Calan (Verapamil) – Patienteninformation für Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Verapamil |
|---|---|
| Handelsnamen in Deutschland | Isoptin®, Verapamil HEXAL®, Calan® (Import), Generika |
| ATC-Code | C08DA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Filmtabletten, Retardtabletten, Kapseln, Infusionslösung; 40 mg, 80 mg, 120 mg, 240 mg (je nach Formulierung) |
| Hersteller (Auswahl) | Abbott, HEXAL, Ratiopharm, Pfizer (Import: Pfizer USA, ggf. Calan®), diverse Generikahersteller |
| Apothekenpflicht | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach AMG) |
Wirkmechanismus
Verapamil gehört zur Wirkstoffgruppe der sogenannten Kalziumantagonisten. Es blockiert spezifisch die Calciumkanäle vom L-Typ im Herzen und in der Gefäßmuskulatur. Dadurch wird der Einstrom von Kalziumionen in die Muskelzellen reduziert, was zu einer Abnahme der Muskelspannung führt.
- Für Laien erklärt: Verapamil „entspannt“ Blutgefäße und das Herz, damit das Blut leichter fließen kann. Das entlastet das Herz und senkt den Blutdruck.
- Für Fachpersonen: Kompetitive Hemmung der spannungsabhängigen L-Typ-Calciumkanäle; ausgeprägte Wirkung auf AV-Knoten (verlangsamt Überleitung), antiarrhythmisch und antihypertensiv.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme rasch, aber ausgeprägter First-Pass-Effekt in der Leber, Bioverfügbarkeit ca. 10-35%.
- Metabolisierung: Hepatisch, v.a. durch CYP3A4 zu aktiven und inaktiven Metaboliten.
- Ausscheidung: Zu ca. 70% renal (als Metaboliten), restlich über Fäzes.
- Wirkdauer: Normalform 6-8 Std., Retardform bis zu 24 Std., Halbwertszeit ca. 4-12 Std. (verlängert bei Nieren-/Leberinsuffizienz).
Anwendung im Alltag und Best Practices (Deutscher Kontext)
- Typische Dosierungen:
- Hypertonie, KHK: Erwachsene meist 120–240 mg, 2–3× täglich; Retardtabletten 1× täglich können möglich sein.
- Herzrhythmusstörungen: 40–120 mg, 3–4× täglich, individuell anpassen.
- Kinder: nur nach ärztlicher Anweisung, Dosierung nach Körpergewicht.
- Anwendung: Tablette unzerkaut mit ausreichend Wasser einnehmen. Retardpräparate nicht teilen oder zerkauen.
- Regelmäßige Einnahme zur selben Tageszeit wichtig – dies verbessert die Wirksamkeit und Verträglichkeit.
- In Deutschland wird Verapamil oft langfristig zur Blutdruckkontrolle oder Rhythmusstabilisierung verordnet.
Einnahme morgens oder abends?
- Morgens: Vorteil, wenn Wirkhöhe zu Zeiten erhöhter Belastung gewünscht ist (z.B. morgendlicher Blutdruckanstieg). Nachteil: Bei manchen Patienten früher Wirkabfall am Abend.
- Abends: Günstig bei Patienten mit nächtlichem Blutdruckanstieg oder Herzrhythmusstörungen nachts. Weniger Nebenwirkungen tagsüber möglich.
- Tipp: Die Einnahmezeit sollte mit dem Arzt auf die individuelle Situation abgestimmt werden. Wichtig: stets gleiche Tageszeit!
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
- Mit Nahrung: Die Aufnahme kann etwas langsamer ablaufen, aber wirkt sich kaum auf die Gesamt-Wirksamkeit aus.
- Nüchtern: Schneller Wirkeintritt, aber kein relevanter Vorteil belegt.
- In Deutschland ist es üblich, Verapamil zu oder nach einer Mahlzeit einzunehmen. Das schont den Magen und kann Nebenwirkungen wie Übelkeit vermeiden.
Wechselwirkungen & Warnhinweise
| Kategorie | Beispiele | Hinweis zu Wechselwirkungen |
|---|---|---|
| Lebensmittel | Grapefruitsaft | Kann zu erhöhten Verapamil-Blutspiegeln führen – vermeiden! |
| Alkohol | Alle alkoholischen Getränke | Kann die Wirkung und Nebenwirkungen verstärken; am besten vermeiden |
| Weitere Medikamente | Betablocker (z.B. Metoprolol), Digoxin, Statine, Cimetidin, CYP3A4-Inhibitoren/-Induktoren, Antidepressiva, Carbamazepin, Ciclosporin | Kann schwerwiegende Wechselwirkungen und Akkumulation verursachen. Einnahme anderer Medikamente nur nach Rücksprache mit Arzt/Apotheker! |
- Tipp: Führen Sie einen aktuellen Medikamentenplan für Kontrolle durch Fachpersonal.
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Zugelassen | Off-Label in Deutschland |
|---|---|---|
| Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck) | ✔ | |
| Koronare Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris | ✔ | |
| Herzrhythmusstörungen (v.a. supraventrikulär, AV-Knoten-Tachykardien) | ✔ | |
| Cluster-Kopfschmerzen | ✔ (nur nach ärztlicher Anweisung, meist als Off-Label-Use) |
Dosierung nach Indikation (Erwachsene, Kinder, Ältere)
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Essentielle Hypertonie | 120–240 mg 2–3× täglich oder 240–360 mg Retard 1–2× täglich | 2–5 mg/kg/Tag, verteilt auf 2–3 Dosen | Reduzierte Initialdosis empfohlen, z.B. 40 mg 2× täglich |
| Angina pectoris | 80–120 mg 3× täglich | Nur nach Rücksprache mit Pädiatern | Wie Erwachsene, jedoch schrittweise einschleichen |
| Herzrhythmusstörungen | 40–120 mg 3–4× täglich | Abhängig vom Körpergewicht, individuelle Anpassung notwendig | Initial geringere Dosen, engmaschige Überwachung |
- Hinweis: Die exakte Dosierung muss immer individuell durch einen Arzt festgelegt und angepasst werden!
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispielhafte Nebenwirkungen | Warnhinweise |
|---|---|---|
| Sehr häufig (≥1/10) | Kopfschmerzen, Verstopfung, Müdigkeit | - |
| Häufig (≥1/100, <1/10) | Schwindel, Niedriger Blutdruck, Wassereinlagerungen (Ödeme an den Beinen), Gesichtsrötung | - |
| Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100) | Nervosität, Hautausschlag, Bradykardie | Langsame Herzfrequenz, ggf. Arzt kontaktieren |
| Selten (<1/1.000) | AV-Block, Leberwertanstieg, allergische Reaktionen | Sofort medizinische Hilfe bei schweren Symptomen! |
| Sehr selten (<1/10.000) | Schwere Herzfunktionsstörungen, Einlagerung von Prolaktin | Spezielle ärztliche Kontrolle nötig |
- Kontraindikationen: Schwere Herzschwäche, AV-Block, akuter Herzinfarkt, gleichzeitig mit bestimmten Betablockern
- Achtung: Enge Überwachung bei älteren Patienten, Leber- oder Nierenerkrankungen
Richtige Anwendung – Beratung durch Apotheke/Praxis
- Tabletten zur selben Uhrzeit mit ausreichend Wasser einnehmen.
- Bei vergessener Dosis: möglichst bald nachholen, nicht doppelt dosieren!
- Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Präparaten nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrolle zu Hause (in Deutschland Standardpraxis).
- Im Sommer besonders auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
- Blutbild- und Leberwerte 1–2× pro Jahr prüfen lassen.
- Karten/mobiles Gerät für Notfälle stets dabei haben (insb. bei Rhythmusstörungen).
Alternative Therapiemöglichkeiten
- Andere Kalziumantagonisten: Amlodipin, Lercanidipin, Nifedipin (meist weniger Wirkung auf Herzrhythmus, dafür ausgeprägte Blutdrucksenkung)
- Betablocker: Metoprolol, Bisoprolol (stärker bei Rhythmusstörungen, gute Senkung von Druck und Frequenz, aber mögliche Müdigkeit/Impotenz)
- ACE-Hemmer/ARB: Ramipril, Lisinopril, Losartan (erhöhen nicht die Herzfrequenz, oft Mittel der Wahl bei Hypertonie)
- Thiazid-Diuretika: Hydrochlorothiazid (günstig in Kombination bei Hypertonie, kann Elektrolyte beeinflussen)
Die genannten Arzneimittel sind im Regelfall alle erstattungsfähig und werden von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland übernommen. Die Auswahl erfolgt individuell und nach Leitlinie (NVL Hypertonie).
Rechtslage, Zulassung & Erstattung in Deutschland
- Zulassung: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Verschreibungspflicht: Rezeptpflichtig gemäß Arzneimittelgesetz (AMG)
- Erstattung: Regelhaft GKV-erstattungsfähig, Generika bevorzugt (Festbeträge, Rabattverträge möglich)
- Importe: Calan® als US-Import kann in Ausnahmefällen auf Einzelrezept eingeführt werden, v.a. bei Unverträglichkeit gegen DE-Präparate
Im deutschen Apothekenwesen ist ausschließlich die Abgabe über öffentliche Apotheken erlaubt.
Neue Studienlage & Leitlinien (2022–2025)
- Laut aktueller Leitlinie (ESC/ESH 2023, NVL Hypertonie 2022) bleibt Verapamil Standardtherapie bei ausgewählten kardiovaskulären Indikationen, insbesondere wenn Betablocker kontraindiziert sind.
- Studien (u.a. Luo et al., 2023) bestätigen die Sicherheit von Verapamil auch bei älteren Patienten mit multiplen Erkrankungen.
- Für Off-Label-Use (z.B. Cluster-Kopfschmerz) existieren spezifische Empfehlungen in DGN-Leitlinien (2023), Dosistitration unter ärztlicher Kontrolle zwingend.
Verfügbarkeit, Packungen & Preise
| Packungsgröße | Preis (Apothekenverkaufspreis, UVP, ca.) | Lieferzeit – Berlin | Lieferzeit – Hamburg | Lieferzeit – München |
|---|---|---|---|---|
| 50 Tabletten (120 mg) | ca. 14–22 € | sofort / 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| 100 Tabletten (240 mg Retard) | ca. 38–54 € | sofort / 1 Werktag | 2 Werktage | 2 Werktage |
| 50 Retardtabletten (240 mg) | ca. 24–31 € | sofort / 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
- Apotheken vor Ort und Versandapotheken bieten einen schnellen Service. Preise unterliegen Rabattverträgen und Erstattungsstatus.
FAQ – häufige Patientenfragen zu Calan (Verapamil) in Deutschland
- Muss ich Verapamil lebenslang einnehmen?
Nicht immer. Die Dauer richtet sich nach Ihrer Grunderkrankung und der Empfehlung Ihres Arztes. Oft ist eine langfristige Einnahme zur Kontrolle von Blutdruck oder Rhythmus sinnvoll. - Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Tablette sobald wie möglich ein. Liegt die nächste Einnahme schon nahe, lassen Sie die vergessene Tablette aus und nehmen Sie die nächste zur gewohnten Zeit. Niemals doppelt dosieren! - Darf ich Grapefruitsaft oder Alkohol trinken?
Grapefruitsaft kann den Wirkspiegel erhöhen und sollte vermieden werden. Alkohol verstärkt Nebenwirkungen – am besten auf beides verzichten, solange Sie Verapamil einnehmen. - Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Ja, besonders mit Betablockern, Statinen, diversen Herz- und Blutdruckmedikamenten und manchen Antidepressiva. Bitte weisen Sie Ihren Arzt/Apotheker auf alle Präparate hin, die Sie nehmen. - Wo bekomme ich Unterstützung bei Nebenwirkungen oder Fragen?
Ihr Hausarzt, Kardiologe oder Ihre Apotheke beraten Sie individuell. Nutzen Sie auch das bundeseinheitliche Medikationsmanagement und telefonische Notdienste (z. B. 116 117).
Diese Informationen ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei Fragen und Unsicherheiten wenden Sie sich bitte immer an Ihr betreuendes medizinisches Fachpersonal.

