Zyloprim (Allopurinol) – Umfassende Produktbeschreibung für Patienten in Deutschland
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Allopurinol |
|---|---|
| Deutsche Handelsnamen | Zyloprim®, Allobeta®, Allopurinol-1A Pharma®, Allopurinol-ratiopharm® u. a. |
| ATC-Code | M04AA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen/Stärken | Tabletten à 100 mg, 300 mg |
| Hersteller (DE) | Zentiva, ratiopharm, 1A Pharma, Hexal, ALIUD Pharma, betapharm u.a. |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (BfArM gelistet) |
Wirkmechanismus
Für Patient:innen erklärt: Allopurinol senkt den Harnsäurespiegel im Blut. Dies geschieht, indem das Medikament das Enzym Xanthinoxidase blockiert, das für die Bildung von Harnsäure aus Purinen verantwortlich ist. So entstehen weniger Harnsäurekristalle, die sich sonst z.B. in Gelenken ablagern können (wie bei Gicht).
Für Fachpersonen: Als selektiver Xanthinoxidasehemmer hemmt Allopurinol die enzymatische Umwandlung von Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure. Damit reduziert es sowohl die endogene als auch exogene Harnsäureproduktion ohne signifikanten Einfluss auf die Ausscheidung.
Pharmakokinetik
- Resorption: Rasche gastrointestinale Resorption (~80–90 %). Maximale Plasmaspiegel nach ca. 1,5 Stunden.
- Metabolisierung: Hauptmetabolit ist Oxipurinol (ebenfalls Xanthinoxidasehemmer, längere HWZ).
- Ausscheidung: Überwiegend renal (Niere), geringe biliäre Ausscheidung.
- Halbwertszeit: Allopurinol ca. 1–2 Stunden; Oxipurinol ca. 15 Stunden (verlängert bei Niereninsuffizienz).
- Wirksamkeitsdauer: 24 Stunden, konstante Spiegel bei täglicher Einnahme.
Anwendung im Alltag & bewährte Routinen
Allopurinol wird täglich oral als Tablette eingenommen. Die Einnahme soll chronisch erfolgen, nicht zur Akutbehandlung von Gichtanfällen!
- Typische Dosierung: Beginn meist mit 100 mg/Tag, Erhöhung je nach Blutwerten. Übliche Erhaltungsdosen: 100–300 mg/Tag.
- Tabletten mit einem Glas Wasser einnehmen (unzerkaut).
- Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich.
- Für ältere Menschen und Kinder gelten spezielle Dosierungen (s. Tabelle).
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Harnsäure, Nierenfunktion, Leberwerte) empfohlen.
Hinweis: Zyloprim darf nicht während eines akuten Gichtanfalls begonnen werden; das Risiko einer Erstverschlechterung ist erhöht. Eine ärztliche Begleitung ist daher unabdingbar!
Einnahme morgens vs. abends
- Vorteile der morgendlichen Einnahme: Bessere Therapietreue, geringere Wahrscheinlichkeit von Vergessen der Einnahme, vereinbar mit Alltagsroutinen.
- Abendliche Einnahme: Möglich, sofern beständig zu gleicher Tageszeit eingenommen wird.
- Allgemeiner Rat: Wichtig ist die regelmäßige Einnahme, unabhängig von der Tageszeit.
- Tipp: Im deutschen Apothekenalltag empfehlen viele Apothekenteams die morgendliche Einnahme nach dem Frühstück.
Einnahme zu Mahlzeiten oder auf nüchternen Magen
- Einnahme mit oder nach einer Mahlzeit kann gastrointestinale Nebenwirkungen reduzieren (z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen), insbesondere für Menschen mit empfindlichem Magen.
- Einnahme auf nüchternen Magen ist grundsätzlich möglich, aber in Deutschland empfohlen: eher nach dem Frühstück.
- Deutsche Ernährungsgewohnheiten (reichhaltiges Frühstück, z.B. Brot, Bircher Müsli): Allopurinol-Einnahme danach ist unproblematisch.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
Allopurinol kann mit bestimmten Lebensmitteln, Alkohol und Medikamenten wechselwirken.
| Substanz/Produkt | Empfehlung/Hinweis |
|---|---|
| Purinarme Ernährung | Fördert Wirksamkeit, Gichtanfall-Risiko sinkt. Wenig Fleisch, Innereien, Hülsenfrüchte, bestimmte Fischsorten. |
| Alkohol (insb. Bier, Spirituosen) | Kann Harnsäurespiegel erhöhen und Wirkung mindern; möglichst meiden oder mäßig konsumieren. |
| Thiazid-Diuretika, Acetylsalicylsäure (ASS, niedrig dosiert) | Erhöhtes Risiko für Nieren-Nebenwirkungen. |
| Azathioprin, Mercaptopurin | Dosisanpassung zwingend nötig, starke Wirkungserhöhung! Niemals eigenständig kombinieren. |
| Antikoagulanzien (z.B. Warfarin) | Überwachung erforderlich, gelegentliche Dosisanpassung notwendig. |
| Amoxicillin, Ampicillin | Höheres Risiko für Hautreaktionen. |
| Vitamin C (>2g/Tag) | Kann Nieresteine begünstigen, Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme. |
Indikationen
| Offizielle Zulassungen (In Deutschland, BfArM) | Weitere Anwendungsgebiete (off-label) |
|---|---|
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Dosierung nach Indikation, Altersgruppe und Besonderheiten
| Patientengruppe | Typische Dosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Erwachsene | 100–300 mg/Tag, maximal 600 mg/Tag in Einzelfällen | Anfang niedriger, langsame Dosissteigerung, Überwachung der Harnsäurewerte |
| Ältere Patienten (>65 J.) | 100 mg/Tag initial, max. 400 mg/Tag | Vermehrt Nierenkontrollen, oft niedrigere Erhaltungsdosis |
| Kinder/Jugendliche | 10–20 mg/kg/Tag in 2–3 Einzeldosen | Höchstens 400 mg/Tag; nur bei speziellen Indikationen |
| Patienten mit Niereninsuffizienz | niedrigere Anfangs- und Maximaldosen | Dosis individuell anpassen, engmaschige Kontrolle |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Allopurinol wird meist gut vertragen, jedoch sind Nebenwirkungen möglich:
| Häufige Nebenwirkungen | Seltene/ernste Nebenwirkungen |
|---|---|
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- Warnhinweis: Bei ersten Anzeichen eines Hautausschlags sofort ärztlich konsultieren und Anwendung unterbrechen!
- Routinemäßige Laborkontrollen (Nieren, Leber, Blutbild) sind angeraten.
Praktische Anwendungstipps & Beratung durch Apotheke/Praxis
- Immer zur gleichen Uhrzeit einnehmen, idealerweise morgens nach dem Frühstück
- Tabletten unzerkaut mit ausreichend Wasser schlucken
- Viel trinken (2 Liter Wasser/Tag), um die Ausscheidung von Harnsäure zu fördern und Nierensteinen vorzubeugen
- Keine eigenmächtige Dosiserhöhung oder Absetzen ohne Rücksprache mit Arzt/Ärztin
- Auf Symptome von Allergien oder Nebenwirkungen achten und ggf. sofort die Behandlung beenden
- Regelmäßige Blut- und Nierenwertkontrollen vereinbaren
Alternative Therapieoptionen (in Deutschland verordnungs- und erstattungsfähig)
- Febuxostat (Adenuric®): Ebenfalls Xanthinoxidasehemmer; wird eingesetzt bei Unverträglichkeit gegenüber Allopurinol oder unzureichender Wirksamkeit. Vorteil: wirkt auch bei leichter Niereninsuffizienz. Nachteil: höhere Kosten, spezielle kardiovaskuläre Risiken.
- Urikosurika (z.B. Benzbromaron): Steigern die Harnsäureausscheidung über die Niere; nur bei intakter Nierenfunktion geeignet, in Deutschland aber seltener eingesetzt.
- Diättherapie: Purinarme Ernährung, Reduktion von Alkohol und Fructose; bei leichten Fällen oft ausreichend- kann Allopurinol-Therapie jedoch nicht immer ersetzen.
- Rasburicase (vor allem im onkologischen Setting): Schnell wirksam bei sehr hohen Harnsäurewerten, teurer Spezialfall, nicht für chronische Gicht zugelassen.
Rechtlicher, Registrierungs- und Erstattungsstatus in Deutschland
- Zulassung: Vollständig zugelassen im Rahmen der AMG (Arzneimittelgesetz); Überwachung durch BfArM
- Erstattung: Allopurinol und generische Präparate zu 100 % von gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig (G-BA, Richtlinie gemäß Gemeinsamen Bundesausschuss)
- Verschreibungspflicht: Ja, Rezept erforderlich
- Lieferbarkeit: Regelmäßig in deutschen Apotheken vorrätig
Aktuelle Leitlinien und Forschung (2022–2025)
- Empfehlung der AWMF/DGRh-Leitlinie Gichtarthritis, 2023: Allopurinol als Mittel der ersten Wahl, Beginn mit niedriger Dosis, schrittweise Steigerung. Ziel: Harnsäurespiegel <6 mg/dl (<360 µmol/l).
- Klinische Studien (u.a. NEJM 2023): Keine Hinweise auf erhöhtes Sterberisiko unter Allopurinol, auch bei älteren Patient:innen.
- Genetisches Risiko für schwere Hautreaktionen (HLA-B*5801-Testung v.a. bei asiatischen und südosteuropäischen Populationen empfohlen).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße / Wirkstärke | Durchschnittspreis (Apotheke, Stand: 2024) | Lieferzeit (in Werktagen) |
|---|---|---|
| 100 mg, 50 Tabletten | ca. 10 € | Berlin: 1–2 / Hamburg: 1–2 / München: 1–2 / Köln: 1 / Leipzig: 1–2 |
| 100 mg, 100 Tabletten | ca. 17 € | Berlin: 1–2 / Hamburg: 1–2 / München: 1–2 / Köln: 1 / Leipzig: 1–2 |
| 300 mg, 100 Tabletten | ca. 28 € | Berlin: 1–2 / Hamburg: 1–2 / München: 1–2 / Köln: 1 / Leipzig: 1–2 |
- Rezeptpflichtig, kein freier Verkauf.
- In fast allen deutschen Apotheken auf Lager oder bestellbar (über Nachtlieferung gängiger Großhändler).
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Wie lange dauert es, bis Allopurinol wirkt?
Die harnsäuresenkende Wirkung tritt meist innerhalb weniger Tage ein; voller Effekt nach 2–4 Wochen. Regelmäßige Kontrolle des Harnsäurespiegels ist wichtig. - Darf ich die Dosis eigenständig ändern oder abbrechen?
Nein, Veränderungen erfolgen ausschließlich durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt. Ein abrupter Abbruch kann Gichtanfälle auslösen. - Muss Allopurinol lebenslang eingenommen werden?
Bei chronischer Gicht oder wiederholt erhöhtem Harnsäurespiegel ist meistens eine dauerhafte Therapie notwendig. Anpassungen sind aber anhand der Blutwerte möglich. - Kann ich mit Allopurinol Sport treiben und ganz normal essen?
Sport ist uneingeschränkt möglich und sogar empfehlenswert. Es empfiehlt sich eine ausgewogene, purinarme Ernährung. Starker Alkoholkonsum sollte vermieden werden. - Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Holen Sie die Einnahme baldmöglichst nach. Ist der nächste Einnahmezeitpunkt nahe, lassen Sie die vergessene Dosis aus. Keine doppelte Einnahme!
Wichtige Ansprechpartner und Informationsquellen
- Apotheker:innen vor Ort beraten Sie gerne umfassend zu Einnahme, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
- Weitere Informationen finden Sie unter www.gesundheitsinformation.de sowie im Patientenportal der DGRh.

