Campral® (Acamprosat) – Umfassende Patienteninformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN): | Acamprosat (Acamprosatum) |
| Markennamen in Deutschland: | Campral® |
| ATC-Code: | N07BB03 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärke: | Filmtabletten, 333 mg |
| Hersteller/Vertreiber: | MERCK SERONO GmbH |
| Verschreibungsstatus: | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig nach deutschem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus (Erklärung für Patienten & Fachkreise)
Für Patienten: Campral® hilft Menschen, die vom Alkohol loskommen möchten, indem es das Verlangen nach Alkohol verringert. Dies geschieht, indem es bestimmte chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringt, die beim Alkoholentzug aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Für Fachkreise: Acamprosat moduliert die glutamaterge Transmission, insbesondere über NMDA-Rezeptoren, und verstärkt die GABAerge Aktivität. Dadurch wird die neuronale Übererregung, die bei chronisch Alkoholkonsumierenden während der Abstinenzphase auftritt, reduziert.
Pharmakokinetik
- Absorption: Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 11 %. Die Resorption wird durch Nahrung leicht vermindert.
- Metabolismus: Acamprosat wird kaum metabolisiert – über 99 % werden unverändert ausgeschieden.
- Elimination: Ausscheidung erfolgt fast ausschließlich über die Nieren.
- Wirkdauer: Steady-State-Plasmaspiegel werden innerhalb von 5–7 Tagen erreicht; die Halbwertszeit beträgt etwa 20–33 Stunden.
Einsatz im Alltag & Anwendungshinweise
Campral® ist als Begleitmedikament zur Aufrechterhaltung der Alkoholabstinenz bei motivierten Patientinnen und Patienten zugelassen. Es wird immer zusammen mit psychosozialer Unterstützung (z. B. Gesprächstherapie) angewendet. Die Einnahme sollte möglichst regelmäßig und über mindestens 6–12 Monate erfolgen.
- Empfohlene Tagesdosis für Erwachsene: 2 Filmtabletten 333 mg morgens, 2 mittags und 2 abends (also insgesamt 1998 mg/Tag), sofern das Körpergewicht > 60 kg beträgt.
- Bei Körpergewicht < 60 kg: 4 Tabletten/Tag, verteilt auf morgens, mittags, abends.
- Wichtige Voraussetzung: Der Alkoholentzug sollte bereits erfolgt und eine Abstinenzphase begonnen haben.
- Niemand sollte das Medikament eigenmächtig absetzen oder die Dosis verändern.
Einnahme morgens oder abends – Was ist zu beachten?
Die Tagesdosis wird üblicherweise auf drei Einzeldosen verteilt, um einen gleichmäßigen Wirkspiegel zu gewährleisten. Die Einnahme zur gleichen Tageszeit fördert die Therapietreue. Die letzte Dosis sollte nicht zu spät am Abend erfolgen, um mögliche Schlafstörungen zu vermeiden.
- Vorteil morgendlicher Einnahme: Unterstützt das Erinnern an die regelmäßige Einnahme, fördert stabile Wirkspiegel.
- Nachteile später Einnahme: Manche Nebenwirkungen (wie Durchfall) können nachts störend sein.
- Empfehlung: Einnahme zu den Mahlzeiten morgens, mittags und abends mit etwas Wasser.
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
Acamprosat kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, bevorzugt jedoch zu oder direkt nach dem Essen. Dies trägt in Deutschland zu einer besseren Verträglichkeit bei, da das Präparat den Magen schont. Da das Frühstück und das Abendessen im deutschen Alltag häufig feste Bestandteile sind, fällt die Einnahme mit der Mahlzeit leicht.
- Bei leerem Magen: Etwas geringere Aufnahme, einzelne Patienten berichten über leicht verstärkte Nebenwirkungen wie Übelkeit.
- Mit Nahrung: Bessere Magenverträglichkeit.
Wechselwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
| Interaktionspartner | Empfehlung/Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Die Wirksamkeit von Campral® ist bei gleichzeitiger Alkoholaufnahme stark vermindert. |
| Nahrungsmittel | Kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Nahrung kann Magenbeschwerden mildern. |
| Diuretika (z. B. Furosemid) | Milder Anstieg der Acamprosat-Spiegel möglich. Keine Dosisanpassung bei normaler Nierenfunktion erforderlich. |
| Antiepileptika, Antidepressiva | Bisher keine relevanten Interaktionen bekannt. |
| Niereninsuffizienz | Kontraindiziert bei schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin > 120 µmol/l). |
Zugelassene und Off-Label-Indikationen
| Indikation | Status (Deutschland) |
|---|---|
| Unterstützung der Aufrechterhaltung der Alkoholabstinenz bei Erwachsenen mit Alkoholabhängigkeit | Zugelassen |
| Alkoholrückfallprophylaxe bei Jugendlichen (unter 18 Jahre) | Off-Label/individualisierte Therapie, nicht zugelassen |
| Andere Substanzgebrauchsstörungen | Keine Zulassung, nur unterstützend unter klinischer Kontrolle |
Dosierung nach klinischen Indikationen und Patientengruppen
| Patientengruppe | Empfohlene Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Erwachsene > 60 kg | 6 Tabletten/Tag (2-2-2 Schema) | Gewichtsabhängig. Mit etwas Flüssigkeit, dreimal täglich zu den Mahlzeiten einnehmen. |
| Erwachsene <= 60 kg | 4 Tabletten/Tag (2-1-1 Schema) | Gewichtsadaptiert. Einnahme ebenfalls zu den Mahlzeiten empfohlen. |
| Ältere Patienten (≥65 Jahre) | Vorsicht. Dosis wie Erwachsene, aber häufige Nierenkontrollen empfohlen. | Nierenschwäche ausschließen! |
| Kinder/Jugendliche < 18 Jahre | Nicht empfohlen | Keine ausreichende Datenlage. |
| Patienten mit leichter Niereninsuffizienz | Dosisreduktion ggf. erforderlich | Absprache mit Arzt erforderlich. |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Durchfall
- Häufig: Bauchschmerzen, Übelkeit, Juckreiz, Hautausschlag, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen
- Gelegentlich: Schlaflosigkeit, Angstzustände, Appetitlosigkeit, Potenzstörungen
- Selten: Allergische Reaktionen, angioneurotisches Ödem
- Warnhinweise: Nicht bei schwerer Nierenschwäche anwenden. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion (Atemnot, Schwellung von Gesicht oder Hals) sofort ärztliche Hilfe suchen.
Ratschläge zur richtigen Anwendung in Deutschland
- Therapiebeginn: Erst nach erfolgreichem Alkoholentzug und nach Abstinenzstart beginnen.
- Regelmäßigkeit: Einnahme stets zu festgelegten Zeiten, am besten mit Hilfe eines Medikamentenplans oder einer Pillenbox.
- Nebenwirkungsbeobachtung: Im Falle von Durchfall oder Hautausschlag Ihren Arzt oder Apotheker aufsuchen.
- Alkoholverzicht: Für die Wirksamkeit ist vollständige Abstinenz erforderlich.
- Soziale Unterstützung: Teilnahme an Therapiegruppen oder Beratungsangeboten wird dringend empfohlen (z. B. Suchtberatungsstellen, AA-Gruppen).
Alternative Therapieoptionen (erstattungsfähig nach GKV)
- Naltrexon (Adepend®, Naltrexon HEXAL®): Opioidantagonist, oral als Tablette. Geeignet zur Rückfallprophylaxe, aber nicht alle Patientinnen und Patienten sprechen darauf an. Vorteil: Einmal tägliche Einnahme möglich. Nachteil: Nicht zugelassen für die Akutbehandlung des Entzugs.
- Disulfiram (Antabus®): Führt bei Alkoholkonsum zu unangenehmen Reaktionen. Eher selten angewendet, da hohe Patientenmotivation und Überwachung notwendig sind. Vorteil: Abschreckungswirkung. Nachteil: Schwere Nebenwirkungen möglich.
- Off-Label: Baclofen (nicht zugelassen, aber in Einzelfällen eingesetzt)
- Psychosoziale Therapie, Motivierende Kurzinterventionen, Selbsthilfegruppen (AA, Blaues Kreuz, Caritas): Zentrale Rolle für Langzeiterfolg! Häufig als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkasse.
Rechtlicher Status, Registrierung und Erstattung in Deutschland
- Arzneimittelzulassung: Campral® ist in Deutschland nach AMG zugelassen.
- BAM: Registrierung und Überwachung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- Erstattung: Campral® ist bei korrekter ärztlicher Verordnung grundsätzlich durch die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erstattungsfähig (entsprechend SGB V).
- Verschreibungspflicht: Rezeptpflichtig durch Arzt oder Facharzt für Psychiatrie/Suchtmedizin.
- Abgabeberechtigung: Nur in anerkannten Apotheken mit deutscher Betriebserlaubnis (§43 AMG).
Aktuelle Forschung und klinische Leitlinien (2022–2025)
Nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht, 2023), unterstützt Campral® als evidenzbasiertes Präparat die Abstinenzerhaltung effektiv und sicher, insbesondere in Kombination mit psychosozialer Therapie.
Internationale Metaanalysen (u. a. European Addiction Research, 2023 und JAMA Psychiatry, 2023) bestätigen, dass Acamprosat gegenüber Placebo zu signifikant mehr abstinenten Tagen führt.
Für die Langzeittherapie ist keine Kumulation beobachtet worden. Im direkten Vergleich zu Naltrexon zeigen sich vergleichbare Rückfallraten, wobei die Verträglichkeit von Acamprosat als günstiger gewertet wird (weniger Leberbelastung, kaum Wechselwirkungen).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Lieferzeiten
- Packungsgrößen: 60, 180, 210 Filmtabletten
- Preis (Stand: Juni 2024):
- 60 Tabletten – ca. 45–54 €
- 180 Tabletten – ca. 120–134 €
- 210 Tabletten – ca. 136–151 €
| Stadt | Lieferzeit über Online-Apotheke |
|---|---|
| Berlin | Lieferung meist am nächsten Werktag |
| Hamburg | 1–2 Werktage |
| München | 1–2 Werktage |
| Köln, Frankfurt, Leipzig | 1–2 Werktage |
| Andere Regionen | 1–3 Werktage |
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Muss ich bei der Einnahme von Campral® komplett auf Alkohol verzichten?
Ja, Campral® wirkt nur unterstützend, wenn Sie wirklich auf Alkohol verzichten. Bei gleichzeitigem Alkoholkonsum ist die Wirksamkeit stark eingeschränkt. - Kann ich Campral® eigenständig absetzen oder die Dosis ändern?
Nein. Veränderungen an der Therapie, Absetzen oder Dosisanpassung dürfen nur in Absprache mit Ihrem Arzt oder Therapeuten erfolgen. - Was kann ich tun, wenn ich die Einnahme vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis ein, sobald Sie sich daran erinnern. Liegt jedoch der nächste Einnahmezeitpunkt bereits nahe, überspringen Sie die vergessene Dosis und nehmen Sie auf keinen Fall die doppelte Menge. - Wer übernimmt die Kosten für Campral®?
Mit ärztlicher Verordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland in der Regel die Kosten. - Kann ich unter Campral® Maschinen bedienen oder Auto fahren?
Normalerweise beeinträchtigt Campral® nicht die Fahrtüchtigkeit. Sollte es jedoch zu Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrtheit kommen, verzichten Sie bitte auf das Führen von Maschinen oder Fahrzeugen.

