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Acetazolamide

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Acetazolamid ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von erhöhtem Augeninnendruck (z. B. beim Glaukom), Höhenkrankheit und bestimmten Arten von Epilepsie eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Bildung von Flüssigkeiten im Körper beeinflusst. Bitte nehmen Sie Acetazolamid genau nach ärztlicher Anweisung ein. Bei Fragen oder Nebenwirkungen wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Acetazolamid – Patienteninformation für Deutschland

Grundlegende Produktinformationen

  • Internationaler Freiname (INN): Acetazolamid
  • Handelsnamen in Deutschland: Acetazolamid dura®, Diamox®, Glaupax® (verfügbare Marken können variieren)
  • ATC-Code: S01EC01
  • Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: Tabletten (250 mg), Retardkapseln (250 mg, 500 mg), selten Injektionslösung (nur Krankenhaus)
  • Hersteller (Beispiele): Teofarma, URSAPHARM, CHEPLAPHARM, diverse internationale Anbieter
  • Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (nach deutschem Arzneimittelgesetz, Apothekenpflichtig)

Wirkmechanismus

Für Patienten erklärt: Acetazolamid ist ein Arzneimittel, das die Tätigkeit eines bestimmten Enzyms, der sogenannten Carboanhydrase, hemmt. Dadurch sorgt es dafür, dass weniger Flüssigkeit in bestimmten Organen produziert wird – am bekanntesten ist dieser Effekt im Auge (Verminderung des Augeninnendrucks bei grünem Star/Glaukom). Ebenfalls wird die Harnausscheidung erhöht, da Acetazolamid das „Ausschwemmen“ von Wasser, Natrium und Kalium fördert (= Diuretikum).

Für Fachpersonen: Acetazolamid hemmt als Carboanhydrase-Inhibitor die Umwandlung von Kohlendioxid in Bicarbonat und Protonen. Dies führt zu einer verminderter Rückresorption von HCO3- in Nierenproximaltubuli, senkt sekundär die Bikarbonat-Konzentration im Blut und steigert die renale Ausscheidung von Natrium, Kalium und Wasser. Im Ziliarkörper des Auges blockiert es die Produktion des Kammerwassers und senkt somit den Augeninnendruck.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Nach oraler Gabe nahezu vollständige Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt. Maximale Konzentration im Blut nach ca. 1–3 Stunden.
  • Metabolisierung: Gering, Überwiegend unverändert ausgeschieden.
  • Ausscheidung: Hauptsächlich über den Urin, rasch (Halbwertszeit ca. 10–15 Stunden).
  • Wirkeintritt & Wirkdauer: Wirkung nach 1–2 Stunden; hält ca. 8–12 Stunden an (bei Tabletten/ Kapseln).

Anwendung im Alltag & Empfehlungen für Deutschland

  • Typische Dosierung: 1–4-mal täglich, meist nach ärztlicher Vorgabe – Menge abhängig von Indikation.
  • Anwendung: Tablette mit ausreichend Flüssigkeit (Wasser) einnehmen. Nicht kauen oder zerkleinern, wenn sie als Retard-Formulierung verschrieben wurde.
  • Deutscher Kontext: Regelmäßige Kontrolle durch Augenärztin/Augenarzt (bei Glaukom); Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vor jeder Dosisänderung.
  • Wichtig: Eigenständige Änderung der Dosierung vermeiden. Bei Unsicherheiten immer Rückfrage in der Apotheke oder ärztlicher Praxis.

Morgendliche vs. abendliche Einnahme – Tipps zur Regelmäßigkeit

  • Morgens: Vorteil bei erhöhter Tagesaktivität; vermeidet nächtliche „Wasserlassen“-Probleme. Günstig, um Schlaf nicht zu stören.
  • Abends oder vor dem Schlafengehen: Nicht empfohlen, da harntreibende Wirkung zu Schlafunterbrechungen führen kann.
  • Regelmäßigkeit: Am besten immer zur gleichen Tageszeit einnehmen, um Wirkung und Verträglichkeit zu optimieren.

Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern

  • Beeinflussung durch Nahrung: Nahrungsaufnahme hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Wirkung, kann aber in Einzelfällen Magenbeschwerden verhindern helfen.
  • Nüchtern- oder Mahlzeitenempfehlung: Am besten mit einem Glas Wasser, vorzugsweise nicht auf leeren Magen bei empfindlichen Patienten.
  • Deutsche Ernährung: Keine besonderen Wechselwirkungen mit klassischen Nahrungsbestandteilen (Brot, Milchprodukte, Wurst etc.) bekannt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungsfaktor Empfehlung/Hinweis
Andere Diuretika (z. B. Thiazide, Schleifendiuretika) Gesteigertes Risiko für Elektrolytstörungen (z. B. Kaliumverlust).
Regelmäßige Laborkontrolle empfohlen.
Anti-Epileptika, insbesondere Phenytoin & Primidon Wechselseitige Effektverstärkung möglich. Dosisanpassung kann notwendig sein.
Salicylate (z. B. Acetylsalicylsäure) Intoxikationsgefahr (z. B. ZNS-Symptome, Azidose), insbesondere bei hoher Aspirin-Dosis.
Metformin Erhöhtes Risiko einer Laktatazidose, insbesondere bei Nierenschwäche.
Alkohol Verstärkte Nebenwirkungen (Schwindel, Müdigkeit); Alkohol möglichst meiden.
Kaliumpräparate, Digoxin Vor Einnahme gemeinsam mit Acetazolamid Rücksprache mit Ärztin/Arzt oder Apotheke halten.

Indikationen

Offizielle Indikation (Zulassung in DE) Off-label/zusätzliche klinische Anwendung
  • Akutes Glaukom, chronisch-offenwinkel Glaukom
  • Idiopathische intrakranielle Hypertension (Pseudotumor cerebri)
  • Bestimmte Formen der Epilepsie
  • Ödeme, v.a. bei Herzinsuffizienz und anderen Ursachen
  • Alkalose-Prävention bei Herz-Lungen-Maschinen
  • Höhenkrankheit (Prophylaxe und Therapie)
  • Beeinflussung des Hirndrucks bei bestimmten Krankheitsbildern

Dosierungsempfehlungen nach Indikation

Indikation Erwachsene Kinder* Ältere Patienten
Glaukom 2–4 x 250 mg/Tag 5–10 mg/kg KG/Tag in 1–2 Einzelgaben Wie Erwachsene, oft geringere Anfangsdosis
Idiopathische intrakranielle Hypertension Bis zu 1000 mg/Tag, eingeschlichen Nicht Standard, individuell Wie Erwachsene, engmaschige Kontrolle
Epilepsie 250–1000 mg/Tag 8–30 mg/kg KG/Tag, verteilt auf 2–4 Gaben Wie Erwachsene, reduzierte Anfangsdosis
Höhenkrankheit 250 mg abends (präventiv); 125–250 mg 2 x täglich (Therapie) 5 mg/kg KG/Tag (präventiv), max. 250 mg/Tag Wie Erwachsene

*Kinder: Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache!

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

  • Häufig: Missempfindungen (z.B. Kribbeln an Händen/Füßen), Appetitlosigkeit, Übelkeit, vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit, Geschmacksstörungen.
  • Gelegentlich: Kopfschmerzen, Schwindel, Hautausschläge, depressive Verstimmung.
  • Selten: Blutbildveränderungen (z.B. Leukopenie), allergische Reaktionen, Nierensteine, Elektrolytverschiebungen, starke metabolische Azidose.
  • Warnhinweise: Bei Symptomen wie Atemnot, starker Müdigkeit, Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen oder Gelbfärbung der Haut ist sofort ein Arzt aufzusuchen!
  • Besondere Vorsicht: Bei chronischen Nieren-, Lebererkrankungen oder eingeschränkter Lungenfunktion.

Richtige Anwendung & Tipps vom Apotheker

  • Tabletten/ Kapseln immer mit reichlich Wasser einnehmen.
  • Nicht eigenständig die Dosierung anpassen oder die Therapie abrupt beenden.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung sicherstellen.
  • Regelmäßige Laborkontrollen (Elektrolyte, Blutbild) wahrnehmen.
  • Beipackzettel beachten und bei Unsicherheiten Rücksprache mit Ärztin/Arzt oder ApothekerIn halten.
  • Medikament außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern (genaue Lagerung siehe Verpackung).

Alternativen & Vergleich

  • Gängige Alternativen (GKV erstattungsfähig):
    • Andere Diuretika: Thiazid-Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid), Schleifendiuretika (z.B. Furosemid).
    • Carboanhydrasehemmer: Dorzolamid (lokal am Auge), Brinzolamid (topisch am Auge).
    • Alpha-Agonisten, Beta-Blocker (bei Glaukom): z.B. Timolol, Brimonidin.
    • Weitere Antiepileptika: Je nach Epilepsieform (z.B. Valproat, Lamotrigin).
  • Vor- und Nachteile im Vergleich:
    • Systemisches Acetazolamid wirkt stärker, aber mit mehr Nebenwirkungen, daher bei schwer verlaufenden Erkrankungen und Kombinationen (z.B. Glaukomkrise, Pseudotumor cerebri) reserviert.
    • Lokale Therapie am Auge bevorzugt bei einfachen Glaukomformen (weniger Nebenwirkungen).
    • Thiazide/Schleifendiuretika vor allem zur Behandlung von Herzinsuffizienz oder Hypertonie.

Rechtsstatus und Erstattung in Deutschland

  • Zulassung: Acetazolamid ist in Deutschland zentral durch das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zugelassen.
  • Erstattungsstatus: Bei zugelassenen Indikationen (z.B. Glaukom, idiopathische intrakranielle Hypertension, Epilepsie) wird Acetazolamid in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet.
  • Verschreibung: Rezeptpflichtig gemäß Arzneimittelgesetz (AMG); Abgabe ausschließlich in Apotheken.
  • Reimporte/Generika: Verfügbar, ggf. abweichende Herstellerangaben beachten.

Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)

  • Neue Studien belegen die Wirksamkeit von Acetazolamid in Kombination mit Lebensstilmaßnahmen bei idiopathischer intrakranieller Hypertension (Leitlinie DGN/DGNR 2023).
  • Im Bereich Glaukom empfehlen die aktualisierten DOG-Leitlinien weiterhin die Therapie mit Acetazolamid insbesondere bei drohender Erblindung oder akuter Glaukomkrise.
  • Daten aus internationalen randomisierten Studien (JAMA Ophthalmol 2022, BMJ Neurology 2024) bestätigen den Stellenwert bei Höhenkrankheit und speziellen Epilepsieformen.
  • Unerlässlich bleiben engmaschige Kontrollen der Elektrolyte und Nierenfunktion.

Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten

Packungsgröße Tabletten/Kapseln pro Packung Preis (circa, Stand Juni 2024, €/Packung) Lieferzeit (nach Hause; DHL/Apothekenlieferservice)
Klein 30 Stück ca. 25–30 € 1 Werktag in Berlin, München, Hamburg; bis zu 3 Werktage bundesweit
Mittel 100 Stück ca. 80–100 € 1–2 Werktage
Groß (Klinik- bzw. Spezialpackungen) 250 Stück ca. 180–220 € 2–4 Werktage (Sonderbestellung)

FAQ – Häufige Patientenfragen

  • Kann ich mit Acetazolamid Autofahren?
    Bei manchen Patienten können Schwindel, Müdigkeit oder Sehstörungen auftreten. Bitte fahren Sie erst wieder Auto oder bedienen Maschinen, wenn Sie wissen, wie Sie das Medikament vertragen!
  • Darf ich Acetazolamid während der Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden?
    Nein – Acetazolamid sollte während Schwangerschaft und Stillzeit nur in zwingenden Ausnahmefällen und nach Rücksprache mit dem behandelnden Facharzt eingenommen werden.
  • Kann ich Acetazolamid gelegentlich absetzen?
    Setzen Sie das Medikament niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab, insbesondere nicht bei Glaukom oder idiopathischer intrakranieller Hypertension!
  • Muss ich meine Ernährung umstellen?
    Spezifische Diäten sind meist nicht nötig. Ausgewogene Kost und reichliche Flüssigkeitszufuhr werden empfohlen. Kaliumreiche Nahrungsmittel können je nach Laborwerten günstig sein (Obst, Gemüse).
  • Was mache ich, wenn ich die Einnahme vergessen habe?
    Holen Sie die Einnahme möglichst bald nach. Lassen Sie die Dosis aus, wenn die nächste planmäßig bald bevorsteht. Niemals „doppeln“!

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

250mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill, 360 pill