Provera® (Medroxyprogesteronacetat): Umfassende Patienteninformation
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Medroxyprogesteronacetat (MPA) |
|---|---|
| Handelsnamen (Deutschland) | Provera®, Generika: Medroxyprogesteron Acis®, Medroxyprogesteron Basics® |
| ATC-Code | G03DA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen | Tabletten (2,5 mg, 5 mg, 10 mg); Injektionslösung (150 mg/ml, für Langzeitanwendung/Depot) |
| Hersteller | Pfizer Pharma GmbH und verschiedene Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (§48 AMG) |
Wirkmechanismus
Für Patienten verständlich erklärt:
Provera enthält das künstliche Hormon Medroxyprogesteron, das dem körpereigenen Gelbkörperhormon (Progesteron) ähnelt. Es beeinflusst Wachstum und Abbau der Gebärmutterschleimhaut und steuert den Hormonhaushalt, insbesondere bei Zyklusstörungen und nach den Wechseljahren.
Fachspezifische Erklärung:
Medroxyprogesteronacetat (MPA) bindet spezifisch an Progesteronrezeptoren, hemmt die Sekretion von Gonadotropinen (FSH, LH) auf Ebene des Hypothalamus und der Hypophyse, unterdrückt dadurch die Ovarialfunktion und bewirkt eine Endometriumtransformation vom proliferativen in das sekretorische Stadium. Antiöstrogene und antiandrogene Effekte sind ebenfalls dokumentiert.
Pharmakokinetik
- Resorption: Orale Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 90 %. Der Wirkungseintritt erfolgt ca. 1–2 Stunden nach Einnahme.
- Verteilung: Hohe Plasmaproteinbindung (ca. 90%). Maximale Plasmaspiegel nach 2–4 Stunden.
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch (CYP3A4), Bildung inaktive Metaboliten.
- Ausscheidung: Über die Nieren (Urin, ca. 70 %), geringe Ausscheidung über Fäzes.
- Wirkdauer: Tabletten: 12–24 Std., Depot-Injektion: 12 Wochen.
Alltagsgebrauch und Best Practice in Deutschland
Typische Dosierung: Je nach Indikation. Am häufigsten 5–10 mg täglich an 5 bis 10 Tagen pro Zyklus. Für Langzeitanwendung zur Hormontherapie individuelle Dosisabsprache mit Ihrem Gynäkologen.
Anwendung: Immer mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, vorzugsweise zur gleichen Tageszeit.
- Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
- Tabletten sollten möglichst regelmäßig und über den verordneten Zeitraum eingenommen werden.
- Langzeitinjektionspräparate werden von Arzt/Ärztin verabreicht.
Morgens oder abends einnehmen?
- Morgens: Vorteil: Einmalige Einnahme; weniger Gefahr die Einnahme zu vergessen, Tagesroutine.
- Abends: Vorteil: Eventuell geringere Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen sind selten.
- Wichtig: Immer zur gleichen Zeit für konstante Hormonspiegel.
Bei Schichtarbeit oder unregelmäßigem Tagesablauf: Einnahme mit dem Handy-Alarm erinnern lassen!
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Provera kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden; Fett- und proteinreiche deutsche Kost (z.B. Brot, Wurst, Käse) beeinflussen die Wirkung nicht erheblich.
- Bei Magenbeschwerden empfiehlt sich Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit.
Wechselwirkungen
| Substanz/Lebensmittel | Wechselwirkung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Enzyminduzierende Arzneimittel (z.B. Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin) | Reduzierte Wirksamkeit | Eventuell Dosisanpassung/Alternativen prüfen |
| Östrogene | Beeinflussung der Hormonbalance | Kombinierte Anwendung nur nach ärztlicher Anordnung |
| Alkohol | Keine direkte klinisch relevante Wechselwirkung | Generell auf Maß achten, da Alkohol Nebenwirkungen verstärken kann |
| Blutverdünner (z.B. Warfarin) | Wechselwirkungsgefahr | Regelmäßige Gerinnungskontrolle |
| Johanniskraut-Präparate | Reduzierte Hormonwirkung | Kombination vermeiden |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Offiziell zugelassen | Off-label (unter ärztlicher Aufsicht) |
|---|---|---|
| Menstruationsstörungen (z.B. Amenorrhö, Dysmenorrhö) | Ja | – |
| Hormonersatztherapie in Menopause | Ja | – |
| Endometriose | Ja | – |
| Prophylaxe der Endometriumhyperplasie bei Östrogenmonotherapie | Ja | – |
| Hormonabhängige Tumorerkrankungen (z.B. Mammakarzinom, Endometriumkarzinom) | Ja (adjuvant oder palliativen Einsatz) | – |
| Kontrazeption (Depotspritze) | Ja | – |
| Appetitanregung bei Tumor-/AIDS-Patienten | – | Ja |
Dosierungsübersicht nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Menstruationsstörungen | 5–10 mg/die für 5–10 Tage/Zyklus | Wie Erwachsene, ggf. geringere Startdosis | Selten indiziert, unter strenger ärztlicher Überwachung |
| Endometriose | 10 mg/die, kontinuierlich oder zyklisch | Wie Erwachsene | Selten |
| Postmenopausale HRT (Hormonersatztherapie) | 2,5–10 mg/die kombiniert mit Östrogen | Wie Erwachsene, reduzierte Startdosis möglich | Nicht indiziert |
| Krebsbehandlung | 200–800 mg/die (spezialisierte Indikation) | Wie Erwachsene, mit engmaschiger Kontrolle | Sehr selten |
| Kontrazeption (Depot-Spritze) | 150 mg i.m. alle 12 Wochen | Individuell, selten verwendet | Ab 12 Jahren (nach Beratung) |
Hinweis: Alle Dosierungen müssen individuell nach ärztlicher Rücksprache festgelegt werden.
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig / häufig (≥1/10 bis <1/100):
- Zwischenblutungen, Brustspannen, Kopfschmerzen
- Gewichtszunahme/-abnahme, Stimmungsschwankungen
- Hitzewallungen, Wassereinlagerungen (Ödeme)
- Akne, Müdigkeit
- Gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100):
- Libidoveränderung, Verdauungsstörungen
- Scheidentrockenheit, Blutdruckanstieg
- Selten / sehr selten (<1/1000):
- Schwere allergische Reaktionen, Gallenblasenerkrankung
- Leberfunktionsstörung, Thromboserisiko erhöht
Warnhinweise: Nicht anwenden bei aktiven Thrombosen, bestehenden unklaren Blutungen, schweren Lebererkrankungen oder Allergie gegen Medroxyprogesteron. Bei plötzlichen Kopfschmerzen, Sehstörungen, Beinschwellungen oder Brustschmerzen umgehend Arzt informieren.
Anleitung zur richtigen Anwendung (Tipps aus der Apotheke/Klinik)
- Einnahme möglichst immer zur gleichen Tageszeit (z. B. nach Frühstück oder Abendessen).
- Vergessene Dosis bis zu 12 Stunden nachholen; danach regulär weitermachen, nicht doppelt dosieren.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Gynäkologe/Hausarzt), vor allem bei Langzeit-Anwendung.
- Arzneimittel im Originalbehältnis, trocken und lichtgeschützt aufbewahren – außerhalb der Reichweite von Kindern!
- Bei Depot-Injektionen: Terminintervalle strikt einhalten, ansonsten Schwangerschaftsrisiko möglich.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (mit Kassenleistung)
- Norethisteron (z. B. Primolut®N): Vergleichbare Indikationen, schneller Wirkungseintritt, günstig, häufiger Zwischenblutungen.
- Levonorgestrel (Mirena®, Jaydess®-Spirale): Lokal wirksam, sehr gute Empfängnisverhütung, weniger systemische Nebenwirkungen, Einlage durch Arzt erforderlich.
- Dienogest (Visanne®): Besonders bei Endometriose zugelassen, gut verträglich, nicht für Verhütung geeignet.
Kurzer Überblick: Die Auswahl hängt von individuellen Risikofaktoren, Verträglichkeit, Lebensalter und Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV/NFZ) ab.
Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsinformationen für Deutschland
- Zulassung: BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)
- Rezeptpflicht: Ja, gemäß §48 AMG.
- Kassenleistung: Je nach Indikation und Alter. Für medizinisch notwendige und mit Begründung versehene Therapien übernehmen GKV/KV in der Regel die Kosten. Zur Kontrazeption (reine Verhütung) Erstattung begrenzt bis zum 22. Geburtstag für GKV-Versicherte.
- Apothekenpflichtig: Ja
Aktuelle Studienlage und klinische Empfehlungen (2022–2025)
- 2022: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) empfiehlt Medroxyprogesteron als Standard zur Hormonersatztherapie und für spezielle Indikationen (z. B. Endometriose).
- 2023/2024: Studien aus dem European Menopause and Andropause Society (EMAS): MPA gilt als sicher bei korrekter Anwendung, Langzeitrisiken (Blutgerinnsel, Mammakarzinom) stets gegen Nutzen abwägen.
- 2024/2025: Internationale Reviews (PubMed/EMA): Depot-Präparate sind mit hoher Wirksamkeit für Verhütung und Endometriose assoziiert, zeigen aber teilweise verlängerte Zyklusunregelmäßigkeiten.
Quellen: S3-Leitlinie HRT (DGGG), EMAS Recommendations 2023, GKV-Arzneimittelreport 2024.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferoptionen
| Packungsgröße | Tablettenpreise (UVP, Stand 1/2024) | Depot-Injektion | Beliebte Städte Lieferzeit (Apothekenversand) |
|---|---|---|---|
| 30 Tabletten (5 mg) | ca. 16–21 € | 150 mg/1 ml (Depot): ca. 34–43 € pro Ampulle | Berlin: 1–2 Werktage, München: 1–3 Werktage, Hamburg: 1–2 Werktage, Köln: 1–2 Werktage, Leipzig: 2–3 Werktage |
Tipp: Überregionale/verifizierte Versandapotheken eingehaltene Lieferfristen sowie Rezept-Upload beachten!
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Provera®
- Kann Provera® meine Fruchtbarkeit langfristig beeinflussen?
Bei kurzfristiger Anwendung ist keine bleibende Unfruchtbarkeit zu erwarten. Bei Depot-Anwendung kann es nach Absetzen einige Monate dauern, bis die Fruchtbarkeit zurückkehrt. - Darf ich Provera® bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft nehmen?
Ohne ärztliche Rücksprache nicht einnehmen! In der Schwangerschaft kontraindiziert, bei bestehendem Kinderwunsch ist Rücksprache mit Gynäkologin/Gynäkologen unbedingt erforderlich. - Welche Nebenwirkungen sind bei längerer Anwendung zu erwarten?
Hauptsächlich gilt es das Thromboserisiko, Auswirkungen auf Stoffwechsel, Leberwerte und eventuell leichte Stimmungsschwankungen zu beachten. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird regelmäßige Kontrollen vorsehen. - Kann ich während der Einnahme Sport treiben und Alkohol trinken?
Ja, normale körperliche Aktivität ist möglich. Alkohol in Maßen, allerdings auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten achten. - Muss ich mich an eine spezielle Diät halten?
Nein, eine spezielle Diät ist bei Provera® nicht nötig. Achten Sie grundsätzlich auf eine ausgewogene, altersgerechte Ernährung.
Bei weiteren Fragen steht Ihr Team der Apotheke oder behandelnde Arzt/Ärztin jederzeit beratend zur Verfügung!

