Erythromycin – Patienteninformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
- Internationaler Freiname (INN): Erythromycin
- Handelsnamen in Deutschland: Erythromycin Steuera®, Erythromycin Infectopharm®, Erythrocin®
- ATC-Code: J01FA01
- Darreichungsformen & Stärken:
- Tabletten und Filmtabletten: 250 mg, 500 mg
- Retardtabletten: 500 mg
- Granulat/Saft (zur Herstellung einer Suspension): 125 mg/5 ml, 250 mg/5 ml
- Infusionslösung: 500 mg pro Durchstechflasche
- Salbe und Gel (zur äußerlichen Anwendung, z. B. Akne): 20 mg/g
- Hersteller (u.a.): STADA Arzneimittel AG, InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH, Pfizer Deutschland GmbH
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (nur gegen ärztliche Verschreibung erhältlich, Apothekenpflicht gemäß AMG/AMVV)
Wirkmechanismus
- Für Patient:innen erklärt: Erythromycin gehört zu den Makrolid-Antibiotika. Es hemmt die Eiweißsynthese von Bakterien und verhindert damit ihre Vermehrung und Ausbreitung im Körper.
- Für Fachpersonen: Hemmung der bakteriellen Proteinbiosynthese durch reversible Bindung an die 50S-Untereinheit des Ribosoms. Wirkt bakteriostatisch gegen grampositive und einige gramnegative Erreger.
| Zielmikroorganismen | Beispiele |
|---|---|
| Grampositive Bakterien | Streptococcus pyogenes, Staphylococcus aureus |
| Gramnegative Bakterien | Neisseria gonorrhoeae, Bordetella pertussis |
| Intrazelluläre Erreger | Mycoplasma pneumoniae, Chlamydien |
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme gute, aber variable Bioverfügbarkeit (35–70%), schneller Wirkeintritt (1–2 Stunden).
- Metabolisierung: Lebermetabolismus (CYP3A4). Achtung bei Leberfunktionsstörung; Dosisanpassung kann erforderlich sein.
- Elimination: Hauptsächlich biliär (Leber/Galle) und teilweise renal (über die Nieren).
- Halbwertszeit: 1,5–2,5 Stunden (Standardtablette), bis 4 Stunden (Retardform).
- Wirksamkeitsdauer: In der Regel 6–12 Stunden, daher mindestens 2- bis 4-mal tägliche Einnahme.
Anwendung im Alltag und Praxisempfehlungen
- Typische Dosierung Erwachsene: 3 x täglich 250–500 mg oral, im Abstand von 6–8 Stunden.
- Anwendung bei Kindern: 30–50 mg/kg Körpergewicht/Tag, aufgeteilt in 2–4 Dosen.
- Dauer der Therapie: In der Regel 7–14 Tage, abhängig von der Indikation.
- Medikament regelmäßig und zum selben Zeitpunkt einnehmen (Wirkspiegel beachten).
- Nicht eigenständig ohne ärztlichen Rat absetzen!
- Infusionslösungen werden ausschließlich stationär bzw. in der Praxis angewendet.
- Salben/Gele: dünn auf die betroffenen Hautstellen auftragen, 1–2 Mal täglich.
Einnahme morgens oder abends – Was ist zu beachten?
- Bei mehrmaliger täglicher Einnahme möglichst feste Einnahmezeiten einhalten (z. B. morgens, mittags, abends).
- Vorteil morgen: Leichtere Erinnerung, weniger Interaktionen mit Schlafmitteln/anderen Abendmedikamenten.
- Abenddosis: Bei Schlafstörungen Vorsicht! Selten verursacht Erythromycin Unruhe.
- Tipp: Die regelmäßige Einnahme ist wichtiger als der genaue Zeitpunkt. Bei Unsicherheiten Rücksprache mit Arzt oder Apotheker halten.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Erythromycin kann den Magen reizen. Die Einnahme vor den Mahlzeiten (mind. 30 Minuten vorher oder 2 Stunden nachher) sorgt für bessere Aufnahme.
- Bei Magenproblemen ist die Einnahme mit leichter Kost (z. B. Brot, Banane, Joghurt) akzeptabel, wobei die Bioverfügbarkeit leicht sinken kann.
- Tipp für deutsche Essgewohnheiten: Fettreiche, schwere Speisen (z. B. Wurst, Käse, Braten) können Magenbeschwerden verstärken – leichte Kost bevorzugen.
- Mineralwasser/flüssige Nahrung bevorzugen, kein Grapefruitsaft oder Cola (Interaktionsgefahr).
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Kategorie | Beispiel | Hinweis |
|---|---|---|
| Lebensmittel | Grapefruitsaft, Alkohol | Kann Bioverfügbarkeit beeinflussen oder Nebenwirkungen verstärken. |
| Arzneimittel | Statine (z. B. Simvastatin), Antikoagulantien, orale Kontrazeptiva | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder verminderte Wirksamkeit – ggf. Dosisanpassung. |
| Weitere Antibiotika | Clindamycin, Chloramphenicol | Können sich gegenseitig in der Wirkung hemmen. |
| Magensäureblocker | Omeprazol, Pantoprazol | Kann Resorption beeinflussen. |
Indikationen
| Indikation | Status | Bemerkung |
|---|---|---|
| Infektionen der oberen Atemwege (z. B. Tonsillitis, Pharyngitis) | offiziell | Vor allem bei Penicillinallergie |
| Pneumonie (atypisch, ambulant erworben) | off-label | Alternative bei Unverträglichkeit anderer Substanzen |
| Haut- und Weichteilinfektionen | offiziell | z. B. Impetigo contagiosa, Erysipel |
| Akne vulgaris (äußerlich) | offiziell | Meist als Gel/Salbe verschrieben |
| Keuchhusten (Bordetella pertussis) | offiziell | Therapie und Prophylaxe in Ausbruchssituationen |
| Chlamydieninfektionen | offiziell | u. a. bei Schwangeren |
| H. pylori-Eradikation | off-label | als Bestandteil einer Triple-Therapie |
Dosierung nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Atemwegsinfektionen | 3–4 x 250–500 mg/Tag | 30–50 mg/kg/Tag, aufgeteilt | wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion bei Leberinsuffizienz |
| Akne (äußerlich) | 1–2 x täglich als Gel/Salbe | s. Erwachsene | s. Erwachsene |
| Pertussis | 500 mg 2 x täglich für 7 Tage | Klärung nach Gewicht, mind. 7 Tage | w. o. |
| H. pylori-Eradikation | 500 mg 2 x täglich (Kombinationstherapie) | nicht empfohlen | w. o. |
Sicherheitsprofil, Nebenwirkungen und Warnhinweise
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Sehr häufig | Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen | Vor allem bei höherer Dosierung oder Einnahme auf leeren Magen |
| Häufig | Mundsoor, Geschmacksstörungen | bedingt durch Störung der Mundflora |
| Gelegentlich | Leberwertstörungen, Hautausschlag | Klinische Kontrolle empfohlen |
| Selten | Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung), Allergie | Bei Vorerkrankung/gleichzeitiger QT-verlängernder Medikation Risiko erhöht |
| Sehr selten | Schwere allergische Reaktion, Cholestatische Hepatitis | Sofort ärztliche Hilfe suchen |
Leitfaden für die korrekte Anwendung
- Therapie bis zum Ende der verordneten Dauer fortsetzen (auch wenn Sie sich wieder besser fühlen).
- Verpassen Sie eine Einnahme, holen Sie diese sobald wie möglich nach, aber nicht doppelt einnehmen.
- Lagern Sie das Präparat trocken, lichtgeschützt und außerhalb der Reichweite von Kindern.
- Mündlich verordnete Antibiotika nicht an Dritte weitergeben.
- Regelmäßige Kontrolle auf Nebenwirkungen und Rücksprache mit dem Arzt bei Auffälligkeiten.
- Bei bestehenden Leber- oder Nierenproblemen mögliche Dosisanpassung und engmaschige Kontrolle erforderlich.
- Für Salben/Gele gilt: Nur auf die Haut auftragen, Augen/Schleimhäute meiden.
Alternative Therapiemöglichkeiten (erstattbare Medikamente, Kurzübersicht)
- Clarithromycin (Makrolid): Bessere Magenverträglichkeit, ähnliche Wirksamkeit. Pro: Tägliche Einnahme, gute Akne- und Infektionsbehandlung. Contra: Häufigere Arzneimittelinteraktionen, teurer.
- Azithromycin (Makrolid): Einmal tägliche Einnahme, kurze Therapiedauer. Pro: Weniger Nebenwirkungen, besonders verträglich. Contra: Teils eingeschränkte Wirksamkeit bei bestimmten Erregern.
- Penicilline (z. B. Amoxicillin): Standard bei empfindlichen Erregern und keiner Allergie. Pro: Meist besser wirksam, weniger Interaktionen. Contra: Nicht bei Penicillinallergie einsetzbar.
- Tetracycline (z. B. Doxycyclin): Für Haut- und Atemwegsinfekte. Pro: Gute Wirksamkeit. Contra: Nicht für Kinder unter 8 Jahre/n, Risiko für Zahnverfärbungen.
- Alle genannten Alternativen sind regulär auf Rezept erhältlich und von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erstattungsfähig, sofern die Indikation besteht.
Rechtslage, Registrierung und Erstattungsstatus in Deutschland
- Zulassung: Erythromycin ist u.a. in der EU und durch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen.
- Verschreibungspflicht: In Deutschland verschreibungspflichtig laut Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV).
- Apothekenpflicht: Nur in Apotheken erhältlich.
- Erstattung: Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit und nach ärztlicher Verordnung.
- Importierte Präparate: Nur nach gesonderter ärztlicher Verordnung bzw. als Einzelimport (§ 73 AMG).
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Jüngste deutsche AWMF-Leitlinien (u. a. "Antibiotikatherapie bei oberen Atemwegsinfektionen", Stand 2023): Erythromycin als Alternative bei Penicillinallergie.
- Empfehlung des RKI (Robert Koch-Institut) für Keuchhusten-Eradikation, Stand 2024.
- Studie 2024, Deutsches Ärzteblatt: Makrolide wie Erythromycin bleiben essenziell, wenn Penicilline nicht gegeben werden können (Präparate-Vergleichsstudie).
- Internationale Metaanalyse 2023: Gute Wirksamkeit bei ambulant erworbener Pneumonie und Chlamydieninfektion, aber Risiko für vermehrte QT-Verlängerung durch Interaktionen.
- Bitte beachten Sie weitere Hinweise auf www.bfarm.de, www.akdae.de oder im Ärzteblatt.
Verfügbarkeit und Lieferung (Stand: Juni 2024)
| Packungsgröße | Inhalt | Apothekenpreis* (€) | Lieferung (Tage), Berlin | Lieferung (Tage), Hamburg | Lieferung (Tage), München |
|---|---|---|---|---|---|
| Normpackung | 20 Tabletten à 500 mg | ca. 18,50 | 1–2 | 1–2 | 1–2 |
| Großpackung | 100 Tabletten à 250 mg | ca. 59,00 | 2–3 | 2–3 | 2–3 |
| Suspension | 100 ml (250 mg/5 ml) | ca. 23,60 | 1–2 | 1–2 | 1–2 |
| Gel | 30 g/Tube | ca. 12,90 | 2–4 | 2–4 | 2–4 |
FAQ – Häufige Patientenfragen und Antworten
- Kann ich Erythromycin bei Penicillinallergie nehmen?
Ja, Erythromycin ist ein bewährtes Antibiotikum für Menschen mit Penicillinunverträglichkeit und wird häufig als Alternative eingesetzt. - Darf ich während der Einnahme Alkohol trinken?
Alkohol sollte während der Antibiotikatherapie gemieden werden, da er Nebenwirkungen verstärken und die Wirkung beeinträchtigen kann. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergesse?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sofort ein, sofern bis zur nächsten planmäßigen Einnahme noch mehr als 3 Stunden verbleiben. Überschneidet sich dies, lassen Sie die Dosis aus und fahren Sie wie gewohnt fort – niemals doppelt einnehmen! - Wie lange dauert es, bis Erythromycin wirkt?
Die meisten Patient:innen spüren nach 2–3 Tagen eine Besserung. Die Behandlung muss dennoch vollständig durchgeführt werden, um Resistenzentwicklung zu vermeiden. - Wann ist ärztliche Rücksprache erforderlich?
Bei schweren Nebenwirkungen (z. B. anhaltender Durchfall, starker Hautausschlag, Atemnot, Herzbeschwerden) oder nach 3 Tagen ohne Besserung kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

