Actigall (Ursodeoxycholsäure) – Patienteninformation
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN): | Ursodeoxycholsäure |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland: | Actigall®, Ursofalk®, Ursosan®, UDC-Actavis® u.a. |
| ATC-Code: | A05AA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: | Hartkapseln 250 mg, 500 mg; Suspension 250 mg/5 ml |
| Hersteller: | Dr. Falk Pharma, Rottapharm, Actavis, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus: | Verschreibungspflichtig (Rx) |
Wirkmechanismus
Für Laien erklärt: Ursodeoxycholsäure ist eine natürliche Gallensäure, die hilft, schädliche Gallensäuren in der Leber zu verdrängen und die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit zu verbessern. Dadurch werden Gallensteine aufgelöst und Entzündungen in der Leber gemildert.
Für Fachkreise: Ursodeoxycholsäure wirkt hepatoprotektiv durch Verdrängung hydrophober, zytotoxischer Gallensäuren, Stabilisierung der Hepatozytenmembran und Förderung der cholatischen Gallensäureausscheidung. Es moduliert die Cholesterinsättigung der Galle, reduziert die Gallensäure-Zytotoxizität und verbessert die histologische Entzündung bei cholestatischen Erkrankungen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme werden 60–80 % absorbiert (Resorptionsmaximum nach 1–3 Stunden).
- Verteilung: Anreicherung in der Leber, enterohepatischer Kreislauf.
- Metabolismus: Leber (CYP3A), Umwandlung zu Konjugaten (Glyko- und Tauroursodeoxycholat).
- Elimination: Über Galle (Fäzes: >90 %), geringe renale Ausscheidung.
- Wirkdauer: Nach Absetzen rasche Reduktion der Konzentration; Halbwertszeit ca. 2,5–5 Stunden.
Anwendung im Alltag und praktische Hinweise
- Typische Dosierung: Abhängig von der Indikation, meist 8–10 mg/kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf 1–2 Dosen.
- Wie einnehmen? Tabletten/Kapseln unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit schlucken.
- Alltagsintegration: Am besten täglich zur selben Zeit einnehmen, um die Wirkung zu optimieren – praktische Erinnerung durch Alltagssituationen (z.B. Frühstücks- oder Abendbrotroutine).
- Hinweis: Therapieerfolg häufig erst nach mehreren Monaten sichtbar. Therapiestopp nur nach ärztlicher Rücksprache.
Morgens oder abends – Wann ist die Einnahme am besten?
- Morgens: Vorteilhaft für Patienten, die morgens frühstücken und so die Einnahme nicht vergessen. Einschränkung: Bei mehrteiliger Dosierung über den Tag verteilen.
- Abends: Bessere Gallenretention über Nacht, potenziell effizientere Gallensteinauflösung (insbesondere bei Einmaldosierung).
- Tipp: Entscheidend ist die Regelmäßigkeit! Bei mehrmaliger Gabe: Morgens und abends zu festen Essenszeiten.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Die Aufnahme von Ursodeoxycholsäure ist mit einer Mahlzeit ein wenig erhöht; das Mittel sollte vorzugsweise mit oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Dies ist im deutschen Lebensstil (ausgiebiges Frühstück, warmes Abendessen) gut umsetzbar. Ein leerer Magen ist möglich, jedoch kann die Verträglichkeit auf nüchternen Magen vermindert sein.
Interaktionswarnungen
| Substanz / Produkt | Mögliche Wechselwirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Cholestyramin, Colestipol, Antazida mit Aluminiumhydroxid | Reduzierte Aufnahme der Ursodeoxycholsäure | 2 Stunden Abstand zwischen den Einnahmen halten |
| Östrogene, orale Kontrazeptiva | Erhöhte Cholesterinausscheidung – Risiko für neue Gallensteine steigt | Rücksprache mit Arzt, ggf. Anpassung |
| Ciclosporin | Erhöhte Ciclosporinspiegel | Spiegelkontrolle empfohlen |
| Fluorchinolone, Dapson | Veränderte Resorption/Ausscheidung | Vorsicht; ärztliche Überwachung |
| Alkohol | Leberbelastung steigt; Wirkung kann vermindert werden | Alkoholkonsum möglichst vermeiden |
| Grapefruitsaft | Mögliche Beeinflussung des Metabolismus | Verzicht oder ärztliche Beratung |
Indikationen
| Indikation | Status | Hinweis |
|---|---|---|
| Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen (bei nicht verkalkten Steinen) | Zugelassen | Nur bei funktionsfähiger Gallenblase |
| Primär biliäre Cholangitis (PBC) | Zugelassen | Chronische Autoimmunleberkrankheit |
| Zystische Fibrose-bedingte Cholestase | Zugelassen | Kindliche und adulte Patienten |
| Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) | Off-Label | Individuell, nur nach ärztlicher Verordnung |
| Gallensäuretransportstörungen bei Kindern | Off-Label | Spezialisierte Zentren |
Dosierung je nach klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Cholesterin-Gallensteine | 8–10 mg/kg KG/Tag (1–2 Gaben) | 8–10 mg/kg KG/Tag | wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei Komorbidität |
| PBC | 13–15 mg/kg KG/Tag (meist in 2–3 Gaben) | 10–20 mg/kg KG/Tag | wie Erwachsene, regelmäßige Laborkontrollen |
| Kindliche Cholestase, Zystische Fibrose | - | 20 mg/kg KG/Tag (meist aufgeteilte Gaben) | - |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Häufig (1–10 %): Weicher Stuhl, Durchfall, Blähungen, Oberbauchschmerzen
- Gelegentlich (<1 %): Übelkeit, Hautausschläge, Juckreiz
- Selten (<0,1 %): Urtikaria, Leberwerterhöhungen, Verschlechterung der zugrunde liegenden Lebererkrankung
- Warnhinweise:
- Regelmäßige Leberwertkontrollen erforderlich
- Bei Koliken, starken Bauchschmerzen oder Gelbfärbung der Haut bitte sofort Arzt aufsuchen
Anwendungshinweise und praxisrelevante Tipps für Deutschland
- Immer exakt nach ärztlicher Verordnung einnehmen
- Therapietreue ist entscheidend: Keinen Tag auslassen, Erinnerungsfunktionen nutzen
- Blutbild, Leberwerte und Gallenblase regelmäßig kontrollieren lassen (mind. alle 3–6 Monate)
- Nicht gemeinsam mit stark calcium-, magnesium- oder eisenhaltigen Präparaten einnehmen
- Bei Unklarheiten zur Einnahme den Arzt oder Apotheker in Deutschland konsultieren
- Sich über die eigene Krankenkassen-Erstattung und Apotheker-Services (z.B. Medikationsmanagement) informieren
Alternative Therapieoptionen (Erstattung durch GKV)
- Chirurgische Gallensteinentfernung (Cholezystektomie): Standard bei symptomatischen Steinen, schnelle Lösung; operatives Risiko.
- Andere Gallensäuren: Chenodesoxycholsäure (CDCA), weniger häufig eingesetzt, mehr Nebenwirkungen.
- Beobachtung/„watchful waiting“: Bei kleinen, asymptomatischen Steinen und stabiler PBC mit minimalen Beschwerden möglich.
- Neue Immunmodulatoren (z.B. Obeticholsäure bei PBC): Verschreibung nach Kassenzulassung und Stufenplänen der jeweiligen Fachgesellschaften; teuer, zusätzliche Nebenwirkungen.
Vergleich: Ursodeoxycholsäure ist meist gut verträglich und langfristig erprobt. Chirurgie ist schneller, beinhaltet aber ein Operationsrisiko. Obeticholsäure ist wirksam bei PBC-Non-Respondern, aber teurer und mit strikteren Überwachungspflichten belegt.
Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsfragen in Deutschland
- Zulassung: Durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Erstattungsfähigkeit: Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt Kosten bei zugelassenen Indikationen; Sondergenehmigung für Off-Label möglich (z.B. bei Kindern)
- Verschreibungspflicht: Erfordert Rezept eines Arztes (Hausarzt, Internist, Gastroenterologe)
- Pharmazentralnummer: Produkt- und Packungsgrößen je nach Anbieter
- AMNOG-Bewertung: Ursodeoxycholsäure als etablierter Therapiestandard, keine Zusatznutzenbewertung für Altpräparate
Aktuelle Forschung und Behandlungsleitlinien (2022–2025)
- Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) und die European Association for the Study of the Liver (EASL) bestätigen Ursodeoxycholsäure als Therapiestandard für die primär biliäre Cholangitis (PBC).
- Meta-Analysen (2022–2024) zeigen, dass Ursodeoxycholsäure das Transplantationsrisiko bei PBC signifikant senkt (J Hepatol 2024).
- Für die seltene primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist off-label ein Einsatz unter strenger Aufsicht möglich, wobei neue Studien geringere Dosierungen empfehlen (dgvs.de).
- Im Bereich der zystischen Fibrose-bedingten Cholestase existieren laut Cystic Fibrosis Foundation Consensus 2023 weiterhin nur eingeschränkte Therapiealternativen.
- Wissenschaftlicher Fokus 2023/24 liegt auf neuen Kombinationspräparaten—Ursodeoxycholsäure bleibt aber wegen der guten Verträglichkeit und Langzeitdaten erste Wahl.
Verfügbarkeit und Lieferung
| Packungsgröße | Kapseln/Suspension | Preis (Richtwert)* |
|---|---|---|
| N1 | 50 Kapseln á 250 mg | ca. 22–26 EUR |
| N2 | 100 Kapseln á 250 mg | ca. 39–45 EUR |
| Suspension | 250 ml (250 mg/5ml) | ca. 40–46 EUR |
*Preise können je nach Hersteller·Apotheke variieren. (Stand: Q2/2024, Arzneimittelinformation der ABDA)
| Stadt | Verfügbarkeit (vor Ort/Online) | Lieferzeit (online Bestellung) |
|---|---|---|
| Berlin | hoch | 24–48h |
| München | hoch | 24–48h |
| Frankfurt | hoch | 24–36h |
| Köln | hoch | 24–36h |
| Dresden | gut | 24–72h |
| Online-Apotheken (rezeptpflichtig!) | hoch | 24–72h |
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Kann ich Actigall (Ursodeoxycholsäure) auch ohne Verschreibung kaufen?
Nein, das Arzneimittel ist verschreibungspflichtig und darf nur auf ärztliches Rezept in der Apotheke abgegeben werden. - Was passiert, wenn ich die Einnahme einmal vergesse?
Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich. Liegt der nächste Einnahmezeitpunkt bereits nahe, lassen Sie die vergessene Dosis aus und setzen Sie wie gewohnt fort. Niemals doppelt einnehmen! - Darf ich Actigall während der Schwangerschaft oder Stillzeit einsetzen?
Die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit ist nur nach strenger ärztlicher Abwägung möglich, für Stillende aber in der Regel unbedenklich. Bitte individuelle Rücksprache mit dem Arzt. - Wie lange muss ich Actigall einnehmen?
Die Therapiedauer hängt von Ihrer Erkrankung ab: Bei Gallensteinen meist 6–24 Monate, bei PBC oder anderen chronischen Lebererkrankungen oft langfristig. Ihr Arzt legt die Dauer individuell fest. - Können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten?
Ja, insbesondere bei Einnahme von Gallensäurebindern, bestimmten Antibiotika, hormonellen Präparaten und Alkohol. Bitte informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.

