Clotrimazol – Umfassende Produktinformation für Patientinnen und Patienten in Deutschland
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Clotrimazol |
| Handelsnamen (Deutschland) | Canesten®, Clotrimazol HEXAL®, Clotrimazol-ratiopharm®, Fungizid-ratiopharm® u.a. |
| ATC-Code | D01AC01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | - Creme (1% = 10 mg/g, 2%)
- Salbe (1%)
- Lösung (1%)
- Vaginaltabletten und Vaginalcreme (100 mg, 500 mg)
- Spray
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| Hersteller (Auswahl) | Bayer Vital GmbH, Hexal AG, ratiopharm GmbH, Aliud Pharma GmbH |
| Rezeptstatus | Rezeptfrei (apothekenpflichtig) |
Wirkmechanismus (einfach erklärt & für Fachleute)
Clotrimazol ist ein Antimykotikum aus der Gruppe der Imidazole. Es hemmt die Ergosterolsynthese in der Zellmembran von Pilzen – so wird die Membranstruktur gestört, was die Pilzzellen schädigt und schließlich absterben lässt.
- Einfach erklärt: Clotrimazol stoppt das Wachstum von Pilzen, indem es deren Zellhülle zerstört.
- Für Fachleute: Clotrimazol blockiert die 14-α-Demethylase (CYP51A1), hemmt dadurch die Konversion von Lanosterin zu Ergosterol und stört so die Integrität der Pilzmembran.
Pharmakokinetik
- Absorption: Nach lokaler Anwendung werden nur geringste Mengen aufgenommen (<0,5–10%). Systemische Konzentrationen bleiben daher sehr niedrig.
- Metabolismus: Clotrimazol wird über die Leber abgebaut, hauptsächlich durch Oxidation und Demethylierung.
- Elimination: Ausgeschieden hauptsächlich renal (über die Niere) und biliär (über die Galle).
- Wirksamkeitsdauer: Bei äußerlicher Anwendung beträgt die lokale Wirkdauer 6–24 Stunden.
Anwendung im Alltag und empfohlene Vorgehensweise
- Clotrimazol wird in den meisten Fällen lokal verwendet (Creme, Lösung, Vaginaltabletten).
- Die betroffene Stelle soll 2- bis 3-mal täglich dünn mit Creme/Lösung bedeckt werden.
- Die Behandlung sollte auch nach Abklingen der Symptome noch mindestens 2 Wochen fortgeführt werden, um Rückfälle zu vermeiden.
- Für vaginale Pilzinfektionen ist die Anwendung meist abends vor dem Schlafengehen ideal.
- Vor und nach der Anwendung Hände gründlich waschen.
- Kontakt mit Augen, Mund und offenen Wunden vermeiden.
- In der Schwangerschaft und Stillzeit: Bitte ärztlichen Rat einholen.
Morgendliche vs. abendliche Anwendung
- Morgens: Vorteil: Beginnt den Tag mit Behandlung; Nachteil: Creme/Lösung evtl. schnell abgerieben.
- Abends: Vorteil: Weniger Bewegung, längere Kontaktzeit, besonders für Vaginalanwendung empfohlen.
- Tipp: Für maximale Wirkung: Feste Tageszeit wählen und Behandlung regelmäßig fortführen.
Anwendung mit oder ohne Nahrung (und Einfluss üblicher Ernährung in Deutschland)
- Da Clotrimazol äußerlich angewendet wird, spielt die Nahrungsaufnahme keine Rolle.
- Für vaginale Tabletten ist die Nahrungsaufnahme ebenfalls irrelevant.
- Einfluss der deutschen Ernährung: Keine bekannten Effekte; normale Ernährungsgewohnheiten müssen nicht angepasst werden.
Interaktionswarnungen
| Substanz/Kategorie | Interaktion | Empfehlung |
| Andere lokale Antimykotika/Kortikoide | Wechselwirkungen möglich, Wirkung kann beeinflusst werden | Nur nach ärztlicher Rücksprache |
| Warfarin | Sehr selten Verstärkung der Blutgerinnungshemmung | Blutwerte regelmäßig kontrollieren |
| Alkohol | Keine bekannten Wechselwirkungen bei äußerlicher Anwendung | Kein Alkoholverbot |
| Nahrungsmittel | Keine Interaktionen | Keine Einschränkung nötig |
Indikationen (zugelassene und Off-Label)
| Indikation | Zugelassen | Off-Label |
| Dermatomykosen (Hautpilz, z.B. Fußpilz, Tinea corporis, Leistenpilz) | Ja | – |
| Vaginale Candidose (Scheidenpilz) | Ja | – |
| Pityriasis versicolor | Ja | – |
| Windeldermatitis (bei Pilzbeteiligung) | Ja | – |
| Ohrpilz (Otomykose) | – | Ja (nach ärztlicher Anweisung) |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder (ab 2 J.) | Ältere Patienten |
| Hautpilz | 2-3x/Tag lokal, mind. 2–4 Wochen | Wie Erwachsene | Wie Erwachsene |
| Vaginamykose | Einmal 500 mg abends oder 3x 200 mg (über 3 Tage), alternativ 6x 100 mg | Nach ärztlicher Verordnung | Wie Erwachsene |
| Pityriasis versicolor | 2x/Tag, 1–3 Wochen | Wie Erwachsene | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig / Häufig:
- Lokale Hautreizungen (Rötung, Brennen, Juckreiz)
- Selten allergische Reaktionen (Ausschlag etc.)
- Gelegentlich:
- Bläschenbildung
- Abschuppung der Haut
- Selten bis sehr selten:
- Überempfindlichkeitsreaktionen, Nesselsucht
- Schwellungen
- Warnhinweise: Bei starken Hautreaktionen oder Anzeichen einer allergischen Reaktion Arzt/Ärztin aufsuchen und Anwendung aussetzen. Nicht für die Anwendung im Auge!
Hinweise zur richtigen Verwendung (Apothekerpraxis/klinik)
- Vor Anwendung die Haut sanft reinigen und gut abtrocknen, Cremereste entfernen.
- Feste Behandlungsintervalle einhalten – auch wenn die Beschwerden abklingen.
- Bei Pilzinfektionen der Füße: Zehenzwischenräume besonders sorgfältig behandeln.
- Unterwäsche/Handtücher regelmäßig wechseln und heiß waschen (mind. 60 °C).
- Partnerbehandlung bei wiederkehrenden Vaginalpilzerkrankungen erwägen.
- Keine Anwendung bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Clotrimazol oder andere Imidazole.
- Bei Unsicherheit oder unklaren Diagnosen ärztlichen Rat einholen!
Behandlungsalternativen (Erstattungsfähig nach GKV, Übersicht)
- Miconazol (z.B. Daktarin®): Ebenfalls lokal, ähnlich wirksam, für bestimmte Resistenzen geeignet.
- Econazol: Vergleichbare Wirkung, öfter bei Unverträglichkeit von Clotrimazol gewählt.
- Nystatin: Vor allem bei Hefepilz (Candidosen), bevorzugt in der Schwangerschaft.
- Terbinafin (Lamisil®): Insbesondere gegen Dermatophyten, Creme, seltener Tablettenform.
Vorteile von Clotrimazol: Gut verträglich, breit wirksam, günstiger Preis, rezeptfrei.
Nachteile: Seltene Unverträglichkeit möglich.
Rechtliche Hinweise, Zulassung & Erstattung in Deutschland
- Rechtliche Zulassung: Zugelassen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
- Rezeptstatus: Apothekenpflichtig, rezeptfrei.
- Erstattung: Nicht verschreibungspflichtig, daher in der Regel keine Erstattung durch die GKV bei Erwachsenen. Bei Kindern bis 12 Jahre kann die Kasse Kosten übernehmen.
- Verordnung: Rezeptfreie Abgabe in allen Apotheken.
Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)-Leitlinien: Clotrimazol bleibt Standardtherapie für oberflächliche Mykosen (S3-Leitlinie, Aktualisierung 2023).
- Studien (DE/Europa): Sehr hohe Wirksamkeit bei kutanen und vaginalen Infektionen, weiter als Mittel erster Wahl empfohlen (Quellen: Ärzteblatt 2023, J Dtsch Dermatol Ges 2024).
- Resistenzentwicklung: Bleibt selten, dennoch bei Therapieversagen andere Imidazole oder alternative Wirkstoffe erwägen.
Verfügbarkeit & Lieferung (PZN, Packungsgrößen, Richtpreis, Lieferzeiten in Großstädte)
| Darreichungsform | PZN | Inhalt | UVP | Lieferzeit (DE-Städte) |
| Clotrimazol Creme 1% | 00000991 | 20 g | ab 3,80 € | - Berlin: 24 h
- München: 24–48 h
- Hamburg: 24–48 h
- Frankfurt a.M.: 24 h
- Köln: 24 h
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| Clotrimazol Vaginaltabletten | 02492469 | 3 Stück (200 mg) | ab 7,95 € | Siehe oben |
| Clotrimazol Lösung 1% | 02492475 | 20 ml | ab 5,10 € | Siehe oben |
FAQ – Häufige Patientenfragen und kompetente Antworten
- Wie lange muss ich Clotrimazol anwenden?
Die Anwendung sollte mindestens 2 Wochen nach Verschwinden der Symptome fortgesetzt werden. Insgesamt meist 2–4 Wochen. Für vaginale Infektionen gilt die Packungsanweisung (meist 1–6 Behandlungstage). - Ist Clotrimazol auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sicher?
Äußerliche Anwendung gilt als sicher. Bei Vaginalanwendung im ersten Schwangerschaftsdrittel sowie in der Stillzeit bitte zuvor ärztlichen Rat einholen. - Muss ich meinen Partner/Partnerin mitbehandeln?
Bei wiederkehrenden Pilzinfektionen (v.a. im Vaginalbereich) ist eine Mitbehandlung des Partners sinnvoll, um Neuerkrankungen zu vermeiden. Bitte mit Ärztin/Arzt besprechen. - Was tun bei Nebenwirkungen?
Bei leichten lokalen Reizungen Behandlung fortsetzen. Bei starken Hautreaktionen, Rötungen oder Schwellungen: Anwendung abbrechen und ärztlichen Rat einholen. - Darf ich Clotrimazol zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
Für die Haut- oder Vaginalanwendung bestehen nahezu keine relevanten Wechselwirkungen. Innerlich angewendete Arzneimittel sind meist unproblematisch, Ausnahmen z.B. Warfarin – dort sollten Patienten ärztlichen Rat einholen.
Für weitere Informationen stehen Ihre Apotheke oder behandelnde Ärztin/Arzt jederzeit beratend zur Verfügung.