. B. Rifampicin, Antikonvulsiva) Überwachung der Leberwerte
Alkohol Keine pharmakodynamische Interaktion, aber Einnahme unterstützt Abstinenz!
Diät, Kräuterprodukte, Nahrungsergänzung (Johanniskraut, etc.) Klinisch relevante Interaktionen unwahrscheinlich; Rücksprache mit Arzt/Apotheker bei Unsicherheiten
Andere Medikamente (Antidepressiva, Antipsychotika) Bisher keine gravierenden Wechselwirkungen nachgewiesen, aber Vorsicht & Kontrolle empfohlen

Indikationen (Zugelassen & Off-Label)

Anwendungsgebiet Status Kurzbeschreibung
Alkoholabhängigkeit Offiziell zugelassen Unterstützung der Abstinenz nach Alkoholentzug, Rückfallprävention (in Verbindung mit Psychotherapie)
Opioidabhängigkeit Offiziell zugelassen Rückfallprävention nach erfolgtem Entzug und nachgewiesener Opioidfreiheit
Andere Süchte (z. B. Spielsucht, Essstörungen, Impulskontrollstörungen) Off-Label Wirkung in Studien nachgewiesen, aber nicht offiziell zugelassen in DE

Dosierung nach Indikation und Patientengruppe

Indikation Erwachsene Ältere Patienten (>65 J) Kinder/Jugendliche (<18 J)
Alkoholabhängigkeit 50 mg/Tag Dosisanpassung bei Leber-/Nierenfunktionsstörung erforderlich; meist 25–50 mg Keine Zulassung, Off-Label-Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
Opioidabhängigkeit 50 mg/Tag s. o. Keine Zulassung, nur spezialisiertes Setting

Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen

Im Allgemeinen ist Naltrexon gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen treten meist zu Beginn der Therapie auf und lassen meist nach einigen Tagen nach.

  • Sehr häufig (≥1/10): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitverlust.
  • Häufig (≥1/100, <1/10): Reizbarkeit, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Ausschlag, Erhöhung der Leberwerte.
  • Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100): Depression, Angst, Schwindel, Hypertonie, Erschöpfung, Husten.
  • Selten (≥1/10.000, <1/1.000): Lebertoxizität, allergische Reaktionen (z. B. Angioödem), Leberversagen.

Warnhinweise: Bei Anzeichen von Hepatitis (Müdigkeit, Gelbsucht, dunkler Urin) oder schwerwiegenden allergischen Reaktionen das Medikament sofort absetzen und ärztliche Hilfe aufsuchen!

Leitfaden für die Anwendung (Apotheke/Klinik, Deutschland)

  1. Tablette täglich einnehmen, am besten morgens zur gleichen Uhrzeit.
  2. Versehentlich vergessene Einnahme: Tablette möglichst noch am selben Tag nachholen; niemals doppelte Dosis einnehmen.
  3. Begleitende psychosoziale Maßnahmen dringend empfohlen (z. B. Gesprächsgruppe, Verhaltenstherapie, Selbsthilfe in Deutschland: Caritas, Blaues Kreuz, AA etc.).
  4. Monatliche Leberwertkontrollen in ersten 6 Monaten, danach je nach individueller Situation.
  5. Vor geplanten operativen Eingriffen, bei denen Opioide eingesetzt werden, unbedingt das behandelnde Team informieren!

Alternativen zu Revia® – Kassenleistung durch die GKV (Vergleich)

Medikament Wirkstoff Indikation Vorteile Nachteile
Campral® Acamprosat Alkoholabhängigkeit Gut verträglich, keine Lebertoxizität, Rezeptpflichtig, erstattungsfähig 3x täglich Einnahme, relativ viele Tabletten/Tag
Selincro® Nalmefen Alkoholabhängigkeit Auch zur Reduktion, Einnahme nur bei Bedarf Nicht für Opiatabhängigkeit, teurer, gelegentliche Unverträglichkeiten
Antabus® (discontinued, aber relevant in DE) Disulfiram Alkoholabhängigkeit Starke Rückfallprophylaxe durch Alkoholunverträglichkeit Viele Nebenwirkungen, Compliance-Probleme, kein Lieferstatus mehr in DE
Substitutionsbehandlung (z. B. Methadon, Buprenorphin) Opioidrezeptor-Agonisten/Partialagonisten Opiatabhängigkeit Für bestimmte Patienten essenziell; tägliche Kontrolle Langzeitbindung an Substitutionsprogramm

Hinweis: Alle Alternativen sind verschreibungspflichtig und werden i. d. R. von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) übernommen, sofern die festgestellten Indikationen vorliegen.

Rechtlicher Status, Zulassung und Kostenerstattung in Deutschland

  • Zulassung: Von der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) für die genannten Indikationen zugelassen.
  • Verschreibungspflicht: Rezept erforderlich, keine BTM-Verordnung nötig.
  • Kostenerstattung: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Kosten bei diagnostizierter Abhängigkeitserkrankung nach S3-Leitlinie.
  • Apothekenpflicht: Nur in öffentlichen und Krankenhausapotheken erhältlich – Versand- und Vor-Ort-Apotheken möglich.

Aktuelle Forschung & S3-Leitlinien (Stand 2022–2025)

  • Die 2023 publizierte S3-Leitlinie „Alkoholbezogene Störungen“ (AWMF-Registernummer 076–001, Federführung Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e. V., DG-Sucht) empfiehlt Naltrexon als evidenzbasierten Bestandteil zur Rückfallprophylaxe nach Entzugstherapie.
  • Internationale Studien (z. B. „Naltrexone for Alcohol Use Disorder: A Systematic Review“, European Addiction Research 2024) zeigen eine signifikante Reduktion von Rückfällen und Alkoholkonsumtagen.
  • Für die Anwendung bei nichtstofflichen Süchten (z. B. Glücksspielstörung) gibt es positive, aber bisher noch nicht zur Zulassung reichende Evidenz (z. B. PETRO-Studie, 2022, Charité Berlin).
  • Die S3-Leitlinie „Opioidbezogene Störungen“ (2023) empfiehlt Naltrexon nach erfolgreichem Entzug zur Rückfallprophylaxe, betont aber die Notwendigkeit engmaschiger Betreuung.

Verfügbarkeit und Lieferung (Deutschland)

Packungsgröße Tablettenanzahl Gesamtpreis (UVP, Stand 1/2024) Erstattungsstatus
Kleine Packung 20 Stk. ca. 52–65 € GKV erstattungsfähig
Standardpackung 50 Stk. ca. 112–129 € GKV erstattungsfähig
Großstadt Online-Bestellung (Mo–Fr, vor 16 Uhr) Abholung vor Ort
Berlin 1–2 Werktage meist sofort
Hamburg 1–2 Werktage meist sofort
München 1–2 Werktage meist sofort
Köln 1–2 Werktage meist sofort
kleinere Städte/Land 2–3 Werktage nach Bestellung, 1 Tag

FAQ: Die häufigsten Patientenfragen zu Revia® (Naltrexon)

  1. Wie lange muss ich Revia einnehmen?
    Die Therapiedauer ist individuell unterschiedlich; die meisten Patienten nehmen Revia zwischen 3 und 12 Monaten ein. Ihr Arzt entscheidet gemeinsam mit Ihnen abhängig von Rückfallsituation, Wohlbefinden und Begleittherapie.
  2. Kann ich während der Behandlung mit Revia Alkohol trinken?
    Das Medikament vermindert das Verlangen und die Wirkung von Alkohol, ein völliger Verzicht ist jedoch das Ziel der Therapie. Ein gelegentlicher Rückfall bedeutet nicht das Scheitern der Therapie, sollte aber dem Ärzteteam mitgeteilt werden.
  3. Welche Kontrollen sind während der Behandlung notwendig?
    Regelmäßige ärztliche Kontrollen (mind. ca. alle 4–6 Wochen) inklusive Leberwertbestimmungen sind sehr wichtig, vor allem zu Therapiebeginn.
  4. Kann ich Revia bei bestehenden Lebererkrankungen einnehmen?
    Eine eingeschränkte Leberfunktion kann die Anwendung einschränken oder ausschließen. Ihr Arzt überprüft vor und während der Therapie Ihre Leberwerte.
  5. Was passiert, wenn ich während der Therapie Schmerzen habe und Opioid-Schmerzmittel benötige?
    Aufgrund der Wirkung von Naltrexon lassen sich Opioid-Schmerzmittel nicht wirksam einsetzen. Informieren Sie im Notfall immer das gesamte Behandlungsteam oder die Notfallambulanz über Ihre Medikation!

Für weiterführende Fragen und Beratung wenden Sie sich gerne an Ihre Apotheke oder Ihr Ärzteteam. Nutzen Sie psychosoziale Angebote und Selbsthilfegruppen für langfristigen Therapieerfolg. Bei Verdacht auf Nebenwirkungen oder Unsicherheiten zögern Sie nicht, sofort ärztlichen Rat einzuholen.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

50mg

Paket: No selection

10 pill, 20 pill, 30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill