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Hydrea (Hydroxyurea)

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Hydrea (Hydroxyurea) ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung bestimmter Blut- und Krebserkrankungen wie chronisch myeloischer Leukämie und Sichelzellenanämie eingesetzt wird. Es wirkt, indem es das Wachstum krankhafter Zellen hemmt. Die Einnahme erfolgt nach ärztlicher Verordnung, und regelmäßige Kontrollen sind wichtig. Bitte beachten Sie mögliche Nebenwirkungen und sprechen Sie bei Fragen oder Unsicherheiten mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Hydrea (Hydroxyurea) – Patienteninformation

Grundlagen & Produktübersicht

Wirkstoff (INN) Hydroxyurea
Handelsnamen in Deutschland Hydrea®, Hydroxycarbamid Accord®, Hydroxyurea Mylan®, diverse Generika
ATC-Code L01XX05
Verfügbare Darreichungsformen und Stärken Kapseln (500 mg), Tabletten (z. B. 500 mg), selten Suspensionen für Kinder
Hersteller (Auswahl) Bristol-Myers Squibb, Accord Healthcare, Mylan, Hexal, Medac
Rechtsstatus Verschreibungspflichtig (Apothekenpflicht, § 48 AMG)

Wirkmechanismus

In einfachen Worten: Hydrea hemmt die Teilung schneller wachsender, kranker Zellen. Es bremst gezielt den Zellnachschub im Körper, besonders bei Blutzellen
Für Fachkreise: Hydroxyurea ist ein Antimetabolit, der die Ribonukleotid-Reduktase inhibiert. Es verhindert die DNA-Synthese, indem es die Umwandlung von Ribonukleotiden zu Desoxyribonukleotiden blockiert, sodass schnell proliferierende Zellen, wie z.B. maligne hämatopoetische Zellen, keinen Zellzyklusabschluss erreichen.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Schnell und gut aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen (ca. 80–100%)
  • Metabolisierung: Leber und teilweise Niere
  • Elimination: Hauptsächlich renal (über den Urin)
  • Wirkeintritt: Innerhalb von wenigen Stunden
  • Dauer der Wirkung: ca. 12–24 Stunden
  • Halbwertszeit: 3–9 Stunden (altersabhängig)

Therapie im Alltag & Anwendungshinweise

  • Übliche Dosierung: In der Regel 500–2.000 mg täglich, individuell nach Diagnose und Blutbild
  • Anwendung: Kapsel/Tablette mit ausreichend Wasser am besten zur selben Zeit des Tages schlucken
  • Kontrollen: Regelmäßige Blutbildkontrolle – Dosisanpassung eventuell erforderlich
  • Aufbewahrung: Lichtgeschützt und für Kinder unzugänglich
  • Therapieabbruch: Niemals ohne Rücksprache mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt

Morgens oder abends einnehmen?

  • Morgens: Empfohlen, da eventuelle Magenbeschwerden im Tagesverlauf besser erkannt und behandelt werden können.
  • Abends: Hauptsächlich bei Auftreten von Müdigkeit am Folgetag geeignet, aber Risiko von Übelkeit in der Nacht.
  • Regelmäßigkeit: Wichtig ist die tägliche Einnahme zur gleichen Uhrzeit; so wird die Blutkonzentration konstant gehalten.

Zusammen mit oder ohne Nahrung?

  • Hydrea kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Bei Magenbeschwerden empfiehlt sich jedoch die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit.
  • Kompatibel mit typischer deutscher Kost (Brot, Milchprodukte, Gemüse, ggf. Fleisch)
  • Starke, fettreiche Speisen können vereinzelt die Resorption verzögern, was jedoch klinisch meist wenig relevant ist.

Interaktionen – Warnhinweise

Interaktionspartner Hinweis
Andere Zytostatika Gesteigertes Risiko für Nebenwirkungen (v.a. Knochenmarksuppression)
Lebendimpfstoffe Impfungen unter Therapie möglichst vermeiden (ggf. abgeschwächtes Ansprechen/Infektionsgefahr)
Antiretrovirale Medikamente (HIV-Therapien) Bauchspeicheldrüsenschäden oder Leberschäden möglich
Alkohol Kein direkter Effekt, aber verstärkte Leber- und Blutbildbelastung möglich – zurückhaltender Konsum empfohlen
Folsäure-Antagonisten (z.B. Methotrexat) Verschlechterung des Blutbilds
Antikoagulanzien Erhöhtes Blutungsrisiko

Indikationen (zugelassen und Off-Label)

Indikation Status Bemerkungen
Chronische myeloische Leukämie (CML) Zugelassen Meist als Reservetherapie
Essentielle Thrombozythämie Zugelassen Erste Wahl bei erhöhtem Thromboserisiko
Polycythaemia vera Zugelassen Standardtherapie bei älteren Patienten
Sichelzellanämie Zugelassen Zur Verringerung der Schmerzkrisen
Psoriasis, schwere Verlaufsformen Off-Label Nur nach individueller ärztlicher Entscheidung
Melanom (palliativ) Off-Label Selten, nur in besonderen Situationen

Dosierung nach Indikation

Indikation Erwachsene Kinder/Jugendliche Ältere Patienten
CML 20–30 mg/kg/Tag, individuell anpassbar 5–30 mg/kg/Tag; engmaschige Kontrolle! Ggf. geringere Startdosis, engmaschige Kontrolle
PV/Thrombozythämie 15–20 mg/kg/Tag Nur Ausnahmefälle Start mit geringerer Anfangsdosis
Sichelzellanämie 15–20 mg/kg/Tag; Hochdosierung möglich Hydroxycarbamid-Saft (ab 2 Jahren); Dosis 15–35 mg/kg/Tag Nicht Standard, Einzelfallentscheidung

Sicherheitsprofil – Nebenwirkungen

Häufigkeit Typische Nebenwirkungen
Sehr häufig (>10%) Knochenmarksuppression (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie), Mundschleimhautentzündung, Appetitminderung, Müdigkeit
Häufig (1–10%) Hautausschläge, Hyperpigmentierung (Verfärbung der Haut), Haarausfall, Übelkeit, Fieber, erhöhte Leberwerte
Gelegentlich (0,1–1%) Entzündliche Magendarmerkrankungen, Wundheilungsstörungen
Selten (<0,1%) Lungenentzündung, schwere allergische Reaktionen, sekundäre Leukämien (lange Anwendung)

Warnhinweise: Schwangere und Stillende dürfen Hydrea nicht einnehmen. Mögliche Schäden an ungeborenem Kind! Rasche medizinische Hilfe bei Fieber, Blutungen oder Infektionszeichen (z.B. Halsschmerzen) erforderlich.

Hinweise zur richtigen Anwendung – Beratung aus der Apotheke

  • Kontinuierliche Einnahme, kein eigenmächtiges Absetzen
  • Keine Kapselöffnung oder Teilung ohne ärztliche Rücksprache (Gefahr der Exposition!)
  • Regelmäßige Kontrolle von Blutbild & Nierenfunktion
  • Handschuhe beim Umgang mit beschädigten Tabletten oder Kapseln
  • Schwangerschaftsverhütung während (und bis mind. 6 Monate nach) der Behandlung
  • Lebendimpfungen vermeiden
  • Arzt bei Infektzeichen sofort konsultieren!
  • Hydrea sicher und kindersicher lagern
  • Im Falle einer vergessenen Dosis keine doppelte Dosis am Folgetag einnehmen!

Alternativen (GKV erstattungsfähig)

  • Interferon alfa (besonders bei jüngeren Patienten mit Kinderwunsch; weniger leukämogen, aber mehr Nebenwirkungen wie Grippegefühl)
  • Anagrelid (bei essenzieller Thrombozythämie; spezifisch zur Plättchenreduktion, aber höhere Nebenwirkungsrate an Herz/Kreislauf)
  • JAK2-Inhibitoren (z.B. Ruxolitinib; bei Polycythaemia vera, jedoch Reservemittel/individuelle Kostenübernahme prüfen)
  • Allopurinol (zur Behandlung erhöhter Harnsäure im Zusammenhang mit Myeloproliferation)
  • Transfusionen, Aderlässe (PV)

Vergleich: Hydroxyurea ist gut etabliert, wirksam und vergleichsweise nebenwirkungsarm. Interferone oder gezielte neue Substanzen kommen primär bei Unverträglichkeit oder speziellen Patientengruppen in Frage.

Recht, Zulassung, Erstattung

  • Zulassungsstatus: Zugelassen in Deutschland durch die EMA, Überwachung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
  • Verschreibungspflicht: Nur gegen ärztliches Rezept
  • Erstattungsfähigkeit: GKV erstattet Therapie in allen zugelassenen Indikationen (Arzneimittel-Richtlinie & § 35 SGB V)
  • Patentstatus: Generikum, zahlreiche Anbieter, Störungen in der Lieferkette sind selten
  • Arzneimittelverschreibung: Rezeptpflichtig (§ 48 AMG)

Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)

  • Die deutsche Leitlinie für Polycythaemia Vera und Essenzielle Thrombozythämie (DGHO 2023) stuft Hydroxyurea als Mittel der ersten Wahl ein.
  • Hydroxyurea bleibt Goldstandard bei älteren Patienten mit myeloproliferativen Erkrankungen (Sichelzellanämie: deutsche Empfehlungen, 2024).
  • Neue Studien (EHA, 2024) untersuchen die sicherere Langzeittherapie und das sekundäre Leukämierisiko – bislang unkritisch bei regelmäßiger Überwachung.
  • Deutlich verbesserte Lebensqualität bei Patienten mit Sichelzellanämie unter frühzeitig begonnener Hydroxyurea-Therapie nachgewiesen (im Vergleich zu Placebo; Lancet Haematol 2023).

Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Preise & Lieferzeiten (Stand 2024)

Packungsgröße Kapseln/Tabl. pro Packung Richtpreis (GKV-Erstattung, €) Lieferzeit (Berlin) Lieferzeit (Hamburg) Lieferzeit (München)
Klein 100 x 500 mg ca. 35–50 € 24–48 h 24–48 h 24–48 h
Standard 250 x 500 mg ca. 80–120 € 24–72 h 24–72 h 24–72 h
Groß 500 x 500 mg ca. 170–220 € 24–72 h 24–72 h 24–72 h

Die tatsächlichen Preise können je nach Apotheke leicht schwanken. Alle gängigen Pharmagroßhändler beliefern Apotheken bundesweit – bei Lieferengpässen ist meist nach wenigen Tagen Ersatz lieferbar.

FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen

  • 1. Wie lange muss ich Hydrea einnehmen?
    Die Dauer der Behandlung hängt von Ihrer Diagnose und dem Therapieerfolg ab. Oft wird Hydrea als Dauertherapie eingesetzt, in Ausnahmefällen ist eine schrittweise Reduktion möglich. Änderungen bitte immer in Rücksprache mit Ihrem Arzt!
  • 2. Kann ich mit Hydrea normal arbeiten und Auto fahren?
    Normalerweise ja. Zu Beginn der Therapie können Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein auftreten. Sollten Sie sich schwindelig oder unwohl fühlen, vermeiden Sie Autofahren oder das Bedienen von Maschinen.
  • 3. Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
    Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein. Holen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich (innerhalb desselben Tages) nach. Ist der Tag verstrichen, nehmen Sie am nächsten Tag Ihre normale Dosis.
  • 4. Ist es gefährlich, während der Hydroxyurea-Therapie eine Impfung zu erhalten?
    Lebendimpfstoffe sollten nicht verwendet werden, solange Sie Hydrea einnehmen. Totimpfstoffe (z.B. Grippe, COVID-19) sind in der Regel unter ärztlicher Aufsicht erlaubt.
  • 5. Kann ich schwanger werden/werden meine Fruchtbarkeit beeinträchtigt?
    Während und bis mindestens 6 Monate nach Ende der Behandlung sollte eine Schwangerschaft unbedingt vermieden werden (Frauen und Männer). Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, falls Kinderwunsch besteht.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

500mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 240 pill