Reglan (Metoclopramid) – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen
| Wirkstoff (INN) | Metoclopramid |
|---|---|
| Markennamen in Deutschland | Reglan, Paspertin, Metoclopramid-ratiopharm, MCP AL, MCP Hevert |
| ATC-Code | A03FA01 |
| Darbietungsformen & Stärken | Tabletten (10 mg), Tropfen (1,0% oder 4 mg/ml), Injektionslösung (10 mg/2 ml) |
| Hersteller | Astellas Pharma, Hevert Arzneimittel, verschiedene Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (§48 AMG) |
Wirkmechanismus
Für Patient:innen erklärt:Metoclopramid wirkt hauptsächlich auf den oberen Verdauungstrakt. Es unterstützt die Magenentleerung und lindert Übelkeit, indem es bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockiert, die für das Erbrechen zuständig sind, und gleichzeitig die Beweglichkeit des Magens sowie des Darms fördert.
Für Fachkreise:Metoclopramid ist ein Dopamin-D2-Antagonist, der zusätzlich serotonerge (5-HT3-Antagonist, 5-HT4-Agonist) Wirkung zeigt. Es stimuliert die Motilität des oberen GI-Traktes, ohne die Magensäuresekretion zu beeinflussen, und hemmt die dopaminerg, im Area postrema verursachte Chemorezeptor-Triggerzone.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle Resorption nach oraler oder parenteraler Gabe. Bioverfügbarkeit: ~80% (oral).
- Metabolismus: Intensive Lebermetabolisierung (Glukuronidierung, Sulfatierung).
- Ausscheidung: Überwiegend renal, zu 70% als Metabolite.
- Halbwertszeit: 5–6 Stunden bei Erwachsenen, verlängerter Abbau bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Alltagsanwendung und bewährte Nutzungstipps
- Typische Tagesdosen Erwachsene: 10 mg bis zu 3-mal täglich, max. 30 mg/Tag.
- Anwendung: Mit etwas Wasser vor den Mahlzeiten einnehmen, Tabletten unzerkaut schlucken.
- Dauer: Möglichst nur kurzzeitig (max. 5 Tage; max. 3 Monate bei Gastroparese nach individueller ärztlicher Abwägung).
- Hinweis: Präparate werden in Deutschland routinemäßig von Ärzt:innen verschrieben, sind aber nicht für die Selbstmedikation gedacht.
Einnahme morgens vs. abends
- Vormittag: Gute Wirkung, um morgendliche Übelkeit/an Magenbeschwerden anzusprechen. Vorteilhaft bei Tagessymptomen.
- Abend: Um Magensäure-bedingte Refluxsymptome vor dem Schlaf zu mildern, kann abendliche Gabe sinnvoll sein.
- Bester Tipp: Möglichst regelmäßig und in Hinblick auf die individuellen Beschwerden einnehmen (z. B. vor Mahlzeiten oder auf nüchternen Magen bei morgendlicher Übelkeit).
Einnahme mit oder ohne Mahlzeit
- Vor der Mahlzeit (empfohlen): Verstärkt die Förderung der Magenentleerung und hilft, das Risiko von Übelkeit beim Essen zu senken.
- Mit oder nach der Nahrung: Auch möglich, aber leicht verminderte Wirkung.
- Typische deutsche Ernährung: Fettige und sehr reichhaltige Mahlzeiten können die Wirkung leicht abschwächen; die Einnahme sollte daher möglichst 30 Minuten vor dem Essen erfolgen.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Wechselwirkender Stoff | Empfohlene Vorsichtsmaßnahme |
|---|---|
| Alkohol | Wirkungsverstärkung (zentrale Dämpfung), besser vermeiden |
| Anticholinergika (z. B. Atropin) | Gegenseitige Wirkungsabschwächung |
| MAO-Hemmer | Nicht gemeinsam einnehmen (Gefahr hypertensiver Krise) |
| Cimetidin, Digoxin | Spiegelveränderungen möglich – ärztliche Überwachung |
| Neuroleptika (z. B. Haloperidol) | Risiko für extrapyramidale Störungen steigt |
| Levodopa | Wirkungsabschwächung von Levodopa |
| ZNS-dämpfende Arzneimittel | Achtung auf verstärkte Müdigkeit |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Klinische Indikation | Offiziell zugelassen (in DE) | Off-Label-Nutzung |
|---|---|---|
| Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen (z. B. nach Chemotherapie, OP) | ✔️ | |
| Behandlung verzögerter Magenentleerung (Gastroparese, z. B. bei Diabetes mellitus) | ✔️ | |
| Refluxkrankheit (wenn andere Mittel nicht ausreichen) | ✔️ (nach individueller ärztlicher Bewertung) | |
| Migräne-bedingte Übelkeit | ✔️ (off-label, insbesondere in Notaufnahme-Situationen) |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppen
| Indikation | Erwachsene | Kinder (über 1 Jahr) | Ältere Personen & Niereninsuffizienz |
|---|---|---|---|
| Antiemetisch (Übelkeit, Erbrechen) | 5–10 mg bis zu 3-mal täglich, max. 30 mg/Tag | 0,1–0,15 mg/kg KG, max. 3-mal täglich | Dosisanpassung empfohlen, max. 5 mg pro Gabe |
| Gastroparese | 10 mg bis zu 3-mal täglich | 0,1 mg/kg KG, max. 3-mal täglich | Geringere Startdosierung, ggf. längere Einnahmeintervalle |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall
- Häufig: Unruhe, Schlafstörungen, leichte motorische Störungen
- Gelegentlich: Blutdruckänderungen, allergische Reaktionen
- Selten: Schwere Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome, v. a. bei Kindern/jungen Erwachsenen), Herzrhythmusstörungen
- Sehr selten: Malignes neuroleptisches Syndrom, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
Warnhinweis: Bei ungewöhnlichen Muskelzuckungen, Fieber, starker Unruhe oder anhaltenden Bewegungsstörungen bitte sofort ärztliche Hilfe suchen!
| Symptom | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|
| Schläfrigkeit | Vorsicht beim Bedienen von Maschinen/Verkehrsteilnahme |
| Muskuläre Störungen | Arzt aufsuchen, Therapie überprüfen |
| Allergische Reaktionen | Sofort medizinisch melden |
Richtige Anwendung und Tipps vom Apotheker
- Präparat immer wie vom Arzt/Ärztin verordnet einnehmen
- Dosierung nicht eigenmächtig ändern, Therapie nicht ohne Rücksprache beenden
- Nebenwirkungen/Verdachtsfälle dokumentieren und melden
- Bei Einnahme mehrerer Medikamente immer die Wechselwirkungen mit dem Apothekenteam klären
- Kinder und Jugendliche: strenge ärztliche Überwachung, kurze Therapiedauer!
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (NFZ-erstattete Arzneimittel)
- Domperidon (Motilitätsfördernd; nur auf ärztlichen Rat, limitiert wegen kardialem Risiko)
- Ondansetron, Granisetron (Setrone, speziell bei starker Übelkeit z. B. Chemo; teuer, rezeptpflichtig, sehr wirksam bei bestimmten Indikationen)
- Dimenhydrinat (Rezeptfrei in niedriger Dosierung, Einsatz bei Reiseübelkeit, weniger zur Dauertherapie geeignet)
- Ingwer-Präparate (Pflanzlich, gut verträglich, vor allem bei leichter Übelkeit; nicht für schwere/unbehandelte Fälle)
Je nach Grunderkrankung, Alter und Medikamentenverträglichkeit empfiehlt das ärztliche Team die optimale Alternative. MCP ist meist Mittel der ersten Wahl bei Motilitätsstörungen, Ondansetron/Setrone bei schwerer Zytostatika-induzierter Emesis.
Rechtlicher, regulatorischer und Erstattungsstatus in Deutschland
- Zulassung: Metoclopramid-haltige Präparate sind in Deutschland durch das BfArM reguliert und zugelassen.
- Verordnung: Rezeptpflichtig (RX) – nur gegen Vorlage eines ärztlichen Kassen- oder Privatrezepts erhältlich.
- Erstattung: Gesetzlich Krankenversicherte haben bei medizinischer Indikation grundsätzlich Anspruch auf Kostenerstattung. Eingeschränkter Einsatz in der Pädiatrie und in Langzeittherapie (max. 5 Tage empfohlen, längere Anwendung nur ausnahmsweise mit Begründung).
- Verschreibungsinformationen: Auf Kassenrezept oder Privatrezept; Achten Sie auf ggf. notwendige Begründungen bei Kindern/Jugendlichen.
Aktuelle Forschung & klinische Empfehlungen (Stand 2022–2025)
- Laut aktualisierten Leitlinien (AWMF S1/S2k, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie 2023) ist MCP Erstwahl bei akuter Gastroparese, sofern keine Gegenanzeigen bestehen.
- EMA und BfArM empfehlen weiterhin maximale Therapiedauer von 5 Tagen zur Reduktion neurologischer Risiken.
- Neue Studien (u.a. euroGAST, ESMO Clinical Practice Guidelines 2023) bestätigen die Wirksamkeit bei Übelkeit/Erbrechen, fordern aber ein konsequentes Monitoring auf Nebenwirkungen.
- Pädiatrie: Anwendung stark limitiert und nur nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung
Quellen: AWMF Nr. 021/003, BfArM Risikobewertung Metoclopramid 2022, ESMO 2023, euroGAST-Studie 2022
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & unverbindliche Preise
| Packungsgröße | Inhalt (Tabletten/Tropfen) | Preis (unverbindlich, €) |
|---|---|---|
| Klein | 20 Tabletten/30 ml Tropfen | 6–9 € |
| Mittel | 50 Tabletten/60 ml Tropfen | 12–18 € |
| Groß | 100 Tabletten | 20–28 € |
| Stadt | Lieferzeit (stationäre Apotheke) | Lieferzeit (Online-Apotheke, Standard) |
|---|---|---|
| Berlin | Innerhalb von 4 Stunden* | 1–2 Werktage |
| Hamburg | Bis zum Abend* | 1–2 Werktage |
| München, Köln, Frankfurt | Am selben Tag* | 1–2 Werktage |
| Kleinstädte/Land | 1 Werktag* | 2–3 Werktage |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Reglan/Metoclopramid
- Kann ich Metoclopramid zusammen mit meiner normalen Ernährung einnehmen?
Ja. Ideal ist die Einnahme etwa 30 Minuten vor den Mahlzeiten mit etwas Wasser. Fettige und üppige Speisen können die Wirkung minimal verzögern. - Muss ich während der Einnahme auf Alkohol komplett verzichten?
Ja, Alkohol kann die zentral dämpfende Wirkung verstärken. Insbesondere bei gleichzeitiger Müdigkeit oder Gleichgewichtsstörungen ist Alkohol zu vermeiden. - Ist Metoclopramid für Kinder und Jugendliche zugelassen?
MCP ist für Kinder über 1 Jahr zugelassen, aber der Einsatz ist streng limitiert. Die Anwendung erfolgt nur nach genauer ärztlicher Abwägung der Risiken und unter regelmäßiger Überwachung. - Kann ich Metoclopramid in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
In der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache und bei klarer Indikation (z. B. schwere Übelkeit, Hyperemesis gravidarum). In der Stillzeit möglichst vermeiden oder frühzeitig auf Alternativen umsteigen. - Wie lange darf ich Metoclopramid maximal einnehmen?
Gemäß aktueller Vorschriften und Empfehlungen maximal 5 Tage am Stück. Eine längere Einnahme ist nur ausnahmsweise möglich und muss medizinisch gut begründet sein.
Für weiterführende individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an Ihr Apothekenteam oder Ihren behandelnden Arzt/Ihre behandelnde Ärztin.

