Danazol – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Arzneimittel
| Wirkstoff (INN) | Danazol |
|---|---|
| Deutsche Handelsnamen | Danatrol®, Danoval® |
| ATC-Code | G03XA01 |
| Darreichungsformen / Stärken | Kapseln zu 100 mg, 200 mg |
| Hersteller (Deutschland) | Sanofi-Aventis, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Verordnung erhältlich; BtM-Status ist nicht gegeben) |
Wirkmechanismus
Für Patienten erklärt: Danazol ist ein künstlich hergestelltes Hormon aus der Gruppe der sogenannten Androgene. Es greift in die Hormonregulation des Körpers ein und hemmt insbesondere die Produktion weiblicher Sexualhormone (Östrogene und Progesteron). Dadurch wirken typische Beschwerden hormonabhängiger Erkrankungen – wie z.B. Endometriose – weniger stark.
Für Spezialisten: Danazol zeigt seine Wirkung durch eine Hemmung der Gonadotropinsekretion im Hypophysenvorderlappen. Über eine partielle Androgenwirkung reduziert es die Gonadotropinfreisetzung (FSH und LH) und hemmt so die Ovarfunktion. Gleichzeitig besitzt es antiöstrogene und gering antigonadotrope, progestagene Eigenschaften.
Pharmakokinetik
- Resorption: Danazol wird nach oraler Einnahme unvollständig, aber ausreichend resorbiert (Bioverfügbarkeit ca. 20-30%)
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch (Leber), CYP3A4 beteiligt
- Elimination: Überwiegend renal (Urin, als Metabolite)
- Wirkdauer: 6–16 Stunden (halbwertszeitabhängig); meist 2x tägliche Anwendung notwendig
Anwendung im Alltag und bewährte Einnahmepraxis
Typische Dosierung: Je nach Grunderkrankung variieren die Dosierungen meist zwischen 200–800 mg pro Tag, verteilt auf 2–4 Einzelgaben. Ihr Arzt empfiehlt die genaue Dosis individuell.
Anwendung: Die Kapseln werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen, vorzugsweise zu festen Tageszeiten.
- Arztanweisung beachten: Passen Sie die Dosis nicht eigenmächtig an.
- Kapsel nicht öffnen oder kauen.
- Falls Sie eine Einnahme vergessen haben, holen Sie diese nach, sofern es zeitnah möglich ist – niemals die doppelte Dosis!
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Blutbild, Leberwerte, Blutfette) sind erforderlich.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Morgens: Vorteil: geringere Müdigkeit, bessere Tagesstruktur; insbesondere bei empfindlichem Magen zu empfehlen.
- Abends: Vorteilhaft bei verträglichen Schlafgewohnheiten, weniger Störungen durch Nebenwirkungen (wie Müdigkeit, Schwindel) tagsüber.
- Wichtig: Möglichst immer zur gleichen Tageszeit einnehmen.
Nahrungsaufnahme und Einnahmehinweise (besonders im deutschen Alltag)
Mit oder ohne Mahlzeit? Die Einnahme mit einer kleinen Mahlzeit oder einem Glas Wasser verbessert Verträglichkeit und reduziert das Risiko von Magenbeschwerden. Bei empfindlichem Magen wird daher eine Einnahme zum Frühstück oder Abendbrot empfohlen – Beispiele aus dem deutschen Alltag: ein Glas Wasser, eine Scheibe Brot.
Wirkung von Nahrung: Fettreiche Mahlzeiten können die Aufnahme von Danazol geringfügig erhöhen. Dies wird im klinischen Alltag aber selten genutzt oder empfohlen.
Interaktionswarnungen
| Interaktionspartner | Hinweis zur Einnahme |
|---|---|
| Lebensmittel | Alkoholkonsum möglichst vermeiden (erhöht Nebenwirkungsrisiko) |
| Grapefruitsaft | Nebenwirkungen möglich; meiden! |
| Andere Medikamente (z.B. Statine, Antikoagulantien, Ciclosporin) | Wechselwirkungen möglich: Dosisanpassungen oder Kontrollen erforderlich |
| Antidiabetika | Blutzuckerkontrolle möglich notwendig |
| Kombinierte Hormonpräparate (z.B. Pille) | Wirkverlust der Kontrazeptiva möglich |
| Antiepileptika | Mögliche Wirkungsabschwächung oder -verstärkung |
- Niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker neue Medikamente/Hausmittel beginnen!
Indikationen (offizielle & Off-Label)
| Indikation | Zulassungsstatus | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Endometriose | Zugelassen | Chronische, schmerzhafte Erkrankung bei Frauen |
| Fibrozystische Mastopathie (Mastopathia cystica) | Zugelassen | Gutartige Knoten & Schmerz der Brust |
| Hereditäres Angioödem | Zugelassen | Seltene genetisch bedingte Schwellungen der Haut/Schleimhäute |
| Idiopathische Menorrhagie | Off-Label | Starke Monatsblutungen |
| Pubertas praecox | Off-Label | Vorzeitige Pubertät |
Dosierungsübersicht nach klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Endometriose | 200–800 mg/Tag in 2–4 Gaben | Nicht empfohlen | Vorsicht, Anfangsdosis niedrig wählen |
| Fibrozystische Mastopathie | 200–400 mg/Tag in 2 Gaben | Keine Daten | Wie Erwachsene, Überwachung nötig |
| Hereditäres Angioödem | 200–600 mg/Tag, prophylaktisch | Abhängig vom Gewicht, individuell | Reduzierte Anfangsdosis, ärztliche Kontrolle |
- Wichtig: Dosis immer vom Arzt festlegen und regelmäßig nachkontrollieren!
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Typische Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Gewichtszunahme, Akne, Seborrhö, Hitzewallungen, Menstruationsstörungen |
| Häufig (1–10%) | Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Haarausfall (Alopezie), Hautausschlag |
| Gelegentlich (0,1–1%) | Stimmveränderung (tiefer), Libido-Veränderungen, Schwellungen, Leberenzymanstieg, Blutdruckanstieg |
| Sehr selten (<0,01%) | Leberschäden, thromboembolische Ereignisse |
| Warnhinweise | Regelmäßige Leber- und Blutbildkontrollen wichtig! Bei Anzeichen einer Gelbsucht, starken Blutungen oder ungewöhnlichen Stimmungsschwankungen sofort Arztinformieren! |
Richtlinien für die richtige Anwendung – Apotheken- & Klinikempfehlungen (speziell für Deutschland)
- Apothekenpflichtig, Ausgabe nur gegen ärztliches Rezept
- Regelmäßige Arzt- und Laborbesuche zur Kontrolle wichtiger Werte ratsam
- Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen!
- Frauen im gebärfähigen Alter müssen eine sichere Verhütung gewährleisten
- Vorsicht bei Jugendlichen: Nur in begründeten Ausnahmefällen
- Keine Teilnahme am Straßenverkehr bei Auftreten von Schwindel oder Müdigkeit
- Kapseln immer unzerkaut, am besten mit einem Glas Wasser, einnehmen
- Niemals eigenständig absetzen oder Dosierung verändern
- Wechselwirkungen bei Polypharmazie (z.B. häufig ältere Patienten)
- Alkohol möglichst meiden!
Alternativen und Vergleich (Kassenleistung nach GKV, Stand Frühjahr 2024)
- Hormontherapie (GnRH-Analoga, z.B. Leuprorelin): Kontrolliert Symptome, jedoch mit Risiko von hypoöstrogenen Nebenwirkungen (z.B. Osteoporose).
- Kombinierte orale Kontrazeptiva: Kostengünstig, alltagstauglich, meist sehr gut verträglich (z.B. bei Endometriose).
- Gestagen-Monopräparate (z.B. Dienogest): Besonders in Endometriose zugelassen, Nebenwirkungsprofil oft günstiger.
- Hereditäres Angioödem: Tranexamsäure, C1-Esterase-Inhibitoren (hoch wirksam, jedoch teurer; GKV-Erstattung möglich).
- Chirurgische Maßnahmen: Je nach Schwere und Lebensplanung in Erwägung ziehen; Risiken individuell abwägen.
Vergleich: Danazol wird heute vor allem eingesetzt, wenn andere Verfahren nicht ausreichend wirken oder unverträglich sind. Moderne Präparate sind meist besser verträglich - Danazol ist jedoch manchmal alternativlos.
Rechtslage, Zulassungsstatus und Kostenübernahme in Deutschland
- Zulassung: Zugelassen bei Endometriose, Mastopathie, hereditärem Angioödem (s. a. BfArM/Lauer-Taxe)
- GKV-Erstattung: Bei gesicherter Indikation meist übernommen – Voranfrage bei der Krankenkasse ratsam (insb. Off-Label-Use!)
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig, nicht Betäubungsmittel- oder T-Rezeptpflichtig
- Aktive Überwachung (Pharmakovigilanz): Bei Verdacht auf Nebenwirkungen bitte an Arzt, Apotheke oder das BfArM melden
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse (2022–2025)
- Laut aktueller S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2023) wird Danazol nur noch selten eingesetzt, insbesondere wegen der Nebenwirkungen. Neue Substanzen wie Dienogest und GnRH-Analoga werden bevorzugt.
- Bei hereditärem Angioödem wirksam, jedoch vorrangig bei fehlender Verfügbarkeit moderner Präparate (z.B. Lanadelumab, C1-Inhibitoren)
- Quellen:
- AWMF S3-Leitlinie 015/045: Endometriose (2023)
- GKV Spitzenverband: Arzneimittelrichtlinie / Erstattungsregeln, Stand 2024
- BfArM: Arzneimittelinformationen zu Danazol
Verfügbarkeiten, Packungsgrößen, Preise & Lieferzeiten (Deutschland 2024)
| Packungsgröße | Wirkstärke | Listenpreis (UVP) | Lieferzeiten |
|---|---|---|---|
| 30 Kapseln | 100 mg | ca. 32,50 € | 1–2 Werktage (Berlin, Hamburg, Köln, München) |
| 50 Kapseln | 200 mg | ca. 48,00 € | 2–4 Werktage (bundesweit) |
| 100 Kapseln (N3) | 100 mg | ca. 82,00 € | 1–3 Werktage (Großstädte); 4–6 Werktage (ländlicher Raum) |
- Hinweis: Lieferengpässe sind gelegentlich möglich. Im Zweifel kontaktieren Sie Ihre Apotheke.
- Private Zusatzversicherungen können je nach Tarif weitere Kosten übernehmen.
Häufige Fragen (FAQ)
- Kann ich während der Einnahme von Danazol Auto fahren? Ja, sofern Sie sich fit fühlen. Bei Schwindel, starker Müdigkeit oder Sehstörungen sollten Sie auf das Autofahren verzichten.
- Wie lange muss Danazol eingenommen werden? Die Therapiedauer hängt von der Grunderkrankung ab. Bei Endometriose meist 3–6 Monate, beim hereditären Angioödem dauerhaft möglich – immer individuell und ärztlich überwacht!
- Kann Danazol meine Familienplanung beeinträchtigen? Ja. Während der Therapie ist eine Schwangerschaft strikt zu vermeiden. Nach Therapieende sollten Sie 1–2 Zyklen abwarten, bevor eine geplante Schwangerschaft erfolgt.
- Was mache ich bei einer vergessenen Einnahme? Nehmen Sie die Kapsel sobald wie möglich ein. Liegt bereits der nächste Einnahmezeitpunkt an, überspringen Sie die vergessene Dosis – keine Doppelgabe!
- Ist Danazol für Jugendliche oder Kinder geeignet? Grundsätzlich nein. Ausnahmen bestehen bei hereditärem Angioödem, dann aber nur unter strenger ärztlicher Kontrolle.
Bei weiteren Fragen: Wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt/Ärztin oder Ihren Apotheker/Ihre Apothekerin. Nutzen Sie die Beratungsdienste Ihrer Vor-Ort-Apotheke!

