Terbinafin – Umfassende Produktinformation für Patientinnen und Patienten in Deutschland
Grundlegende Produktinformation
| Internationaler Freiname (INN) | Terbinafin |
| Handelsnamen in Deutschland | Lamisil®️, Terbinafin-ratiopharm®, Terbinafin AL®, Terbinafin Heumann®, u.a. |
| ATC-Code | D01BA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten (250 mg), Creme (1 %), Spray (1 %), Gel (1 %) |
| Hersteller (Auszug) | ratiopharm GmbH, Hexal AG, Sandoz, Heumann Pharma |
| Verschreibungsstatus | Orale Form: Verschreibungspflichtig; Topische Formen: Teilweise rezeptfrei (Apothekenpflichtig) |
Wirkmechanismus
Laienverständliche Erklärung: Terbinafin tötet Pilze ab, indem es einen wichtigen Bestandteil ihrer Zellmembran, das Ergosterol, blockiert. Dadurch geraten Pilzzellen aus dem Gleichgewicht und sterben ab.
Für Spezialisten: Terbinafin hemmt selektiv das Enzym Squalenepoxidase in den Pilzzellen. Dies führt zur Akkumulation von Squalen und zur Hemmung der Ergosterol-Synthese, was fungizid (abtötend) auf Dermatophyten und einige Hefen wirkt.
Pharmakokinetik
- Resorption (Absorption): Nach oraler Gabe: rasche Aufnahme; Bioverfügbarkeit ca. 40–50 %. Topische Anwendungen: Systemische Aufnahme sehr gering.
- Metabolisierung: Intensiv hepatisch über Cytochrom-P450-Enzyme (CYP2C9, CYP1A2, CYP3A4, CYP2C8, CYP2C19).
- Elimination: Überwiegend renal (Urin) als Metabolite; kleinere Anteile biliär.
- Wirkdauer: Nach abgesetzter systemischer Therapie verbleibt Terbinafin mehrere Wochen in Haut, Nägeln und Haaren.
- Halbwertszeit: Ca. 17–36 Stunden (terminal), in keratinhaltigem Gewebe deutlich verlängert.
Anwendung im Alltag & Best Practices
- Typische Tagesdosis Erwachsene (oral): 1 x 250 mg Tablette täglich über 2–6 Wochen (je nach Indikation – Fußpilz mind. 2 Wochen, Nagelpilz meist 6 Wochen bis mehrere Monate).
- Topische Anwendung: Creme 1–2 x täglich auf die betroffene Stelle auftragen und leicht einmassieren. Anwendung je nach Pilzart unterschiedlich lang – meist 1–2 Wochen, bei Nagelpilz länger.
- Regelmäßigkeit: Möglichst immer zur gleichen Tageszeit einnehmen/anwenden.
- Deutscher Kontext: Viele Betroffene nehmen Medikamente direkt nach dem Frühstück oder Abendessen ein. Tablette ganz mit Wasser schlucken, auch für Berufstätige und ältere Menschen gut geeignet.
Einnahme morgens oder abends?
- Morgens: Vorteilhaft bei Menschen, die Nebenwirkungen wie Müdigkeit vermeiden wollen.
- Abends: Praktisch bei Einflussnahme auf Routine (z.B. Tablettenspalter), aber Vorsicht bei möglichen Magenproblemen.
- Tipp: Hauptsache, die Einnahme erfolgt täglich zur gleichen Zeit, da der regelmäßige Wirkspiegel entscheidend ist.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Mit Nahrung: Kann Magenbeschwerden vorbeugen. Keine großen Unterschiede in der Wirksamkeit, aber einheitliche Einnahme zu einer Mahlzeit kann die Verträglichkeit für den Magen verbessern.
- Ohne Nahrung: Kann unproblematisch sein. Konzentration im Blut steigt leicht, was klinisch jedoch meist ohne Relevanz bleibt.
- Deutsche Ernährungsgewohnheiten: Da das Frühstück oft reichhaltig ausfällt, empfiehlt sich die Einnahme nach dem Frühstück oder Mittagessen.
Interaktionswarnungen
| Interaktionspartner | Empfohlene Vorgehensweise |
| Bestimmte Antidepressiva (z.B. SSRI, TCA) | Arzt/Apotheker informieren, da CYP2D6 gehemmt werden kann. |
| Antiarrhythmika (z.B. Flecainid, Propafenon) | Engmaschige Überwachung empfohlen, ggf. Dosisanpassung. |
| Alkohol | Kann Leberbelastung erhöhen. Alkoholkonsum möglichst meiden. |
| Rifampicin | Reduziert Terbinafin-Spiegel. Therapieanpassung nötig. |
| Cimetidin | Steigert Terbinafin-Spiegel. Arzt konsultieren. |
| Koffein | Kann Abbau hemmen, selten relevant. |
Indikationen gemäß Zulassung und Off-Label-Anwendung
| Indikation | Zugelassen in Deutschland | Off-Label |
| Pilzinfektionen der Haut (Dermatophytosen) | ✔ | |
| Mykosen der Nägel (Onychomykose) | ✔ | |
| Pityriasis versicolor | | ✔ |
| Candida-Infektionen der Haut | ✔ (topisch beschränkt) | |
| Schwere Pilzinfektionen (systemisch) | | ✔ (nach Rücksprache mit Facharzt) |
Dosierung je nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation / Zielgruppe | Empfohlene Dosis und Dauer (oral) | Topische Anwendung |
| Erwachsene mit Fußpilz | 250 mg täglich, 2–6 Wochen | 1–2 x täglich, 1–2 Wochen |
| Erwachsene mit Nagelpilz | 250 mg täglich, 6–12 Wochen (Zehennägel länger) | Meist nicht ausreichend wirksam |
| Kinder & Jugendliche | Dosierung gewichtsadaptiert, ab 2 Jahren möglich; Kinder < 20 kg: 62,5 mg/Tag; 20–40 kg: 125 mg/Tag; >40 kg: Erwachsenendosis | 1–2 x täglich, max. 2 Wochen |
| Ältere Menschen (über 65 Jahre) | Wie Erwachsene, aber Leber- und Nierenfunktion überprüfen | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispielhafte Nebenwirkungen | Warnhinweise |
| Sehr häufig | Gastrointestinale Beschwerden (Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen), Hautausschlag | Meist mild, Einnahme zu den Mahlzeiten empfohlen |
| Gelegentlich | Störungen des Geschmackssinns, Appetitverlust, Kopfschmerzen | Kann zu ungewollter Gewichtsabnahme führen |
| Selten | Leberfunktionsstörungen, schwere Hautreaktionen, Blutbildveränderungen | Bei Gelbsucht, dunklem Urin, blassem Stuhl oder Fieber sofort Arzt aufsuchen |
| Sehr selten | Haarausfall, Verschlechterung bestehender Psoriasis | Die Anwendung sollte überprüft werden |
Ratschläge zur richtigen Anwendung
- Tabletten immer mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, nicht zerbeißen.
- Topische Anwendung: Vorher die betroffene Hautfläche reinigen und gründlich abtrocknen.
- Hautkontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden.
- Den gesamten vorgeschriebenen Therapiezeitraum einhalten, auch wenn die Symptome schon zuvor abklingen.
- Regelmäßige Kontrolle beim Arzt empfohlen, insbesondere bei längerer systemischer Therapie (Leberwerte).
- Hände nach dem Auftragen der Creme waschen.
- Kinder: Dosis an das Körpergewicht anpassen.
Alternativen – Vergleich der wichtigsten Antimykotika (GKV-Erstattung in Deutschland)
- Itraconazol: Breiteres Wirkspektrum (auch gegen Hefepilze). Vorteil: Erfolgreiche Kurzzeittherapie möglich; Nachteil: Mehr Wechselwirkungen; teils für Leber nicht geeignet.
- Fluconazol: Gute orale Verträglichkeit, hervorragend gegen Hefen. Nachteile: Weniger effektiv gegen Dermatophyten, auch zahlreiche Interaktionen.
- Econazol, Clotrimazol (topisch): Für leichte, oberflächliche Pilzerkrankungen geeignet. Vorteil: rezeptfrei, geringes Nebenwirkungsprofil. Nachteil: Nicht geeignet für Nagelpilz oder schwere Mykosen.
- Griseofulvin: Früher Standard, selten verwendet; heute wegen Wirksamkeit und Nebenwirkungsspektrum 2. Wahl.
Rechtlicher Status und Kostenerstattung in Deutschland
- Registrierung: Terbinafin ist bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen.
- Rezeptpflicht: Systemische Form verschreibungspflichtig, topische Formen apothekenpflichtig.
- Kostenerstattung: Bei nachgewiesener Pilzerkrankung werden die Kosten für Rezeptarzneimittel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen (GKV).
- Verschreibungsrestriktionen: Systemische Therapie bei Kindern unter 2 Jahren nur nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung.
Aktuelle Studienlage und Leitlinien (2022–2025)
- Terbinafin bleibt laut deutscher S3-Leitlinie (2022, AWMF 013-003) das Mittel der Wahl bei Dermatophyten-bedingter Onychomykose und Tinea pedis.
- Neue Studien aus 2023 zeigen hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit, auch bei älteren Personen.
- Langfristige Nachuntersuchungen bestätigen die lang anhaltende Wirkung nach Therapieende (zufriedenstellende Heilungsraten über 12 Monate nach Abschluss).
- Hinweis auf gute Wirkung bei zunehmend azolresistenten Pilzarten.
- Internationale Empfehlungen (z. B. British Association of Dermatologists, 2024): Terbinafin auch als Erstlinientherapie validiert.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Preise
| Packungsgröße | Orale Tabletten (250 mg) | Creme (1 %) | Indikativer Apothekenpreis |
| 7 Tabletten | X | | ca. 15–20 € (privat) Verschreibung: Zuzahlung bei GKV ca. 5–10 € |
| 14 Tabletten | X | | ca. 25–30 € |
| 30 Tabletten | X | | ca. 55–70 € |
| 15 g Creme | | X | ca. 9–13 € (rezeptfrei) |
| 30 g Creme | | X | ca. 15–18 € |
Lieferzeiten in größere Städte (bei Online-Bestellung über Versandapotheken):
| Stadt | Standardlieferung | Expresslieferung |
| Berlin | 1–2 Werktage | am selben Tag (bei Bestellung bis 12 Uhr) |
| Hamburg | 1–2 Werktage | am selben Tag |
| München | 1–2 Werktage | am Folgetag |
| Köln | 1–2 Werktage | am selben Tag |
| Frankfurt a. M. | 1–2 Werktage | am selben Tag |
FAQ – Ihre häufigsten Fragen
- Wie lange muss Terbinafin bei Nagelpilz eingenommen werden?
Die orale Behandlung dauert üblicherweise 6–12 Wochen, bei Zehennägel-Läsionen auch bis zu 3–4 Monate. Der genaue Zeitraum hängt von der Dicke und dem Ausmaß der Pilzerkrankung ab. Wichtig: Auch nach Behandlungsende kann sich das Nagelbild weiter verbessern, da das gesunde Nagelwachstum Zeit beansprucht. - Kann ich während der Einnahme von Terbinafin Alkohol trinken?
Während der Therapie sollte Alkohol möglichst vermieden werden, da sowohl Terbinafin als auch Alkohol die Leber beanspruchen. Seltenes, moderates Trinken verursacht meist keine Komplikationen, regelmäßiger oder starker Konsum ist jedoch zu vermeiden. - Was soll ich tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sobald wie möglich nach. Ist es beinahe Zeit für die nächste Dosis, überspringen Sie die vergessene und nehmen Sie das Medikament wie gewohnt weiter ein. Niemals die doppelte Menge einnehmen! - Kann ich Terbinafin sicher mit anderen Medikamenten einnehmen?
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker immer über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen – insbesondere blutdrucksenkende Mittel, Antidepressiva und andere leberbelastende Arzneien. Terbinafin hat einige relevante Wechselwirkungen! - Ist Terbinafin für Diabetiker geeignet?
Ja, aber insbesondere bei Fußpilz sollten Diabetiker auf eine konsequente Fußpflege und regelmäßige ärztliche Kontrolle achten, da die Infektionsneigung erhöht ist.