Coreg® (Carvedilol) – Umfassende Patienteninformation
1. Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Carvedilol |
|---|---|
| Handelsnamen Deutschland | Coreg®, Dilatrend®, Carvedilol HEXAL®, Carvedilol-ratiopharm® |
| ATC-Code | C07AG02 |
| Verfügbare Darreichungsformen, Stärken | Tabletten (6,25 mg, 12,5 mg, 25 mg), Retardkapseln |
| Hersteller (Deutschland) | Roche, HEXAL AG, ratiopharm GmbH u.a. |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig nach §48 AMG) |
Carvedilol ist ein Medikament aus der Gruppe der Betablocker mit zusätzlicher gefäßerweiternder Wirkung und wird in Deutschland häufig als Coreg®, aber auch unter anderen Namen verordnet.
2. Wirkmechanismus
- Für Patienten einfach erklärt: Carvedilol blockiert bestimmte Rezeptoren am Herzen und an den Blutgefäßen. Dadurch wird das Herz entlastet, der Blutdruck gesenkt und das Fortschreiten einer Herzschwäche verlangsamt.
- Fachlich/spezialisiert: Carvedilol ist ein nicht-selektiver Betablocker mit zusätzlicher Alpha1-Rezeptor-Blockade. Dies bewirkt eine Verminderung der sympathikotonen Aktivität, Abnahme der Herzfrequenz, des peripheren Gefäßwiderstands und Bluthochdrucks. Gleichzeitig schützt Carvedilol das Herz vor schädlichen Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin.
3. Pharmakokinetik
- Resorption: Rasche Aufnahme (max. Plasmaspiegel nach 1–2 h); Bioverfügbarkeit oral ca. 25% (First-Pass-Effekt).
- Metabolisierung: Vorwiegend hepatisch durch CYP2D6, CYP2C9, CYP3A4. Es bilden sich inaktive und teils aktive Metabolite.
- Elimination: Überwiegend ausgeschieden über die Galle/Stuhl, zu geringem Anteil renal.
- Wirkdauer: ca. 6–10 Stunden; Retardformen ermöglichen 24-Stunden-Wirkung.
4. Anwendung im Alltag & Praktische Hinweise
- Typische Dosierung: Initial meist 3,125–6,25 mg 2x täglich, langsam steigernd auf Standarddosis von 25 mg 2x täglich (Herzinsuffizienz) oder 12,5–25 mg 1x täglich (Hypertonie), je nach Diagnose und Verträglichkeit.
- Einnahme: Unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit, möglichst zu den Mahlzeiten (siehe Abschnitt Ernährung).
- Eigenständige Dosisanpassung verboten: Änderungen nur nach ärztlicher Absprache!
- Regelmäßigkeit: Täglich zur gleichen Uhrzeit, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden.
- Deutsche Besonderheiten: Rezeptpflichtig, Kontrolle mind. 1–2x/Jahr durch Haus- oder Facharzt.
5. Einnahme am Morgen oder Abend
- Vorteile Morgendosis: Günstig bei Patienten mit tagsüber auftretendem Bluthochdruck oder Belastungssituationen.
- Vorteile Abenddosis: Kann Müdigkeit tagsüber verringern, sinnvoll bei nächtlichen Blutdruckspitzen.
- Empfehlung: Falls 2x täglich, morgens & abends einnehmen. Wird 1x täglich dosiert, am besten immer zur selben Tageszeit, wie vom Arzt vorgegeben.
6. Mit oder ohne Mahlzeit?
- Empfohlene Einnahme: Immer zu einer Mahlzeit.
- Begründung: Nahrungsaufnahme (besonders Fettanteil in der deutschen Ernährung) verzögert und senkt die maximale Aufnahme leicht, was plötzliche Blutdruckabfälle (orthostatische Hypotonie) und Nebenwirkungen reduziert.
- Lebensmittel in Deutschland: Brot, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Gemüse – keine besonderen Einschränkungen, abgesehen von Grapefruit (Interaktion möglich!)
7. Interaktionshinweise
| Interaktionspartner | Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken, Vorsicht bei Schwindel/Schwäche! |
| Andere Blutdrucksenker | Verstärkte Wirkung, Risiko für niedrigen Blutdruck oder Bradykardie. |
| Antidiabetika (z. B. Insulin, Metformin) | Kann Warnzeichen für Unterzucker (Tachykardie, Zittern) verschleiern! |
| Grapefruitsaft | Vermeiden: Kann den Abbau von Carvedilol hemmen und zu erhöhten Blutspiegeln führen. |
| Bestimmte Antidepressiva (CYP2D6-Hemmer) | Wie Fluoxetin, Paroxetin: Können die Wirkung von Carvedilol verstärken. |
| Herzglycoside (z. B. Digoxin) | Digoxin-Spiegel können steigen. |
| Clonidin | Abruptes Absetzen kann zu Hypertonie-Krisen führen. |
8. Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Status |
|---|---|
| Chronische Herzinsuffizienz (NYHA II–IV) | zugelassen |
| Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck) | zugelassen |
| Koronare Herzkrankheit (KHK, Angina pectoris) | zugelassen |
| Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern | off-label |
| Nach Herzinfarkt (Sekundärprävention) | off-label/nach ärztl. Entscheidung |
9. Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppe | Startdosis | Zieldosis | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Herzinsuffizienz (Erwachsene) | 3,125 mg 2x tgl. | Bis 25 mg 2x tgl. | Langsame Steigerung alle 2 Wochen |
| Hypertonie (Erwachsene) | 12,5 mg 1x tgl. | Bis 25 mg 1x tgl. | Anpassung nach Wirkung/Verträglichkeit |
| Kinder/Jugendliche | individuell | keine Standardzulassung | Off-label, nur durch Spezialisten |
| Ältere Patienten (>70 Jahre) | 3,125 mg 1–2x tgl. | nach Bedarf/tolerierter Maximaldosis | Vorsicht: erhöhte Nebenwirkungsneigung |
10. Nebenwirkungen & Sicherheitsprofil
- Sehr häufig: Schwindel, Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Bradykardie (langsamer Puls)
- Häufig: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Gewichtszunahme (bei Herzinsuffizienz), kalte Extremitäten
- Gelegentlich: Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Sehstörungen, Wassereinlagerungen, Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz
- Selten: Allergische Reaktionen (Atemnot, Hautausschlag), schwere Leberreaktionen, Erektionsstörungen
- Warnhinweise: Plötzliches Absetzen vermeiden („Rebound“-Risiko), nicht geeignet bei schwerem Asthma, Leberinsuffizienz, AV-Block II/III°.
11. Hinweise zur richtigen Anwendung
- Tabletten stets zur Mahlzeit, unzerkaut mit Wasser einnehmen.
- Dadurch lassen sich Nebenwirkungen wie Schwindel vermeiden. Nach der Einnahme bei niedrigen Blutdruck nicht abrupt aufstehen!
- Dosisanpassung immer nur nach ärztlicher Anweisung!
- Regelmäßige Kontrollen beim Haus- oder Kardiologen (Blutdruck, Puls, Leberwerte, ggf. Labor/Kontrolle bei Diabetikern/Älteren).
- Packungsbeilagen sorgfältig lesen; bei Unsicherheit Apotheker in Deutschland ansprechen.
12. Alternative Therapieoptionen (Erstattung durch GKV)
- Andere Betablocker: Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol (ähnliche Wirksamkeit, individuelles Nebenwirkungsprofil)
- ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril) und AT1-Antagonisten (Losartan, Candesartan): Besonders bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz
- Calciumantagonisten (z.B. Amlodipin) und Diuretika – Bei begleitender Hypertonie
- Ivabradin, Sacubitril/Valsartan – Neue Substanzen für spezielle Formen der Herzschwäche
- Vorteile/ Nachteile:
Carvedilol ist Betablocker der 3. Generation (Beta- und Alpha-Blockade). Für bestimmte Patienten, v.a. bei Diabetes oder peripherer Durchblutungsstörung, können selektive Betablocker günstiger oder besser verträglich sein. Alle genannten Alternativen werden i.d.R. von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Deutschland erstattet.
13. Rechtlicher Status, Zulassung und Erstattung
- Zulassung durch: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Europäische Zulassungsbehörde (EMA)
- Rezeptpflicht: Alle Carvedilol-Präparate sind in Deutschland verschreibungspflichtig (rezeptpflichtig nach §48 AMG)
- Erstattung: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nach ärztlicher Verordnung, ggf. geringe Zuzahlung laut Sozialgesetzbuch V
14. Aktuelle Studien und klinische Empfehlungen (2022–2025)
Deutsche und internationale Leitlinien (z. B. DGK 2023, ESC 2023) empfehlen Carvedilol weiterhin als wichtigen Bestandteil der Standardtherapie bei Herzinsuffizienz und nach Herzinfarkt. Eine Metaanalyse aus 2024 betont die Überlegenheit von nicht-selektiven Betablockern mit Alpha-Blockade (wie Carvedilol) gegenüber selektiven Betablockern bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Diabetes. Neue Studiendaten deuten darauf hin, dass die langsame Eindosierung und die Einnahme zu den Mahlzeiten Nebenwirkungen klar reduzieren. Quellen: DGK-Praxisleitlinien 2023, ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2023, Martin U. et al., "Carvedilol in multimorbid elderly patients", Dtsch Ärztebl 2024.
15. Verfügbarkeit & Lieferbedingungen
| PZN | Stärke | Paketgröße | Apothekenverkaufspreis (AVP)* |
|---|---|---|---|
| 06333374 | 6,25 mg | 100 Tabletten | ca. 32,50 € |
| 03897398 | 25 mg | 98 Tabletten | ca. 40,00 € |
| 07412398 | 25 mg retard | 30 Kapseln | ca. 46,30 € |
* Preise Stand April 2024, Zuzahlung je nach Krankenkasse. Rabattverträge möglich.
| Stadt | Lieferzeit (Apotheken vor Ort) | Versandapotheken (DE) |
|---|---|---|
| Berlin | sofort/verfügbar | 1–2 Werktage |
| Hamburg | sofort/verfügbar | 1–2 Werktage |
| München | sofort/verfügbar | 1–2 Werktage |
| Köln | sofort/verfügbar | 1–2 Werktage |
| Leipzig | sofort/verfügbar | 1–2 Werktage |
Alle Angaben ohne Gewähr. Lieferung und Verfügbarkeit können regional variieren.
16. Häufige Patientenfragen (FAQ)
- Muss ich Coreg® ein Leben lang einnehmen?
Die Dauer richtet sich nach Ihrer Erkrankung. Bei Herzinsuffizienz oder nach Herzinfarkt ist oft eine lebenslange Einnahme sinnvoll. Die Absetzung oder Änderung darf ausschließlich durch den behandelnden Arzt erfolgen! - Was mache ich bei einer vergessenen Einnahme?
Holen Sie die Einnahme baldmöglichst nach. Liegt die nächste Dosis nahe, überspringen Sie die vergessene Dosis – niemals doppelt einnehmen! Bei Unsicherheit Arzt/Apotheker fragen. - Darf ich während der Einnahme von Carvedilol Alkohol trinken?
Kleine Mengen sind meist erlaubt. Alkohol kann allerdings Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und niedrigen Blutdruck verstärken. Konsum nach Möglichkeit einschränken, besonders anfangs! - Kann ich Carvedilol mit anderen Herzmedikamenten kombinieren?
Das ist möglich, oft sogar empfohlen. Die Kombination erfolgt in Deutschland regelmäßig mit ACE-Hemmern, Diuretika, Statinen u.a., muss aber immer vom Arzt überwacht werden. Arzneimittelwechselwirkungen sind zu beachten (siehe Tabelle oben). - Beeinflusst das Mittel meinen Blutzucker?
Ja, Carvedilol kann Warnsymptome einer Unterzuckerung schwächen, daher sollten Diabetiker besonders regelmäßig Blutzucker kontrollieren und bei Auffälligkeiten ärztlichen Rat suchen.
Weitere Beratung: Für individuelle Rückfragen sind Ihr Hausarzt, Kardiologe und die Apotheke vor Ort oder online Ihre direkten Ansprechpartner. Bei Nebenwirkungen oder Unsicherheit zögern Sie nicht, medizinischen Rat einzuholen.

