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Tropicamide

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Tropicamid ist ein Arzneimittel, das zur Erweiterung der Pupillen und zur Entspannung des Auges verwendet wird. Es wird meist vor Augenuntersuchungen vom Arzt als Augentropfen verabreicht, um die Sicht auf den Augenhintergrund zu erleichtern. Die Wirkung setzt schnell ein und hält einige Stunden an. Während dieser Zeit kann das Sehvermögen vorübergehend beeinträchtigt sein. Autofahren und Maschinenbedienung sollten vermieden werden.

Tropicamid: Umfassende Patienteninformation

Grundlegende Produktinformationen

  • Internationaler Freiname (INN): Tropicamid
  • Handelsnamen in Deutschland: Mydriaticum Stulln®, Tropicamide-POS®, Tropicamid-ratiopharm®
  • ATC-Code: S01FA06
  • Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
    • Augentropfen 0,5% (5 mg/ml)
    • Augentropfen 1% (10 mg/ml)
  • Hersteller: Ursapharm, OmniVision, ratiopharm, STADA
  • Verschreibungsstatus: Verschreibungspflichtig (AMVV), Abgabe nur in Apotheken

Wirkmechanismus

Tropicamid ist ein kurz wirksames Anticholinergikum, das die Muskarin-Rezeptoren im Auge blockiert. Dadurch werden die Pupillen (Mydriasis) erweitert und die Nahfokussierung (Akkommodation) vorübergehend gehemmt.
Für Fachkreise: Tropicamid antagonisiert selektiv die Acetylcholinwirkung am muskarinergen M3-Rezeptor des Musculus sphincter pupillae und des Musculus ciliaris. Es hat ein günstiges Nebenwirkungsprofil durch geringe systemische Resorption bei topischer Anwendung.

Pharmakokinetik (Was passiert im Körper?)

  • Resorption: Wird rasch durch die Bindehaut aufgenommen.
  • Wirkbeginn: 15–30 Minuten nach Applikation.
  • Wirkdauer: 4–8 Stunden (Myadriasis), bis zu 6 Stunden (Zykloplegie)
  • Verstoffwechselung: Größtenteils hepatisch
  • Ausscheidung: Vorwiegend renal (über die Niere)
  • Halbwertszeit: Kurz, systemische Spiegel meist unbedeutend

Einsatz im Alltag und Anwendungshinweise

Tropicamid wird in Deutschland zur pupillenerweiternden Diagnostik (Fundusuntersuchung), für Refraktionsbestimmungen sowie prä- und postoperativ in der Augenheilkunde eingesetzt.

  • Die Augentropfen sollen exakt nach ärztlicher oder pharmazeutischer Anweisung in das untere Bindehautsack des zu untersuchenden Auges getropft werden.
  • Vor der Anwendung empfiehlt sich gründliches Händewaschen.
  • Kontaktlinsen sollten während der Behandlung und bis 24 Stunden nach Abklingen der Wirkung nicht getragen werden.
  • Zur Vermeidung systemischer Nebenwirkungen empfiehlt es sich, nach dem Tropfen mit dem Finger leicht auf den Tränenkanal (Nasenseite) zu drücken (“Punktumdruck”).
  • Nach der Untersuchung ist das Sehvermögen, insbesondere beim Autofahren, solange eingeschränkt, bis die Wirkung abgeklungen ist.

Dosierung morgens vs. abends

  • Morgens: Ideal, wenn tropicamidbedingte Sehstörungen tagsüber in Kauf genommen werden können (z.B. für Praxisuntersuchungen).
  • Abends: Anwendung für geplante operativen Eingriffe am Auge – sinnvoll, wenn eine kurzfristige Beeinträchtigung des Sehens im Alltag vermieden werden soll.
  • Hinweis: Die Wiederholung der Tropfung nach 5 Minuten wird oft empfohlen, um die maximale Wirkung zu erzielen. Eine kontinuierliche Applikation ist unüblich.

Einnahme zu oder nach dem Essen – Einfluss deutscher Ernährungsgewohnheiten

Da Tropicamid direkt ins Auge appliziert wird, beeinflussen Mahlzeiten oder typische deutsche Ernährungsgewohnheiten (z.B. Frühstück mit Brötchen, Kaffee, Milchprodukte) die Wirkung nicht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungsstoff/-gruppe Mögliche Wirkung Empfehlung
Andere Anticholinergika (z.B. Atropin, Scopolamin) Gesteigerte systemische Nebenwirkungen Kombination vermeiden
Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) Blutdrucksteigerung Arzt informieren
Trizyklische Antidepressiva Verstärkte anticholinerge Effekte Arzt informieren
Alkohol Verstärkte ZNS-Nebenwirkungen Wegen Sehstörungen auf Alkohol verzichten
Lebensmittel Keine relevante Wechselwirkung -

Indikationen

Indikation Offiziell zugelassen (on-label) Off-label
Pupillenerweiterung (Mydriasis) zur Diagnostik
Zykloplegie (Lähmung der Akkommodation)
Behandlung von Uveitis (unterstützend)
Prä- und postoperative Vorbereitung am Auge
Kinderrefraktionsbestimmung

Dosierung gemäß Indikation

Klinische Situation Erwachsene Kinder/Heranwachsende Ältere Patienten
Pupillenerweiterung 1 Tropfen 0,5% oder 1%; ggf. nach 5 Minuten wiederholen 1 Tropfen 0,5%; max. 2 Tropfen Wie Erwachsene, mit Vorsicht
Zykloplegie 1 Tropfen 1%, zweimal im Abstand von 5 Minuten 1 Tropfen 0,5%, ggf. 1%; nur nach ärztlicher Anweisung Wie Erwachsene, reduzierte Dosis erwägen
Uveitis (Behandlung, unterstützend) Nach individueller Verordnung Nur nach individueller ärztlicher Anweisung Wie Erwachsene, Vorsicht bei Komorbiditäten

Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen

  • Sehr häufig / Häufig (>1/10):
    • Vorübergehendes Brennen im Auge
    • Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen
    • Trockenes Auge
  • Gelegentlich (1/100 bis 1/1.000):
    • Erhöhung des Augeninnendrucks (besonders bei Glaukomrisiko)
    • Kopfschmerzen
    • Mundtrockenheit
  • Selten / Sehr selten (<1/1.000):
    • Allergische Reaktionen (Rötung, Schwellung der Lider, Juckreiz)
    • Herzrasen, Unruhe, Halluzinationen (v. a. bei Kindern und älteren Patienten)
    • Systemisches anticholinerges Syndrom

Hinweise zur sicheren und richtigen Anwendung

  1. Augentropfen nur ins betroffene Auge geben; vor der Anwendung Hände waschen.
  2. Fläschchen nach jeder Verwendung verschließen, Spitze nicht mit Auge oder Haut in Kontakt bringen.
  3. Nach der Anwendung 1–2 Minuten auf die Nasenseite des Auges drücken (“Punktumdruck”), um systemische Resorption zu minimieren.
  4. Während der Wirkungsdauer direkte Sonnenstrahlung meiden, Sonnenbrille tragen.
  5. Kein Autofahren oder Bedienen von Maschinen während des Wirkungszeitraums!
  6. Bei bekannten Engwinkelglaukomen oder Allergien gegen Tropicamid Wirkstoff Gegenanzeigen beachten.
  7. Befolgen Sie unbedingt die Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers!

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

  • Atropinsulfat-AUgentropfen (Rezeptpflichtig, längere Wirkzeit, seltener für Routineuntersuchungen verwendet; Vorteil: wirksam bei schwerer Uveitis, Nachteil: längere Sehstörung)
  • Phenylephrinhydrochlorid Augentropfen (häufig als Kombinationspräparat mit Tropicamid, Vorteil: zusätzliche Mydriasis, Nachteil: Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen bei empfindlichen Patienten)
  • Cyclopentolat (ähnliche Anwendung wie Tropicamid, Vorteil: stärkere Zykloplegie, Nachteil: potentiell längere Wirkzeit, insbesondere bei Kindern)

Die genannten Alternativen sind alle verschreibungspflichtig und werden – sofern medizinisch begründet – von den gesetzlichen Krankenkassen (NFZ) erstattet.

Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsbedingungen in Deutschland

  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Zugelassen für Augentropfen verschiedener Hersteller.
  • Verschreibungspflicht: Laut AMG und AMVV nur auf Rezept erhältlich.
  • Kassenleistung: Bei medizinischer Notwendigkeit Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenkasse (nach Festbeträgen, ggf. Aufzahlung).
  • Dokumentationspflicht für Apotheken: Abgabe nur nach Vorlage eines gültigen ärztlichen Rezepts; Prüfung der Kontraindikationen.

Aktuelle Studienlagen / Klinische Empfehlungen (2022–2025)

  • Kontaktfreiheit und neue Darreichungsformen: Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) empfiehlt fortlaufend die sichere Anwendung insbesondere bei Kleinkindern mit geringstmöglicher Wirkstoffexposition (DOG-Leitlinie 2023).
  • Kombinationspräparate: Laut aktuellen Publikationen (vgl. Zrenner E, et al., 2024, Der Ophthalmologe) zeigen fixierte Kombinationen mit Phenylephrin kein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko für Erwachsene.
  • Anticholinerge Nebenwirkungen: Internationale Übersichtsarbeiten (z.B. JAMA Ophthalmology, 2023) bestätigen die sichere Anwendung bei Beachtung der Altersgrenzen und individueller Risikoabschätzung (insb. bei Kindern).
  • Engwinkelglaukom: Die Anwendung ist bei bekannten Engwinkelglaukomen kontraindiziert, da akute Augeninnendrucksteigerungen beschrieben sind (DOG-Empfehlung 2023).

Verfügbarkeit und Lieferung in Deutschland

Packungsgröße Inhalt Unverbindliche Preisempfehlung Lieferzeit Berlin Lieferzeit München Lieferzeit Hamburg
Klein 5 ml ca. 13–17 € 24 Std. 24 Std. 24 Std.
Mittel 10 ml ca. 22–26 € 24 Std. 24 Std. 24 Std.

Hinweis: Preise können regional geringfügig variieren. Die Auslieferung durch Apotheken vor Ort erfolgt meist am selben oder nächsten Werktag.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  1. Wie lange darf ich nach der Anwendung von Tropicamid kein Auto fahren?
    Sie sollten solange nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, bis die Wirkung (Myadriasis und Akkommodationsstörung) restlos abgeklungen und das Sehvermögen wiederhergestellt ist. Im Regelfall dauert dies mehrere Stunden, bei sensiblen Personen bis zu 24 Stunden.
  2. Darf ich Kontaktlinsen unmittelbar nach der Anwendung wieder einsetzen?
    Kontaktlinsen dürfen frühestens 24 Stunden nach Abklingen der Wirkung wieder eingesetzt werden, um eine Kontamination und Schadwirkung für die Hornhaut zu vermeiden.
  3. Ist Tropicamid auch für Kinder geeignet?
    Ja, aber ausschließlich nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung und mit spezieller Dosierung, da Kinder empfindlicher auf anticholinerge Nebenwirkungen reagieren.
  4. Kann ich Tropicamid auch auf Vorrat in der Apotheke kaufen?
    Nein, Tropicamid ist verschreibungspflichtig. Eine Abgabe erfolgt ausschließlich nach Vorlage eines gültigen (in der Regel tagesaktuellen) ärztlichen Rezepts.
  5. Ist die Kostenübernahme durch meine Krankenkasse gesichert?
    Ja, bei eindeutig medizinischer Indikation (z.B. vor einer augenärztlichen Untersuchung oder Operation), sofern das Präparat nicht spezifisch von der Erstattung ausgeschlossen ist. Ihr Augenarzt und Apotheker beraten Sie dazu individuell.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

1%

Paket: No selection

1 bottle, 2 bottle, 3 bottle, 4 bottle, 5 bottle