Albenza® (Albendazol) – Umfassende Patienteninformation für Deutschland
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Albendazol |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Albenza®, Eskazole®, Zentel® |
| ATC-Code | P02CA03 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten zu 200 mg und 400 mg, Suspension zu 4 % (für Kinder) |
| Hersteller (Deutschland/Europa) | GlaxoSmithKline, Aspen Pharma, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Apothekenpflicht, Rezept erforderlich) |
Wirkmechanismus
Albendazol ist ein Anthelminthikum, das zur Behandlung von Wurminfektionen eingesetzt wird. Für Laien verständlich: Es verhindert die Energiegewinnung innerhalb der Parasiten, wodurch diese absterben und über den Darm ausgeschieden werden. Für medizinische Fachkreise: Albendazol hemmt die Polymerisation von β-Tubulin im Mikrotubulus der Parasitenzellen. Dies stört die Glukoseaufnahme und die intrazelluläre Transportmechanismen des Helminthen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gering (ca. 5 % oral bioverfügbar), wird aber mit fettreicher Mahlzeit deutlich gesteigert
- Metabolisierung: Hepatisch, unter Bildung des aktiven Metaboliten Albendazol-Sulfoxid
- Elimination: Vorwiegend renal (Niere)
- Wirkdauer: ca. 8–12 Stunden, dennoch genügt meist 1x oder 2x tägliche Einnahme
Anwendung im Alltag und praktische Hinweise
In Deutschland verschreibt die Ärztin/der Arzt Albendazol meist bei bestimmten Wurmerkrankungen wie Spulwurm (Askaridose), Bandwürmern (z. B. Echinokokkose) oder Hakenwürmern (z. B. Ancylostomatose). Die Dosierung hängt von Diagnose, Alter und Gewicht ab.
- Meist 1x oder 2x täglich einnehmen, nach Verordnung
- Tabletten unzerkaut oder zermörsert (vor allem bei Kindern) mit Wasser einnehmen
- Stets gesamte Kur beenden, auch wenn Symptome schon abklingen
- Kinder erhalten oft Suspension für einfachere Dosierung
- Sorgfältige Hygiene (Händewaschen, Waschen von Obst/Gemüse) unterstützt Behandlung
Einnahme morgens vs. abends: Was ist besser?
- Morgens: Vorteil: Regelmäßigkeit und bessere Gefahr der Befolgung; Nachteil: Tagesgeschäft lenkt ab.
- Abends: Vorteil: Einnehmen zu Hauptmahlzeit (fettig), so wird Wirkung verstärkt. Nachteil: Gefahr des Vergessens bei Müdigkeit.
Unser Tipp: Wählen Sie den Zeitpunkt in Absprache mit ihrer Ärztin/ihrem Arzt. Für maximale Wirksamkeit möglichst immer zur selben Tageszeit einnehmen, idealerweise zu einer fetthaltigen Mahlzeit am Abend.
Einnahme mit oder ohne Nahrung – Bedeutung für deutsche Ernährungsgewohnheiten
- Mit Nahrung: Insbesondere mit fetthaltigen Speisen (z. B. Käsebrot, Bratkartoffeln, Vollmilch) erhöht sich die Aufnahme von Albendazol um das 3– bis 5-Fache.
- Nüchtern: Aufnahme geringer, Gefahr einer verminderten Wirksamkeit.
Im deutschen Alltag genügt es, die Tablette/Suspension zu einer Hauptmahlzeit einzunehmen – idealerweise zum Abendessen, das oft die fettreichste Mahlzeit des Tages ist.
Interaktionshinweise (Lebensmittel, Alkohol, andere Medikamente)
| Interaktionspartner | Empfohlene Vorsichtsmaßnahme |
|---|---|
| Fettreiche Speisen | Erwünscht, da sie die Aufnahme steigern |
| Grapefruitsaft | Kann Albendazol-Konzentration erhöhen, Überwachung empfohlen |
| Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin, Phenytoin) | Wirkung von Albendazol kann abgeschwächt werden, Arzt informieren |
| Blutverdünner (z. B. Warfarin) | Regelmäßige INR-Bestimmung, da Wirkung verstärkt werden kann |
| Alkohol | In geringen Mengen tolerabel, größere Mengen vermeiden |
| Lebererkrankungen | Regelmäßige Kontrolle empfohlen, Gefahr der Kumulation |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Indikation | Anwendungsgebiet | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Offiziell (gemäß BfArM) | Behandlung von intestinalen und extraintestinalen Wurminfektionen (z. B. neurozystizerkose, Echinokokkose, Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Madenwürmer) | Standardanwendung |
| Off-Label | Giardiasis (vor allem bei Kindern), Trichinellose, Strongyloidiasis, Kryptosporidiose | Nach Abwägung durch Infektiolog*in; ggf. Rücksprache mit Kasse wegen Kosten |
Dosierung nach klinischen Indikationen
| Indikation | Erwachsene | Kinder ab 2 Jahre | Ältere Patient*innen |
|---|---|---|---|
| Spulwürmer/Hakenwürmer (z. B. Askariasis, Ancylostoma) | 1x 400 mg, ggf. Wiederholung nach 2–3 Wochen | 1x 400 mg (Tablette oder Suspension), ggf. Wiederholung nach 2–3 Wochen | Wie Erwachsene, aber niedrige Anfangsdosis und Leberfunktion beachten |
| Madenwürmer (Enterobiasis) | 1x 400 mg, ggf. nach 14 Tagen wiederholen | 1x 400 mg, ggf. nach 14 Tagen wiederholen | Wie Erwachsene |
| Neurozystizerkose | 15 mg/kg/Tag in 2 Dosen für 8–30 Tage | 15 mg/kg/Tag in 2 Dosen für 8–30 Tage | Individuelle Anpassung, engmaschige Überwachung |
| Echinokokkose | 400 mg 2x/Tag über 28 Tage, ggf. mehrere Zyklen | 15 mg/kg/Tag in 2 Dosen, maximal 800 mg/Tag | Wie Erwachsene, Dosis ggf. reduzieren |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispiele | Hinweise |
|---|---|---|
| Sehr häufig (≥10%) | Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall | Meist mild, vorübergehend |
| Häufig (1–10%) | Kopfschmerzen, erhöhte Leberwerte, Haarausfall (reversibel) | Regelmäßige Blutuntersuchungen zu Therapiebeginn |
| Gelegentlich (0,1–1%) | Hautausschlag, Schwindel | Arzt informieren, wenn Symptome anhalten |
| Selten (<0,1%) | Blutbildveränderungen, Überempfindlichkeitsreaktionen | Sofort ärztliche Hilfe aufsuchen |
Warnhinweise: Bei vorbestehenden Lebererkrankungen, Schwangerschaft oder Stillzeit ist die Einnahme nur nach strikter ärztlicher Abwägung zulässig.
Richtige Anwendung – Tipps Ihres Apothekenteams
- Packungsbeilage sorgfältig lesen, alle Anweisungen befolgen
- Auch Mitbewohner*innen bei Infektion ggf. mitbehandeln (z. B. bei Madenwürmern)
- Direkt nach dem Essen einnehmen
- Während der gesamten Therapie regelmäßiges Händewaschen und Hygiene beachten
- Sämtliche Termine zur Kontrolluntersuchung wahrnehmen (Blutbild, Leberwerte)
- Kontaktieren Sie das Apothekenteam bei Fragen zur Einnahme, Verträglichkeit oder Wechselwirkungen
Alternative Therapien (Leistungserstattung durch GKV/NFZ)
- Mebendazol (Vermox®, Generika): Ebenfalls breit einsetzbares Anthelminthikum, ähnlich verträglich, etwas häufiger in Deutschland verwendet
- Pyrantel (Helmex®, Generika): Vor allem bei Madenwürmern; sehr gut verträglich, aber nur gegen wenige Wurmarten wirksam
- Ivermectin (nur auf Antrag, bei bestimmten Indikationen): Breiteres Spektrum, aber in Deutschland i. d. R. nur für bestimmte Infektionen zugelassen
Albendazol bleibt v. a. bei zystischen Infektionen wie Echinokokkose und Neurozystizerkose die Therapie der Wahl. Bei leichten oder unkomplizierten Darmwurminfektionen wird häufig Mebendazol bevorzugt.
Rechtlicher Status & Kostenerstattung (Deutschland)
- Zulassung: Albendazol ist durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Deutschland zugelassen.
- Verschreibungspflichtig: Das Medikament ist apothekenpflichtig und nur auf gültiges Rezept erhältlich.
- Kostenerstattung: Gesetzliche Krankenversicherung (GKV, inkl. NFZ) übernimmt die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit und zugelassener Indikation.
- Import: Bei Lieferengpässen ist über internationale Apotheken (Import nach §73 AMG) eine Versorgung möglich; Rücksprache mit Arzt und Apotheke.
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- DTG-Leitlinie 2024 – Parasitologische Infektionen: Albendazol wird als Mittel der Wahl bei Echinokokkose, Neurozystizerkose und multiplen intestinalen Helminthosen empfohlen.
- Internationale Leitlinien (z. B. WHO, CDC 2023): Bestätigen weiterhin Überlegenheit bei Zystenwürmern, aber kombinierte Therapien bei Mischinfektionen werden häufiger empfohlen.
- Neue Studien (2022–2024): Weisen auf verbesserte Verträglichkeit in Kombination mit Protonenpumpeninhibitoren (Magenschutz, z. B. Omeprazol) hin; Monitoring von Leberwerten weiterhin essenziell.
Verfügbarkeit, Preise und Lieferzeiten
| Paketgröße | Inhalt | Indikativer Preis (GKV/Privat, Stand 2024) | Lieferzeit (Tage) |
|---|---|---|---|
| Klein | 2 Tabletten à 400 mg | ca. 25–40 € | 1–2 (Berlin, Hamburg, München) |
| Mittel | 10 Tabletten à 400 mg | ca. 75–110 € | 1–3 (bundesweit) |
| Suspension | 20 ml (4 % w/v) | ca. 40–60 € | 2–4 (Hannover, Frankfurt, Köln) |
Bitte beachten Sie: Preise können je nach Apotheke und Region variieren, Kleinmengen werden vorrangig geliefert. Ihre Apotheke informiert Sie über aktuelle Lagerbestände und Ersatzprodukte bei Engpässen.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Wie lange dauert die Behandlung mit Albendazol?
Die Dauer variiert je nach Erkrankung: Bei Madenwürmern 1–2 Tage, bei Echinokokkose oder Neurozystizerkose mehrere Wochen bis Monate. Ihr Arzt informiert Sie genau. - Muss meine gesamte Familie behandelt werden?
Bei bestimmten Wurminfektionen (z. B. Madenwürmer) wird empfohlen, dass alle Haushaltsmitglieder behandelt werden. Sprechen Sie dies mit Ihrem Arzt ab. - Kann ich Albendazol zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
In der Regel ja, aber Medikamente gegen Epilepsie, Blutverdünner oder gewisse Antibiotika können Wechselwirkungen zeigen. Teilen Sie Ihrem Arzt alle Arzneimittel mit, die Sie einnehmen. - Was tun bei Durchfall, Übelkeit oder Hautausschlag während der Therapie?
Diese Nebenwirkungen sind meist mild. Bei schweren Symptomen, wie anhaltendem Durchfall, Fieber oder starkem Hautausschlag, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf. - Kann ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Ein moderater Alkoholkonsum ist meistens unproblematisch, größere Mengen sollten aber vermieden werden, da sie die Leber belasten.
Fragen Sie Ihr Apothekenteam oder Ihre Ärztin/Ihren Arzt, falls Sie zusätzliche Informationen oder Hilfestellung zu Albendazol benötigen.

