Anafranil (Clomipramin-Hydrochlorid) – Umfassende Produktbeschreibung für Patientinnen und Patienten in Deutschland
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Clomipramin-Hydrochlorid |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Anafranil®, Clomipramin-neuraxpharm®, Clomipramin-AbZ®, weitere Generika |
| ATC-Code | N06AA04 (Antidepressiva, trizyklische Antidepressiva) |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken |
|
| Hersteller | Novartis Pharma GmbH, neuraxpharm, AbZ-Pharma, diverse Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig nach §48 AMG |
Wirkmechanismus
Clomipramin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Es wirkt durch die Hemmung der Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn. Dies führt dazu, dass deren Konzentration im synaptischen Spalt steigt, was stimmungsaufhellende und angstlösende Effekte unterstützt.
Für Spezialisten: Clomipramin blockiert präsynaptische Transporter (vor allem SERT, sekundär NET) und antagonisiert verschiedene Rezeptoren (z.B. anticholinerge, antihistaminische Wirkung). Zusätzliche Effekte (analgetisch, sedierend) sind mitverantwortlich für therapeutische Breite und Nebenwirkungen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Sehr gute Resorption (>60%), maximale Plasmaspiegel nach ca. 2-6 Std. (Tabletten), 4-8 Std. (Retardkapseln)
- Metabolismus: Leber (CYP2D6 und CYP3A4); Hauptmetabolit Desmethylclomipramin ist ebenfalls aktiv
- Ausscheidung: Über Urin (60%), Stuhl (20%); HWZ ca. 12-36 Stunden (individuelle Schwankungen möglich)
- Wirkdauer: Therapeutische Wirkung setzt üblicherweise nach 1–3 Wochen ein
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis
Anafranil wird oft im Rahmen einer medizinisch begleiteten Langzeittherapie eingesetzt. Es ist besonders wichtig, die Einnahme regelmäßig und wie vom Arzt bzw. Ärztin vorgegeben durchzuführen. Die Anpassung der Dosierung erfolgt langsam, um Nebenwirkungen zu minimieren.
- Therapiebeginn: Start häufig mit niedriger Dosis (10–25 mg), dann allmähliche Steigerung in 25 mg-Schritten bis zur therapeutisch wirksamen Dosis
- Therapiedauer: In der Regel über mehrere Monate bis Jahre, individuell unterschiedlich je nach Diagnose und Verlauf
- Absetzen: Niemals abrupt oder ohne ärztliche Rücksprache, da Entzugserscheinungen möglich sind
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Kosten im Rahmen der Zulassung und bei entsprechender Indikation.
Einnahme morgens oder abends – Tipps zur regelmäßigen Anwendung
- Morgens: Einnahme kann antriebsfördernd wirken, vereinzelt Schlaflosigkeit verursachen
- Abends: Einnahme kann Müdigkeit und Sedierung ausnutzen, empfiehlt sich bei starker Tagesmüdigkeit durch das Präparat
- Tipp: Immer zu einer festen Tageszeit einnehmen. Die Einnahme abends ist meist bei Schlafproblemen mit dem Arzt abzustimmen.
Einnahme mit oder ohne Nahrung – Hinweise für Deutschland
- Tabletten/Kapseln können zu oder nach einer Mahlzeit oder nüchtern eingenommen werden.
- Nahrung kann gelegentlich Magenreizungen vorbeugen.
- Besondere Wechselwirkungen mit deutschen Diätformen (z.B. ballaststoffreiche, vegetarische/vegane Ernährung) sind nicht bekannt.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Interaktionspartner | Empfohlene Vorsichtsmaßnahme |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, erhöhte Unfallgefahr – möglichst meiden! |
| Hemmstoffe von CYP2D6/CYP3A4 (z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Makrolidantibiotika) | Blutspiegelanstieg – Dosisanpassung ggf. erforderlich |
| Serotoninerge Medikamente (z.B. SSRI, SNRI, MAO-Hemmer) | Risiko eines Serotonin-Syndroms – Kombination vermeiden oder eng ärztlich überwachen |
| Antihypertensiva/Anticholinergika | Wechselwirkungen möglich – sorgfältige Kontrolle |
| Pflanzliche Präparate (z.B. Johanniskraut) | Veränderte Clomipramin-Wirkung – Anwendung absprechen |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurze Beschreibung |
|---|---|---|
| Depressive Syndrome | Zugelassen (G-BA/EMA) | Mittelgradige bis schwere Depressionen, insbesondere bei zusätzlicher Angst |
| Zwangsstörungen (OCD) | Zugelassen | Behandlung von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen |
| Panikstörung/Phobien | Zugelassen | Insbesondere, wenn andere Präparate nicht ausreichend wirksam |
| Chronische Schmerzen (z.B. neuropathisch) | Off-label | Begleitbehandlung, selten primär |
| Enuresis nocturna (Einnässen bei Kindern über 5 Jahre) | Zugelassen | Nur bei Versagen anderer Therapien |
| Weitere psychische Störungen | Off-label | Z.B. posttraumatische Belastungsstörung, Trichotillomanie |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere Menschen | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Depressionen | Initial 25 mg/Tag, später 75–150 mg/Tag, max. 250 mg/Tag | Initial 10–25 mg/Tag, steigern auf 75 mg/Tag, max. 100 mg/Tag | 10–50 mg/Tag, max. 3 mg/kg/Tag, nur ab 5 Jahren |
| Zwangsstörungen | Initial 25 mg/Tag, Zieldosis 100–250 mg/Tag | Nach ärztlicher Einschätzung, i.d.R. 10–75 mg/Tag | Ab 5 J., 25–200 mg/Tag, je nach Alter und Verträglichkeit |
| Panikstörung | 25–75 mg/Tag, individuell anpassen | 10–50 mg/Tag, vorsichtige Steigerung | Keine Daten |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig/Häufig (>1%): Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwindel, Schwitzen, Verstopfung, schneller Puls, niedriger Blutdruck beim Aufstehen (Orthostase), sexuelle Funktionsstörungen
- Gelegentlich/selten (<1%): Harnverhalt, Sehstörungen, epileptische Anfälle, Leberfunktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen, allergische Reaktionen
- Warnhinweise:
- Suizidrisiko zu Beginn der Therapie (insbesondere bei jungen Erwachsenen)
- QT-Verlängerung möglich – regelmäßige EKG-Kontrollen empfohlen
- Vorsicht bei bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Epilepsie, Herzerkrankungen)
Richtige Anwendung – Empfehlungen Ihrer Apotheke / Klinik
- Tabletten/Retardkapseln mit ausreichend Flüssigkeit unzerkaut schlucken
- Tabletten nach Möglichkeit immer zur gleichen Tageszeit einnehmen
- Verpasste Dosis nie doppelt einnehmen – einfach auslassen und beim nächsten Mal wieder regulär fortfahren
- Konsequente Einnahme verbessert Erfolg und Verträglichkeit
- Blutdruck und ggf. EKG regelmäßig mit behandelnder Ärztin oder Apotheker abstimmen
- Bei Fragen oder Unsicherheiten bitte keine Eigenmaßnahmen ergreifen – Konsultieren Sie die Hausarztpraxis oder Apotheke
Alternative Therapieoptionen (GKV-erstattungsfähig)
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Fluoxetin, Sertralin, Escitalopram (weniger Nebenwirkungen, gut verträglich; oft als Mittel der ersten Wahl)
- Andere trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, Doxepin (ähnliches Nebenwirkungsprofil)
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Duloxetin, Venlafaxin (besonders bei Schmerzen, Angst, Depressionen)
- Antipsychotika (bei schweren Zwangsstörungen als Zusatztherapie): Aripiprazol, Risperidon
Vergleich: SSRI sind meist verträglicher, wirken aber bei schweren oder resistenten Zwangsstörungen manchmal weniger ausgeprägt als Clomipramin. Trizyklische Antidepressiva haben ein bekanntes Nebenwirkungsprofil, sind jedoch in bestimmten Fällen sehr wirksam. Die Auswahl erfolgt immer individuell mit Ihrer behandelnden Ärztin/Arzt.
Rechtlicher Status, Registrierung & Erstattung in Deutschland
- Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)
- Rezeptpflichtig nach §48 Arzneimittelgesetz (AMG), keine Selbstmedikation möglich
- GKV-Erstattung bei zugelassenen Indikationen nach Bewertung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)
- Arzneimittel-Rezepte werden in allen Apotheken deutschlandweit akzeptiert
Neueste Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie Zwangsstörungen (AWMF, Stand 2024) empfiehlt Clomipramin insbesondere bei schweren Zwangsstörungen – meist nach erfolgloser SSRI-Therapie.
- Cochrane-Übersicht 2023: Clomipramin besonders wirksam bei Zwangsstörungen, etwas mehr Nebenwirkungen als moderne Antidepressiva, aber in „hartnäckigen“ Fällen vorteilhaft.
- Internationale Übersichtsarbeiten (z. B. NICE 2023, DGPPN 2022) bestätigen nach wie vor einen relevanten Stellenwert von Clomipramin nach erfolglosem SSRI-Versuch oder bei multipler Komorbidität.
Verfügbarkeit & Lieferzeiten
| Packungsgröße (Tabletten/Kapseln) | Apothekenverkaufspreis (AVP, ca.) | Lieferzeit (Berlin/Hamburg/München) |
|---|---|---|
| 30 Tabletten à 25 mg | ca. 18–23 € | 1–2 Werktage |
| 100 Tabletten à 25 mg | ca. 56–65 € | 1–2 Werktage |
| 50 Retardkapseln à 75 mg | ca. 47–55 € | 1–2 Werktage |
Hinweis: Die tatsächlichen Preise können je nach Anbieter, Rabattvertrag und Bundesland variieren.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu Anafranil (Clomipramin)
- Wie lange dauert es, bis Anafranil wirkt?
Die stimmungsaufhellende bzw. angstlösende Wirkung setzt meist innerhalb von 1–3 Wochen ein. Bei Zwangsstörungen kann die Besserung etwas länger dauern. - Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Anafranil nehme?
Es wird dringend empfohlen, Alkohol zu meiden, da die Wirkung von Anafranil auf das zentrale Nervensystem verstärkt wird und Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit zunehmen können. - Kann ich Anafranil plötzlich absetzen?
Nein, das Absetzen sollte stets in Absprache mit der behandelnden Praxis erfolgen. Ein abruptes Absetzen kann zu Entzugserscheinungen und einer Verschlechterung Ihrer Symptome führen. - Ist Anafranil auch für ältere Personen geeignet?
Ja, aber häufig in einer niedrigeren Dosis. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist hier besonders wichtig, da ältere Menschen empfindlicher auf Nebenwirkungen reagieren. - Muss ich während der Therapie besondere ärztliche Kontrollen wahrnehmen?
Ja, regelmäßige Kontrollen sind wichtig. Dazu gehören Blutdruckmessungen, ggf. EKG (besonders bei Vorerkrankungen des Herzens), Kontrolle des Körpergewichts und ärztliche Gesprächsbegleitung.
Weitere Fragen beantwortet Ihnen gerne Ihr behandelndes medizinisches Fachpersonal oder Ihre Apotheke!

