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Chloramphenicol

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Chloramphenicol ist ein Antibiotikum, das zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt wird, zum Beispiel bei Augen- oder Ohrenentzündungen. Es wirkt, indem es das Wachstum von Bakterien hemmt. Die Anwendung erfolgt meist als Tropfen oder Salbe. Bitte beachten Sie die Dosierungsanleitung Ihres Arztes und setzen Sie das Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Bei Fragen oder Nebenwirkungen wenden Sie sich an Ihre Apotheke oder Ihren Arzt.

Chloramphenicol – Umfassende Produktinformation für Patient:innen

Grundlegende Produktinformation

Wirkstoff (INN) Chloramphenicol
Deutsche Handelsnamen Chloramphenicol-ratiopharm®, Chloramphenicol acis®, Chloramphenicol Goptal®, Chloramphenicol POS®
ATC-Code S01AA01 (Augenpräparate), J01BA01 (systemische Anwendung; in Deutschland selten)
Verfügbare Darreichungsformen und Wirkstärken
  • Augentropfen: 0,5%
  • Augensalbe: 1%
  • Kapseln/Tabletten: 250, 500 mg (systemische Anwendung, nur stationär)
Hersteller in Deutschland ratiopharm, URSAPHARM, acis Arzneimittel, Ursapharm Arzneimittel GmbH
Verschreibungsstatus Rezeptpflichtig, Apothekenpflichtig (systemisch streng limitiert, lokal/augentherapeutisch verfügbar)

Wirkmechanismus

Laienverständlich erklärt: Chloramphenicol stört die Eiweißbildung in Bakterien und tötet so Krankheitserreger ab oder hemmt deren Vermehrung. Es wirkt gegen viele verschiedene Bakterien, insbesondere bei Augeninfektionen.

Für medizinisches Fachpersonal: Chloramphenicol hemmt die bakterielle Proteinsynthese, indem es die Peptidyltransferase-Aktivität der 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen blockiert. Dadurch wird die Kettenverlängerung der Peptidsynthese gestoppt.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Systemisch hohe Bioverfügbarkeit (oral/parenteral), nach lokaler Anwendung am Auge geringe systemische Aufnahme.
  • Metabolismus: Überwiegend hepatisch (in der Leber) zu inaktiven Metaboliten.
  • Ausscheidung: Vor allem renal (über die Niere), auch biliär; Hauptausscheidung als Metaboliten.
  • Wirkdauer: Augentropfen: etwa 4–6 Stunden, systemisch: 6–8 Stunden Halbwertszeit.

Anwendung im Alltag & Best Practices

Die häufigste Anwendung betrifft bakterielle Infektionen des Auges, wie Bindehautentzündungen (Konjunktivitis). Die Behandlung erfolgt in der Regel als Kur von 5–7 Tagen.

  • Vor Anwendung Hände waschen und Kontaktlinsen entfernen!
  • 1–2 Tropfen ins betroffene Auge alle 2–4 Stunden (VipD beachten: Anwendung wie verordnet beenden, nicht vorzeitig aufhören).
  • Salbe: ca. 1 cm Salbenstrang ins Unterlid, vorzugsweise vor dem Schlafengehen.
  • Systemische Anwendung (Tabletten, Infusion): Wird in Deutschland nur bei strengsten Indikationen und im stationären Bereich verwendet (z.B. schwere Infektionen, keine Alternativen, Resistenzlage).

Einnahme morgens vs abends

  • Augentropfen sollten regelmäßig über den Tag verteilt angewendet werden; besonders wichtig ist die erste Dosis morgens und die letzte Dosis abends.
  • Salben verursachen einen leichten Schleier – daher empfiehlt sich die Anwendung besonders vor dem Schlafengehen.
  • Regelmäßigkeit ist entscheidender als die Tageszeit – so wird eine optimale Wirksamkeit erzielt.

Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?

  • Lokale Anwendung (Auge): Unabhängig von den Mahlzeiten möglich.
  • Systemische Anwendung: Einnahme kann mit oder ohne Nahrung erfolgen, um mögliche Magenbeschwerden im deutschen Ernährungsverhalten (reichhaltiges Frühstück, Mittagessen) zu minimieren, empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen.

Wechselwirkungen (Interaktionen)

Kombination Mögliche Wechselwirkung
Alkohol Keine direkte Wechselwirkung, aber Alkohol kann die Leber belasten und Nebenwirkungen verstärken.
Marcumar, Warfarin (Antikoagulanzien) Verstärkte Blutungsgefahr! Regelmäßige INR-Kontrolle nötig.
Phenobarbital, Phenytoin Wirkstoffspiegel können ansteigen – Risiko für Nebenwirkungen.
Zytostatika, Immunsuppressiva Erhöhtes Risiko für Knochenmarkschädigung.
Lebensmittel Keine relevanten Interaktionen bei lokaler Anwendung; ausgewogene deutsche Kost problemlos.

Indikationen

Offizielle Indikationen „Off-label“-Anwendungsgebiete
  • Bakterielle Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
  • Bakterielle Infektionen der Augenlider (Blepharitis, Hordeolum)
  • Schwere bakterielle Infektionen (systemisch, z.B. Typhus, Meningitis – jedoch in Deutschland kaum noch eingesetzt!)
  • Infektionen bei bekannter Resistenz gegen andere Antibiotika

Dosierungen je nach Indikation, Alter und Patientengruppe

Indikation Alter/Gruppe Dosierung
Bakterielle Konjunktivitis (Auge) Erwachsene 1–2 Tropfen alle 2–4 Stunden, Reduktion bei Besserung, 5–7 Tage
Bakterielle Konjunktivitis (Auge) Kinder 1 Tropfen alle 3–4 Stunden, max. 5–7 Tage, Säuglinge nur nach ärztlicher Anweisung!
Systemische Infektionen Erwachsene 12,5–25 mg/kg Körpergewicht/Tag, aufgeteilt als 2–4 Einzelgaben
Systemische Infektionen Kinder 10–15 mg/kg Körpergewicht/Tag, nur im Krankenhaus und unter Kontrolle!
Systemische Infektionen Ältere Menschen Wie Erwachsene, jedoch oft geringere Anfangsdosis und engmaschige Blutbildkontrollen

Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen

Häufigkeit Beispiele / Beschreibung
Häufig
  • Leichtes Brennen oder Stechen im Auge
  • Reizungen und trockene Augen
  • Übelkeit (systemisch)
Gelegentlich
  • Allergische Reaktionen (Juckreiz, Rötung, Schwellung)
Selten
  • Knochenmarksschädigung (sog. „Aplastische Anämie“ – wichtig bei Langzeitanwendung/systemischer Gabe)
  • Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
Sehr selten
  • „Grey-Syndrom“ bei Neugeborenen (nur bei systemischer Gabe, deshalb kontraindiziert!)

Ratschläge zur optimalen Anwendung

  • Kontaktlinsen während der Behandlung vermeiden!
  • Nach dem Öffnen Augentropfen innerhalb von 28 Tagen verbrauchen.
  • Achten Sie auf Hygiene bei der Anwendung!
  • Bei plötzlicher Verschlechterung, Schmerz, Lichtempfindlichkeit: ärztliche Kontrolle!
  • Bestehen nach Behandlungsende noch Beschwerden, Arztpraxis aufsuchen!
  • Nicht unbedarft weitergeben oder aufbewahren.

Alternative Therapieoptionen (Erstattung durch Gesetzliche Krankenkassen – GKV)

  • Tetrazykline (z. B. Doxycyclin Augensalbe): Gute Wirksamkeit, aber teilweise Resistenzen; für Schwangere kontraindiziert.
  • Gentamicin oder Ofloxacin Augentropfen: Hinreichend wirksam, breites Wirkungsspektrum; mögliche Allergierisiken.
  • Erythromycin Augensalbe: Alternative für Allergiker oder bei Chloramphenicol-Unverträglichkeit.

Vergleich: Chloramphenicol bleibt eine bewährte, breit wirksame Substanz bei lokalen Augeninfektionen, mit Einschränkungen bezüglich systemischer Anwendung und seltenen, aber ernsthaften Nebenwirkungen. Die Kassen erstatten je nach Indikation auch Alternativen, unter Berücksichtigung der Resistenzlage und Patientenspezifika.

Rechtliche, Registrierungs- und Erstattungsinformation

  • Zulassung Deutschland: PEI (Paul-Ehrlich-Institut) und BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)
  • Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (lokal und systemisch), Apothekenpflicht
  • Erstattung: GKV übernimmt die Kosten bei medizinischer Indikation (insb. Kinder/Jugendliche u.a. chronischen oder schweren Verläufen)
  • Lieferstatus: Gut verfügbar, keine aktuellen Lieferschwierigkeiten

Aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen (2022–2025)

  • Augenärztliche Leitlinie 2023 (DOG/BDOA): Chloramphenicol wird als Mittel der zweiten Wahl bei unkomplizierten bakteriellen Konjunktivitiden empfohlen. Empfehlenswert bei bekannter Allergie oder Resistenz gegenüber Erstlinienpräparaten (Gentamicin, Ofloxacin).
  • Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe 2024: Systemische Gabe wird aufgrund von Nebenwirkungsrisiken nur in strengsten Ausnahmefällen und unter stationärer Kontrolle empfohlen (siehe auch: DÄB 2024).
  • Internationale Review 2024 (Cochrane, NICE): Insbesondere lokale/tropische Anwendung bei Infektionslage allgemein gut verträglich, jedoch auf Resistenzentwicklung und individuelle Verträglichkeit achten.

Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Lieferzeiten und Preise

Packungsgröße Apothekenverkaufspreis (UVP 2024) Lieferzeit Berlin Lieferzeit München Lieferzeit Hamburg
5 ml Augentropfen ca. 8,50 € 24 Std (vor Ort) 24–48 Std 24 Std (vor Ort)
10 g Augensalbe ca. 6,90 € 24–48 Std 24–48 Std 24–48 Std
30 Tabletten (250 mg, selten) ca. 95,00 € 3–5 Tage (nur auf Klinikbestellung) 3–5 Tage 3–5 Tage

FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen

  1. Kann ich Chloramphenicol auch als Kontaktlinsenträger:in anwenden?
    Nein, während der Behandlung sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen. Nach vollständigem Abklingen der Symptome und nach Absprache mit Ihrer Augenärztin/Ihrem Augenarzt können Sie wieder Kontaktlinsen verwenden.
  2. Ist Chloramphenicol auch für Kinder geeignet?
    Ja, aber nur nach ärztlicher Verordnung. Säuglinge und Kleinkinder sollen streng überwacht werden.
  3. Wie lange darf ich Chloramphenicol maximal anwenden?
    Die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt 5–7 Tage. Sollte sich danach keine Besserung einstellen, bitte erneut ärztlichen Rat einholen.
  4. Muss ich Augentropfen nach dem Öffnen im Kühlschrank lagern?
    In der Regel reicht die Lagerung bei Raumtemperatur, sofern auf der Packung nichts anderes steht. Nach Anbruch innerhalb von 28 Tagen verbrauchen.
  5. Kann ich Chloramphenicol auch in der Schwangerschaft anwenden?
    Im Falle einer Schwangerschaft ist die Anwendung, insbesondere systemisch, kontraindiziert. Bei lokalen Anwendungen (Augentropfen/-salbe) nur nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt/Ärztin.

Bei weiteren Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an Ihre Apotheke, Augenarztpraxis oder die telefonische Arzneimittelinformation Ihrer Krankenkasse. Diese Information dient ausschließlich der Patientenaufklärung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

250mg, 500mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill, 360 pill