Amilorid – Patienteninformation für Deutschland
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Amilorid |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Amilorid-ratiopharm®, Amilozid®, Moduretic® (in Kombination mit Hydrochlorothiazid) |
| ATC-Code | C03DB01 |
| Erhältliche Darreichungsformen & Stärken | Tabletten: 5 mg Amilorid (meist als Amilorid-Hydrochlorid), Kombinationstabletten (mit Thiaziddiuretika) |
| Hersteller (Beispiele) | ratiopharm GmbH, Teva GmbH, Hexal AG, verschiedene Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht gemäß AMG, §48) |
Wirkungsweise
Für Patienten einfach erklärt: Amilorid gehört zu den sogenannten kaliumsparenden Diuretika („Entwässerungsmedikamenten“). Es wirkt in den Nieren, wo es die Ausscheidung von Natrium und Wasser fördert – überschüssiges Wasser wird ausgeschieden, aber das wichtige Kalium bleibt im Körper. Dadurch verringert sich die Flüssigkeitsbelastung, ohne dass so viel Kalium verloren geht wie mit anderen Diuretika.
Für Fachpersonen: Amilorid hemmt am distalen Tubulus der Niere die Funktion der epithelialen Natriumkanäle (ENaC) unabhängig von Aldosteron. Dadurch wird die Natriumreabsorption vermindert und die Kaliumsekretion gehemmt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe ca. 15–25 %.
- Metabolisierung: Amilorid wird kaum metabolisiert, Hauptanteil bleibt unverändert.
- Ausscheidung: Über den Urin; ca. 50 % der aufgenommenen Dosis in 24 h ausgeschieden.
- Wirkdauer: ca. 12 bis 24 Stunden nach Einnahme.
Anwendung im Alltag & bewährte Vorgehensweisen
In Deutschland wird Amilorid meist zusammen mit einem Thiaziddiuretikum (z.B. Hydrochlorothiazid) als Kombinationspräparat eingesetzt. Es wird einmal täglich eingenommen – meist morgens. Die Tablette sollte mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt werden. Auf eine regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit ist zu achten, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
- Empfohlene Dosierung (Erwachsene): Initial 5–10 mg/Tag; in Kombination mit Thiaziden evtl. niedriger dosiert.
- Für ältere Patienten: Eher niedriger dosieren und engmaschig kontrollieren.
- Kinder: Anwendung unter 18 Jahren in der Regel nicht empfohlen; individuelle Facharztentscheidung nötig.
Einnahme morgens oder abends?
- Morgendliche Einnahme: Wird empfohlen, um häufigerem nächtlichen Harndrang vorzubeugen.
- Abendliche Einnahme: Möglich, aber ungünstig wegen vermehrtem Wasserlassen nachts.
- Praxistipp: Immer zur gleichen Zeit einnehmen und Tagesrhythmus beibehalten.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
Amilorid kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Studien zeigen, dass die Wirkung bei Einnahme zu oder nach dem Essen leicht verzögert eintreten kann, dies ist jedoch klinisch meist nicht relevant. Bei empfindlichem Magen empfiehlt es sich, das Präparat nach dem Essen einzunehmen. Die Einnahme von Amilorid ist an keine spezielle Diät gebunden, jedoch sollten – typisch für deutsche Essgewohnheiten – kaliumreiche Lebensmittel (z.B. Bananen, Nüsse, Samen) wegen erhöhter Hyperkaliämiegefahr in Maßen konsumiert werden.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktionspartner | Empfohlene Maßnahmen |
|---|---|
| ACE-Hemmer, AT1-Blocker | Vorsicht: Risiko für erhöhte Kaliumwerte (Hyperkaliämie) |
| NSAR (z.B. Ibuprofen, Diclofenac) | Wirkungsverlust der Diuretika möglich; Kontrolle angezeigt |
| Kaliumpräparate, kaliumreiche Ernährung | Gefahr der Hyperkaliämie; nur bei nachgewiesenem Mangel |
| Digitoxin, Lithium | Dosisanpassung, engmaschige Überwachung erforderlich |
| Alkohol | Verstärkte Blutdrucksenkung möglich, vorsichtiger Umgang! |
Indikationen – Zulassung und Off-Label-Anwendungen
| Indikation | Zugelassen (Deutschland) | Off-Label |
|---|---|---|
| Ödeme (z.B. bei Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom) | Ja | — |
| Essentielle Hypertonie (in Kombination) | Ja | — |
| Primärer Hyperaldosteronismus (diagnostisch/therapeutisch) | — | Ja |
| Schwere Hypokaliämie durch Thiazidtherapie | — | Ja |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation / Gruppe | Empfohlene Tagesdosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Ödeme (Erwachsene) | 5–10 mg / Tag | allein oder mit Thiazid |
| Bluthochdruck (Erwachsene) | 5–10 mg / Tag | immer in Kombination, alleinig kaum verwendet |
| Ältere Patienten | 5 mg / Tag | niedrig dosiert beginnen, engmaschige Kontrolle |
| Kinder | keine Empfehlung | nur sehr selten, individuell nach Kardiologe/Nephrologe |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann auch Amilorid Nebenwirkungen verursachen, die jedoch nicht bei jedem auftreten müssen.
- Sehr häufig / häufig: Erhöhte Kaliumwerte (Hyperkaliämie), Kopfschmerzen, Übelkeit, Magenbeschwerden, Müdigkeit
- Gelegentlich: Muskelkrämpfe, Durchfall, Hautausschläge, veränderte Nierenwerte
- Selten: Störungen im Salzhaushalt (Natrium, Bikarbonat), Leberfunktionsstörungen, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
- Warnhinweise: Kaliumwerte können gefährlich steigen. Regelmäßige Kontrollen sind bei Risikopatienten (Niereninsuffizienz, ältere Patienten, gleichzeitige Einnahme von Kaliumsparern) nötig.
Anwendungshinweise (Apotheke/Arztpraxis)
- Regelmäßige Einnahme entscheidend für die Wirksamkeit.
- Blutdruck und Laborwerte (insb. Kalium, Nierenfunktion) regelmäßig kontrollieren.
- Nicht selbstständig dosisverändern oder absetzen.
- Achten Sie bei typisch deutschen Ernährungsgewohnheiten (viel Wurst, Käse, Brot, Gemüse) auf die Kaliumaufnahme.
- Bei ersten Anzeichen von ungewöhnlicher Müdigkeit, Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen sofort ärztlichen Rat einholen.
Alternativen zur Therapie (Kassenleistung, Kurzüberblick)
- Spironolacton: Vermehrt zur Behandlung von Herzinsuffizienz, wirkt ebenfalls kaliumsparend; mehr hormonelle Nebenwirkungen (z. B. Brustschmerzen, Gynäkomastie bei Männern)
- Eplerenon: Moderne Variante, geringere hormonelle Nebenwirkungen, aber teurer
- Hydrochlorothiazid, Chlortalidon: Klassische, günstige Diuretika; verursachen aber oft Kaliumverlust und werden gern mit Amilorid kombiniert
- Torsemid, Furosemid: Schleifendiuretika, starke Entwässerung; oft Ergänzung in schweren Fällen
Alle genannten Präparate sind in Deutschland zugelassen und in der Regel erstattungsfähig, sofern medizinisch begründet (per GKV/Private).
Rechtliche und Erstattungsinfos (Deutschland)
- Zulassung: Amilorid-haltige Präparate sind durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen.
- Verfügbarkeit: Rezeptpflichtig; Apothekenpflichtig gemäß AMG §48.
- Erstattung: In der Regel Kassenleistung bei medizinischer Indikation (gesetzlich und privat)
- Packungsgrößen: Üblich sind N1 (20–30 Tabletten), N2 (50–100 Tabletten)
Aktuelle Forschung/Leitlinien (2022–2025)
- ESC-Leitlinien 2023: Amilorid wird weiterhin für die Behandlung von Bluthochdruck und Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) empfohlen, vor allem, wenn Kaliumverluste durch Thiazide ausgeglichen werden müssen.
- Deutsche Hochdruckliga (2023): Favorisiert die Kombination von Thiaziddiuretika mit Amilorid, um Kaliumverluste zu vermeiden.
- Neues aus Studien (Lancet 2022): Amilorid-Kombinationen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse bei schwer behandelbarem Bluthochdruck verringern.
Quellen: ESC Guidelines 2023, Deutsche Hochdruckliga 2023, Lanzinger et al., Dtsch Arztebl 2022; Lancet 2022; BfArM Fachinformation.
Verfügbarkeit & Lieferung (Deutschland)
| Packungsgröße | Preis (indicativ, EUR) | Lieferung Berlin | Lieferung Hamburg | Lieferung München | Lieferung Frankfurt |
|---|---|---|---|---|---|
| N1 (30 Tabletten) | 6–10 | 1 Werktag | 1 Werktag | 2 Werktage | 1 Werktag |
| N2 (100 Tabletten) | 15–25 | 1 Werktag | 1 Werktag | 2 Werktage | 1 Werktag |
Die Preise variieren je nach Hersteller und Apothekenrabatt. Rezeptfrei ist das Produkt nicht erhältlich.
FAQ – Häufige Fragen (und Antworten)
- Ich habe vergessen, Amilorid einzunehmen. Was soll ich tun?
Nehmen Sie die vergessene Dosis, sobald Sie sich daran erinnern – aber niemals zwei Dosen gleichzeitig! Lassen Sie die vergessene Dosis aus, falls die nächste Einnahme kurz bevorsteht und behalten Sie Ihren Einnahmeplan bei. - Was muss ich während der Behandlung mit Amilorid regelmäßig kontrollieren lassen?
Ihr Arzt wird regelmäßig Ihre Kalium- und Nierenwerte sowie Ihren Blutdruck prüfen. Kontrolluntersuchungen finden meist nach einigen Wochen und dann in längeren Abständen statt. - Darf ich mit Amilorid Alkohol trinken?
Gelegentlicher, mäßiger Alkoholkonsum ist meist möglich, kann aber die blutdrucksenkende Wirkung verstärken und das Sturzrisiko erhöhen. - Muss ich meine Ernährung umstellen?
Extremer Konsum kaliumreicher Lebensmittel sollte vermieden werden; eine gesunde, ausgewogene Ernährung nach deutschen Empfehlungen ist empfehlenswert. - Kann ich Amilorid während der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Die Anwendung von Amilorid in Schwangerschaft und Stillzeit sollte nur erfolgen, wenn der Arzt dafür eine klare Notwendigkeit sieht. Sprechen Sie hierzu bitte immer mit Ihrem Gynäkologen oder behandelnden Arzt.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis oder Ihre Apotheke vor Ort.
Weitere Informationen finden Sie in der aktuellen Packungsbeilage.

