Digoxin – Umfassende Patienteninformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Digoxin |
|---|---|
| Handelsnamen Deutschland | Digoxin-ratiopharm®, Digacin®, Lanoxin® |
| ATC-Code | C01AA05 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten (0,25 mg, 0,1 mg), Lösungen zur Injektion (0,25 mg/ml) |
| Wichtige Hersteller | ratiopharm GmbH, Teofarma, Aspen Germany GmbH |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (nur mit ärztlicher Verordnung erhältlich) |
Wirkmechanismus
Für Patientinnen und Patienten erklärt:
Digoxin ist ein sogenanntes Herzglykosid, das auf das Herz wirkt. Es unterstützt das Herz dabei, kräftiger zu schlagen und hilft ihm, den Rhythmus regelmäßig zu halten. Damit wird das Herz effizienter – gerade bei bestimmten Formen von Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen.
Für Fachkreise:
Digoxin hemmt die Na+/K+-ATPase an der Myokardzellmembran. Dadurch steigt die intrazelluläre Natriumkonzentration und in Folge der Ca2+-Spiegel im Zytosol über Na+/Ca2+-Austausch. Dies führt zu einer positiven inotropen Wirkung (Stärkung der Herzkraft), einer negativen chronotropen Wirkung (Verminderung der Herzfrequenz) und, bei spezifischen Arrhythmien, zu einer Verbesserung der AV-Überleitung.
Pharmakokinetik
- Absorption: Digoxin wird nach oraler Einnahme zu 60–80 % resorbiert, abhängig von der Formulierung.
- Metabolisierung: Geringfügig hepatisch; der Großteil bleibt unverändert.
- Elimination: Überwiegend renal; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz notwendig.
- Halbwertszeit: Etwa 36–48 Stunden bei Erwachsenen, 1,5–3,5 Tage bei älteren Menschen.
- Wirkdauer: Wirkeintritt nach ca. 1–2 Stunden (oral), Gesamtwirkung 2–6 Tage (abhängig von Nierenfunktion).
Verwendung im Alltag und Anwendungsempfehlungen (Deutschland)
- Typische Dosierung: Erwachsene meist 0,125–0,25 mg/Tag; individuell durch Arzt festgelegt.
- Anwendung: Tablette mit Wasser im Ganzen schlucken. Möglichst immer zur gleichen Tageszeit einnehmen.
- Regelmäßige Kontrolle: Ärztliche Verlaufskontrollen und ggf. Blutspiegelmessungen empfohlen. Nierenfunktion regelmäßig prüfen lassen!
- Absetzen/Änderung: Nie eigenständig absetzen oder verändern! Stets Rücksprache mit Ärztin/Arzt halten.
Dosierung morgens vs. abends
- Die Einnahme sollte immer zur gleichen Zeit erfolgen – unabhängig davon, ob morgens oder abends.
- Morgens: Kann vorteilhaft sein, weil die Routine die Einnahmewahrscheinlichkeit erhöht.
- Abends: Eher zu empfehlen, wenn Wechselwirkungen mit anderen morgendlichen Medikamenten bestehen.
- Tipp: Einnahme ans tägliche Ritual binden (z.B. Frühstück, Abendbrot).
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern
- Die Wirkung von Digoxin wird durch Essen kaum beeinflusst.
- Deutsche Ernährung mit reichhaltigem Gemüse und moderatem Ballaststoffgehalt hat keinen relevanten Einfluss.
- Vermeiden Sie jedoch gleichzeitig große Mengen an ballaststoffreichen Lebensmitteln oder spezielle Produkte mit Kleie, da diese die Resorption hemmen können.
- Empfehlung: Einnahme zu oder unabhängig von den Mahlzeiten möglich.
Wechselwirkungen (Lebensmittel, Alkohol, Medikamente)
| Substanz/Lebensmittel | Interaktion | Empfehlung |
|---|---|---|
| Verapamil, Diltiazem, Amiodaron | Erhöhte Digoxin-Konzentration | Kontrolle durch Arzt, ggf. Dosisanpassung |
| Diuretika (z.B. Furosemid) | Kalium-/Magnesiummangel → erhöhte Toxizität | Elektrolyte regelmäßig prüfen |
| Starke Ballaststoffe / Kleie | Geringere Resorption | Abstand von mindestens 2 Stunden |
| Johanniskraut | Abbau von Digoxin beschleunigt | Vermeiden |
| Antazida/Kohle | Verringerte Digoxin-Aufnahme | Mind. 2 Stunden Abstand |
| Alkohol | Zentrale Nebenwirkungen verstärkt möglich | Alkoholkonsum einschränken |
Indikationen (Zulassungsstatus & Off-Label)
| Indikation | Zugelassen in Deutschland | Bemerkung |
|---|---|---|
| Herzinsuffizienz (mit reduzierter Ejektionsfraktion) | Ja | Als Zusatz, v.a. bei gleichzeitiger Vorhofflimmern |
| Vorhofflimmern/-flattern (chronisch) | Ja | Zur Frequenzkontrolle |
| Off-label: Inotropie-Steigerung bei Neugeborenen | Nein | Nur nach ärztl. Bewertung |
Dosierung – Nach Indikation und Patientenalter
| Kategorie | Dosierung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Erwachsene | 0,125–0,25 mg/Tag (p.o.) | Dosis individuell, Blutspiegelmessung ggf. nötig |
| Geriatrische Patienten (>70 Jahre) | 0,0625–0,125 mg/Tag | Reduzierte Nierenfunktion, erhöhtes Risiko |
| Kinder (ab 1 Jahr) | 10–15 µg/kg/Tag (p.o., nach Körpergewicht) | Nur unter ärztlicher Aufsicht |
| Neugeborene | Off-label, individuell kalkuliert | Strikte ärztliche Überwachung |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispiele für Nebenwirkungen | Hinweise |
|---|---|---|
| Sehr häufig (>10 %) | Herzrhythmusstörungen, Übelkeit, Erbrechen | Bei Überdosierung: Arzt kontakieren! |
| Gelegentlich (1–10 %) | Kopfschmerzen, Müdigkeit, Verwirrtheit | Vor allem ältere Patienten |
| Selten (<1 %) | Sehstörungen („Gelbsehen“), Hautausschlag | Therapie ggf. anpassen |
| Sehr selten | Arrhythmien mit Herzstillstand | Notfallmedizinisch behandeln |
Ratschläge für die richtige Anwendung (Tipps aus der Apotheke/Klinik in Deutschland)
- Legen Sie die Einnahme auf einen festen Zeitpunkt am Tag.
- Führen Sie ein Medikamenten-Tagebuch oder nutzen Sie Erinnerungsfunktionen (z.B. Handy-App).
- Informieren Sie immer Ihre Ärztin/Ihren Arzt über alle weiteren Medikamente, auch rezeptfreie Präparate.
- Nehmen Sie die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein.
- Lassen Sie regelmäßig Blutwerte und Nierenfunktion vom Arzt kontrollieren – besonders zu Therapiebeginn und bei Dosisänderung.
- Im Verdachtsfall einer Überdosierung (z. B. starker Schwindel, Sehstörungen, Herzklopfen): sofort ärztliche Hilfe aufsuchen!
Alternative Therapieoptionen (in Deutschland Kassenleistung/NFZ-Vergütung)
- Betablocker (z.B. Bisoprolol, Metoprolol): Für viele Fälle erste Wahl bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Vorteile: verbesserte Prognose, weniger NW; Nachteil: Wirkeintritt langsamer.
- ACE-Hemmer/Angiotensinrezeptorblocker: Häufig in Kombi-Therapie bei Herzinsuffizienz. Vorteile: Prognoseverbesserung, weniger Arrhythmien; Nachteil: Husten, Nierenfunktionsstörung.
- Ivabradin: Alternative bei Kontraindikation gegen Betablocker; wirkt nur auf die Herzfrequenz.
- Amiodaron: Für bestimmte Arrhythmien, häufiger jedoch als zweite Wahl.
- Sämtliche genannten Wirkstoffe sind in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV/NFZ) erstattungsfähig, sofern ärztlich indiziert.
Rechtlicher Status, Registrierung & Erstattung in Deutschland
- Digoxin ist seit vielen Jahren durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen.
- Verschreibungspflicht gemäß Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV); nicht frei verkäuflich.
- Gesetzlich krankenversichert: Erstattung bei medizinischer Notwendigkeit und zugelassener Indikation durch die gesetzlichen Kassen (GKV/NFZ).
- Der Vertrieb erfolgt zentral über registrierte Apotheken in Deutschland.
Aktuelle Studien und Leitlinien (2022–2025)
- Die aktualisierten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 2022 empfehlen Digoxin vorrangig zur Frequenzkontrolle bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz und begleitendem Vorhofflimmern (DGK-Leitlinie 2022).
- ESG/EACTS Leitlinie 2023: Digoxin bleibt Mittel der Wahl, wenn Betablocker oder Kalziumantagonisten nicht geeignet sind (ESC-Leitlinie 2023).
- Eine Metaanalyse (Lancet, 2023) zeigte, dass Digoxin bei sachgerechter Anwendung kein erhöhtes Mortalitätsrisiko im Vergleich zu anderen Rhythmuskontroll-Strategien besitzt.
- Aktuelle Forschung prüft die Rolle bei neuen Formen digitaler Therapiebegleitung insb. zur Adhärenzsteigerung.
Verfügbarkeit und Lieferzeiten (Deutschland)
| Packungsgröße | Unverbindlicher Apothekenpreis* | Lieferdauer (Berlin, München, Köln, Hamburg) |
|---|---|---|
| 30 Tabletten (0,25 mg) | 10–14 € | 1–2 Werktage (Berlin, Köln), 2–3 Werktage (München, Hamburg) |
| 100 Tabletten (0,25 mg) | 25–33 € | 1–2 Werktage deutschlandweit |
| Injektionslösung (5 Ampullen zu 0,25 mg/ml) | je nach Hersteller ab 15 € | i.d.R. 2–4 Werktage |
*Preisangaben können regional und durch Rezeptgebühren variieren.
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Digoxin
1. Wie bemerke ich eine mögliche Überdosierung von Digoxin?Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen (verschwommenes oder gelbliches Sehen), Herzrhythmusstörungen oder starke Müdigkeit. In diesen Fällen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen!
2. Kann ich Digoxin zusammen mit anderen Herzmedikamenten einnehmen?
Ja, häufig wird Digoxin mit anderen Medikamenten wie Betablockern, ACE-Hemmern oder Diuretika kombiniert. Ihr Arzt wird Wechselwirkungen und Verträglichkeit regelmäßig kontrollieren.
3. Was muss ich bei Reisen mit Digoxin beachten?
Führen Sie eine ausreichende Menge für die gesamte Reisedauer mit und bewahren Sie Digoxin in der Originalverpackung auf. Lassen Sie sich eine aktuelle Medikamentenliste und ggf. ein ärztliches Attest ausstellen, insbesondere für Flugreisen.
4. Was tun, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
Holen Sie die Dosis nicht nach! Nehmen Sie die nächste Tablette zur gewohnten Zeit. Bei Unsicherheiten kontaktieren Sie Ihre Apotheke oder Arztpraxis.
5. Gibt es Unterschiede bei der Einnahme von Digoxin für ältere Menschen?
Ja, ältere Patientinnen und Patienten benötigen oft niedrigere Dosierungen. Die Überwachung der Nierenfunktion und regelmäßige Blutuntersuchungen sind besonders wichtig.
Diese Informationen ersetzen keinesfalls die individuelle Beratung durch Arzt oder Apotheker. Bei allen Fragen zur Therapie wenden Sie sich bitte an Ihr medizinisches Fachpersonal.

